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7 Dinge über Walking Dead, Staffel 7 (erste Hälfte)

  1. Autor Normalverbraucher. Das Besondere an „The Walking Dead“ war immer das Setting, und nie die Drehbücher. Ich habe mir immer gewünscht, dass jemand wirklich überlegt, wie man dieses Setting zum Leben erweckt. Welche Dinge werden in der Zombie-Apokalypse wichtig, welche Verhaltensweisen gewöhnt man sich an, wie kann man Zivilisation erhalten, usw. Zwar gehen die Autor_innen (überwiegend Autoren) ab und zu auf solche Fragen ein, das bleibt in der Regel aber oberflächlich oder wird schnell verworfen. Immerhin ist es nicht wie bei „Game of Thrones“, wo die Verursacher der Serie thematische Fragen ja als unwichtig abgetan haben. (Das ist ein anderer Beitrag) Jedenfalls sieht die Realität so aus, dass dies normale Fernsehautor_innen sind, die eben was mit Zombies machen. Darum gibt es dann hier dieselben bekloppten Plots und Figuren und Entwicklungen wie sonst auch. Es fällt mir aber schwer, das hinzunehmen – siehe auch den Begleitartikel zu „Fear the Walking Dead“, der hier bald folgt.
  2. Grusel oder Ekel oder Langeweile. „The Walking Dead“ soll eine Horrorserie sein. Und mit der Zeit hat die Serie wirklich tolle Make-Up-Effekte und ein bisschen CGI, die eklig sind. So kommt nun eins zum anderen: Ekel ist einfacher als Horror. Gerade, wenn man wöchentlich ein neues Drehbuch abliefern muss, bleibt eine gute Figurenzeichnung oder langsames Steigern von Furcht auf der Strecke. Also wird immer wieder Blut, Gedärm, Schleim, oder auch Folter gezeigt, weil das eben eine Reaktion verursacht. Dabei hat die Serie zugegebenermaßen auch ein Talent für Hingucker, wenn z.B. ein Sandhaufen einstürzt und daraus eine Horde Zombies hervor-röcheln. Aber in der Masse kann das auch ermüdend wirken.
  3. Lieblingsfiguren. Das ist ganz normal. Fans bekommen Lieblingsfiguren. Die Autor_innen bekommen Lieblingsfiguren, oder auch Darsteller_innen, die ihnen einfach sehr sympathisch sind. Manche Darsteller_innen möchten die Serie verlassen, oder machen Probleme am Set. Andere sind vertraglich gebunden. Dadurch entsteht automatisch, dass bestimmte Figuren von der Geschichte verschont oder bevorzugt werden und andere eben eher bestraft. Die Aufgabe des Autor_innenteams ist es, dies durch die Welt erklärbar zu machen. Je länger eine Serie dauert, desto schwieriger wird das aber. So ist Carl z.B. ein richtiger Nervsack, aber er ist auch der Teenager und Vertreter einer wichtigen Zielgruppe, und kann man im Fernsehen wirklich noch weiter gehen, als diesem Jungen ein Auge zu nehmen? Also bekommt er keine richtig heftigen Plot-Szenen und wird unerklärlicherweise verschont, ist aber auch langweilig. Rick wiederum sollte inzwischen längst zum Bösewicht geworden sein, das bietet sich einfach an. Aber er ist die Hauptfigur, und solange Andrew Lincoln das nicht explizit fordert, wird Rick immer wieder zum Helden werden, so ist die Serie halt angelegt und niemand hat den Anreiz, für eine bessere Geschichte seinen_ihren Job zu riskieren, weil die Serie abgesetzt wird oder eine Figur herausgeschrieben, zumal wenn die Serie ohnehin erfolgreich ist.
  4. Negan. Negan, Negan, Negan. Hier kommen so viele Probleme zusammen. Die Autor_innen lieben ganz augenscheinlich diese Figur. Die Mitwirkenden mögen Jeffrey Dean Morgan. Negan ist ein Favorit aus den Comics und damit zielgruppenrelevant. Also bekommt dieser Typ etwa 3/4 der Redezeit und Sendezeit von nahezu jeder Folge, und wir sollen das toll finden statt ermüdend. Außerdem reicht die Präsentation eines offensichtlichen Bösewichts, denn sich eine funktionierende proto-faschistische Gruppe auszudenken oder Negan klare Ziele zu geben, ist anstrengend und zeitraubend. Schnell geht es wiederum, wenn man den Bösen zu einem unberechenbaren Irren macht (siehe auch das anfangs mittelmäßige und inzwischen grauslige „Sherlock“) Und also darf Negan in dieser Zeit immer wieder Menschen foltern, erpressen, bedrohen, weil es für die Autor_innen einfach ist, so einen Bösewicht zu inszenieren, und die Hoffnung besteht, dass Jeffrey Dean Morgan diesen Typen so faszinierend verkörpert, dass wir es hassen, ihn zu lieben. Aber stattdessen wird das nervig und anstrengend, und der Psychopath Negan wirkt so unberechenbar, dass auch ein wenig Gefahr verloren geht – immerhin muss er ständig die Figuren bedrohen, die aber (siehe oben) nicht sterben dürfen. Negan darf aber auch (noch) nicht sterben, also suhlt sich die Serie einfach in Folter und Psychopathie. Negan soll der große Publikumsmagnet sein, und anstatt zwei-, dreimal in der Staffel vorzukommen, während die Hauptfiguren andere Konflikte austragen und auch Erfolge haben, wird es zu einer unablässigen Depri-Dusche. Man hat den Eindruck, dass nichts passiert – und schlimmer noch, anstatt Angst vor Negan zu haben, fragt man sich, warum dem noch keiner eine Kugel durch den Kopf gejagt hat.
  5. Patriarchat. Ich muss das extra nennen, weil es mir so auf den Senkel geht. Immer sind die Typen die Chefs, haben die Typen Recht, retten die Typen den Frauen das Leben. Klassische Szene: Enid will die Siedlung verlassen, Carl sagt, sie solle das nicht tun, er würde ihr nicht wieder das Leben retten wollen. Enid geht. Nächste Szene: Carl rettet Enid das Leben. Dann geht er los, um Negan anzugreifen, und Enid kümmert sich um die schwangere Maggie. Weil das eben so ist mit Jungs und Mädels. Und Carol war mal die coolste, aber nun hat sie ein kleines Haus und will Hausfrau sein, weil es den Autor_innen wohl nicht passte, dass das Publikum Carol für die coolste hielt. Oder warum auch immer, interessante Dinge stellen sie mit ihr jedenfalls nicht an. Dazu gehört auch, dass am Ende doch immer Gewalt die richtige Lösung ist, und Leute wie Morgan, die hoffen, mit anderen reden zu können, per se falsch liegen – und damit nicht interessant sind, sondern naiv wirken.
  6. April, April. Was ist auch noch einfach, um eine Reaktion zu erzeugen? Überraschungsmomente und falsche Erwartungen zu erzeugen. Also wird Glenn getötet – aber halt, doch nicht! Er taucht wieder auf (und wird prompt getötet). Daryl wird verschleppt – aber es geht ihm gut! Da steht unser Kumpel Heath als Zombie… aber nein, es ist nur irgendein Zombie. Olivia schlägt Negan, aber nein, es passiert doch nix, aber doch, jetzt, aber nein, aber ja, aber… wenn der Umgang mit Figuren so wirkt wie aus „Little Britain“, gibt es ein Problem.
  7. 100 Folgen. Man erkennt, warum Serien es nur selten über so lange Zeit schaffen. Fernsehen ist ein Medium der Veränderung, und nach sieben Jahren lassen sich Figuren nicht so einfach ändern, und viel Platz für neue Leute gibt es dank der Lieblingsfiguren auch nicht. Also gibt es einerseits wenig Zeit, sich zu überlegen, warum jemand so handelt, wie er_sie es tut; es gibt wenig überraschende Antworten auf diese Fragen bei den etablierten Figuren (was langweilig wirkt) – oder unerklärte Änderungen (was unglaubwürdig wirkt). Und die Serien von heute wollen keine Archetypen, die sich an Konflikten reiben, das ist nicht en vogue (auch wenn sich das eignen würde: zuerst lernt man in der Apokalypse neu, wer man wirklich ist oder sein will, und dann prüft man dieses Bild an der Welt). Also gibt es Stunts: Überbösewichte, Schockmomente, Fake-Outs, noch mehr Schleim als vorher…

Es ist seltsam. Dies sind keine positiven Punkte, aber „The Walking Dead“ ist ein Flauschfaktor für mich. Wo ich mich früher aufgeregt habe, dass es diese Serie gibt und wie die so ist, gehört heute das Ärgern über ihre Fehler zu meiner Routine. Es ist entspannend, sich anzusehen, welchen Quatsch wir denn diesmal wieder zu sehen bekommen, und es ist in dieser Hinsicht schön, dass „Fear the Walking Dead“ genauso bekloppt ist. Hoffentlich geht das noch so lange weiter, bis Carl aufs College geht und Ricks verschollene Zwillingsschwester auftaucht, und sich herausstellt, dass Daryl die ganze Zeit ein Zombie war…

Fear the Walking Dead 1×05

Inhalt: Spannender Cliffhanger, keine Zombies, Folter

Der Aufbau der einzelnen Folgen von FtWD wiederholt sich. Es passiert nichts, dann kommt am Ende ein cooles Bild oder eine viel versprechende Entwicklung. Das nervt.

Diese Woche wollen wir natürlich wissen, was so gruseliges in dem angeblichen Militärhospital vorgeht. Wir sehen: es ist ein Hospital. Boah. Außerdem sitzen manche Leute in Käfigen fest und werden überprüft, ob sie z.B. Anzeichen einer Infektion zeigen, und dann weg geschafft. Gruselig. Nick trifft einen Schwarzen im Anzug, der sich ein wenig wie ein Teufel aufführt mit langen Selbstgesprächen, und der Nick beschützt. Das tut er übrigens, indem er die Wachen mit wertvollen Manschettenknöpfen besticht. In einer Welt, in der schon jetzt viele, viele Häuser leer stehen und man in jedes Haus und jede Bank und jedes Juweliergeschäft gehen könnte, um so viel Geld und Gold zu holen, wie man will.

Mich ärgert wirklich, und darum hacke ich darauf auch herum, wie banal das alles ist. Die Macherinnen der Serie haben sich entschieden. Sie wollen die Infektion nicht so zeigen, dass Zuschauerinnen alles verfolgen können, was passiert. Also bekommen wir keine Informationen darüber, wer in der Regierung oder im Militär noch das Sagen hat. Wir bekommen keine Einblicke in den Zombie-Ausbruch, den die Figuren nicht haben, und die Figuren sind aber nun wirklich überhaupt nicht neugierig.

Die Macherinnen wollen aber auch nicht realistisch beschreiben, was passieren könnte. Denn herauszufinden, wie es tatsächlich mit so einer Versorgung wäre, welche Schritte und Entwicklungen sinnvoll wären – wie eben zum Beispiel, dass goldene Manschettenknöpfe niemanden interessieren würden -, bedeutet Recherche und vielleicht auch Introspektion. Ich werfe den Macherinnen nicht vor, dass sie diese Zeit nicht nehmen. In einer normalen Serienproduktion müssen Woche für Woche Skripte abgeliefert werden, da muss man eben primär an die Story denken. Trotzdem finde ich manchmal, dass vielleicht die Rolle einer „kritischen Freundin“ oder ähnliches im Drehbuchraum angemessen wäre.

Nun ja, jedenfalls bleibt den Macherinnen dann nur, spannende Storys zu erzählen, aber sie wollen nicht actionreich sein, sie wollen sich Zeit lassen und den angeblichen Grusel andeuten, dann durchschlagen lassen. Darum ist dies auch die dritte Folge in Folge ohne Zombiebedrohung. Aber immerhin geht jemand in einen dunklen Keller mit einer Taschenlampe mit Wackelkontakt.

Die letzte Chance ist nun, diese banalen Dinge mit Figuren zu erzählen, die interessant sind. Aber das sind sie nicht. Ich muss immer noch jedes Mal bei Wikipedia nachlesen, wie die Leute eigentlich heißen. Ich interessiere mich null für Alicia, die nach ihrem Schwarzen Freund nun anscheinend mit Chris zusammenkommt, ist immerhin der einzige Nichtverwandte ihres Alters und die beiden zerstören gemeinsam ein verlassenes Haus. Und Ofelia verführt einen Soldaten, der dann aber von ihrem Vater gefoltert wird. Sie weiß das aber nicht. Sonst bekämen wir ja vielleicht mal einen interessanten Gewissenskonflikt. Aber nein, Vater ist ein eiskalter Folterer, Tochter ist unwissend.

Es gibt genau eine interessante Storyline mit dem bislang sehr langweiligen Travis. Der soll nämlich im Beisein von Soldaten einen Zombie erschießen, kann das aber nicht. Zu sehr sind das für ihn noch Menschen, die vielleicht geheilt werden können. Oder zu sehr kann er einfach nicht töten. Das ist interessant. Hätte man das gekoppelt z.B. mit der bewussten Entscheidung seiner Frau, den Soldaten zu foltern, und hätte man die beiden dann aufeinander losgelassen, hätte das interessant sein können: welche Moral können wir uns in so einer Situation erlauben? Welche Moral müssen wir uns vielleicht erhalten?

Die Antworten sind aber, so fürchte ich, den Macherinnen bereits klar: Egoistisch sein, eine Kleingruppe beschützen, alles andere ist abzulehnen. Die Folter hilft für nützliche Infos und wir sehen auch nicht so genau, was da eigentlich passiert, und der Soldat ist nachher auch noch gut drauf. Wird vielleicht sogar alles verzeihen, wenn er überleben sollte.

Nun ja. Noch eine Folge, in der also folgendes droht: das Militär will abziehen und eine Bombe werfen, ohne die Bevölkerung zu retten (unklar, warum das so sein sollte – alle Überlebenden sind doch wertvoll). Ein großes Stadion voller Zombies droht, zu platzen. Und es ist noch eine Nacht Zeit. Also wird womöglich doch noch was passieren, und in der letzten Folge dann viele sterben, und ich stelle fest, dass mich überhaupt nicht interessiert, wer lebt und wer stirbt, weil die sich alle so blöd anstellen und so langweilig sind.

Ich freue mich also auf nächste Woche.

Fear the Walking Dead 1×04

Na, war das jetzt eine Verbesserung?

Inhalte: keine Zombies, Militarismus, Krankheiten und Süchte

Die vierte Folge von FtWD hat mir bislang am Besten gefallen, was bedeutet, dass ich mich nur ganz wenig geärgert habe. Aber mitgerissen hats mich leider auch nicht.

Der Vorort von Maddie und Travis und der erweiterten Familie (Nick und Alicia, Liza und Chris, Daniel und Griselda und Ofelia) wurde vom Militär gesäubert und mit einem Schutzzaun versehen. Nun gibt es regelmäßig Strom, ein wenig Essen, die Idee von öffentlicher Ordnung. Liza gibt sich als Krankenschwester aus und pflegt Nachbarinnen, Travis arrangiert sich besonders schnell und wird so eine Art Vermittler zwischen Militär und der Nachbarschaft, Maddie hat am ehesten zu knappsen, aber auch die meiste Arbeit. Die Salazars kümmern sich um Griseldas entzündeten Fuß, Ofelia verführt sogar einen Soldaten, um an Medizin zu kommen (erfolglos).

Alles dreht sich um zwei Ereignisse: erst entdeckt Chris in den Hügeln ein flackerndes Licht, aber das Militär behauptet, es könne niemand mehr da draußen leben. Dann kommt endlich eine Ärztin in die Stadt und nimmt alle Kranken mit in ein angebliches Krankenhaus außerhalb der Stadt. Auch der drogensüchtige Nick wird mitgenommen, und Liza geht freiwillig mit – die Ärztin möchte, dass Liza weiterhin die Krankenschwester spielt. Gekoppelt mit den abfälligen Kommentaren der Soldaten ist zu erahnen, dass hier nicht alles koscher ist, und am Ende scheint es so, als seien die flackernden Lichter in den Hügeln eher Mündungsfeuer.

6 Folgen sind für diese erste Staffel womöglich einfach zu wenig, das Budget zu klein. So spielt sich alles in zwei Straßen ab, wo mir doch zuerst der Untergang der Welt am Beispiel von Los Angeles versprochen wurde. Die fehlende Zeit äußert sich darin, dass ich mich nie mit den Figuren zusammen richtig sicher fühlen darf, dass die Versuchung durch das Militär nicht deutlich wird, bevor die Korruption erkennbar ist. So bleibt es an einzelnen Dialogen, Tragik und Spannung aufzubauen, und die Dialoge haben ja schon die Originalserie nicht berühmt gemacht.

Ärgerlich in dieser Folge ist vor allem, wenn Maddie sich durch den Sicherheitszaun schleicht. Wohl wissend oder zumindest ahnend, was vor sich geht – wenn schon keine Zombies, dann aber ansteckende Krankheiten und angriffslustige Infizierte -, macht sie bedenkenlos ein Loch in den Zaun und geht dann unbewaffnet los, lässt sogar eine auf der Straße liegende Pistole in Ruhe, statt sich zu bewaffnen. Und kehrt unversehens zurück ohne Angst, eventuell nun infiziert zu sein. Es gibt überhaupt in dieser Folge keinerlei – null – Diskussion über die Ursachen der Krankheit oder ihre Folgen. Es gibt keine größeren Themen als das aktuelle Leben der jeweiligen Person: hier muss gestrichen werden, wo bleibt der Strom, gibt es Medizin usw. Die Figuren sind unbewegt, untraumatisiert, uninteressiert. Niemand fragt sich, was in L.A. passiert sein mag. Eine Wand mit Botschaften an Vermisste macht deutlich, wie wenig diese Leute sich um andere sorgen: keine Freunde, Kollegen, Familie – aber auch keine Trauer.

Das ist langweilig.

Die beste Szene der Folge war, als Nick sich unter das Bett eines Herzkranken legt und dessen Morphin für sich selbst abzweigt. Eine brutale Junkie-Aktion, die passte und ehrlich schien.

Nun ja, ich hoffe, dass die nächste Folge (die vorletzte der Staffel) dann endlich loslegt mit Grusel und Zombies, denn Melodrama oder Drama oder Charakterstudie können die hier nicht. Bis dahin!

Fear the Walking Dead – 1×02

Die zweite Folge von Fear the Walking Dead ist in mehrfacher Hinsicht ärgerlich, aber in Teilen auch hoffnungsvoll. Zunächst scheint es mir, als würden sich die sechs Folgen der ersten Staffel nicht in die Zombiewelt stürzen, denn auch am Ende dieser Folge gab es nur vereinzelte Treffen mit Untoten, die Gefahren gehen noch von Menschen aus und einer so langsam zerbrechenden Gesellschaftsstruktur. Das könnte interessant sein…

…wenn die Autorinnen die Figuren nicht sehr der Originalserie angepasst hätten. Was bedeutet: sie erkennen nur teilweise die Situation, sie handeln nicht entsprechend, sie verhalten sich sogar so richtig bescheuert.

  • Nachdem Madison bereits einen Zombie erlebt hat und nun eindeutig ihren Freund Art vor sich sieht, der ein Zombie ist, geht sie trotzdem arglos auf ihn zu und wird beinahe gefressen. Es ist nicht so, dass sie Arts Zustand nicht verkraftet, oder dass sie Vorsicht walten lässt, aber ihn nicht angreifen kann. Sie geht einfach zu ihm und wird fast gefressen.

  • Zwar verlangen Madison und Travis, dass Tochter Alicia ihren kranken Freund Matt allein lässt (er wird wahrscheinlich sterben und unsterben), aber sie erzählen Alicia nicht, was los ist. Sie verlangen nur von ihr, dass sie zu Hause bleibt und gehorcht. Das ist bekloppt und bescheuert und ärgert mich doppelt, falls Alicia in kommenden Folgen abhauen sollte. Auch, weil angedeuteter Ungehorsam Alicias bislang nicht als normale Reaktion auch Arschlocheltern gezeigt wird, sondern als riskantes und dummes Teenager-Verhalten – obwohl Alicia janix weiß.

  • Ditto Chris, der eine Spontan-Demo gegen Polizeigewalt begleitet und nun einfach auf Kommando seines entfremdeten Vaters mitkommen soll. 

  • Und natürlich tritt die Mutter (Liza) sofort in der Hierarchie zurück und sagt nur „Hör auf deinen Vater.“

  • Den Nachbarn mit ihrer kleinen Tochter sagt die Familie nichts. Nicht einmal eine vage Warnung. Wenn dann am Ende die Familie gefressen wird, ist das für mich keine Tragik, das ist nur ekelhaft. Geschuldet erstens den unmenschlichen Hauptfiguren, die ich nun schon nicht mehr mag, und zweitens den Autorinnen, die sich darin gefallen, hier noch einmal den Tod eines Kindes anzudeuten, nur weil das grausam wäre.

  • Obwohl die Lage deutlich außer Kontrolle gerät, sammelt Madison keine Vorräte und fährt auch nicht aus der Stadt, solange das noch geht. Weil sie auf ihren Mann warten will, der ihr gleichwohl sagt, sie solle schon voraus fahren. Macht sie aber nicht, sie packt nicht einmal. Was im Endeffekt bedeuten wird, dass fehlende Vorräte oder Rettungsaktionen und ggf. Tote daran liegen, dass die Frau nicht auf den Mann hört.

  • Als Travis, Liza und Chris Zuflucht finden bei einer Latin@-Familie, erzählen sie auch denen nicht, was los ist. Weil das Arschlöcher sind.

Immerhin werden die Latin@s wohl noch eine Rolle spielen, da zumindest zwei Figuren (Daniel und Ofelia Salazar) in der Besetzungsliste der Startsequenz vorkommen. Also durchaus ein nicht so weißes Bild wie im Original. Wobei die drei Schwarzen Männer nun allesamt tot sind (bzw. Matt wohl tot/untot ist, wir das aber noch nicht gesehen haben).

Schließlich muss ich noch sagen, dass die Spontan-Demo problematisch ist. Da stehen kamerawirksam alle möglichen Menschen und beschweren sich, dass die Polizei einen Obdachlosen erschossen hat, obwohl diese Bewegung in den USA als Black Lives Matter bekannt ist und überwiegend Schwarz organisiert ist. Hier wird also ein aktueller Konflikt instrumentalisiert aber seiner politischen Dimension beraubt. Zudem endet das in einem anscheinend stundenlangen Aufruhr, bei dem sich unsere Heldinnen nicht mehr auf die Straße trauen – und nicht explizit aus Angst vor der Polizei, obwohl dies als PoC sehr viel realistischer wäre.

Ich wünschte wirklich, wir bekämen hier Hauptfiguren, die die Wahrheit ahnen oder zumindest sich schnell vorbereiten und effektiv handeln und nicht solche, die durch die Apokalypse stolpern. Es wäre für mich spannender und erschreckender, wenn die Familie offen kommunizierte, auf einander hörte, sich vorbereitete und dennoch nicht alle Eventualitäten abdecken könnte. Außerdem wären das dann keine Menschen, die ich für unvorsichtig oder gar unmenschlich halte, was bereits in Folge 2 ein Problem sein könnte.

Warten wir mal auf Folge 3.

Fear the Walking Dead – 1×01

Die Ferien sind vorbei, ich habe wieder etwas Zeit im Zug. Und passenderweise gibt es neue Folgen von The Walking Dead, genauer Fear the Walking Dead, ein Ableger der Originalserie, der uns endlich zeigen soll, wie die Apokalypse ablief.

Fear the Walking Dead (FtWD) spielt in Los Angeles und handelt von der Beratungslehrerin Madison und ihrer Patchwork-Familie: sie hat eine Tochter (Einserschülerin Alicia) und einen knapp erwachsenen Sohn (Junkie Nick), ihr neuer Freund Travis hat noch seine Exfrau Liza und den Sohn Chris, mit denen er sich nicht versteht. Nick hat nun eine Begegnung mit einem Zombie in einer Drogenabsteige, und während im Land immer mehr Leute krank werden oder nicht zur Arbeit erscheinen, kommt die Familie der schrecklichen Wahrheit auf die Spur. Am Ende der Folge haben auch Madison und Travis ihren ersten Zombie gesehen und Alicia ist auf dem Weg zu ihrem Freund Matt, der krank geworden ist.

FtWD macht gleich zu Beginn ein paar Sachen besser: die anscheinenden Hauptfiguren sind eine weiße Frau und ein Latino, dessen Exfrau und Sohn auch Latin@ sind. Matt und der Kumpel des Sohnes, Calvin, sind schwarz, so wie der Rektor der High School (Art). Den Credits kann man entnehmen, dass noch zwei weitere Latin@-Figuren dazu kommen werden. Das ist ein sehr viel diverseres Bild als in der weiß-männlichen Originalserie, wo es schon ein Running Gag ist, dass es nur eine schwarze Nebenfigur geben darf, die gerade dann etwas Plot bekommt, wenn sie kurz davor ist, zu sterben und durch einen neuen Schwarzen ersetzt zu werden. 

Wobei zugegeben am Ende der ersten Folge bereits ein Schwarzer wieder tot ist, der Zweite wahrscheinlich ein Zombie und der dritte als Schulrektor wohl sterben wird. Es bleibt also abzuwarten, wie sehr doch wieder eine weiße und männliche Perspektive eingenommen wird.

Ebenfalls anstrengend finde ich die Langsamkeit der Erzählung. Als Zuschauer weiß ich ja, was grob passieren wird, und ich weiß auch, was Zombies sind. Nun aber mit den Figuren erneut durchzuspielen, was Zombies sind, wie sie zu töten sind, was in der Welt passiert usw. kann schon mal anstrengend sein. Da wäre es vielleicht geschickter gewesen, als Hauptfiguren eben keine „Normalfamilie“ zu nehmen. In der Schule gibt es einen Jungen (Tobias), der Madison vor dem Kommenden warnt –  warum nicht eine Familie, die auf alles gefasst ist oder schnell an die Apokalypse glaubt? Dann könnte man immer noch zeigen, wie andere die Warnungen ignorieren, aber man könnte ebenso sehen, wie Menschen bewusst versuchen (und es teilweise schaffen), sich auf die Katastrophe vorzubereiten. Dass hätte ich viel angenehmer empfunden, als dass hier Menschen durch verlassene Drogenhöhlen stapfen, in denen Blutlachen zu sehen sind, und das nicht weiter erwähnenswert finden. 

Eine gute Idee ist in meinen Augen, dass Nick ein Junkie ist. Die Versorgung mit Drogen oder Methadon in einer Zombiewelt bzw. ein kalter Entzug darin werfen ganz eigene Probleme auf, die interessant sein können. Ansonsten weiß ich nicht, ob wir wirklich Teenager gebraucht haben, die natürlich die weisen Ratschläge der Eltern in den Wind schlagen und sich selbst in Gefahr bringen werden, weil Gott bewahre, dass Teenager mal nicht wie blöde Hirnies agieren. Bezeichnend, dass Produktionen immer meinen, mit jungen Figuren schaffe man Identifikation mit Teenagern und würde sie dazu bringen, einzuschalten – dann aber diese Teens mit Idiotenplots ausstatten.

Die erste Folge fand ich jedenfalls vorsichtig empfehlenswert. Kein Knaller, aber ich will schon mal sehen, wo die Reise hingeht. Anzeichen, dass die Serie nicht so frustierend wird wie das Original, gibt es aber wenige.

The Walking Dead – Staffel 4 Ende

Die letzten Folgen der vierten Staffel führen die Idee der verprengten Gruppe fort, sodass wir weiter mehrere Plotstränge haben, von denen einer ganz interessant ist. Als da wären:

Inhalt: Gewalt, Vorhersehbarkeit, Gewalt gegen Kinder, Kannibalismus

  • Tyreese und Carol kümmern sich weiter um Lizzie und ihre Schwester sowie das kleine Baby von Rick. Sie kommen an eine Jagdhütte, die sicheren Unterschlupf verspricht. Aber Lizzie versteht nicht, dass Zombies böse sind – sie ist dissozial, hält die Beißer aber für ihre Freunde. Und so ersticht sie ihre Schwester, damit diese auch zu einem Zombie wird. Um das Baby und sich selbst zu schützen, bringt Carol dann Lizzie um. Anschließend erzählt sie Tyreese, dass sie (Carol) Tyreeses Freundin umgebracht hatte, um die Gruppe zu schützen. Diese Geschichte nimmt eine ganze Folge ein und ist generell recht effektiv, und die Parallele zwischen dem Tod von Lizzie und dem Tod von Tyreeses Freundin – zum Wohle aller -, wird nicht expliziert. Aber natürlich gibt es auch hier Momente, wo Carol mehrfach den Kindern erklärt, in dieser neuen Welt müsse man eben bereit sein, Menschen zu töten, um sich und andere zu retten, und der ironische Twist ist dann, dass Carol eben Lizzie töten muss. Also mehr so Holzhammer-Ironie. Aber Carol ist cool, also.

  • Daryl und Beth haben gottseidank keinen Sex, auch wenn Beth sich also totales Manic Pixie Dream Girl herausstellt, die mit ihrer Naivität und ihrem Optimismus auch Daryl wieder dazu bringt, an die Menschheit zu glauben (wobei Daryl auch vorher im Gefängnis eher einer der stabileren war, aber das ist eben die Geschichte, die hier erzählt wird). Das ist natürlich der Moment, wo ein Dutzend Zombies lautlos angreift und in dem Gemnge wird Beth von Unbekannten entführt. Daryl schließt sich daraufhin einer Bande von Streunern an, die einen eher brutalen Kodex leben und – Zufall über Zufälle – hinter Rick her sind, der einen von ihnen zum Zombie machte.    

  • Maggie, Bob und Sasha (die übrigens Tyreeses Schwester ist, nicht seine Tochter) suchen nach Glenn. Dabei gehen sie in Richtung Terminus. Aber zuerst lässt Maggie die beiden anderen zurück und wir bekommen eine Holzhammer-hoch-drei-Metapher übers Alleinsein, weil Bob sich weigert, Maggie allein zu lassen. In einer Rückblende sehen wir, dass Bob sogar der Meinung ist, eine Gemeinschaft sei immer besser als Alleinsein, egal, mit wem man zusammen ist. Erzähl das den Leuten um den Gouvernor, Bob – und das gleiche bitte ich die Autorinnen, die uns ja gerade erst lang und breit zeigten, dass das eben nicht egal ist. Na, egal. Bob will Maggie auf keinen Fall allein lassen, und obwohl er sich in Sasha verliebt, ist er bereit, diese allein zu lassen, um Maggie nicht allein zu lassen. Ein anderer Grund als der, dass a) Maggie weiß ist und b) Maggie explizit allein gelassen werden wollte und Bob das als Mann nicht durchgehen lassen kann, fällt mir nicht ein. Jedenfalls findet Sasha dann Maggie und gibt weinend zu, dass Bob mit seinen Ausführungen Recht hatte: Sasha hatte einfach Angst, dass Tyreese sich als definitiv tot erweist. Gut, dass Bob Sasha ihre Gefühle erklären konnte.    

  • Glenn und Tara sind mit Major Ford Mercedes Audi unterwegs. Rosita Espinoza hat inzwischen zum Glück Hosen gefunden und ein Hemd, das sowohl Bauchnabel als auch Brust bedeckt, und jetzt sieht sie einfach aus wie eine Soldatin. Gut. Glenn ist wie verrückt auf der Suche nach Maggie, weil diese ihm Zeichen hinterließ, dass sie noch lebt. Also ist er sogar bereit, durch einen Tunnel voller Zombies zu gehen, weil der Umweg ihn einen Tag kosten würde. Die Soldaten beschützen immerhin Dr. Mantamatte, den klügsten Hinterwäldler der Welt (und ein Terminator, wenn man vom Gang ausgehen kann). Darum trennen sie sich von Glenn und Tara, suchen sich ein Auto, warten dort noch ein wenig, ob sich Glenns Meinung ändert, und fahren dann von Mantamatte geleitet doch den Umweg. Und sind schneller am Ausgang des Tunnels als Glenn es wäre – also gar kein Umweg! Das ist die Qualität der Drehbücher von The Walking Dead. Im Tunnel sieht es so aus, als würden Glenn und Tara gefressen, aber dann tauchen die Soldaten mit Maggie und Co. auf und alle sind wieder vereint. Maggie erzählt noch, dass sie mit ihren letzten Kugeln einen Teil des Tunnels zum Einsturz brachte, was in der Erzählung schon unwahrscheinlich ist und daher zum Glück nicht gezeigt wurde. Nun zieht man gemeinsam nach Terminus, wo die Soldaten hoffen, Ausrüstung zu kriegen. Die Wiedervereinigung von Glenn und Maggie geht aber schon etwas ans Herz.

  • spätestens jetzt ist übrigens klar, dass Terminus eine Falle sein wird und Dr. Mantamatte wohl ein Hochstapler ist – er lenkt die Soldaten auf Umwege und hält seine Erkenntnisse geheim, obwohl doch erste Priorität wäre, das aufzuschreiben oder anderen zu erzählen. In dieser Welt stirbt man an so vielen Dingen… wahrscheinlich will der Typ nur ein paar Bodyguards und lügt die Soldaten an.

  • Damit sind wir bei Rick, Michonne und Carl. Michonnes Aufgabe ist nun völlig, Carl zum Lachen zu bringen (worüber Rick dann gönnerhaft lächelt), weil die Gefühle der Männer halt wichtiger sind. Sie treffen auf Daryl und die Gang, und es passiert Scheiße. Denn nun ist plötzlich diese bislang zurückhaltende Serie aus dem Ruder: Michonne soll vergewaltigt werden, und auch Carl soll vergewaltigt werden, natürlich von einem Dicken, weil besonders eklig. Daryl will eingreifen und wird verprügelt, und dann beißt Rick dem Änführer die Kehle durch und prügelt den Dicken zu Brei. Und anstatt dies als etwas zu sehen, das Rick endgültig zu einem Monster macht, ist es vielmehr rechtschaffene Wut und eine „normale“ Reaktion, wenn man der Serie und den Figuren glauben soll. Rick ist problemlos danach noch der Anführer, auch wenn es Michonne zufällt, Carl danach erst mal zu beruhigen. Weil Rick sich ja ohnehin nie um seine Kinder kümmert.

In der letzten Szene dieser beschissenen Show kommen Rick und Co nach Terminus und Rick erkennt Besitztümer seiner Freundinnen aus dem Gefängnis (Hose, Weste, eine Taschenuhr, also hoch individuelle Gegenstände), und während wir noch mit den Augen rollen, haben die Leute von Terminus schon einen der Ihren erschossen und Rick und der Rest werden durch Mündungsfeuer durch den großen Bahnhof gelenkt und sie rennen an einem großen Käfig voll blutiger Knochen vorbei (na klar!) und müssen dann ihre Waffen abgeben, bevor sie in einen Waggon gesteckt werden. Und in dem Waggon sind alle anderen Überlebenden außer Carol, Tyreese und Baby Grimes, und alle akzeptieren sofort Ricks Führungsanspruch, und Ricks letzte Worte dieser Staffel sind: „Die haben sich mit den falschen angelegt.“ Also die abgenudeltsten Worte aller Zeiten.

Cool wäre es gewesen, wenn Terminus eine echte Zuflucht gewesen wäre, die Rick durch Paranoia zerstörte oder so etwas. Aber nein, da dieser Typ selbst nach diesen Gewaltexzessen niemals Unrecht haben darf, wird das wohl nix. Bah.  

Vorherige Beiträge:

The Walking Dead

Stand: Staffel 2, Folge 9

Stand: Ende Staffel 2

Stand: Staffel 3, Folge 4

Stand: Ende Staffel 3

Stand: Staffel 4, Folge 5

Stand: Staffel 4, Folge 8

Stand: Staffel 4, Folge 12

The Walking Dead – 4×12

Inhalt: noch eine Groteske, Gewalt, Dödelei

Nun sind die Figuren aus Ricks Rudel versprengt und wir erhalten tolle Storys. Ha ha, tun wir nicht. Aber immerhin Storys. Diese:

  • Michonne darf Hershels Zombiekopf töten (grotesk) und dann erneut mit angebundenen Tarnzombies rumlaufen, bis sie ihre Trauer überwältigt und sie alle Zombies um sich herum erschlägt (der typische Umgang mit Trauer in dieser Serie). Sie träumt von ihrem Kind und dann zieht sie los, um schließlich Rick und Carl zu finden. Das alles dauert etwa 10 mal so lang wie hier beschrieben.
  • Rick und Carl stapfen durch eine verlassene Stadt, die zwar in der Nähe des Gefängnisses liegen muss, von Ricks Rudel damals aber noch nicht leer geräumt wurde. Das zeigt die unglaubliche Planung dieser Leute, die auch für den Fall einer Evakuierung zwar einen Fluchtbus hatten, aber kein gemeinsames Ziel, an dem man sich wiederfindet. Rick bricht zusammen und Carl erklärt ihm explizit, dass er nun erwachsen sei und Rick nicht mehr brauche. In der allernächsten Szene stirbt Carl fast und verliert seinen Schuh. Dann kann er den im Delirium stöhnenden Rick – den er für einen Zombie hält – nicht erschießen (kein Problem bei seiner Mutter), und dann sagt Rick: „Du bist ein Mann, Carl.“ Mann. So ein Quatsch, und meines Wissens schon 1-3 Folgen vorher abgenudelt, als die beiden gemeinsam Zombies niedermähten.
  • Carl und Michonne gehen auf Plündertour. Vorher gibt Rick ihr den Auftrag, Carls Freundin zu werden und ihn locker zu machen, also haben alle Gespräche schon mal einen seltsamen Beigeschmack, als wären sie vom Anführer befohlen. Jedenfalls spricht Michonne erstmals über ihr totes Kind – aber nur, um Carl aufzulockern. Ihr Trauma wird so das Gefährt, Carls Verhalten zu beeinflussen. Furchtbar.
  • Rick muss derweil unter dem Bett vor bösen Plünderern Zuflucht nehmen, inklusive dem Klassiker, dass einer der Plünderer bei einem Kampf unter das Bett guckt, bevor er Rick aber verraten kann, wird er kampfunfähig, und dem Klassiker, dass ein Bösewicht mit angezogener Hose auf der geschlossenen Toilette sitzt. Und dem Klassiker, dass… ach, das ist alles sehr doof und altbekannt und endet damit, dass Rick geduckt über den Hof huscht und mit Carl und Michonne flieht. Ein Action-Highlight also.
  • Daryl und Beth sind im Wald. Beth will Überlebende suchen, Daryl nicht. Beth geht einfach, Daryl muss folgen. Sie erweist sich als halbwegs überlebensfähig, will aber nicht nur Schlange essen, sondern endlich mal was trinken (was ihr der tolle Patriarch Hershel immer verbot). Daryl als ihr männlicher Beschützer geht mit, und in einem Golfclub wird uns überraschenderweise und wiederholt erzählt, dass Daryl keine reichen Leute mag und arm war. Anstatt Beth dann dem Pfirsichschnapps zu überlassen, führt er sie zu einer nahen Hütte mit Distille (die auch nicht ins Gefängnis wanderte), wo Beth ihre Unschuld verliert und zum Glück nur Alkohol trinkt, während Daryl noch einmal explizit sagen darf, wie scheiße seine Kindheit war. Am Ende zünden die beiden die Hütte zu einem coolen Lied an, was doch recht cool wirkt.
  • Maggie, Sasha und Bob sind ebenfalls in einem Wald. Maggie will Glenn suchen, die anderen nicht. Maggie geht einfach, die anderen müssen folgen. Hui, wird hier Neues ohne Ende erzählt. Sie treffen auf den Fluchtbus, der geschlossen und voller Zombies ist, was irgendwie unmöglich zu sein scheint. Glenn ist aber zum Glück nicht dabei.
  • Glenn wacht im Gefängnis auf, rüstet sich aus, findet Tara (die überlebende lesbische Schwester aus der neuen Familie des Gouvernors) und nimmt sie mit. Er will Maggie suchen, und oh Wunder, Tara geht gleich mit. Die beiden treffen aber stattdessen:
  • Abraham Ford Lincoln Mercury, einen weißen Army-Typen, Rosalita Espinoza, die aussieht wie ein Cosplay von Lara Croft und als Namen das Latina-Äquivalent von Wilhelm Dauerwurst oder Fred Freizeit hat, sowie Doktor Manta, ein Typ, der wie ein Roboter geht und unfähig zu sein scheint, aber das Geheimnis der Zombieplage kennt (es ist geheim!) und dieses nach Washington bringen will.
  • Glenn und Tara wollen Maggie suchen, Abraham, Rosalita Espinoza und Doktor Mantamatte nicht. Glenn geht einfach, die anderen gehen hinterher… nachdem Doktor Manta den Tank des Lasters kaputt geschossen hat. Also ganz anders als oben.
  • Tyreese, Lizzie, Mika und Baby Judith sind schließlich auch noch im Wald. Lizzie ist soziopathisch und tötet süße Hasen, und beinahe auch das Baby, das nun drei Folgen lang womöglich tot war. Als Tyreese die Kinder alleine lässt, um zwei Fremden zu helfen (vergebens), werden die Kinder von Carol gerettet. Nun reist Tyreese also mit der Frau herum, die vermeintlich seine Geliebte tötete, was er aber nicht weiß, und dem Mädchen, das wahrscheinlich in Wahrheit seine Geliebte tötete, was er auch nicht weiß. Wichtig ist auf jeden Fall, dass das total ironisch ist und sich nur um Tyreese dreht, und dass der jetzt auch nicht mehr das Baby tragen muss, Carol (und damit eine Frau) ist ja nun da.

Insgesamt gibt es hanebüchene Zufälle und Unwägbarkeiten, und wenn man wie diese Serie anscheinend dramatische, von Charakteren getriebene Konflikte inszenieren will, dann sollten diese Charaktere durchgehende Motivationen haben und nicht nur Fetzen von sich verändernder Backstory samt Verhalten, was sich dann in Klischee-Dialogen äußert. So kümmern mich die Charaktere nicht, die Ereignisse sind aber nicht spannend und rasant genug, das aufzuwiegen.

Ach so, anscheinend reisen alle nach und nach Richtung Terminus, eine angebliche Zuflucht entlang der Bahngleise.

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The Walking Dead

Stand: Staffel 2, Folge 9

Stand: Ende Staffel 2

Stand: Staffel 3, Folge 4

Stand: Ende Staffel 3

Stand: Staffel 4, Folge 5

[Stand: Staffel 4, Folge 8][7]

The Walking Dead – 4×08

Wir müssen erst mal über Carol reden.

Inhalt: Sexismus, Rassismus, Klischee, Krieg der Patriarchen, Gewalt

Direkt, nachdem Carol von Rick verbannt wurde, bekommen wir eine Doppelfolge, die sich in einem Rückblick nur mit dem Gouvernor beschäftigt und werden in einer dritten Folge dann endlich sein Ende sehen. In dieser dritten Folge…

  • Erklärt Rick Daryl, dass er Carol wegschicken musste, weil sie zu weit ging (und weil man den bösen Schwarzen Tyreese nicht bändigen kann, ein weiteres rassistisches Klischee, das Tyrone in der ganzen Zeit davor nicht zu erfüllen schien – nur direkt nach dem Tod seiner Geliebten und bei der gleichzeitigen Krankheit seiner Tochter ist er aggressiv)
  • Sagt Rick dem Gouvernor, dass doch alle schon Schlimmes getan hätten, und lädt ihn und seine Leute ernsthaft ein, mit ihnen im Gefängnis zu wohnen. Dieser Typ, der folterte, mordete, sexuell übergriffig war, ein Aquarium mit Zombieköpfen hatte und bereits bewiesen hat, dass er nicht vertrauenswürdig ist – dieser Typ darf rein, Carol aber nicht?
  • Erweckt die Show klar den Eindruck, dass Carol gar nicht die Leute getötet hat. Das war wohl die kleine Lizzie, die nun eine Ratte häutete und sezierte. Carol hat nur die Verantwortung übernommen, um die Kleine zu schützen. Was bedeutet, wenn Carol letztendlich wieder zur Gruppe stößt, dann wird Rick keinen Fehler damit begangen haben, sie generell wegzuschicken, er hatte nur die falschen Informationen. Ich hasse, dass hier Carols Geständnis dafür verantwortlich ist und Rick wieder fein raus.

So, nun aber zur Geschichte um den Gouvernor. Der wird von seinen letzten Leuten verlassen und wandert durch die Gegend, nimmt dann einen fremden Namen an (er ist ein neuer Mann, ha ha!) und trifft eine unmögliche Familie. Unmöglich, weil diese 2 Frauen mit einem Mädchen und einem kranken alten Mann ein Jahr in der Zombiewelt überlebten, ohne dass jemand ihren Essenslaster klaute oder sie was über Zombies lernten. Und so kann Mr. G nun dadurch glänzen, dass er ein Backgammonspiel und Sauerstoff besorgt in den langweiligsten Szenen aller Zeiten, weil er sich so langsam bewegt und wir ja bereits wissen, dass er überlebt. Ist halt ein Rückblick. Jedenfalls kann natürlich nur der Opa das Mädchen zum Lachen bringen und dann auch Mr. G (Männer eben), und die plötzlich hilflosen Frauen drängen sich ihm förmlich auf.

Nun ist die Frage, will die Show erzählen, wie G ein besserer Mensch wird und dann am Ende an den Umständen scheitert? Oder ist er ein unbelehrbarer Psychopath, der nur eine Rechtfertigung braucht? Weil die Show es selbst nicht genau weiß, bleibt das auch unklar. Immerhin gibt es die erste offene lesbische Beziehung, die genau eine Folge hält, dann stirbt eine der beiden. Und am Ende hat der Gouvernor den genialen Plan, das Gefängnis zu zerstören, um es einzunehmen. Was teilweise klappt (es wird zerstört) und Ricks Rudel wird dabei versprengt. Hershel wird von Mr. G getötet und Michonne tötet G nicht, damit eine weiße Frau das tun kann.

Letzten Endes bekamen wir zwei Rückblicke, die die Figur des Gouvernors wieder genau dahin brachten, wo er am Anfang war, nur mit einem Panzer. Irgendwie lohnte sich das nicht so besonders. Ich vermute fast (befürchte es), wir sollten Gs Schicksal als tragisch empfinden, weil er doch nur seine neue Familie beschützen wollte, und nicht als Resultat vergifteter Männlichkeit. Weshalb es auch beim Tod des kleinen Mädchens eher darum geht, was dieser Tod mit dem Gouvernor anstellt.

Echt dödelig, und dann wird mit einem Panzer das Gefängnis geschrottet. Was ganz okay war, aber da alle Hauptfiguren kugelimmun waren, auch nicht so spannend.

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The Walking Dead

Stand: Staffel 2, Folge 9

Stand: Ende Staffel 2

Stand: Staffel 3, Folge 4

Stand: Ende Staffel 3

Stand: Staffel 4, Folge 5

The Walking Dead – Stand 4×05

Oh Mann, diese Show. Diese Show.

Inhalt: Patriarchat, Dummdödelei, Zombie-Thematik (Tot, Gewalt, usw).

Wir beginnen die vierte Staffel mit einem Zeitsprung. Das Gefängnis floriert und wird von einem Rat geleitet, weil Rick „eine Pause“ brauchte. So behandeln das auch alle, die warten nur darauf, dass Rick wieder das Ruder übernimmt, weil seine Entscheidungen so toll waren. Was er bald auch wieder unter Beweis stellt.

In den ersten 5 Folgen haben wir das Problem einer Zombiemeute vor dem Zaun. Der Zaun droht einzubrechen und tut das schließlich auch. Wir haben auch das Problem einer Grippewelle, die mit blutenden Augen zum Tod führt und dann Zombies im Lager der Überlebenden hervorbringt. Es gilt, Kranke zu isolieren und ein Heilmittel zu besorgen. Und alles ist so dämlich.

Beginnen wir mit der Tatsache, dass diese Serie es mag, Musik spielen zu lassen und nur die Figuren, gerne in Großaufnahme, zu zeigen. Da es aber schwer fällt, deren Motivation zu verstehen, selbst wenn die Figuren reden (weil sich die vermeintliche Motivation ständig ändert), ist es unmöglich, in den stoischen Gesichtern zu lesen. Man guckt einfach nur Leute an. Etwas wenig. Da liest Hershel zum Beispiel in der Bibel. Könnte eine tolle Idee sein: welchen Trost bietet ein Buch, das bis zur Apokalypse geht, nach der Apokalypse? Aber eine reife Glaubensdiskussion geht über die Autorinnen, und darum ist Hershel halt der Bibelleser.

Ähnlich wird mit Bob umgegangen (mit dem Namen bleibt er bestimmt ewig dabei), dem Alkoholiker. Wie geht man mit der Apokalypse um? Lässt man Alkis sich besaufen, oder nimmt man den Schnaps weg? Ein interessantes Thema, aber stattdessen wird Bob auf der Suche nach Medikamenten seinen riesigen Rucksack nur mit einer Flasche füllen und nicht noch zusätzlich Medikamente da rein tun, weil man sich ja ansonsten fragen muss, ob das Trinken an sich okay ist und nicht direkt sieht, dass der Kerl eine Gefahr ist.

Ansonsten handeln die Figuren eben immer noch sehr beschränkt. Erst, als die Grippe beginnt, sucht man nach Antibiotika, dabei sollten Infektionen doch eine der größten Gefahren darstellen und man würde bestmöglich vorsorgen. Mehr noch, der Grippeombie kann nur soviel Unheil stiften, weil die Leute zwar in Zellen schlafen, diese aber nicht abschließen. Wenn jeder seine Zelle schließen würde, käme der Zombie nicht rein und ein Zombie, der darin entsteht, nicht raus. 

Dann gibt es zwei weitere Kranke. Carol, die gerade einen Gebissenen getötet hat, kümmert sich um dessen Kinder. Carol kümmert sich ohnehin um die Kinder und muss an Rick vorbei im Geheimen denen beibringen, wie man sich verteidigen kann – dabei sollte das auf jeden Stundenplan der Zombiewelt stehen. Jedenfalls sieht Carol die Gefahr einer Epidemie und schleicht sich zu den Kranken und tötet sie, bevor sie zu Zombies werden. Dann verbrennt sie die Leichen (was komischerweise ein großer Affront ist, obwohl ich in so einer Welt voller Toten schnell zu Feuerbestattung gewechselt wäre). 

Wir erinnern uns: Rick hat zwei Typen erschossen, die nur seltsam redeten. Carl, sein Sohn, hat einen Typen erschossen, der sich ergeben wollte. Shane hat einen Dicken erschossen, um sich vermeintlich zu retten. In dieser Serie haben viele Leute fragwürdige Entscheidungen gefällt. Aber Carols Vergehen ist so groß, dass Rick sie verbannt. Ohne dies mit irgendjemandem abzusprechen und vermeintlich zu ihrem Schutz, weil man den Schwarzen nicht kontrollieren kann (starke und wütende Schwarze, der Klassiker) – aber auch, weil er Carol nicht bei seinen Kindern will. Seine Kinder, die Grimes selbst übrigens kaum sieht und nur wertschätzt, wenn sie sich als gute Schützen erweisen. Carl ist da klar im Vorteil zu seinem Baby, das Rick in der ganzen Serie insgesamt 10 Sekunden gehalten hat. Das Baby hat damals sofort geschrien. Die Verbannung wird von denen, die davon bislang erfahren haben, nüchtern bis positiv aufgenommen. Was totaler Bullshit ist.

 Es kommt jedenfalls zur Quarantäne, und wie wir später sehen, schließen sich die Kranken ein, sie werden nicht etwa eingeschlossen. Das heißt, dass die Kranken selbst rauskönnten, aber wenn jemand ihnen zuhilfe kommen möchte, kommt sie nicht herein. Tolle Idee. In diesem Zellenblock schließen sich die Leute immer noch nicht ein, und wenn jemand stirbt, wird sie heimlich rausgebracht und getötet (vor der Zombiewerdung), damit das niemand mitkriegt. Das stellt aber eine weitere Gefahr dar, und gleichzeitig ist nicht klar, ob die Kranken das nicht lieber sehen würden. Sie fragt ja niemand, das entscheidet der Hilfspatriarch Hershel, der freiwillig als Gesunder zu den Kranken geht. Als Maggie auch dazu will, lehnt er das aber ab, weil er die Gewalt über sie hat, und Maggie geht erst hinein, als ein Schuss fällt und nachdem Rick ihr explizit erlaubt, reinzugehen. Weil Selbstbestimmnung in dieser Serie ein Witz ist. Der einfachste Weg zu Überleben ist es, um den Tod zu bitten. 

Draußen sind derweil die Zombies vor dem Gatter. Schon vorher dachte ich immer, dass die Bewohner alle Zombies der Umgebung töten sollten – in den Actionszenen sieht man, dass dies nicht schwer ist, vor allem nicht, wenn ein Zaun dazwischen ist. Machen sie aber nicht, und nun sind es zu viele geworden. Wieder tun die Leute nix, bis der Zaun einbricht, dann erinnern sie sich an ihre Schnellfeuergewehre. Und weil es diese Serie ist, sind gleichzeitig die Kranken in der Quarantäne bedroht, und so darf Rick seinen Sohn bitten, ihm mit den Maschinengewehren zu helfen. Danach hat Rick auch wieder Respekt für seinen kleinen Soziopathen.

Als Hinweis darauf, wie Festhalten am Patriarchat und fehlende Voraussicht, fehlende Offenheit und Diskussionskultur und Missachtung der Stimmen von Frauen und Minderheiten zu Bedrohung werden, ist „The Walking Dead“ weiterhin beeindruckend. Als intelligente Serie versagt sie völlig. 

Ich werde bestimmt noch einmal oder zweimal zu Staffel 4 schreiben, danach ist die Serie ja momentan nicht im Free TV. Jetzt kommt ja der Gouvernor zurück, und weil ich darauf warte, was Daryl zu Carols Verbannung sagt, wird er wahrscheinlich nix sagen. Bis dahin aber starre ich ein wenig nichtssagend aus dem Fenster und lasse laut Musik laufen. 

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The Walking Dead

Stand: Staffel 2, Folge 9

Stand: Ende Staffel 2

Stand: Staffel 3, Folge 4

Stand: Ende Staffel 3