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Fear the Walking Dead 1×03

Nach der dritten Folge von FtWD bin ich echt genervt.

Die Figuren zeigen ein ständig wechselndes Bild der Situation: Da ist eindeutig die Nachbarsfamilie hingerafft worden, und man hat genug Angst, um nicht nachzusehen oder Hilfe anzubieten. Aber gleichzeitig bereitet man sich in keiner Weise darauf vor, abzuhauen, sich zu wehren oder nur sich zu verbarrikadieren. Da wird die Tochter immer noch im Dunkeln darüber gelassen, was vorgeht.

Da steht Travis einem Zombie gegenüber, der gerade vor seinen Augen einen Hund frisst, und nähert sich ihm naiv. „Peter, komm schon, du bist krank.“ Selbst wenn – in diesem Moment ist Peter eindeutig gefährlich. So eine Blauäugigkeit, gekoppelt immer noch mit so einer Herzlosigkeit, andere Menschen nicht zu warnen und ihnen nicht zu helfen, macht diese Figuren ärgerlich.

Dazu kommt, dass dadurch in den Folgen nichts passiert. Da sitzt die Familie um den Tisch und spielt Monopoly. Boah. Weil die Autorinnen die Idee so toll finden, dass Familientraditionen in dieser neuen Welt neu geschrieben werden müssen. Darum bitte auch noch drei mal die platte Hüpfburg einblenden, nicht um an die Unmenschlichkeit der Heldinnen zu erinnern, sondern um tragisch die neue Welt zu inszenieren. Und jetzt bitte noch ein einzelnes kleines Mädchen mit Teddy, das aber nur als Bild wichtig ist, weshalb niemand losgeht, um diesem Mädchen zu helfen. Es ist gleich wieder vergessen.

Wir erfahren auch kaum, was diese Familien bewegt. Ich meine, ob die Welt untergeht oder nicht, immerhin passiert da etwas Abgefahrenes. Das muss man doch für sich einordnen und diskutieren. Was denken die? Was macht das mit ihren Grundwerten? Welche Konflikte, welche Zuflucht finden sie? Nicht einmal das wird geschildert. Aber natürlich auch nicht der Blick aufs Große. Nichts.

Ebenso seltsam: Nach einem ganzen Tag von Randalen, die so schlimm sind, dass die Heldinnen sich nicht vor die Tür trauen, kommt die US-Polizei harmlos mit Schilden und Schlagstöcken, anstatt wie aus dem Fernsehen bekannt militaristisch vorzugehen. Und der Geländewagen der Heldinnen steht auch noch unbeschadet mitten auf der Straße. Natürlich.

Dies ist eine nichtssagende Serie mit unsympathischen und dummen Figuren und unrealistischen Begebenheiten und damit erkennbar Teil der Welt von The Walking Dead.

Am Ende der dritten Folge hat das Militär eingegriffen. Geändert hat sich anscheinend trotzdem nichts.

Und das Ärgerlichste an dieser Serie: das Konzept ist gut, und die Ausführung so schlecht, aber hochwertig, dass ich weitergucken will, welchen Mist die sich nächste Woche einfallen lassen. Hatewatching nennt man das wohl.

Na dann bis nächste Woche.

Fear the Walking Dead – 1×01

Die Ferien sind vorbei, ich habe wieder etwas Zeit im Zug. Und passenderweise gibt es neue Folgen von The Walking Dead, genauer Fear the Walking Dead, ein Ableger der Originalserie, der uns endlich zeigen soll, wie die Apokalypse ablief.

Fear the Walking Dead (FtWD) spielt in Los Angeles und handelt von der Beratungslehrerin Madison und ihrer Patchwork-Familie: sie hat eine Tochter (Einserschülerin Alicia) und einen knapp erwachsenen Sohn (Junkie Nick), ihr neuer Freund Travis hat noch seine Exfrau Liza und den Sohn Chris, mit denen er sich nicht versteht. Nick hat nun eine Begegnung mit einem Zombie in einer Drogenabsteige, und während im Land immer mehr Leute krank werden oder nicht zur Arbeit erscheinen, kommt die Familie der schrecklichen Wahrheit auf die Spur. Am Ende der Folge haben auch Madison und Travis ihren ersten Zombie gesehen und Alicia ist auf dem Weg zu ihrem Freund Matt, der krank geworden ist.

FtWD macht gleich zu Beginn ein paar Sachen besser: die anscheinenden Hauptfiguren sind eine weiße Frau und ein Latino, dessen Exfrau und Sohn auch Latin@ sind. Matt und der Kumpel des Sohnes, Calvin, sind schwarz, so wie der Rektor der High School (Art). Den Credits kann man entnehmen, dass noch zwei weitere Latin@-Figuren dazu kommen werden. Das ist ein sehr viel diverseres Bild als in der weiß-männlichen Originalserie, wo es schon ein Running Gag ist, dass es nur eine schwarze Nebenfigur geben darf, die gerade dann etwas Plot bekommt, wenn sie kurz davor ist, zu sterben und durch einen neuen Schwarzen ersetzt zu werden. 

Wobei zugegeben am Ende der ersten Folge bereits ein Schwarzer wieder tot ist, der Zweite wahrscheinlich ein Zombie und der dritte als Schulrektor wohl sterben wird. Es bleibt also abzuwarten, wie sehr doch wieder eine weiße und männliche Perspektive eingenommen wird.

Ebenfalls anstrengend finde ich die Langsamkeit der Erzählung. Als Zuschauer weiß ich ja, was grob passieren wird, und ich weiß auch, was Zombies sind. Nun aber mit den Figuren erneut durchzuspielen, was Zombies sind, wie sie zu töten sind, was in der Welt passiert usw. kann schon mal anstrengend sein. Da wäre es vielleicht geschickter gewesen, als Hauptfiguren eben keine „Normalfamilie“ zu nehmen. In der Schule gibt es einen Jungen (Tobias), der Madison vor dem Kommenden warnt –  warum nicht eine Familie, die auf alles gefasst ist oder schnell an die Apokalypse glaubt? Dann könnte man immer noch zeigen, wie andere die Warnungen ignorieren, aber man könnte ebenso sehen, wie Menschen bewusst versuchen (und es teilweise schaffen), sich auf die Katastrophe vorzubereiten. Dass hätte ich viel angenehmer empfunden, als dass hier Menschen durch verlassene Drogenhöhlen stapfen, in denen Blutlachen zu sehen sind, und das nicht weiter erwähnenswert finden. 

Eine gute Idee ist in meinen Augen, dass Nick ein Junkie ist. Die Versorgung mit Drogen oder Methadon in einer Zombiewelt bzw. ein kalter Entzug darin werfen ganz eigene Probleme auf, die interessant sein können. Ansonsten weiß ich nicht, ob wir wirklich Teenager gebraucht haben, die natürlich die weisen Ratschläge der Eltern in den Wind schlagen und sich selbst in Gefahr bringen werden, weil Gott bewahre, dass Teenager mal nicht wie blöde Hirnies agieren. Bezeichnend, dass Produktionen immer meinen, mit jungen Figuren schaffe man Identifikation mit Teenagern und würde sie dazu bringen, einzuschalten – dann aber diese Teens mit Idiotenplots ausstatten.

Die erste Folge fand ich jedenfalls vorsichtig empfehlenswert. Kein Knaller, aber ich will schon mal sehen, wo die Reise hingeht. Anzeichen, dass die Serie nicht so frustierend wird wie das Original, gibt es aber wenige.

The Walking Dead – Staffel 4 Ende

Die letzten Folgen der vierten Staffel führen die Idee der verprengten Gruppe fort, sodass wir weiter mehrere Plotstränge haben, von denen einer ganz interessant ist. Als da wären:

Inhalt: Gewalt, Vorhersehbarkeit, Gewalt gegen Kinder, Kannibalismus

  • Tyreese und Carol kümmern sich weiter um Lizzie und ihre Schwester sowie das kleine Baby von Rick. Sie kommen an eine Jagdhütte, die sicheren Unterschlupf verspricht. Aber Lizzie versteht nicht, dass Zombies böse sind – sie ist dissozial, hält die Beißer aber für ihre Freunde. Und so ersticht sie ihre Schwester, damit diese auch zu einem Zombie wird. Um das Baby und sich selbst zu schützen, bringt Carol dann Lizzie um. Anschließend erzählt sie Tyreese, dass sie (Carol) Tyreeses Freundin umgebracht hatte, um die Gruppe zu schützen. Diese Geschichte nimmt eine ganze Folge ein und ist generell recht effektiv, und die Parallele zwischen dem Tod von Lizzie und dem Tod von Tyreeses Freundin – zum Wohle aller -, wird nicht expliziert. Aber natürlich gibt es auch hier Momente, wo Carol mehrfach den Kindern erklärt, in dieser neuen Welt müsse man eben bereit sein, Menschen zu töten, um sich und andere zu retten, und der ironische Twist ist dann, dass Carol eben Lizzie töten muss. Also mehr so Holzhammer-Ironie. Aber Carol ist cool, also.

  • Daryl und Beth haben gottseidank keinen Sex, auch wenn Beth sich also totales Manic Pixie Dream Girl herausstellt, die mit ihrer Naivität und ihrem Optimismus auch Daryl wieder dazu bringt, an die Menschheit zu glauben (wobei Daryl auch vorher im Gefängnis eher einer der stabileren war, aber das ist eben die Geschichte, die hier erzählt wird). Das ist natürlich der Moment, wo ein Dutzend Zombies lautlos angreift und in dem Gemnge wird Beth von Unbekannten entführt. Daryl schließt sich daraufhin einer Bande von Streunern an, die einen eher brutalen Kodex leben und – Zufall über Zufälle – hinter Rick her sind, der einen von ihnen zum Zombie machte.    

  • Maggie, Bob und Sasha (die übrigens Tyreeses Schwester ist, nicht seine Tochter) suchen nach Glenn. Dabei gehen sie in Richtung Terminus. Aber zuerst lässt Maggie die beiden anderen zurück und wir bekommen eine Holzhammer-hoch-drei-Metapher übers Alleinsein, weil Bob sich weigert, Maggie allein zu lassen. In einer Rückblende sehen wir, dass Bob sogar der Meinung ist, eine Gemeinschaft sei immer besser als Alleinsein, egal, mit wem man zusammen ist. Erzähl das den Leuten um den Gouvernor, Bob – und das gleiche bitte ich die Autorinnen, die uns ja gerade erst lang und breit zeigten, dass das eben nicht egal ist. Na, egal. Bob will Maggie auf keinen Fall allein lassen, und obwohl er sich in Sasha verliebt, ist er bereit, diese allein zu lassen, um Maggie nicht allein zu lassen. Ein anderer Grund als der, dass a) Maggie weiß ist und b) Maggie explizit allein gelassen werden wollte und Bob das als Mann nicht durchgehen lassen kann, fällt mir nicht ein. Jedenfalls findet Sasha dann Maggie und gibt weinend zu, dass Bob mit seinen Ausführungen Recht hatte: Sasha hatte einfach Angst, dass Tyreese sich als definitiv tot erweist. Gut, dass Bob Sasha ihre Gefühle erklären konnte.    

  • Glenn und Tara sind mit Major Ford Mercedes Audi unterwegs. Rosita Espinoza hat inzwischen zum Glück Hosen gefunden und ein Hemd, das sowohl Bauchnabel als auch Brust bedeckt, und jetzt sieht sie einfach aus wie eine Soldatin. Gut. Glenn ist wie verrückt auf der Suche nach Maggie, weil diese ihm Zeichen hinterließ, dass sie noch lebt. Also ist er sogar bereit, durch einen Tunnel voller Zombies zu gehen, weil der Umweg ihn einen Tag kosten würde. Die Soldaten beschützen immerhin Dr. Mantamatte, den klügsten Hinterwäldler der Welt (und ein Terminator, wenn man vom Gang ausgehen kann). Darum trennen sie sich von Glenn und Tara, suchen sich ein Auto, warten dort noch ein wenig, ob sich Glenns Meinung ändert, und fahren dann von Mantamatte geleitet doch den Umweg. Und sind schneller am Ausgang des Tunnels als Glenn es wäre – also gar kein Umweg! Das ist die Qualität der Drehbücher von The Walking Dead. Im Tunnel sieht es so aus, als würden Glenn und Tara gefressen, aber dann tauchen die Soldaten mit Maggie und Co. auf und alle sind wieder vereint. Maggie erzählt noch, dass sie mit ihren letzten Kugeln einen Teil des Tunnels zum Einsturz brachte, was in der Erzählung schon unwahrscheinlich ist und daher zum Glück nicht gezeigt wurde. Nun zieht man gemeinsam nach Terminus, wo die Soldaten hoffen, Ausrüstung zu kriegen. Die Wiedervereinigung von Glenn und Maggie geht aber schon etwas ans Herz.

  • spätestens jetzt ist übrigens klar, dass Terminus eine Falle sein wird und Dr. Mantamatte wohl ein Hochstapler ist – er lenkt die Soldaten auf Umwege und hält seine Erkenntnisse geheim, obwohl doch erste Priorität wäre, das aufzuschreiben oder anderen zu erzählen. In dieser Welt stirbt man an so vielen Dingen… wahrscheinlich will der Typ nur ein paar Bodyguards und lügt die Soldaten an.

  • Damit sind wir bei Rick, Michonne und Carl. Michonnes Aufgabe ist nun völlig, Carl zum Lachen zu bringen (worüber Rick dann gönnerhaft lächelt), weil die Gefühle der Männer halt wichtiger sind. Sie treffen auf Daryl und die Gang, und es passiert Scheiße. Denn nun ist plötzlich diese bislang zurückhaltende Serie aus dem Ruder: Michonne soll vergewaltigt werden, und auch Carl soll vergewaltigt werden, natürlich von einem Dicken, weil besonders eklig. Daryl will eingreifen und wird verprügelt, und dann beißt Rick dem Änführer die Kehle durch und prügelt den Dicken zu Brei. Und anstatt dies als etwas zu sehen, das Rick endgültig zu einem Monster macht, ist es vielmehr rechtschaffene Wut und eine „normale“ Reaktion, wenn man der Serie und den Figuren glauben soll. Rick ist problemlos danach noch der Anführer, auch wenn es Michonne zufällt, Carl danach erst mal zu beruhigen. Weil Rick sich ja ohnehin nie um seine Kinder kümmert.

In der letzten Szene dieser beschissenen Show kommen Rick und Co nach Terminus und Rick erkennt Besitztümer seiner Freundinnen aus dem Gefängnis (Hose, Weste, eine Taschenuhr, also hoch individuelle Gegenstände), und während wir noch mit den Augen rollen, haben die Leute von Terminus schon einen der Ihren erschossen und Rick und der Rest werden durch Mündungsfeuer durch den großen Bahnhof gelenkt und sie rennen an einem großen Käfig voll blutiger Knochen vorbei (na klar!) und müssen dann ihre Waffen abgeben, bevor sie in einen Waggon gesteckt werden. Und in dem Waggon sind alle anderen Überlebenden außer Carol, Tyreese und Baby Grimes, und alle akzeptieren sofort Ricks Führungsanspruch, und Ricks letzte Worte dieser Staffel sind: „Die haben sich mit den falschen angelegt.“ Also die abgenudeltsten Worte aller Zeiten.

Cool wäre es gewesen, wenn Terminus eine echte Zuflucht gewesen wäre, die Rick durch Paranoia zerstörte oder so etwas. Aber nein, da dieser Typ selbst nach diesen Gewaltexzessen niemals Unrecht haben darf, wird das wohl nix. Bah.  

Vorherige Beiträge:

The Walking Dead

Stand: Staffel 2, Folge 9

Stand: Ende Staffel 2

Stand: Staffel 3, Folge 4

Stand: Ende Staffel 3

Stand: Staffel 4, Folge 5

Stand: Staffel 4, Folge 8

Stand: Staffel 4, Folge 12

The Walking Dead – 4×12

Inhalt: noch eine Groteske, Gewalt, Dödelei

Nun sind die Figuren aus Ricks Rudel versprengt und wir erhalten tolle Storys. Ha ha, tun wir nicht. Aber immerhin Storys. Diese:

  • Michonne darf Hershels Zombiekopf töten (grotesk) und dann erneut mit angebundenen Tarnzombies rumlaufen, bis sie ihre Trauer überwältigt und sie alle Zombies um sich herum erschlägt (der typische Umgang mit Trauer in dieser Serie). Sie träumt von ihrem Kind und dann zieht sie los, um schließlich Rick und Carl zu finden. Das alles dauert etwa 10 mal so lang wie hier beschrieben.
  • Rick und Carl stapfen durch eine verlassene Stadt, die zwar in der Nähe des Gefängnisses liegen muss, von Ricks Rudel damals aber noch nicht leer geräumt wurde. Das zeigt die unglaubliche Planung dieser Leute, die auch für den Fall einer Evakuierung zwar einen Fluchtbus hatten, aber kein gemeinsames Ziel, an dem man sich wiederfindet. Rick bricht zusammen und Carl erklärt ihm explizit, dass er nun erwachsen sei und Rick nicht mehr brauche. In der allernächsten Szene stirbt Carl fast und verliert seinen Schuh. Dann kann er den im Delirium stöhnenden Rick – den er für einen Zombie hält – nicht erschießen (kein Problem bei seiner Mutter), und dann sagt Rick: „Du bist ein Mann, Carl.“ Mann. So ein Quatsch, und meines Wissens schon 1-3 Folgen vorher abgenudelt, als die beiden gemeinsam Zombies niedermähten.
  • Carl und Michonne gehen auf Plündertour. Vorher gibt Rick ihr den Auftrag, Carls Freundin zu werden und ihn locker zu machen, also haben alle Gespräche schon mal einen seltsamen Beigeschmack, als wären sie vom Anführer befohlen. Jedenfalls spricht Michonne erstmals über ihr totes Kind – aber nur, um Carl aufzulockern. Ihr Trauma wird so das Gefährt, Carls Verhalten zu beeinflussen. Furchtbar.
  • Rick muss derweil unter dem Bett vor bösen Plünderern Zuflucht nehmen, inklusive dem Klassiker, dass einer der Plünderer bei einem Kampf unter das Bett guckt, bevor er Rick aber verraten kann, wird er kampfunfähig, und dem Klassiker, dass ein Bösewicht mit angezogener Hose auf der geschlossenen Toilette sitzt. Und dem Klassiker, dass… ach, das ist alles sehr doof und altbekannt und endet damit, dass Rick geduckt über den Hof huscht und mit Carl und Michonne flieht. Ein Action-Highlight also.
  • Daryl und Beth sind im Wald. Beth will Überlebende suchen, Daryl nicht. Beth geht einfach, Daryl muss folgen. Sie erweist sich als halbwegs überlebensfähig, will aber nicht nur Schlange essen, sondern endlich mal was trinken (was ihr der tolle Patriarch Hershel immer verbot). Daryl als ihr männlicher Beschützer geht mit, und in einem Golfclub wird uns überraschenderweise und wiederholt erzählt, dass Daryl keine reichen Leute mag und arm war. Anstatt Beth dann dem Pfirsichschnapps zu überlassen, führt er sie zu einer nahen Hütte mit Distille (die auch nicht ins Gefängnis wanderte), wo Beth ihre Unschuld verliert und zum Glück nur Alkohol trinkt, während Daryl noch einmal explizit sagen darf, wie scheiße seine Kindheit war. Am Ende zünden die beiden die Hütte zu einem coolen Lied an, was doch recht cool wirkt.
  • Maggie, Sasha und Bob sind ebenfalls in einem Wald. Maggie will Glenn suchen, die anderen nicht. Maggie geht einfach, die anderen müssen folgen. Hui, wird hier Neues ohne Ende erzählt. Sie treffen auf den Fluchtbus, der geschlossen und voller Zombies ist, was irgendwie unmöglich zu sein scheint. Glenn ist aber zum Glück nicht dabei.
  • Glenn wacht im Gefängnis auf, rüstet sich aus, findet Tara (die überlebende lesbische Schwester aus der neuen Familie des Gouvernors) und nimmt sie mit. Er will Maggie suchen, und oh Wunder, Tara geht gleich mit. Die beiden treffen aber stattdessen:
  • Abraham Ford Lincoln Mercury, einen weißen Army-Typen, Rosalita Espinoza, die aussieht wie ein Cosplay von Lara Croft und als Namen das Latina-Äquivalent von Wilhelm Dauerwurst oder Fred Freizeit hat, sowie Doktor Manta, ein Typ, der wie ein Roboter geht und unfähig zu sein scheint, aber das Geheimnis der Zombieplage kennt (es ist geheim!) und dieses nach Washington bringen will.
  • Glenn und Tara wollen Maggie suchen, Abraham, Rosalita Espinoza und Doktor Mantamatte nicht. Glenn geht einfach, die anderen gehen hinterher… nachdem Doktor Manta den Tank des Lasters kaputt geschossen hat. Also ganz anders als oben.
  • Tyreese, Lizzie, Mika und Baby Judith sind schließlich auch noch im Wald. Lizzie ist soziopathisch und tötet süße Hasen, und beinahe auch das Baby, das nun drei Folgen lang womöglich tot war. Als Tyreese die Kinder alleine lässt, um zwei Fremden zu helfen (vergebens), werden die Kinder von Carol gerettet. Nun reist Tyreese also mit der Frau herum, die vermeintlich seine Geliebte tötete, was er aber nicht weiß, und dem Mädchen, das wahrscheinlich in Wahrheit seine Geliebte tötete, was er auch nicht weiß. Wichtig ist auf jeden Fall, dass das total ironisch ist und sich nur um Tyreese dreht, und dass der jetzt auch nicht mehr das Baby tragen muss, Carol (und damit eine Frau) ist ja nun da.

Insgesamt gibt es hanebüchene Zufälle und Unwägbarkeiten, und wenn man wie diese Serie anscheinend dramatische, von Charakteren getriebene Konflikte inszenieren will, dann sollten diese Charaktere durchgehende Motivationen haben und nicht nur Fetzen von sich verändernder Backstory samt Verhalten, was sich dann in Klischee-Dialogen äußert. So kümmern mich die Charaktere nicht, die Ereignisse sind aber nicht spannend und rasant genug, das aufzuwiegen.

Ach so, anscheinend reisen alle nach und nach Richtung Terminus, eine angebliche Zuflucht entlang der Bahngleise.

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The Walking Dead

Stand: Staffel 2, Folge 9

Stand: Ende Staffel 2

Stand: Staffel 3, Folge 4

Stand: Ende Staffel 3

Stand: Staffel 4, Folge 5

[Stand: Staffel 4, Folge 8][7]

The Walking Dead – 4×08

Wir müssen erst mal über Carol reden.

Inhalt: Sexismus, Rassismus, Klischee, Krieg der Patriarchen, Gewalt

Direkt, nachdem Carol von Rick verbannt wurde, bekommen wir eine Doppelfolge, die sich in einem Rückblick nur mit dem Gouvernor beschäftigt und werden in einer dritten Folge dann endlich sein Ende sehen. In dieser dritten Folge…

  • Erklärt Rick Daryl, dass er Carol wegschicken musste, weil sie zu weit ging (und weil man den bösen Schwarzen Tyreese nicht bändigen kann, ein weiteres rassistisches Klischee, das Tyrone in der ganzen Zeit davor nicht zu erfüllen schien – nur direkt nach dem Tod seiner Geliebten und bei der gleichzeitigen Krankheit seiner Tochter ist er aggressiv)
  • Sagt Rick dem Gouvernor, dass doch alle schon Schlimmes getan hätten, und lädt ihn und seine Leute ernsthaft ein, mit ihnen im Gefängnis zu wohnen. Dieser Typ, der folterte, mordete, sexuell übergriffig war, ein Aquarium mit Zombieköpfen hatte und bereits bewiesen hat, dass er nicht vertrauenswürdig ist – dieser Typ darf rein, Carol aber nicht?
  • Erweckt die Show klar den Eindruck, dass Carol gar nicht die Leute getötet hat. Das war wohl die kleine Lizzie, die nun eine Ratte häutete und sezierte. Carol hat nur die Verantwortung übernommen, um die Kleine zu schützen. Was bedeutet, wenn Carol letztendlich wieder zur Gruppe stößt, dann wird Rick keinen Fehler damit begangen haben, sie generell wegzuschicken, er hatte nur die falschen Informationen. Ich hasse, dass hier Carols Geständnis dafür verantwortlich ist und Rick wieder fein raus.

So, nun aber zur Geschichte um den Gouvernor. Der wird von seinen letzten Leuten verlassen und wandert durch die Gegend, nimmt dann einen fremden Namen an (er ist ein neuer Mann, ha ha!) und trifft eine unmögliche Familie. Unmöglich, weil diese 2 Frauen mit einem Mädchen und einem kranken alten Mann ein Jahr in der Zombiewelt überlebten, ohne dass jemand ihren Essenslaster klaute oder sie was über Zombies lernten. Und so kann Mr. G nun dadurch glänzen, dass er ein Backgammonspiel und Sauerstoff besorgt in den langweiligsten Szenen aller Zeiten, weil er sich so langsam bewegt und wir ja bereits wissen, dass er überlebt. Ist halt ein Rückblick. Jedenfalls kann natürlich nur der Opa das Mädchen zum Lachen bringen und dann auch Mr. G (Männer eben), und die plötzlich hilflosen Frauen drängen sich ihm förmlich auf.

Nun ist die Frage, will die Show erzählen, wie G ein besserer Mensch wird und dann am Ende an den Umständen scheitert? Oder ist er ein unbelehrbarer Psychopath, der nur eine Rechtfertigung braucht? Weil die Show es selbst nicht genau weiß, bleibt das auch unklar. Immerhin gibt es die erste offene lesbische Beziehung, die genau eine Folge hält, dann stirbt eine der beiden. Und am Ende hat der Gouvernor den genialen Plan, das Gefängnis zu zerstören, um es einzunehmen. Was teilweise klappt (es wird zerstört) und Ricks Rudel wird dabei versprengt. Hershel wird von Mr. G getötet und Michonne tötet G nicht, damit eine weiße Frau das tun kann.

Letzten Endes bekamen wir zwei Rückblicke, die die Figur des Gouvernors wieder genau dahin brachten, wo er am Anfang war, nur mit einem Panzer. Irgendwie lohnte sich das nicht so besonders. Ich vermute fast (befürchte es), wir sollten Gs Schicksal als tragisch empfinden, weil er doch nur seine neue Familie beschützen wollte, und nicht als Resultat vergifteter Männlichkeit. Weshalb es auch beim Tod des kleinen Mädchens eher darum geht, was dieser Tod mit dem Gouvernor anstellt.

Echt dödelig, und dann wird mit einem Panzer das Gefängnis geschrottet. Was ganz okay war, aber da alle Hauptfiguren kugelimmun waren, auch nicht so spannend.

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The Walking Dead

Stand: Staffel 2, Folge 9

Stand: Ende Staffel 2

Stand: Staffel 3, Folge 4

Stand: Ende Staffel 3

Stand: Staffel 4, Folge 5

The Walking Dead – Stand 4×05

Oh Mann, diese Show. Diese Show.

Inhalt: Patriarchat, Dummdödelei, Zombie-Thematik (Tot, Gewalt, usw).

Wir beginnen die vierte Staffel mit einem Zeitsprung. Das Gefängnis floriert und wird von einem Rat geleitet, weil Rick „eine Pause“ brauchte. So behandeln das auch alle, die warten nur darauf, dass Rick wieder das Ruder übernimmt, weil seine Entscheidungen so toll waren. Was er bald auch wieder unter Beweis stellt.

In den ersten 5 Folgen haben wir das Problem einer Zombiemeute vor dem Zaun. Der Zaun droht einzubrechen und tut das schließlich auch. Wir haben auch das Problem einer Grippewelle, die mit blutenden Augen zum Tod führt und dann Zombies im Lager der Überlebenden hervorbringt. Es gilt, Kranke zu isolieren und ein Heilmittel zu besorgen. Und alles ist so dämlich.

Beginnen wir mit der Tatsache, dass diese Serie es mag, Musik spielen zu lassen und nur die Figuren, gerne in Großaufnahme, zu zeigen. Da es aber schwer fällt, deren Motivation zu verstehen, selbst wenn die Figuren reden (weil sich die vermeintliche Motivation ständig ändert), ist es unmöglich, in den stoischen Gesichtern zu lesen. Man guckt einfach nur Leute an. Etwas wenig. Da liest Hershel zum Beispiel in der Bibel. Könnte eine tolle Idee sein: welchen Trost bietet ein Buch, das bis zur Apokalypse geht, nach der Apokalypse? Aber eine reife Glaubensdiskussion geht über die Autorinnen, und darum ist Hershel halt der Bibelleser.

Ähnlich wird mit Bob umgegangen (mit dem Namen bleibt er bestimmt ewig dabei), dem Alkoholiker. Wie geht man mit der Apokalypse um? Lässt man Alkis sich besaufen, oder nimmt man den Schnaps weg? Ein interessantes Thema, aber stattdessen wird Bob auf der Suche nach Medikamenten seinen riesigen Rucksack nur mit einer Flasche füllen und nicht noch zusätzlich Medikamente da rein tun, weil man sich ja ansonsten fragen muss, ob das Trinken an sich okay ist und nicht direkt sieht, dass der Kerl eine Gefahr ist.

Ansonsten handeln die Figuren eben immer noch sehr beschränkt. Erst, als die Grippe beginnt, sucht man nach Antibiotika, dabei sollten Infektionen doch eine der größten Gefahren darstellen und man würde bestmöglich vorsorgen. Mehr noch, der Grippeombie kann nur soviel Unheil stiften, weil die Leute zwar in Zellen schlafen, diese aber nicht abschließen. Wenn jeder seine Zelle schließen würde, käme der Zombie nicht rein und ein Zombie, der darin entsteht, nicht raus. 

Dann gibt es zwei weitere Kranke. Carol, die gerade einen Gebissenen getötet hat, kümmert sich um dessen Kinder. Carol kümmert sich ohnehin um die Kinder und muss an Rick vorbei im Geheimen denen beibringen, wie man sich verteidigen kann – dabei sollte das auf jeden Stundenplan der Zombiewelt stehen. Jedenfalls sieht Carol die Gefahr einer Epidemie und schleicht sich zu den Kranken und tötet sie, bevor sie zu Zombies werden. Dann verbrennt sie die Leichen (was komischerweise ein großer Affront ist, obwohl ich in so einer Welt voller Toten schnell zu Feuerbestattung gewechselt wäre). 

Wir erinnern uns: Rick hat zwei Typen erschossen, die nur seltsam redeten. Carl, sein Sohn, hat einen Typen erschossen, der sich ergeben wollte. Shane hat einen Dicken erschossen, um sich vermeintlich zu retten. In dieser Serie haben viele Leute fragwürdige Entscheidungen gefällt. Aber Carols Vergehen ist so groß, dass Rick sie verbannt. Ohne dies mit irgendjemandem abzusprechen und vermeintlich zu ihrem Schutz, weil man den Schwarzen nicht kontrollieren kann (starke und wütende Schwarze, der Klassiker) – aber auch, weil er Carol nicht bei seinen Kindern will. Seine Kinder, die Grimes selbst übrigens kaum sieht und nur wertschätzt, wenn sie sich als gute Schützen erweisen. Carl ist da klar im Vorteil zu seinem Baby, das Rick in der ganzen Serie insgesamt 10 Sekunden gehalten hat. Das Baby hat damals sofort geschrien. Die Verbannung wird von denen, die davon bislang erfahren haben, nüchtern bis positiv aufgenommen. Was totaler Bullshit ist.

 Es kommt jedenfalls zur Quarantäne, und wie wir später sehen, schließen sich die Kranken ein, sie werden nicht etwa eingeschlossen. Das heißt, dass die Kranken selbst rauskönnten, aber wenn jemand ihnen zuhilfe kommen möchte, kommt sie nicht herein. Tolle Idee. In diesem Zellenblock schließen sich die Leute immer noch nicht ein, und wenn jemand stirbt, wird sie heimlich rausgebracht und getötet (vor der Zombiewerdung), damit das niemand mitkriegt. Das stellt aber eine weitere Gefahr dar, und gleichzeitig ist nicht klar, ob die Kranken das nicht lieber sehen würden. Sie fragt ja niemand, das entscheidet der Hilfspatriarch Hershel, der freiwillig als Gesunder zu den Kranken geht. Als Maggie auch dazu will, lehnt er das aber ab, weil er die Gewalt über sie hat, und Maggie geht erst hinein, als ein Schuss fällt und nachdem Rick ihr explizit erlaubt, reinzugehen. Weil Selbstbestimmnung in dieser Serie ein Witz ist. Der einfachste Weg zu Überleben ist es, um den Tod zu bitten. 

Draußen sind derweil die Zombies vor dem Gatter. Schon vorher dachte ich immer, dass die Bewohner alle Zombies der Umgebung töten sollten – in den Actionszenen sieht man, dass dies nicht schwer ist, vor allem nicht, wenn ein Zaun dazwischen ist. Machen sie aber nicht, und nun sind es zu viele geworden. Wieder tun die Leute nix, bis der Zaun einbricht, dann erinnern sie sich an ihre Schnellfeuergewehre. Und weil es diese Serie ist, sind gleichzeitig die Kranken in der Quarantäne bedroht, und so darf Rick seinen Sohn bitten, ihm mit den Maschinengewehren zu helfen. Danach hat Rick auch wieder Respekt für seinen kleinen Soziopathen.

Als Hinweis darauf, wie Festhalten am Patriarchat und fehlende Voraussicht, fehlende Offenheit und Diskussionskultur und Missachtung der Stimmen von Frauen und Minderheiten zu Bedrohung werden, ist „The Walking Dead“ weiterhin beeindruckend. Als intelligente Serie versagt sie völlig. 

Ich werde bestimmt noch einmal oder zweimal zu Staffel 4 schreiben, danach ist die Serie ja momentan nicht im Free TV. Jetzt kommt ja der Gouvernor zurück, und weil ich darauf warte, was Daryl zu Carols Verbannung sagt, wird er wahrscheinlich nix sagen. Bis dahin aber starre ich ein wenig nichtssagend aus dem Fenster und lasse laut Musik laufen. 

Vorherige Beiträge:

The Walking Dead

Stand: Staffel 2, Folge 9

Stand: Ende Staffel 2

Stand: Staffel 3, Folge 4

Stand: Ende Staffel 3

The Walking Dead – Ende Staffel 3

Inhalt: Patriarchat, schlechte Bücher, dumme Figuren

„The Walking Dead“ ist die perfekte Hass-Serie. Sie könnte so gut sein und ist es doch nicht. Ihr Setting erlaubt Ideen, was man besser machen würde. Oder zumindest anders. Und obwohl die Serie das heilige männliche Reich weißer Patriarchen nachspielt, ist es nicht wie bei „Game of Thrones“, wo eine weibliche Figur erst dann in der Serie angekommen ist, wenn sie völlig nackt war oder vergewaltigt wurde oder beides. 

Und damit Willkommen zum Staffelrückblick!

Ich stelle mir das so vor, dass die Autorinnen (Ha!) der Serie zwei Ideen für eine ganze Staffel haben und dann eine Folge schreiben, in der alles beginnt, zwölf Folgen, in denen nichts passiert, und eine Folge, in der ihre Ideen passieren. So könnte sich ergeben, dass in der Serie so eine große Angst vor Konsequenzen herrscht, dass in Folge 7 jemand sagen kann „wir ziehen in den Krieg“ und dann in Folge 16 (!) dieser Krieg darin besteht, dass fünfzehn Sekunden lang rumgeballert wird und dann eine Seite flüchtet. Fertig.

Immer noch stehen die Männer eindeutig im Vordergrund der Serie. Jede weibliche Figur musstge bereits mindestens einmal von anderen vor Zombies gerettet werden, die männlichen Figuren packen das in der Regel. In der dritten Staffel wird einmal ein Mann an einen Stuhl gefesselt gegen einen Zombie geschickt: der packt das natürlich. Einer Frau passiert dasselbe: sie wird gebissen. Wenn eine Frau einen Zombie anfährt, überschlägt sich der Wagen, ein Mann bringt den Wagen wieder auf die Spur.

Ich glaube immer noch (anders als bei Game of Thrones – Seitenhieb 2), dass die Autorinnen aber überwiegend ahnungslos sind. Sie schreiben einfach einzelne Szene, und die sind dann durch die Implikation und die handelnden Figuren verdächtig. Die Autorinnen hinterfragen die männlichen Führungsansprüche nicht, sie sind einfach so durch die Figurenkonstellation geworden.

Ich glaube das, weil auch sonst die Autorinnen wenig Konsistenz aufrechterhalten, sondern gefühlt von Folge zu Folge und Szene zu Szene entscheiden, was passieren soll, und dann die vorhandenen Figuren das halt machen lassen, ob das logisch ist oder nicht. Weshalb Figuren in einer Folge geschickt reagieren über etwas, das sie zwei Minuten später selbst tun, und ähnliches.

Darum ist the Walking Dead auch voller thematischer Annsätze, die aber mehr immanent in den Situationen entstehen und nicht gewollt erscheinen. Nehmen wir nur Woodbury (was ich im letzten Beitrag Woodsboro) genannt habe. Diese Stadt und ihr Anführer, der Gouvernor, könnten verschiedene Zwecek erfüllen: ist es eine Parallele für das, was das Gefängnis für Ricks Rudel sein könnte? Eine korrupte Variante oder eine gelungene? Ist der Fall von Woodbury eine Parallele, sodass der Gouvernor und Rick gemeinsam brutaler werden, aber Rick die Kurve kriegt? Ist der Gouvernor von vorneherein ein Bösewicht? Ist die Stadt ein Zeichen dafür, dass zu große Gruppen in dieser neuen Welt sich zerfleischen? Oder eher ein Ansporn? Die Autorinnen haben anscheinend keine feste Idee dafür, weshalb dieser Plot auch so schwammig behandelt wird. Dazu kommt, dass Rick (und sein Rudel, aber vor allem Rick) keine Fehler machen dürfen, sodass auch die blödesten Entscheidungen nicht infrage gestellt werden udn Figuren ständig kommen, um Rick explizit zu loben und klug zu nennen.

Dabei passiert dann so etwas wie: 4 Neuankömmlinge erreichen das Gefängnis und leben sich dort halbwegs ein. Sie erscheinen vertrauenswürdig. Rick kommt und sieht sie – und er sieht seine verstorbene Frau. Während er sich offensichtlich für alle mit nicht Anwesenden unterhält, schickt er die Neuen davon. Und keine der anderen Personen findet das komisch, sondern sie machen, was Rick will.

So funktionieren Menschen nicht. In dieser Welt, in der Überlebende ja überlebensreif waren, wird es doch mindestens eine Person geben, die einem offensichtlich realitätsfremden Anführer nicht mehr folgt. Ebenso, als der Gouvernor seine Leute alle erschießt und nur zwei überlässt – dass diese beiden nicht allein aus Selbstschutz den Gouvernor erschießen, der ihnen aktuell nichts zu bieten hat, ist schwer vorstellbar.

Außer in dieser Welt, wo weiße Führer Gehorsam bekommen.

Ärgerlich auch, dass die Storys sich fast ausschließlich um die Männer richten – auch der sexuelle Übergriff auf eine Frau führt zu einer Betrachtung, was das mit ihrem Liebsten macht. Die eine Figur mit halbwegs eigener Storyline ist Andrea, und auch die steckt nach und nach gegen den Gouvernor zurück. Mehr noch aber, Andreas Story handelt davon, wie sie sich in einen Psychopathen verliebt und das zu spät erkennt. Also Klischee hoch drei. Michonne als neue Figur erlebt ähnliches, weil sie in Nebensätzen zum Opfer von Vergewaltigung wird und einer Mutter ohne Kind und somit ihre Härte durch Trauma motiviert wird. Wo sonst Härte durch Testosteron allein entsteht. Und wenn Michonne sich in Woodsbury nicht wohl fühlt, liegt das nicht an besonderer Wahrnehmung, sondern daran, dass sie wegen Andrea eifersüchtig auf den Gouvernor ist (keine Sorge, das ist nur implizit lesbisch bzw. bisexuell, explizit ein Freundschaftsbruch). Wenn sie den Gouvernor töten will, dann nicht, weil sie dessen Verfasstheit durchschaut, sondern weil sie Andrea aus Rache weh tun will. Frauen halt. 

Schließlich finde ich nervig, wie wenig sich die Anführer um ihr Gefolge scheren und nachfragen, was die denn wollen. Da wird einfach entschieden, bis hin zu Gefühlsebene (du musst hart werden), und da wird so getan, als sei diese Führung irgendwie legitimiert. Aber tatsächlich verhalten sich die Menschen wie Schafe und zwar nicht, wenn es um eine abstrakte Steuererhöhung geht, sondern ihr nacktes Überleben.

Wenig durchdacht auch die Aktionen der Gruppen. Wo klar ist, dass die Größe einer Gruppe ihre Stärke ausmacht, will Rick niemanden aufnehmen und lässt sogar einzelne Menschen den Zombies – hat aber natürlich gleichzeitig kein Problem, Experimente des Gouvernors zu verurteilen. Das Gefängnis, dass Ricks Leute einnehmen, wird niemals richtig genutzt. Da müsste es Strom geben, eine Küche, eine Werkstatt, eine Krankenstation, Möglichkeiten, einzelne Trakte abzusperren und so weiter. Aber Ricks Rudel hat anscheinend nicht einmal einen Plan, diese Ressourcen nutzbar zu machen. Da entsteht immer nur ein Bedarf von jetzt auf gleich und dann muss man schnell sehen, wie der gedeckt wird. Umso grotesker, dass alle Ricks Führung so sehr loben. Es gibt nicht einmal regelmäßiges Training in Selbstverteidigung und anderen nützlichen Fähigkeiten. Stattdessen passen die Frauen auf das Baby auf und die Männer suchen nach dem Zeug, das gerade plötzlich aktuell wird.

Wenn dann auch noch die Motivation der Figuren so nebulös bleibt und von Folge zu Folge wechseln kann, wenn keine thematische Dichte herrscht, sondern nur Ansätze, wenn die Action auch irgendwie nicht befriedigen kann, vor allem nachdem man viele Folgen warten musste (auf den Showdown) – warum guckt man das dann? Auch die Effekte sind nicht mehr so gut wie vorher.

Letztes Problem sind die Zombies. Wenn man bisweilen sieht, wie einfach diese Untoten beseitigt werden, wie toll ausnahmslos alle Figuren auch im Laufen mit einer Pistole auf 30 Meter ihnen in den Kopf schießen können (nur um dann beim Gefecht mit dem Gouvernor zu Sturmtruppen-Präzision zu wechseln), dann sind Zombies nicht mehr so gefährlich, wie andere Szenen suggerieren. Nachdem Glenn in 5 Sekunden an einen Stuhl gefesselt einenZombie platt macht, bleibt halt nicht viel Grund, warum die Figuren im Gefängnis nicht nach und nach alle Zombies platt machen und auch den Zaun frei halten. 

Aber der Reiz dieser Idee lockt dann doch. Was würde man anders – also besser – machen als Rick? Welche akute Krise hätte man längst schon erahnt und wie würde man sie nun bewältigen? Kopfschütteln über die Dummdödel und damit auch über die Autorinnen, Ärger über den Fokus der Handlung auf den weißen Männern (und sowohl der Koraner Glenn als auch das Kind Carl zählen hierzu), gefolgt von den Frauen (mit Abstand, und damit ist eigentlich nur Andrea gemeint), gefolgt von schwarzen Männern.

Das Potenzial, dass „The Walking Dead“ hat, lässt mich einschalten. Die Verschwendung dieses Potenzials lässt uns vor der Flimmerkiste diskutieren, und die relative Zurückhaltung bei sexuellen Übergriffen sorgt dafür, dass diese Serie toll ist, um sie zu hassen und eben nicht abstoßend gewalttätig ist wie „Game of Thrones“ (Seitenhieb 3, Mission erfüllt).

Vorherige Beiträge:

The Walking Dead

Stand: Staffel 2, Folge 9

Stand: Ende Staffel 2

Stand: Staffel 3, Folge 4

The Walking Dead – 3×01 bis 3×04

Ich hatte Trost. In der dritten Staffel werde es besser, hieß es. 

Bislang kann ich sagen: es wurde. 

Oh, die Serie hat weiterhin Elemente, die mich aufregen. So ist in der Grimes-Gang die Verteilung zwischen Frauen und Männern eindeutig (Frauen: reagieren emotional, kümmern sich um Kinder – Männer: reagieren mit Stoizismus oder Wut, kümmern sich um Zombies), sodass dem jungen Carl (zwischen 11 und 13) regelmäßig mehr Verantwortung aufgebürdet wird als erwachsenen Frauen (und er sich auch so verhält). Auch in dem neuen Städtchen Woodsboro, wo der Gouverneur eine nicht ganz heile, aber zumindest sichere Welt errichtet hat, ist das ähnlich. Frauen pflanzen an und Männer beschützen. Andrea ist pro Gouverneur, aber leider mit der Andeutung einer Romanze, sodass man dieser emotionalen Frau das nicht abnehmen kann.

Lori ist übrigens die schlimmste Ausprägung des Ganzen, da sie ihr Heil und ihren Lebenssinn buchstäblich durch ihre Schwangerschaft erfüllt. Und auch in Woodsboro gibt es schwangere Frauen. Beide Gruppen haben auch ihre besondere Ausnahme: bei Rick Grimes ist es Maggie, die zwar auch emotional ist und heult, aber immerhin mit auf Zombiejagd geht. Und in Woodsboro ist es Andreas neue Freundin Michonne, die sehr cool ist, aber wahrscheinlich wird sich ihre Härte als Resultat ganz besonderer Traumatisierung erweisen. Weil Frauen ja sonst nicht so sein können.

Ebenso enervierend ist die fehlende Voraussicht. Die Autorinnen (ha!) müssen sich natürlich um spannende Plots kümmern, bevor sie realistisch werden, aber es ist trotzdem unverständlich, wie wenig die Grimes-Gang anscheinend bespricht und plant. Da hat man eine Schwangere dabei und anscheinend weder ein OP-Set vorbereitet, noch sich Gedanken über die Erfordernisse eines Babys gemacht für den Fall, dass die Mutter stirbt. Noch hat man sich überlegt, wie man mit Neuankömmlingen umgeht. Noch fragt irgendjemand irgendjemanden mal, was sie für Fertigkeiten aus der Vergangenheit mitbringt. Denn es gibt ja viele nützliche Fertigkeiten – und nebenbei ist es unrealistisch, dass keine Frau aus unserer Zivilisation mehr gelernt hat als zu kochen und zu putzen -, und man muss sich auch gewahr sein, dass in der Apokalypse Menschen sterben werden, sodass man Stärke in der Gruppengröße suchen sollte – also nicht alle Leute per se ablehnen.

Die Idee, dass die Welt eine andere ist, wird zwar oft wiederholt, aber von Grimes und Co nicht wirklich gelebt, auch fast ein Jahr nach der Apokalypse nicht. Sexismus und Dummheit sind aber in Kombination hart zu ertragen.

Allerdings gibt es auch ein Licht am Tunnelende. In der dritten Staffel passiert was, und zwar regelmäßig. Die Übernahme eines Gefängnisses als Basis ist eine gute Idee (wenn auch nicht so umgesetzt, wie ich es an Ricks Stelle tun würde). Die Main Street von Woodsboro als Ideal und Gegenpol – und wahrscheinlich in Wahrheit korrupte Fantasie – ist interessant, und Merle ist nicht annähernd so nervig wie bei seinem Auftritt in Staffel 1. 

The Walking Dead ist immer noch eine Serie, bei der ich mich gut aufregen kann, aber die Begleiterscheinungen sind wesentlich angenehmer geworden. Staffel 1 – okay. Staffel 2 – blah. Staffel 3 bislang gut.

Vorherige Beiträge:

The Walking Dead

Stand: Staffel 2, Folge 9

Stand: Ende Staffel 2

The Walking Dead – 2×13

Die zweite Staffel ist vorbei und ich möchte ein paar Highlights präsentieren.

Dem Ablauf dieser Staffel folgend mache ich aber erst mal lange nix.

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dum di dum

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Es dauert jedenfalls alles sehr lange und lässt sich Zeit für in der Regel blöde Dialoge und komische Geschichten, bei denen wir folgendes lernen: die Welt braucht starke männliche Führer. Die führen an, ohne dass sie jemand darum bittet, aber sagen gleichzeitig, dass sie diese Verantwortung ja nicht wollen. Und sie sind gute Traditionalisten.

Hershel nimmt sich Glenn zur Brust und gibt seinen väterlichen Segen für die Beziehung mit dessen Tochter Maggie, und die Serie behandelt dies tatsächlich als relevanten Moment.

Rick nimmt sich Shane zur Brust und stellt klar, dass es hier um seine Frau und sein Kind geht – wichtig ist nicht, mit wem Lori zusammen sein will, sondern wem sie gehört.

Lori steht in der Küche und tröstet Maggie, die vorher zwar selbst ausgeritten ist, jetzt aber immer zu Hause bleibt (es sind ja Männer da), und die sich nun um den abwesenden Glenn sorgt: „Männer müssen so etwas einfach tun. Wir sorgen dafür, dass hier alles am Laufen bleibt, bis die Männer zurückkommen.“ Und dann wirft Lori Andrea vor, dass diese den Wachdienst übernimmt: „Die Männer brauchen dich nicht. Aber hier gibt es genug zu waschen und zu kochen, und diese Arbeit bleibt dann an uns hängen, wenn du sie nicht machst.“

Das ist so furchtbar. Wir bekommen auch keinen Eindruck davon, dass irgendjemand außer den Polizisten Shane und Rick ein Leben vor der Apokalypse hatten, und daher irgendwas können. Wobei, das stimmt nicht ganz. Es gibt da noch den Fall von Randall. Und das ist eine coole Geschichte.

Zuletzt hatte ich erzählt, dass Rick einfach zwei Typen umgenietet hat, die sich halbwegs komisch verhielten, aber hallo – Apokalypse! Natürlich gehören die beiden zu einer Gruppe von Unmenschen, und bei einem kurzen Gefecht lassen diese Randall verletzt zurück. Rick rettet ihm das Leben und die Gruppe versorgt Randalls Wunden.

Schnitt! Und die nächste Folge sagt uns, dass der Kerl eine Woche später ausgesetzt werden soll. Hier gibt es anscheinend keine Diskussion, ob der in die Gruppe aufgenommen wird. Es ist ja nicht so, als würde eine größere Gruppe Sicherheit bedeuten und der Kerl dankbar sein, zumal er von den anderen im Stich gelassen wurde. Nein, er soll ausgesetzt werden, aber weil er den Weg zu Ricks Versteck kennt, ist nun die Frage, ob man ihn vielleicht besser gleich tötet.

Schnitt! Und er wird gefoltert, um sein Wissen über die andere Gruppe zu verraten. Also nicht, während er dankbar von der Verletzung genest, nein, jetzt wird er angekettet und gefoltert – und dann überlegt man, ob man ihn bei sich aufnehmen soll. Weil er nach Folter und Gefängnis ohne Wasser und ohne Brot ja so loyal sein wird. Das ist aber alles kein Problem, weil das nämlich Amis sind.

So. Und jetzt erfahren wir, dass Andrea Bürgerrechtsanwältin war, bevor die Welt endete. Aber nicht sie ist es, die mit der Hinrichtung (oder gar mit der Folter) ein Problem hat, sondern natürlich ein anderer Kerl, Dale. Weil wichtige Konflikte zwischen weißen Männern stattfinden. Da hätte ich lieber gedacht, dass Andrea Kassiererin war.

Und wenn Rick dann am Ende entscheidet, und sich dann wieder umentscheidet, dann nicken alle ab, und Lori sagt nur: „Ich bin sicher, du hattest deine Gründe“ und will die Gründe nicht mal hören. Weil Papa entscheidet.

Wobei Andrea sonst noch ganz gut wegkommt, weil sie als einzige Frau Interesse zeigt, mit Waffen umzugehen. Und dann auf der Flucht alleine Dutzende Zombies tötet, auch noch ohne Munition, aber vor dem letzten natürlich dann doch noch gerettet werden muss.

Die ganze Planung dieser Gruppe ist lächerlich. Die waschen sorgfältig ihre Wäsche, statt sich in Läden zu bedienen, aber haben keine Notfalltasche, keinen Notfallplan, keinen Austausch von Wissen, keine ständige Bewaffnung, keine Fallen, nicht einmal einen Expertenrat, sondern nur die bestimmende Hand von Rick Grimes, der zwar keine Ahnung hat, aber mal Sheriff war.

Absolut anstrengend, und trotzdem guckt man irgendwie weiter hin. Immerhin ist Michonne jetzt aufgetaucht, die ein Badass ist (Schwarze mit Samuraschwert!), aber in den Comics auch treue Soldatin Ricks ist. Und ich habe nicht den Eindruck, dass diese Serie sehr bald mit den amerikanischen Mythen aufhört, und danach ist eben ein starker weißer Mann mit Knarre in der Hand der beste Anführer.

Ach so, T-Dog lebt auch noch und darf zweimal was sagen. Aber wenn Michonne da ist, wird er bestimmt bald sterben. Zwei Schwarze in der Gruppe und dann noch ein Koreaner, ob das nicht zu viel ist…

Vorherige Beiträge:

The Walking Dead

Stand: Staffel 2, Folge 9

The Walking Dead – 2×09

Oh mein Gott. 

Inhalte: Sexismus, Rassismus, Dummheit, Schneckentempo

Gerade hatte ich noch Hoffnung. Zwei Tage später und ein paar Folgen weiter sehe ich die Sache etwas anders. Wir sind also bei The Walking Dead bis zu Folge 9 in Staffel 2 gekommen, auch bekannt als „Die Folge, wo am Ende was passiert.“

Denn passieren ist sonst eher eine Umschreibung dafür, etwas zu Breis zu kneten und den Saft zu gewinnen als für Erzähltempo in dieser Staffel. Da wird aber auch wirklich alles lang ausgedehnt, und dann allerdings mit eher bekannten Entwicklungen, sodass man schon mal einnicken kann.

Schlimmer aber noch ist das, was da beschrieben wird. Ich kann und muss auf einige Dinge eingehen.

  • Person of Color

In der ersten Staffel gab es eine Latino-Familie, eine schwarze Frau und einen schwarzen Mann, die mit der Gruppe reisten. Nun ist es nur noch ein schwarzer Mann. Der verletzt sich am Anfang der Staffel und hat danach nichts mehr zu tun. Er hat keine eigene Story, er hängt nur rum und ist manchmal zu sehen. Immerhin dreht sich eine eigene Storyline um Glenn, der ja Koreaner ist. Ansonsten befinden wir uns mitten in den Südstatten, auf einer Farm, und es gibt keine anderen Schwarzen. Keine anderen People of Color, ab und zu immerhin mal ein Zombie of Color. Das wars auch schon. Sehr enttäuschend.

NB: der Dicke ist natürlich schnell gestorben, immerhin auf eine unerwartete Weise, nachdem er sich als recht zäh erwiesen hatte und sogar richtig weglaufen durfte.

  • Frauen und das Patriarchat

Hier geht es nun richtig zur Sache, denn was Geschlechterverhältnisse und Rollenbilder angeht, könnte ich manchmal echt kotzen. Die Tatsache, dass der rassistische Macho Daryl die Sympathiefigur der Serie ist (die bislang einzige), sagt schon einiges aus. Daryls Verdienst: er will anderen (Frauen) nicht vorschreiben, was sie tun. Mit dieser Minimalvoraussetzung ist er schon gut dabei.

Ansonsten gibt es Hershel: er bewihnt eine Farm und ist der eindeutige Patriarch. Seine Regeln gelten, und ohne sein Wissen darf niemand am Schießtraining teilnehmen oder sonst etwas tun. Er bestimmt, wem geholfen wird. Als solches spricht er auch nur mit Rick aus der Gruppe der Reisenden, denn der ist ja der andere Anführer.

Rick: ist gar nicht der Anführer, verhält sich aber so. Alle anderen verhalten sich auch so. Nicht, dass es eine Wahl gegeben hätte oder man einen Rat gegründet hätte. Nein, Rick entscheidet einfach, und es wirkt wie ein natürliches Gesetz, dass der weiße Cowboy halt das Sagen hat.

Shane: Ricks bester Freund und die Schattenseite, weil sein Testosteron im Aggression endet nicht in Schutz. Dale: Mischt sich überall ein. T-Dog: ist der Schwarze und kommt nicht vor. Glenn: hat seinen tollen Moment, als er seine designierte Frau beschützen darf wie ein guter Mann. Carl: der Zehnjährige sagt auch schon an, was läuft, weil er der Sohn von Rick ist. 

Anstrengend ist dabei, dass die Verhaltensweisen stereotyp sind: Männer wollen alle beschützen und unterdrücken ihre Angst, Frauen lassen die Angst raus und müssen beschützt werden. Alle Männer bekommen eine Frau an die Seite, und der Konflikt besteht darin, dass Shane keine Frau für sich hat. 

Nehmen wir nur das Beispiel von Maggie, die mit Glenn anbandelt und ihm in einer Szene ein Ei in seine Mütze kloppt. Nun trägt Glenn die ganze Folge lang keine Mütze, bis Maggie am Ende nachgibt und sich anbietet, die Mütze zu waschen. Glenn ist unfähig, sogar seine Mütze sauber zu waschen, weil das ja der Job von Frauen ist.

Andrea lernt schießen – also, ein Mann muss ihr Stück für Stück schießen erklären -, und keine 5 Minuten, nachdem sie das erste Mal Wache hält, verwechselt sie einen Freund mit einem Zombie, schießt gegen den Befehl Ricks auf den „Zombie“ – und verfehlt diesen noch. 

Lori ist schwanger und… Mann. Nicht nur, dass in der Folge die „Pille danach“ als Abtreibungspille dargestellt wird, nein, keine einzige Person hält es auch nur ansatzweise für eine miese Idee, ein Baby in diese Welt zu setzen. Weder aus Gründen der Gesundheit von Kind und Frau (Ernährung, Hygiene, Medizin), noch aus Gründen der Sicherheit (schreiende Babys locken Zombies an). Das ist einfach total unrealistisch. Und natürlich benutzt Rick die Schwangerschaft dann noch, um Hershel zu erpressen, weil so gute Christen ja kein Problem haben, einen Zehnjährigen zu den Zombies zu schicken, aber ein ungeborenes Kond muss beschützt werden.

Diese einseitig männliche Perspektive, die auch dazu führt, dass Glenn vermutet, die Frauen würden alle zur selben Zeit ihre Tage haben, weil die gerade so gereizt wären, ist ärgerlich, weil sie auch eindeutig nicht gewollt einseitig ist, sondern im Drehbuchteam nicht erkannt wurde.

Genauso wie im Team wohl nicht gemerkt wurde, dass sich die Figuren von Folge zu Folge anders verhalten – also vor allem die Frauen. Weshalb wir von einem sich küssenden Paar Glenn und Maggie wechseln zu einer Szene, in der Maggie mit Glenn kein Wort wechselt.

Besonders frustrierend ist, dass entscheidende Gespräche oft ohne Beisein der Frauen stattfindet. Wenn es um Carols Tochter geht, reden Hershel und Rick und Shane und Daryl miteinander, aber Carol wird nicht involviert. 

Dabei glaube ich wirklich, dass das einfach schlechte Autorinnen sind (erneut – generisches Femininum). Die denken einfach, dass Lori in Gefahr geraten siollte. Dass nun in der Serie zum ersten Mal eine Frau ein Auto fährt und sofort einen Unfall hat, kommt denen gar nicht in den Sinn. Dass es vielleicht auch andere Möglichkeiten gibt als einen starken männlichen Anführer und Gewaltlösungen ebenso nicht. Darum ist Rick auch im Recht, wenn er zwei Fremde erschießt, die sich vage seltsam verhalten haben – die aber in dieser verhunzten Welt eventuell auch Grund haben, Ricks Verhalten zu beäugen. Aber das Drehbuch wird Rick wieder Recht geben.

Das ist zugegeben auch der Grund, warum ich immer wieder aufgehört habe, den Comic zu lesen. der heilige Rick und seine Machtposition – endgültiges Ende gab es dann bei mir, als Sohnemann Carl diesen Posten erbt -, und die bisweilen etwas zu heftige und schockierende Brutalität, die mir weniger inhaltlich motiviert schien als fiel mehr dadurch, dass man Grenzen pushen möchte.

Aber ich werde weitergucken und wieder berichten. Vielleicht sogar schon bald, wenn es in diesem Tempo weitergeht.

Vorherige Beiträge:

The Walking Dead