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7 Dinge über Walking Dead, Staffel 7 (erste Hälfte)

  1. Autor Normalverbraucher. Das Besondere an „The Walking Dead“ war immer das Setting, und nie die Drehbücher. Ich habe mir immer gewünscht, dass jemand wirklich überlegt, wie man dieses Setting zum Leben erweckt. Welche Dinge werden in der Zombie-Apokalypse wichtig, welche Verhaltensweisen gewöhnt man sich an, wie kann man Zivilisation erhalten, usw. Zwar gehen die Autor_innen (überwiegend Autoren) ab und zu auf solche Fragen ein, das bleibt in der Regel aber oberflächlich oder wird schnell verworfen. Immerhin ist es nicht wie bei „Game of Thrones“, wo die Verursacher der Serie thematische Fragen ja als unwichtig abgetan haben. (Das ist ein anderer Beitrag) Jedenfalls sieht die Realität so aus, dass dies normale Fernsehautor_innen sind, die eben was mit Zombies machen. Darum gibt es dann hier dieselben bekloppten Plots und Figuren und Entwicklungen wie sonst auch. Es fällt mir aber schwer, das hinzunehmen – siehe auch den Begleitartikel zu „Fear the Walking Dead“, der hier bald folgt.
  2. Grusel oder Ekel oder Langeweile. „The Walking Dead“ soll eine Horrorserie sein. Und mit der Zeit hat die Serie wirklich tolle Make-Up-Effekte und ein bisschen CGI, die eklig sind. So kommt nun eins zum anderen: Ekel ist einfacher als Horror. Gerade, wenn man wöchentlich ein neues Drehbuch abliefern muss, bleibt eine gute Figurenzeichnung oder langsames Steigern von Furcht auf der Strecke. Also wird immer wieder Blut, Gedärm, Schleim, oder auch Folter gezeigt, weil das eben eine Reaktion verursacht. Dabei hat die Serie zugegebenermaßen auch ein Talent für Hingucker, wenn z.B. ein Sandhaufen einstürzt und daraus eine Horde Zombies hervor-röcheln. Aber in der Masse kann das auch ermüdend wirken.
  3. Lieblingsfiguren. Das ist ganz normal. Fans bekommen Lieblingsfiguren. Die Autor_innen bekommen Lieblingsfiguren, oder auch Darsteller_innen, die ihnen einfach sehr sympathisch sind. Manche Darsteller_innen möchten die Serie verlassen, oder machen Probleme am Set. Andere sind vertraglich gebunden. Dadurch entsteht automatisch, dass bestimmte Figuren von der Geschichte verschont oder bevorzugt werden und andere eben eher bestraft. Die Aufgabe des Autor_innenteams ist es, dies durch die Welt erklärbar zu machen. Je länger eine Serie dauert, desto schwieriger wird das aber. So ist Carl z.B. ein richtiger Nervsack, aber er ist auch der Teenager und Vertreter einer wichtigen Zielgruppe, und kann man im Fernsehen wirklich noch weiter gehen, als diesem Jungen ein Auge zu nehmen? Also bekommt er keine richtig heftigen Plot-Szenen und wird unerklärlicherweise verschont, ist aber auch langweilig. Rick wiederum sollte inzwischen längst zum Bösewicht geworden sein, das bietet sich einfach an. Aber er ist die Hauptfigur, und solange Andrew Lincoln das nicht explizit fordert, wird Rick immer wieder zum Helden werden, so ist die Serie halt angelegt und niemand hat den Anreiz, für eine bessere Geschichte seinen_ihren Job zu riskieren, weil die Serie abgesetzt wird oder eine Figur herausgeschrieben, zumal wenn die Serie ohnehin erfolgreich ist.
  4. Negan. Negan, Negan, Negan. Hier kommen so viele Probleme zusammen. Die Autor_innen lieben ganz augenscheinlich diese Figur. Die Mitwirkenden mögen Jeffrey Dean Morgan. Negan ist ein Favorit aus den Comics und damit zielgruppenrelevant. Also bekommt dieser Typ etwa 3/4 der Redezeit und Sendezeit von nahezu jeder Folge, und wir sollen das toll finden statt ermüdend. Außerdem reicht die Präsentation eines offensichtlichen Bösewichts, denn sich eine funktionierende proto-faschistische Gruppe auszudenken oder Negan klare Ziele zu geben, ist anstrengend und zeitraubend. Schnell geht es wiederum, wenn man den Bösen zu einem unberechenbaren Irren macht (siehe auch das anfangs mittelmäßige und inzwischen grauslige „Sherlock“) Und also darf Negan in dieser Zeit immer wieder Menschen foltern, erpressen, bedrohen, weil es für die Autor_innen einfach ist, so einen Bösewicht zu inszenieren, und die Hoffnung besteht, dass Jeffrey Dean Morgan diesen Typen so faszinierend verkörpert, dass wir es hassen, ihn zu lieben. Aber stattdessen wird das nervig und anstrengend, und der Psychopath Negan wirkt so unberechenbar, dass auch ein wenig Gefahr verloren geht – immerhin muss er ständig die Figuren bedrohen, die aber (siehe oben) nicht sterben dürfen. Negan darf aber auch (noch) nicht sterben, also suhlt sich die Serie einfach in Folter und Psychopathie. Negan soll der große Publikumsmagnet sein, und anstatt zwei-, dreimal in der Staffel vorzukommen, während die Hauptfiguren andere Konflikte austragen und auch Erfolge haben, wird es zu einer unablässigen Depri-Dusche. Man hat den Eindruck, dass nichts passiert – und schlimmer noch, anstatt Angst vor Negan zu haben, fragt man sich, warum dem noch keiner eine Kugel durch den Kopf gejagt hat.
  5. Patriarchat. Ich muss das extra nennen, weil es mir so auf den Senkel geht. Immer sind die Typen die Chefs, haben die Typen Recht, retten die Typen den Frauen das Leben. Klassische Szene: Enid will die Siedlung verlassen, Carl sagt, sie solle das nicht tun, er würde ihr nicht wieder das Leben retten wollen. Enid geht. Nächste Szene: Carl rettet Enid das Leben. Dann geht er los, um Negan anzugreifen, und Enid kümmert sich um die schwangere Maggie. Weil das eben so ist mit Jungs und Mädels. Und Carol war mal die coolste, aber nun hat sie ein kleines Haus und will Hausfrau sein, weil es den Autor_innen wohl nicht passte, dass das Publikum Carol für die coolste hielt. Oder warum auch immer, interessante Dinge stellen sie mit ihr jedenfalls nicht an. Dazu gehört auch, dass am Ende doch immer Gewalt die richtige Lösung ist, und Leute wie Morgan, die hoffen, mit anderen reden zu können, per se falsch liegen – und damit nicht interessant sind, sondern naiv wirken.
  6. April, April. Was ist auch noch einfach, um eine Reaktion zu erzeugen? Überraschungsmomente und falsche Erwartungen zu erzeugen. Also wird Glenn getötet – aber halt, doch nicht! Er taucht wieder auf (und wird prompt getötet). Daryl wird verschleppt – aber es geht ihm gut! Da steht unser Kumpel Heath als Zombie… aber nein, es ist nur irgendein Zombie. Olivia schlägt Negan, aber nein, es passiert doch nix, aber doch, jetzt, aber nein, aber ja, aber… wenn der Umgang mit Figuren so wirkt wie aus „Little Britain“, gibt es ein Problem.
  7. 100 Folgen. Man erkennt, warum Serien es nur selten über so lange Zeit schaffen. Fernsehen ist ein Medium der Veränderung, und nach sieben Jahren lassen sich Figuren nicht so einfach ändern, und viel Platz für neue Leute gibt es dank der Lieblingsfiguren auch nicht. Also gibt es einerseits wenig Zeit, sich zu überlegen, warum jemand so handelt, wie er_sie es tut; es gibt wenig überraschende Antworten auf diese Fragen bei den etablierten Figuren (was langweilig wirkt) – oder unerklärte Änderungen (was unglaubwürdig wirkt). Und die Serien von heute wollen keine Archetypen, die sich an Konflikten reiben, das ist nicht en vogue (auch wenn sich das eignen würde: zuerst lernt man in der Apokalypse neu, wer man wirklich ist oder sein will, und dann prüft man dieses Bild an der Welt). Also gibt es Stunts: Überbösewichte, Schockmomente, Fake-Outs, noch mehr Schleim als vorher…

Es ist seltsam. Dies sind keine positiven Punkte, aber „The Walking Dead“ ist ein Flauschfaktor für mich. Wo ich mich früher aufgeregt habe, dass es diese Serie gibt und wie die so ist, gehört heute das Ärgern über ihre Fehler zu meiner Routine. Es ist entspannend, sich anzusehen, welchen Quatsch wir denn diesmal wieder zu sehen bekommen, und es ist in dieser Hinsicht schön, dass „Fear the Walking Dead“ genauso bekloppt ist. Hoffentlich geht das noch so lange weiter, bis Carl aufs College geht und Ricks verschollene Zwillingsschwester auftaucht, und sich herausstellt, dass Daryl die ganze Zeit ein Zombie war…

Fear the Walking Dead – 1×01

Die Ferien sind vorbei, ich habe wieder etwas Zeit im Zug. Und passenderweise gibt es neue Folgen von The Walking Dead, genauer Fear the Walking Dead, ein Ableger der Originalserie, der uns endlich zeigen soll, wie die Apokalypse ablief.

Fear the Walking Dead (FtWD) spielt in Los Angeles und handelt von der Beratungslehrerin Madison und ihrer Patchwork-Familie: sie hat eine Tochter (Einserschülerin Alicia) und einen knapp erwachsenen Sohn (Junkie Nick), ihr neuer Freund Travis hat noch seine Exfrau Liza und den Sohn Chris, mit denen er sich nicht versteht. Nick hat nun eine Begegnung mit einem Zombie in einer Drogenabsteige, und während im Land immer mehr Leute krank werden oder nicht zur Arbeit erscheinen, kommt die Familie der schrecklichen Wahrheit auf die Spur. Am Ende der Folge haben auch Madison und Travis ihren ersten Zombie gesehen und Alicia ist auf dem Weg zu ihrem Freund Matt, der krank geworden ist.

FtWD macht gleich zu Beginn ein paar Sachen besser: die anscheinenden Hauptfiguren sind eine weiße Frau und ein Latino, dessen Exfrau und Sohn auch Latin@ sind. Matt und der Kumpel des Sohnes, Calvin, sind schwarz, so wie der Rektor der High School (Art). Den Credits kann man entnehmen, dass noch zwei weitere Latin@-Figuren dazu kommen werden. Das ist ein sehr viel diverseres Bild als in der weiß-männlichen Originalserie, wo es schon ein Running Gag ist, dass es nur eine schwarze Nebenfigur geben darf, die gerade dann etwas Plot bekommt, wenn sie kurz davor ist, zu sterben und durch einen neuen Schwarzen ersetzt zu werden. 

Wobei zugegeben am Ende der ersten Folge bereits ein Schwarzer wieder tot ist, der Zweite wahrscheinlich ein Zombie und der dritte als Schulrektor wohl sterben wird. Es bleibt also abzuwarten, wie sehr doch wieder eine weiße und männliche Perspektive eingenommen wird.

Ebenfalls anstrengend finde ich die Langsamkeit der Erzählung. Als Zuschauer weiß ich ja, was grob passieren wird, und ich weiß auch, was Zombies sind. Nun aber mit den Figuren erneut durchzuspielen, was Zombies sind, wie sie zu töten sind, was in der Welt passiert usw. kann schon mal anstrengend sein. Da wäre es vielleicht geschickter gewesen, als Hauptfiguren eben keine „Normalfamilie“ zu nehmen. In der Schule gibt es einen Jungen (Tobias), der Madison vor dem Kommenden warnt –  warum nicht eine Familie, die auf alles gefasst ist oder schnell an die Apokalypse glaubt? Dann könnte man immer noch zeigen, wie andere die Warnungen ignorieren, aber man könnte ebenso sehen, wie Menschen bewusst versuchen (und es teilweise schaffen), sich auf die Katastrophe vorzubereiten. Dass hätte ich viel angenehmer empfunden, als dass hier Menschen durch verlassene Drogenhöhlen stapfen, in denen Blutlachen zu sehen sind, und das nicht weiter erwähnenswert finden. 

Eine gute Idee ist in meinen Augen, dass Nick ein Junkie ist. Die Versorgung mit Drogen oder Methadon in einer Zombiewelt bzw. ein kalter Entzug darin werfen ganz eigene Probleme auf, die interessant sein können. Ansonsten weiß ich nicht, ob wir wirklich Teenager gebraucht haben, die natürlich die weisen Ratschläge der Eltern in den Wind schlagen und sich selbst in Gefahr bringen werden, weil Gott bewahre, dass Teenager mal nicht wie blöde Hirnies agieren. Bezeichnend, dass Produktionen immer meinen, mit jungen Figuren schaffe man Identifikation mit Teenagern und würde sie dazu bringen, einzuschalten – dann aber diese Teens mit Idiotenplots ausstatten.

Die erste Folge fand ich jedenfalls vorsichtig empfehlenswert. Kein Knaller, aber ich will schon mal sehen, wo die Reise hingeht. Anzeichen, dass die Serie nicht so frustierend wird wie das Original, gibt es aber wenige.

Sense8

Sense8 ist eine Serie, in der 8 Menschen ihre Sinne teilen können. Sie wurde von den Wachowskis (Matrix) und J. Michael Straczynski (Babylon 5) für Netflix produziert in dem Wissen, dass die ganze Staffel auf einmal zu konsumieren ist.

Das bedeutet, dass sich die Serie viel Zeit lässt, um Plots zu entwickeln. Wir sehen in jeder Folge (fast?) alle 8 Personen und ihre eigenen Geschichten, die sich erst in der zweiten Hälfte der Staffel langsam kreuzen. Interessant dabei ist, dass die individuellen Geschichten unterschiedliche Genres bedienen – Herzschmerz, romantische Komödie, Gangsterfilm, Sozialdrama. Leider bleiben die Plots insgesamt sehr einfach – das Schöne an einer Serie ist ja eigentlich, dass komplexe Geschichten erzählt werden können, hier werden aber ziemliche Standard-Sachen abgespult, die nur besonders werden, weil Momente sich überschneiden.

Auch muss man den Wachowskis zubilligen, dass sie große Gedanken haben. Aber sie hauen diese Ideen mit einer Ernsthaftigkeit und Direktheit heraus, dass man entweder voll mitgeht oder sich etwas abgestumpft fühlt. Es ist Holzhammer-Fernsehen.

Toll ist, dass die Serie tatsächlich auch an Standorten rund um die Welt spielt und auch die Figuren international und divers sind. Wir haben ein lesbisches Liebespaar mit einer Transfrau, die auch von einer Transfrau gespielt wird. Der Berliner Gangster ist auch in Berlin. Es gibt 4 Männer und 4 Frauen, davon 2 homosexuelle Figuren und 4 PoC (2 männlich, 2 weiblich). Das ist extrem begrüßenswert, und toll ist zudem, dass die beste Love Story die erwähnte Geschichte der beiden Frauen ist.

Die Bilder sind auch teilweise beeindruckend. Mit Zeitlupenaufnahmen und Zoom-Effekten, vor allem in HD gefilmt und farbenfroh lässt sich Sense8 wirklich sehen.

Das Problem ist einfach die Dauer und die Schwere. Immer wieder gleicht die Serie einer Predigt von einer sehr wohlmeinenden Predigerin, die aber nicht zum Punkt kommt und nur ihre Botschaft im Kopf hat. Es gibt viel zu wenig Leichtigkeit, zu wenig Tempo, zu wenig Spielerei, man wird nur abgewatscht mit der Idee der Serie, dass Empathie ein evolutionärer Vorteil sei – was gleichwohl trotzdem nicht verhindert, dass die Figuren mitunter mal jemanden zusammenschlagen oder erschießen, wenn diese Leute nur richtig böse sind.

Das Konzept von Sense8 ist toll, die Darsteller, die Figuren passen auch. Aber die Geschichten, die erzählt werden, sind einfach unterkomplex, und die Figuren bleiben es dadurch auch. Scherenschnitt in Zeitlupe und ohne Witz ist letzten Endes ein „gut gemeint, aber nicht gut gemacht.“

Arrow – Staffel 1

Inhalt: erlösende Gewalt, Superheldinnen

Plot-Check: Oliver Queen war fünf Jahre verschollen: die Yacht des Milliardärs Robert Queen sank mit Robert, Oliver, Olivers Liebschaft und noch einem Typen an Bord, und Oliver rettete sich auf eine Insel. Als er dort fünf Jahre später gefunden wird, ist aus dem Playboy ein Mann geworden, der sich geschworen hat, die Korruption in seiner Heimatstadt auszumerzen. Dazu hat er einerseits eine Liste mit korrupten Menschen, andererseits einen Bogen und enorme körperliche Fähigkeiten, die er mit einer Kapuze bekleidet einsetzt.

Im Verlauf der ersten Staffel kommt es zu Konflikten mit Olivers ehemaliger Liebe, seinem besten Freund, seiner Familie (Mutter, Stiefvater, Tochter), seinem Bodyguard, einer IT-Spezialistin, … und Oliver deckt eine Verschwörung auf, die gleich einen ganzen Stadtteil seiner Heimat bedroht und von dem „dunklen Bogenschützen“ beschützt wird. Also viel Spielraum für Drama und interne Konflikte. Und für Action. Nebenher gibt es immer Rückblenden zu Olivers Zeit auf der Insel, welche nicht so verlassen war, wie man zuerst glauben mochte.

Insgesamt ist der Plot nur selten wirklich überraschend. Man kann ziemlich gut erahnen, welche Hürden sich als nächstes auftürmen, wie bestimmte Konflikte sich auflösen, welche Figuren vielleicht auch sterben. Die Serie ist diesbezüglich nicht besonders mutig. Allerdings verläuft alles stringent und nachvollziehbar, wenn auch nicht immer glaubwürdig – natürlich verliebt sich die Tochter einer der reichsten Familien in einen Habenichts aus dem Ghetto, und natürlich ist der wiederum ein echt guter Kerl ohne wirkliche Probleme. Natürlich geht die Sozial-Anwältin auch bei Androhung eines Terroranschlags noch in ihre Praxis im Ghetto, um dort Akten zu retten (oder was auch immer) – wer soll sie sonst dort retten? Und so weiter.

Größtes Problem ist hier, was zum Genre gehört, in Serien aber für mich immer schwerer wiegt als in Actionfilmen, weil diese Serien immerhin theoretisch die Zeit hätten, komplexer zu erzählen: der Mythos der erlösenden Gewalt. Und zwar ist die Gewaltausübung durch die Helden gut und richtig. Natürlich gibt es Lippenbekenntnisse dazu, dass sie nicht ihre Seele verlieren sollen oder so etwas, aber im Endeffekt führt Olivers Gewalt dazu, dass Bösewichte ihre Verbrechen gestehen und die Straßen sicherer werden, und dass Oliver das Ansehen seines Vaters ehrt. Das ist vor allem in seiner Einseitigkeit ein Problem: so funktioniert Gewalt immer, und damit wird Gewalt in der überwiegenden Mehrzahl von Texten als gute Alternative (oder gar als einzige) präsentiert. Wenn hier z.B. andere Figuren in ihrer Funktion als Polizist und Juristin agieren, scheitern sie, wo Olivers Gewalt Früchte trägt. Laurel gewinnt keinen Fall, ohne dass Oliver tötet oder bedroht. Diese Gewalt hinterlässt aber keine wirklichen Spuren, weder Hinterbliebene noch Traumata.

Positiv zu vermerken ist, dass weibliche Figuren zu keiner Zeit sexuell bedroht werden.

Figuren-Check: Oliver Queen, Moira Queen, Thea Queen, Tommy Merlyn, Malcolm Merlyn, Laurel Lance, Quentin Lance, Felicity Smoak, Roy Harper, Slade Wilson, Edward Fyers, dazu wiederkehrende Nebenfiguren Huntress, Count und Deadshot – alle weiß. PoC: Walter Steele, John Diggle, Shado, Yao Fei, China White (die weißhaarige Chinesin) sowie wiederkehrende Romanze XX, die so wichtig ist, dass sie nicht mal in Wikipedia steht, und John Diggles Schwägerin – PoC. Sehr großzügig gerechnet also 7:14, 1/3 PoC.

Gefühlt allerdings gibt es eine PoC-Hauptfigur, nämlich den Bodyguard und Arrows rechte Hand John Diggle. Dazu aber 9 weiße Hauptfiguren. Olivers Stiefvater ist zu Beginn noch Teil der Serie und wäre Figur Nummer zwei, wenn er nicht die meiste Zeit entführt wäre und rechtzeitig zurückkommt, um die Scheidung einzureichen und zum Finale wieder weg zu sein. Auf der Insel ist es etwas besser: da helfen Yao Fei und Yao Feis Tochter Oliver ebenso wie Slade, gegen Fyers zu kämpfen, und so steht es da mit 3 weißen und 2 PoC-Figuren etwas ausgeglichener.

Ansonsten ist Central City aber auch sehr weiß. Die korrupten Bösewichte, die Oliver in den einzelnen Folgen angeht, sind alle weiß und männlich. Es gibt einen asiatischen Bösewicht, der aber vom dunklen Bogenschützen erledigt wird und dann noch in Rückblenden auftaucht. Und andere PoC-Figuren verschwinden aus der Serie, während weiße Figuren gefühlt bleiben, sodass Laurels Assistentin oder auch Olivers kurze Romanze eher auffällig beendet und rausgeschrieben werden und die Serie damit bleicher wird.

Immerhin sind die Sprechrollen ansatzweise zwischen weiblich und männlich verteilt. Ja, die Bösen sind alle männlich, und Autoriätsfiguren (Polizeichef, Richter, Arzt) auch. Aber immerhin bei den oben beschriebenen 21 Figuren sind es immerhin 9 weibliche und 12 männliche, wobei der Fokus oft auf Olivers Familie oder seiner Beziehung zu Laurel liegt und Felicity zum Ende hin viel zu tun hat, sodass Frauen durchaus eine Rolle spielen.

Solange man nicht genauer hinsieht jedenfalls.

Laurens Rolle ist die der romantischen Liebe und der Dreiecksbeziehung zwischen Oliver und seinem besten Freund. Dabei sagt Oliver zwar, dass Laurel sich selbst entscheiden könne, aber wenn es dann ganz ernst wird, darf sich der Kumpel dann doch opfern. Auch hat Laurel nur selten eigene Fälle, die dann auch nicht von ihr, sondern durch Olivers Gewalt gelöst werden bzw. Oliver darf sie mehrfach retten. Laurel hat dabei zwei Szenen, in denen sie zeigt, dass sie sich wehren könnte – im Ernstfall bleibt davon aber wenig. Immerhin hat Laurel noch die Beziehung zu ihrem Vater, der Oliver dafür verantwortlich macht, dass seine andere Tochter bei dem Schiffsunglück starb, und der als Cop natürlich den Bogenschützen jagt.

Theas Rolle ist erst Sorgenkind wegen Drogen und dann die Frau zu sein, die dem Ghettojungen Roy ein besseres Leben zeigt. Sehr anspruchsvoll.

Moira ist zwar Teil der Verschwörung, aber nur zum Schutz ihrer Familie und ohne eigene Meinung.

Felicity ist ein Computernerd (mit Modelaussehen natürlich). Das wars dann auch schon mit der Charakterisierung der Damen. Hingegen ist John Diggle getrieben vom Mord seines Bruders und will versuchen, Olivers Rachefeldzug in menschlichen Bahnen zu halten. Tommy ist Olivers bester Freund, der Olivers wahre Liebe liebt. Aber er ist auch geschockt von der Idee, dass Oliver ein Killer ist, er versucht, sein Leben in den Griff zu kriegen, und er hat ein komplexes Verhältnis mit seinem Vater. Walter ist der neue Stiefvater, er liebt die Familie und kommt der Verschwörung auf die Spur und muss nun damit umgehen, dass seine Frau anscheinend darin verstrickt ist. Quentin hasst den Typen, den seine Tochter liebt, er jagt den Typen, der anscheinend ein Held ist, und knabbert immer noch am Tod seiner anderen Tochter. Malcolm ist verbittert vom Tod seiner Frau und will Rache, aber gleichzeitig das beste für seinen Sohn, den er aber im Stich ließ. Und Oliver ist als Hauptfigur natürlich ohnehin konfliktbeladener als alle anderen zusammen.

Die Männerrollen sind einfach griffiger. Verschlimmert wird dies dadurch, dass zum Finale hin alles noch typischer wird. Da gehen dann Oliver und John auf Verbrecherjagd, Quentin entschärft die Bombe und den Frauen wird gesagt, dass sie zu Hause bleiben sollen. Und wenn sie das nicht tun, müssen sie von ihren Männern noch gerettet werden. Das nervt echt.

Personen mit Behinderung oder nicht-normgerechten Aussehen gibt es nicht, außer evtl. leicht übergewichtige verschwitzte Bösewichte, an die ich mich nicht konkret erinnere.

Die Darstellerinnen sind insgesamt überzeugend. Stephen Amell als Oliver übertreibt es manchmal mit der Ernsthaftigkeit, wodurch seine Momente mit Witz und Charme erholsam sind. Auf der Insel muss er eine furchtbare Perücke tragen und wirkt manchmal doch sehr harmlos, weil er natürlich auch da schon extrem durchtrainiert ist. John Barrowman ist als Malcolm Merlyn etwas zu glatt. Am besten gefallen mir Colin Donell als Olivers bester Freund, Susanna Thompson als Olivers Mutter (die sicher auch eine komplexere Rolle gut umgesetzt hätte) und Emily Bett Rickards als IT-Expertin – sie beweist Gespür für Komik. Andere Darstellerinnen sind eher als Typen gefragt und funktionieren.

Produktions-Check: Die Serie ist ganz gut umgesetzt. Die Kämpfe finden natürlich oft im Dunkeln oder im Regen, mit Lichtblitzen und schnellen Schnitten statt, aber es gibt auch mal kurze Szenen von Sportlichkeit, in denen Stephen Amell als Oliver Queen und auch die anderen Figuren glaubwürdig agieren. Ansonsten ist es eben eine TV-Serie für einen normalen Sender mit begrenztem Budget, sodass es zu verkürzten Darstellungen kommt und man auch mal Abstriche macht. Aber die Serie wirkt nicht billig oder unglaubwürdig.

Fazit: Arrow habe ich während eines Aufenthalts im Krankenhaus gesehen. Es war unterhaltsam, und wenn man mal wegdöste, war es auch nicht schlimm. Das ist ein passendes Urteil.

Misfits, Pilotfolge

Puuh.

Inhalt: Sexismus, Klassismus, Superkräfte

Plot-Check: Jugendliche Straftäter bekommen Superkräfte. Ihr Bewährungshelfer auch und wird ihr erster Gegner. Witzige Idee, die in der ersten Folge auch gut umgesetzt wird: die Jugendlichen haben wenig Lust, ihre Sozialstunden abzuleisten, sie machen stupide Arbeit, sie gehen sich auf die Nerven… und müssen dann sowohl mit ihren Kräften als auch mit einem Kampf auf Leben und Tod klar kommen.

Figuren-Check: Hier sieht es auch erst Mal gut aus. Von den 6 Jugendlichen sind zwei schwarz (Curtis, Alisha) und zwei weiblich (Alisha, Kelly), der Bewährungshelfer ist auch schwarz. Da einer der Jugendlichen recht schnell zum Opfer wird, sind also 3 der 6 Hauptfiguren dieser Folge PoC und 2 von 6 weiblich.

In England hat man ja auch gerne eine klarere sozioökonomische Herkunft, und auch hier sind die Figuren unterschiedlich positioniert. Während drei Figuren (Curtis, Nathan und Alisha) eher der Mittelklasse zu entstammen scheinen (wirklich posh wirkt keine Figur), sind Kelly und das Opfer zumindest eher Arbeiterschicht-Kinder.

Positiv finde ich, dass die Jugendlichen sich deutlich gegen die Unterschichten-Tussi („Chav“) Kelly wenden, dass Kelly aber gleich dagegenhält und sich in der Folge am sozialsten verhält. Kelly wird (auch von ihrem Freund) mit Vorurteilen konfrontiert und erfüllt diese klar nicht, sondern geht sogar dagegen an.

Klingt alles gut, und jetzt kommen meine Ausschlusskriterien. Erstens ist da Nathan. Es ist passend, wie dieser weiße Kerl genau das repräsentiert, den privilegierten weißen Kerl, der alle unterbricht, der immer einen Spruch hat, der alle provoziert und doch glaubt, dass er bekommt, was er will. Es ist passend – aber es ist auch nervig, weil so ein Typ eben nervt. Dazu kommt, dass nicht klar ist, ob die Serie auch weiß, was für ein Arsch das ist, oder ihn als Hauptfigur sieht. Ich habe ob meiner Unsicherheiten im Wiki nachgelesen und erfahren, dass Nathan mit Kelly anbändelt (also kriegt er sie rum) und als Superkraft Unsterblichkeit hat, also nicht gerade eine Niete gezogen hat in der Superheldinnen-Lotterie. So einen Stereotyp zu haben und ihn dann abkacken lassen – bin dabei. Ihn gewinnen lassen – langweilig.

Zweitens ist da Alisha. Ihre Superkraft ist es, dass alle, die sie berühren, sexuell übermäßig erregt werden und sich auf sie stürzen wollen. Also quasi die Kraft, zum Vergewaltigungsopfer zu werden bzw. ihre Sexualität zur Manipulation einzusetzen. Wie ich wiederum dem Wiki entnehme, kann sie diese Kraft nicht einmal abstellen. Damit ist Alisha ein Musterbeispiel für funktionierende Rape Culture.

Die übrigen Superkräfte sind Zeitreisen (Curtis), Unsichtbarkeit (Simon) und Gedankenlesen (Kelly) – auch hier finde ich Gedankenlesen die passivste Kraft, es ist ja nicht einmal Zwei-Wege-Kommunikation. Aber wenn dazu ein Poster Boy für Privilegien und ein Poster Girl für Rape Culture kommen, bin ich raus. Als Sahne für obendrauf bekommt der Bewährungshelfer noch eine Superkraft in unbändiger Wut und wird damit zum Angry Black Man, der besiegt werden muss. Das ist mir zu unsensibel.

Die Darstellerinnen sind immerhin in Ordnung, wobei Nathans Robert Sheehan echt gut nervt und Kellys Lauren Socha ein Lichtblick ist.

Produktions-Check: Misfits ist eine Serie mit britischem TV-Budget, weshalb sie auch Kräfte auswählt, die wenig teuer zu inszenieren sind. In der Pilotfolge spielt sich das Meiste in einer alten Schule ab und damit mit wenigen Statisten, aber ansonsten kann ich wenig aussetzen oder besonders hervorheben. Ist okay.

Fazit: Ich wäre wohl dabei geblieben, aber die Hypersexualität von Alisha geht gar nicht. Gar. Nicht.

The Walking Dead – 4×08

Wir müssen erst mal über Carol reden.

Inhalt: Sexismus, Rassismus, Klischee, Krieg der Patriarchen, Gewalt

Direkt, nachdem Carol von Rick verbannt wurde, bekommen wir eine Doppelfolge, die sich in einem Rückblick nur mit dem Gouvernor beschäftigt und werden in einer dritten Folge dann endlich sein Ende sehen. In dieser dritten Folge…

  • Erklärt Rick Daryl, dass er Carol wegschicken musste, weil sie zu weit ging (und weil man den bösen Schwarzen Tyreese nicht bändigen kann, ein weiteres rassistisches Klischee, das Tyrone in der ganzen Zeit davor nicht zu erfüllen schien – nur direkt nach dem Tod seiner Geliebten und bei der gleichzeitigen Krankheit seiner Tochter ist er aggressiv)
  • Sagt Rick dem Gouvernor, dass doch alle schon Schlimmes getan hätten, und lädt ihn und seine Leute ernsthaft ein, mit ihnen im Gefängnis zu wohnen. Dieser Typ, der folterte, mordete, sexuell übergriffig war, ein Aquarium mit Zombieköpfen hatte und bereits bewiesen hat, dass er nicht vertrauenswürdig ist – dieser Typ darf rein, Carol aber nicht?
  • Erweckt die Show klar den Eindruck, dass Carol gar nicht die Leute getötet hat. Das war wohl die kleine Lizzie, die nun eine Ratte häutete und sezierte. Carol hat nur die Verantwortung übernommen, um die Kleine zu schützen. Was bedeutet, wenn Carol letztendlich wieder zur Gruppe stößt, dann wird Rick keinen Fehler damit begangen haben, sie generell wegzuschicken, er hatte nur die falschen Informationen. Ich hasse, dass hier Carols Geständnis dafür verantwortlich ist und Rick wieder fein raus.

So, nun aber zur Geschichte um den Gouvernor. Der wird von seinen letzten Leuten verlassen und wandert durch die Gegend, nimmt dann einen fremden Namen an (er ist ein neuer Mann, ha ha!) und trifft eine unmögliche Familie. Unmöglich, weil diese 2 Frauen mit einem Mädchen und einem kranken alten Mann ein Jahr in der Zombiewelt überlebten, ohne dass jemand ihren Essenslaster klaute oder sie was über Zombies lernten. Und so kann Mr. G nun dadurch glänzen, dass er ein Backgammonspiel und Sauerstoff besorgt in den langweiligsten Szenen aller Zeiten, weil er sich so langsam bewegt und wir ja bereits wissen, dass er überlebt. Ist halt ein Rückblick. Jedenfalls kann natürlich nur der Opa das Mädchen zum Lachen bringen und dann auch Mr. G (Männer eben), und die plötzlich hilflosen Frauen drängen sich ihm förmlich auf.

Nun ist die Frage, will die Show erzählen, wie G ein besserer Mensch wird und dann am Ende an den Umständen scheitert? Oder ist er ein unbelehrbarer Psychopath, der nur eine Rechtfertigung braucht? Weil die Show es selbst nicht genau weiß, bleibt das auch unklar. Immerhin gibt es die erste offene lesbische Beziehung, die genau eine Folge hält, dann stirbt eine der beiden. Und am Ende hat der Gouvernor den genialen Plan, das Gefängnis zu zerstören, um es einzunehmen. Was teilweise klappt (es wird zerstört) und Ricks Rudel wird dabei versprengt. Hershel wird von Mr. G getötet und Michonne tötet G nicht, damit eine weiße Frau das tun kann.

Letzten Endes bekamen wir zwei Rückblicke, die die Figur des Gouvernors wieder genau dahin brachten, wo er am Anfang war, nur mit einem Panzer. Irgendwie lohnte sich das nicht so besonders. Ich vermute fast (befürchte es), wir sollten Gs Schicksal als tragisch empfinden, weil er doch nur seine neue Familie beschützen wollte, und nicht als Resultat vergifteter Männlichkeit. Weshalb es auch beim Tod des kleinen Mädchens eher darum geht, was dieser Tod mit dem Gouvernor anstellt.

Echt dödelig, und dann wird mit einem Panzer das Gefängnis geschrottet. Was ganz okay war, aber da alle Hauptfiguren kugelimmun waren, auch nicht so spannend.

Vorherige Beiträge:

The Walking Dead

Stand: Staffel 2, Folge 9

Stand: Ende Staffel 2

Stand: Staffel 3, Folge 4

Stand: Ende Staffel 3

Stand: Staffel 4, Folge 5

The Walking Dead – Stand 4×05

Oh Mann, diese Show. Diese Show.

Inhalt: Patriarchat, Dummdödelei, Zombie-Thematik (Tot, Gewalt, usw).

Wir beginnen die vierte Staffel mit einem Zeitsprung. Das Gefängnis floriert und wird von einem Rat geleitet, weil Rick „eine Pause“ brauchte. So behandeln das auch alle, die warten nur darauf, dass Rick wieder das Ruder übernimmt, weil seine Entscheidungen so toll waren. Was er bald auch wieder unter Beweis stellt.

In den ersten 5 Folgen haben wir das Problem einer Zombiemeute vor dem Zaun. Der Zaun droht einzubrechen und tut das schließlich auch. Wir haben auch das Problem einer Grippewelle, die mit blutenden Augen zum Tod führt und dann Zombies im Lager der Überlebenden hervorbringt. Es gilt, Kranke zu isolieren und ein Heilmittel zu besorgen. Und alles ist so dämlich.

Beginnen wir mit der Tatsache, dass diese Serie es mag, Musik spielen zu lassen und nur die Figuren, gerne in Großaufnahme, zu zeigen. Da es aber schwer fällt, deren Motivation zu verstehen, selbst wenn die Figuren reden (weil sich die vermeintliche Motivation ständig ändert), ist es unmöglich, in den stoischen Gesichtern zu lesen. Man guckt einfach nur Leute an. Etwas wenig. Da liest Hershel zum Beispiel in der Bibel. Könnte eine tolle Idee sein: welchen Trost bietet ein Buch, das bis zur Apokalypse geht, nach der Apokalypse? Aber eine reife Glaubensdiskussion geht über die Autorinnen, und darum ist Hershel halt der Bibelleser.

Ähnlich wird mit Bob umgegangen (mit dem Namen bleibt er bestimmt ewig dabei), dem Alkoholiker. Wie geht man mit der Apokalypse um? Lässt man Alkis sich besaufen, oder nimmt man den Schnaps weg? Ein interessantes Thema, aber stattdessen wird Bob auf der Suche nach Medikamenten seinen riesigen Rucksack nur mit einer Flasche füllen und nicht noch zusätzlich Medikamente da rein tun, weil man sich ja ansonsten fragen muss, ob das Trinken an sich okay ist und nicht direkt sieht, dass der Kerl eine Gefahr ist.

Ansonsten handeln die Figuren eben immer noch sehr beschränkt. Erst, als die Grippe beginnt, sucht man nach Antibiotika, dabei sollten Infektionen doch eine der größten Gefahren darstellen und man würde bestmöglich vorsorgen. Mehr noch, der Grippeombie kann nur soviel Unheil stiften, weil die Leute zwar in Zellen schlafen, diese aber nicht abschließen. Wenn jeder seine Zelle schließen würde, käme der Zombie nicht rein und ein Zombie, der darin entsteht, nicht raus. 

Dann gibt es zwei weitere Kranke. Carol, die gerade einen Gebissenen getötet hat, kümmert sich um dessen Kinder. Carol kümmert sich ohnehin um die Kinder und muss an Rick vorbei im Geheimen denen beibringen, wie man sich verteidigen kann – dabei sollte das auf jeden Stundenplan der Zombiewelt stehen. Jedenfalls sieht Carol die Gefahr einer Epidemie und schleicht sich zu den Kranken und tötet sie, bevor sie zu Zombies werden. Dann verbrennt sie die Leichen (was komischerweise ein großer Affront ist, obwohl ich in so einer Welt voller Toten schnell zu Feuerbestattung gewechselt wäre). 

Wir erinnern uns: Rick hat zwei Typen erschossen, die nur seltsam redeten. Carl, sein Sohn, hat einen Typen erschossen, der sich ergeben wollte. Shane hat einen Dicken erschossen, um sich vermeintlich zu retten. In dieser Serie haben viele Leute fragwürdige Entscheidungen gefällt. Aber Carols Vergehen ist so groß, dass Rick sie verbannt. Ohne dies mit irgendjemandem abzusprechen und vermeintlich zu ihrem Schutz, weil man den Schwarzen nicht kontrollieren kann (starke und wütende Schwarze, der Klassiker) – aber auch, weil er Carol nicht bei seinen Kindern will. Seine Kinder, die Grimes selbst übrigens kaum sieht und nur wertschätzt, wenn sie sich als gute Schützen erweisen. Carl ist da klar im Vorteil zu seinem Baby, das Rick in der ganzen Serie insgesamt 10 Sekunden gehalten hat. Das Baby hat damals sofort geschrien. Die Verbannung wird von denen, die davon bislang erfahren haben, nüchtern bis positiv aufgenommen. Was totaler Bullshit ist.

 Es kommt jedenfalls zur Quarantäne, und wie wir später sehen, schließen sich die Kranken ein, sie werden nicht etwa eingeschlossen. Das heißt, dass die Kranken selbst rauskönnten, aber wenn jemand ihnen zuhilfe kommen möchte, kommt sie nicht herein. Tolle Idee. In diesem Zellenblock schließen sich die Leute immer noch nicht ein, und wenn jemand stirbt, wird sie heimlich rausgebracht und getötet (vor der Zombiewerdung), damit das niemand mitkriegt. Das stellt aber eine weitere Gefahr dar, und gleichzeitig ist nicht klar, ob die Kranken das nicht lieber sehen würden. Sie fragt ja niemand, das entscheidet der Hilfspatriarch Hershel, der freiwillig als Gesunder zu den Kranken geht. Als Maggie auch dazu will, lehnt er das aber ab, weil er die Gewalt über sie hat, und Maggie geht erst hinein, als ein Schuss fällt und nachdem Rick ihr explizit erlaubt, reinzugehen. Weil Selbstbestimmnung in dieser Serie ein Witz ist. Der einfachste Weg zu Überleben ist es, um den Tod zu bitten. 

Draußen sind derweil die Zombies vor dem Gatter. Schon vorher dachte ich immer, dass die Bewohner alle Zombies der Umgebung töten sollten – in den Actionszenen sieht man, dass dies nicht schwer ist, vor allem nicht, wenn ein Zaun dazwischen ist. Machen sie aber nicht, und nun sind es zu viele geworden. Wieder tun die Leute nix, bis der Zaun einbricht, dann erinnern sie sich an ihre Schnellfeuergewehre. Und weil es diese Serie ist, sind gleichzeitig die Kranken in der Quarantäne bedroht, und so darf Rick seinen Sohn bitten, ihm mit den Maschinengewehren zu helfen. Danach hat Rick auch wieder Respekt für seinen kleinen Soziopathen.

Als Hinweis darauf, wie Festhalten am Patriarchat und fehlende Voraussicht, fehlende Offenheit und Diskussionskultur und Missachtung der Stimmen von Frauen und Minderheiten zu Bedrohung werden, ist „The Walking Dead“ weiterhin beeindruckend. Als intelligente Serie versagt sie völlig. 

Ich werde bestimmt noch einmal oder zweimal zu Staffel 4 schreiben, danach ist die Serie ja momentan nicht im Free TV. Jetzt kommt ja der Gouvernor zurück, und weil ich darauf warte, was Daryl zu Carols Verbannung sagt, wird er wahrscheinlich nix sagen. Bis dahin aber starre ich ein wenig nichtssagend aus dem Fenster und lasse laut Musik laufen. 

Vorherige Beiträge:

The Walking Dead

Stand: Staffel 2, Folge 9

Stand: Ende Staffel 2

Stand: Staffel 3, Folge 4

Stand: Ende Staffel 3

The Walking Dead – Ende Staffel 3

Inhalt: Patriarchat, schlechte Bücher, dumme Figuren

„The Walking Dead“ ist die perfekte Hass-Serie. Sie könnte so gut sein und ist es doch nicht. Ihr Setting erlaubt Ideen, was man besser machen würde. Oder zumindest anders. Und obwohl die Serie das heilige männliche Reich weißer Patriarchen nachspielt, ist es nicht wie bei „Game of Thrones“, wo eine weibliche Figur erst dann in der Serie angekommen ist, wenn sie völlig nackt war oder vergewaltigt wurde oder beides. 

Und damit Willkommen zum Staffelrückblick!

Ich stelle mir das so vor, dass die Autorinnen (Ha!) der Serie zwei Ideen für eine ganze Staffel haben und dann eine Folge schreiben, in der alles beginnt, zwölf Folgen, in denen nichts passiert, und eine Folge, in der ihre Ideen passieren. So könnte sich ergeben, dass in der Serie so eine große Angst vor Konsequenzen herrscht, dass in Folge 7 jemand sagen kann „wir ziehen in den Krieg“ und dann in Folge 16 (!) dieser Krieg darin besteht, dass fünfzehn Sekunden lang rumgeballert wird und dann eine Seite flüchtet. Fertig.

Immer noch stehen die Männer eindeutig im Vordergrund der Serie. Jede weibliche Figur musstge bereits mindestens einmal von anderen vor Zombies gerettet werden, die männlichen Figuren packen das in der Regel. In der dritten Staffel wird einmal ein Mann an einen Stuhl gefesselt gegen einen Zombie geschickt: der packt das natürlich. Einer Frau passiert dasselbe: sie wird gebissen. Wenn eine Frau einen Zombie anfährt, überschlägt sich der Wagen, ein Mann bringt den Wagen wieder auf die Spur.

Ich glaube immer noch (anders als bei Game of Thrones – Seitenhieb 2), dass die Autorinnen aber überwiegend ahnungslos sind. Sie schreiben einfach einzelne Szene, und die sind dann durch die Implikation und die handelnden Figuren verdächtig. Die Autorinnen hinterfragen die männlichen Führungsansprüche nicht, sie sind einfach so durch die Figurenkonstellation geworden.

Ich glaube das, weil auch sonst die Autorinnen wenig Konsistenz aufrechterhalten, sondern gefühlt von Folge zu Folge und Szene zu Szene entscheiden, was passieren soll, und dann die vorhandenen Figuren das halt machen lassen, ob das logisch ist oder nicht. Weshalb Figuren in einer Folge geschickt reagieren über etwas, das sie zwei Minuten später selbst tun, und ähnliches.

Darum ist the Walking Dead auch voller thematischer Annsätze, die aber mehr immanent in den Situationen entstehen und nicht gewollt erscheinen. Nehmen wir nur Woodbury (was ich im letzten Beitrag Woodsboro) genannt habe. Diese Stadt und ihr Anführer, der Gouvernor, könnten verschiedene Zwecek erfüllen: ist es eine Parallele für das, was das Gefängnis für Ricks Rudel sein könnte? Eine korrupte Variante oder eine gelungene? Ist der Fall von Woodbury eine Parallele, sodass der Gouvernor und Rick gemeinsam brutaler werden, aber Rick die Kurve kriegt? Ist der Gouvernor von vorneherein ein Bösewicht? Ist die Stadt ein Zeichen dafür, dass zu große Gruppen in dieser neuen Welt sich zerfleischen? Oder eher ein Ansporn? Die Autorinnen haben anscheinend keine feste Idee dafür, weshalb dieser Plot auch so schwammig behandelt wird. Dazu kommt, dass Rick (und sein Rudel, aber vor allem Rick) keine Fehler machen dürfen, sodass auch die blödesten Entscheidungen nicht infrage gestellt werden udn Figuren ständig kommen, um Rick explizit zu loben und klug zu nennen.

Dabei passiert dann so etwas wie: 4 Neuankömmlinge erreichen das Gefängnis und leben sich dort halbwegs ein. Sie erscheinen vertrauenswürdig. Rick kommt und sieht sie – und er sieht seine verstorbene Frau. Während er sich offensichtlich für alle mit nicht Anwesenden unterhält, schickt er die Neuen davon. Und keine der anderen Personen findet das komisch, sondern sie machen, was Rick will.

So funktionieren Menschen nicht. In dieser Welt, in der Überlebende ja überlebensreif waren, wird es doch mindestens eine Person geben, die einem offensichtlich realitätsfremden Anführer nicht mehr folgt. Ebenso, als der Gouvernor seine Leute alle erschießt und nur zwei überlässt – dass diese beiden nicht allein aus Selbstschutz den Gouvernor erschießen, der ihnen aktuell nichts zu bieten hat, ist schwer vorstellbar.

Außer in dieser Welt, wo weiße Führer Gehorsam bekommen.

Ärgerlich auch, dass die Storys sich fast ausschließlich um die Männer richten – auch der sexuelle Übergriff auf eine Frau führt zu einer Betrachtung, was das mit ihrem Liebsten macht. Die eine Figur mit halbwegs eigener Storyline ist Andrea, und auch die steckt nach und nach gegen den Gouvernor zurück. Mehr noch aber, Andreas Story handelt davon, wie sie sich in einen Psychopathen verliebt und das zu spät erkennt. Also Klischee hoch drei. Michonne als neue Figur erlebt ähnliches, weil sie in Nebensätzen zum Opfer von Vergewaltigung wird und einer Mutter ohne Kind und somit ihre Härte durch Trauma motiviert wird. Wo sonst Härte durch Testosteron allein entsteht. Und wenn Michonne sich in Woodsbury nicht wohl fühlt, liegt das nicht an besonderer Wahrnehmung, sondern daran, dass sie wegen Andrea eifersüchtig auf den Gouvernor ist (keine Sorge, das ist nur implizit lesbisch bzw. bisexuell, explizit ein Freundschaftsbruch). Wenn sie den Gouvernor töten will, dann nicht, weil sie dessen Verfasstheit durchschaut, sondern weil sie Andrea aus Rache weh tun will. Frauen halt. 

Schließlich finde ich nervig, wie wenig sich die Anführer um ihr Gefolge scheren und nachfragen, was die denn wollen. Da wird einfach entschieden, bis hin zu Gefühlsebene (du musst hart werden), und da wird so getan, als sei diese Führung irgendwie legitimiert. Aber tatsächlich verhalten sich die Menschen wie Schafe und zwar nicht, wenn es um eine abstrakte Steuererhöhung geht, sondern ihr nacktes Überleben.

Wenig durchdacht auch die Aktionen der Gruppen. Wo klar ist, dass die Größe einer Gruppe ihre Stärke ausmacht, will Rick niemanden aufnehmen und lässt sogar einzelne Menschen den Zombies – hat aber natürlich gleichzeitig kein Problem, Experimente des Gouvernors zu verurteilen. Das Gefängnis, dass Ricks Leute einnehmen, wird niemals richtig genutzt. Da müsste es Strom geben, eine Küche, eine Werkstatt, eine Krankenstation, Möglichkeiten, einzelne Trakte abzusperren und so weiter. Aber Ricks Rudel hat anscheinend nicht einmal einen Plan, diese Ressourcen nutzbar zu machen. Da entsteht immer nur ein Bedarf von jetzt auf gleich und dann muss man schnell sehen, wie der gedeckt wird. Umso grotesker, dass alle Ricks Führung so sehr loben. Es gibt nicht einmal regelmäßiges Training in Selbstverteidigung und anderen nützlichen Fähigkeiten. Stattdessen passen die Frauen auf das Baby auf und die Männer suchen nach dem Zeug, das gerade plötzlich aktuell wird.

Wenn dann auch noch die Motivation der Figuren so nebulös bleibt und von Folge zu Folge wechseln kann, wenn keine thematische Dichte herrscht, sondern nur Ansätze, wenn die Action auch irgendwie nicht befriedigen kann, vor allem nachdem man viele Folgen warten musste (auf den Showdown) – warum guckt man das dann? Auch die Effekte sind nicht mehr so gut wie vorher.

Letztes Problem sind die Zombies. Wenn man bisweilen sieht, wie einfach diese Untoten beseitigt werden, wie toll ausnahmslos alle Figuren auch im Laufen mit einer Pistole auf 30 Meter ihnen in den Kopf schießen können (nur um dann beim Gefecht mit dem Gouvernor zu Sturmtruppen-Präzision zu wechseln), dann sind Zombies nicht mehr so gefährlich, wie andere Szenen suggerieren. Nachdem Glenn in 5 Sekunden an einen Stuhl gefesselt einenZombie platt macht, bleibt halt nicht viel Grund, warum die Figuren im Gefängnis nicht nach und nach alle Zombies platt machen und auch den Zaun frei halten. 

Aber der Reiz dieser Idee lockt dann doch. Was würde man anders – also besser – machen als Rick? Welche akute Krise hätte man längst schon erahnt und wie würde man sie nun bewältigen? Kopfschütteln über die Dummdödel und damit auch über die Autorinnen, Ärger über den Fokus der Handlung auf den weißen Männern (und sowohl der Koraner Glenn als auch das Kind Carl zählen hierzu), gefolgt von den Frauen (mit Abstand, und damit ist eigentlich nur Andrea gemeint), gefolgt von schwarzen Männern.

Das Potenzial, dass „The Walking Dead“ hat, lässt mich einschalten. Die Verschwendung dieses Potenzials lässt uns vor der Flimmerkiste diskutieren, und die relative Zurückhaltung bei sexuellen Übergriffen sorgt dafür, dass diese Serie toll ist, um sie zu hassen und eben nicht abstoßend gewalttätig ist wie „Game of Thrones“ (Seitenhieb 3, Mission erfüllt).

Vorherige Beiträge:

The Walking Dead

Stand: Staffel 2, Folge 9

Stand: Ende Staffel 2

Stand: Staffel 3, Folge 4

The Walking Dead – 3×01 bis 3×04

Ich hatte Trost. In der dritten Staffel werde es besser, hieß es. 

Bislang kann ich sagen: es wurde. 

Oh, die Serie hat weiterhin Elemente, die mich aufregen. So ist in der Grimes-Gang die Verteilung zwischen Frauen und Männern eindeutig (Frauen: reagieren emotional, kümmern sich um Kinder – Männer: reagieren mit Stoizismus oder Wut, kümmern sich um Zombies), sodass dem jungen Carl (zwischen 11 und 13) regelmäßig mehr Verantwortung aufgebürdet wird als erwachsenen Frauen (und er sich auch so verhält). Auch in dem neuen Städtchen Woodsboro, wo der Gouverneur eine nicht ganz heile, aber zumindest sichere Welt errichtet hat, ist das ähnlich. Frauen pflanzen an und Männer beschützen. Andrea ist pro Gouverneur, aber leider mit der Andeutung einer Romanze, sodass man dieser emotionalen Frau das nicht abnehmen kann.

Lori ist übrigens die schlimmste Ausprägung des Ganzen, da sie ihr Heil und ihren Lebenssinn buchstäblich durch ihre Schwangerschaft erfüllt. Und auch in Woodsboro gibt es schwangere Frauen. Beide Gruppen haben auch ihre besondere Ausnahme: bei Rick Grimes ist es Maggie, die zwar auch emotional ist und heult, aber immerhin mit auf Zombiejagd geht. Und in Woodsboro ist es Andreas neue Freundin Michonne, die sehr cool ist, aber wahrscheinlich wird sich ihre Härte als Resultat ganz besonderer Traumatisierung erweisen. Weil Frauen ja sonst nicht so sein können.

Ebenso enervierend ist die fehlende Voraussicht. Die Autorinnen (ha!) müssen sich natürlich um spannende Plots kümmern, bevor sie realistisch werden, aber es ist trotzdem unverständlich, wie wenig die Grimes-Gang anscheinend bespricht und plant. Da hat man eine Schwangere dabei und anscheinend weder ein OP-Set vorbereitet, noch sich Gedanken über die Erfordernisse eines Babys gemacht für den Fall, dass die Mutter stirbt. Noch hat man sich überlegt, wie man mit Neuankömmlingen umgeht. Noch fragt irgendjemand irgendjemanden mal, was sie für Fertigkeiten aus der Vergangenheit mitbringt. Denn es gibt ja viele nützliche Fertigkeiten – und nebenbei ist es unrealistisch, dass keine Frau aus unserer Zivilisation mehr gelernt hat als zu kochen und zu putzen -, und man muss sich auch gewahr sein, dass in der Apokalypse Menschen sterben werden, sodass man Stärke in der Gruppengröße suchen sollte – also nicht alle Leute per se ablehnen.

Die Idee, dass die Welt eine andere ist, wird zwar oft wiederholt, aber von Grimes und Co nicht wirklich gelebt, auch fast ein Jahr nach der Apokalypse nicht. Sexismus und Dummheit sind aber in Kombination hart zu ertragen.

Allerdings gibt es auch ein Licht am Tunnelende. In der dritten Staffel passiert was, und zwar regelmäßig. Die Übernahme eines Gefängnisses als Basis ist eine gute Idee (wenn auch nicht so umgesetzt, wie ich es an Ricks Stelle tun würde). Die Main Street von Woodsboro als Ideal und Gegenpol – und wahrscheinlich in Wahrheit korrupte Fantasie – ist interessant, und Merle ist nicht annähernd so nervig wie bei seinem Auftritt in Staffel 1. 

The Walking Dead ist immer noch eine Serie, bei der ich mich gut aufregen kann, aber die Begleiterscheinungen sind wesentlich angenehmer geworden. Staffel 1 – okay. Staffel 2 – blah. Staffel 3 bislang gut.

Vorherige Beiträge:

The Walking Dead

Stand: Staffel 2, Folge 9

Stand: Ende Staffel 2

The Walking Dead – 2×09

Oh mein Gott. 

Inhalte: Sexismus, Rassismus, Dummheit, Schneckentempo

Gerade hatte ich noch Hoffnung. Zwei Tage später und ein paar Folgen weiter sehe ich die Sache etwas anders. Wir sind also bei The Walking Dead bis zu Folge 9 in Staffel 2 gekommen, auch bekannt als „Die Folge, wo am Ende was passiert.“

Denn passieren ist sonst eher eine Umschreibung dafür, etwas zu Breis zu kneten und den Saft zu gewinnen als für Erzähltempo in dieser Staffel. Da wird aber auch wirklich alles lang ausgedehnt, und dann allerdings mit eher bekannten Entwicklungen, sodass man schon mal einnicken kann.

Schlimmer aber noch ist das, was da beschrieben wird. Ich kann und muss auf einige Dinge eingehen.

  • Person of Color

In der ersten Staffel gab es eine Latino-Familie, eine schwarze Frau und einen schwarzen Mann, die mit der Gruppe reisten. Nun ist es nur noch ein schwarzer Mann. Der verletzt sich am Anfang der Staffel und hat danach nichts mehr zu tun. Er hat keine eigene Story, er hängt nur rum und ist manchmal zu sehen. Immerhin dreht sich eine eigene Storyline um Glenn, der ja Koreaner ist. Ansonsten befinden wir uns mitten in den Südstatten, auf einer Farm, und es gibt keine anderen Schwarzen. Keine anderen People of Color, ab und zu immerhin mal ein Zombie of Color. Das wars auch schon. Sehr enttäuschend.

NB: der Dicke ist natürlich schnell gestorben, immerhin auf eine unerwartete Weise, nachdem er sich als recht zäh erwiesen hatte und sogar richtig weglaufen durfte.

  • Frauen und das Patriarchat

Hier geht es nun richtig zur Sache, denn was Geschlechterverhältnisse und Rollenbilder angeht, könnte ich manchmal echt kotzen. Die Tatsache, dass der rassistische Macho Daryl die Sympathiefigur der Serie ist (die bislang einzige), sagt schon einiges aus. Daryls Verdienst: er will anderen (Frauen) nicht vorschreiben, was sie tun. Mit dieser Minimalvoraussetzung ist er schon gut dabei.

Ansonsten gibt es Hershel: er bewihnt eine Farm und ist der eindeutige Patriarch. Seine Regeln gelten, und ohne sein Wissen darf niemand am Schießtraining teilnehmen oder sonst etwas tun. Er bestimmt, wem geholfen wird. Als solches spricht er auch nur mit Rick aus der Gruppe der Reisenden, denn der ist ja der andere Anführer.

Rick: ist gar nicht der Anführer, verhält sich aber so. Alle anderen verhalten sich auch so. Nicht, dass es eine Wahl gegeben hätte oder man einen Rat gegründet hätte. Nein, Rick entscheidet einfach, und es wirkt wie ein natürliches Gesetz, dass der weiße Cowboy halt das Sagen hat.

Shane: Ricks bester Freund und die Schattenseite, weil sein Testosteron im Aggression endet nicht in Schutz. Dale: Mischt sich überall ein. T-Dog: ist der Schwarze und kommt nicht vor. Glenn: hat seinen tollen Moment, als er seine designierte Frau beschützen darf wie ein guter Mann. Carl: der Zehnjährige sagt auch schon an, was läuft, weil er der Sohn von Rick ist. 

Anstrengend ist dabei, dass die Verhaltensweisen stereotyp sind: Männer wollen alle beschützen und unterdrücken ihre Angst, Frauen lassen die Angst raus und müssen beschützt werden. Alle Männer bekommen eine Frau an die Seite, und der Konflikt besteht darin, dass Shane keine Frau für sich hat. 

Nehmen wir nur das Beispiel von Maggie, die mit Glenn anbandelt und ihm in einer Szene ein Ei in seine Mütze kloppt. Nun trägt Glenn die ganze Folge lang keine Mütze, bis Maggie am Ende nachgibt und sich anbietet, die Mütze zu waschen. Glenn ist unfähig, sogar seine Mütze sauber zu waschen, weil das ja der Job von Frauen ist.

Andrea lernt schießen – also, ein Mann muss ihr Stück für Stück schießen erklären -, und keine 5 Minuten, nachdem sie das erste Mal Wache hält, verwechselt sie einen Freund mit einem Zombie, schießt gegen den Befehl Ricks auf den „Zombie“ – und verfehlt diesen noch. 

Lori ist schwanger und… Mann. Nicht nur, dass in der Folge die „Pille danach“ als Abtreibungspille dargestellt wird, nein, keine einzige Person hält es auch nur ansatzweise für eine miese Idee, ein Baby in diese Welt zu setzen. Weder aus Gründen der Gesundheit von Kind und Frau (Ernährung, Hygiene, Medizin), noch aus Gründen der Sicherheit (schreiende Babys locken Zombies an). Das ist einfach total unrealistisch. Und natürlich benutzt Rick die Schwangerschaft dann noch, um Hershel zu erpressen, weil so gute Christen ja kein Problem haben, einen Zehnjährigen zu den Zombies zu schicken, aber ein ungeborenes Kond muss beschützt werden.

Diese einseitig männliche Perspektive, die auch dazu führt, dass Glenn vermutet, die Frauen würden alle zur selben Zeit ihre Tage haben, weil die gerade so gereizt wären, ist ärgerlich, weil sie auch eindeutig nicht gewollt einseitig ist, sondern im Drehbuchteam nicht erkannt wurde.

Genauso wie im Team wohl nicht gemerkt wurde, dass sich die Figuren von Folge zu Folge anders verhalten – also vor allem die Frauen. Weshalb wir von einem sich küssenden Paar Glenn und Maggie wechseln zu einer Szene, in der Maggie mit Glenn kein Wort wechselt.

Besonders frustrierend ist, dass entscheidende Gespräche oft ohne Beisein der Frauen stattfindet. Wenn es um Carols Tochter geht, reden Hershel und Rick und Shane und Daryl miteinander, aber Carol wird nicht involviert. 

Dabei glaube ich wirklich, dass das einfach schlechte Autorinnen sind (erneut – generisches Femininum). Die denken einfach, dass Lori in Gefahr geraten siollte. Dass nun in der Serie zum ersten Mal eine Frau ein Auto fährt und sofort einen Unfall hat, kommt denen gar nicht in den Sinn. Dass es vielleicht auch andere Möglichkeiten gibt als einen starken männlichen Anführer und Gewaltlösungen ebenso nicht. Darum ist Rick auch im Recht, wenn er zwei Fremde erschießt, die sich vage seltsam verhalten haben – die aber in dieser verhunzten Welt eventuell auch Grund haben, Ricks Verhalten zu beäugen. Aber das Drehbuch wird Rick wieder Recht geben.

Das ist zugegeben auch der Grund, warum ich immer wieder aufgehört habe, den Comic zu lesen. der heilige Rick und seine Machtposition – endgültiges Ende gab es dann bei mir, als Sohnemann Carl diesen Posten erbt -, und die bisweilen etwas zu heftige und schockierende Brutalität, die mir weniger inhaltlich motiviert schien als fiel mehr dadurch, dass man Grenzen pushen möchte.

Aber ich werde weitergucken und wieder berichten. Vielleicht sogar schon bald, wenn es in diesem Tempo weitergeht.

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