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The Walking Dead – Stand 4×05

Oh Mann, diese Show. Diese Show.

Inhalt: Patriarchat, Dummdödelei, Zombie-Thematik (Tot, Gewalt, usw).

Wir beginnen die vierte Staffel mit einem Zeitsprung. Das Gefängnis floriert und wird von einem Rat geleitet, weil Rick „eine Pause“ brauchte. So behandeln das auch alle, die warten nur darauf, dass Rick wieder das Ruder übernimmt, weil seine Entscheidungen so toll waren. Was er bald auch wieder unter Beweis stellt.

In den ersten 5 Folgen haben wir das Problem einer Zombiemeute vor dem Zaun. Der Zaun droht einzubrechen und tut das schließlich auch. Wir haben auch das Problem einer Grippewelle, die mit blutenden Augen zum Tod führt und dann Zombies im Lager der Überlebenden hervorbringt. Es gilt, Kranke zu isolieren und ein Heilmittel zu besorgen. Und alles ist so dämlich.

Beginnen wir mit der Tatsache, dass diese Serie es mag, Musik spielen zu lassen und nur die Figuren, gerne in Großaufnahme, zu zeigen. Da es aber schwer fällt, deren Motivation zu verstehen, selbst wenn die Figuren reden (weil sich die vermeintliche Motivation ständig ändert), ist es unmöglich, in den stoischen Gesichtern zu lesen. Man guckt einfach nur Leute an. Etwas wenig. Da liest Hershel zum Beispiel in der Bibel. Könnte eine tolle Idee sein: welchen Trost bietet ein Buch, das bis zur Apokalypse geht, nach der Apokalypse? Aber eine reife Glaubensdiskussion geht über die Autorinnen, und darum ist Hershel halt der Bibelleser.

Ähnlich wird mit Bob umgegangen (mit dem Namen bleibt er bestimmt ewig dabei), dem Alkoholiker. Wie geht man mit der Apokalypse um? Lässt man Alkis sich besaufen, oder nimmt man den Schnaps weg? Ein interessantes Thema, aber stattdessen wird Bob auf der Suche nach Medikamenten seinen riesigen Rucksack nur mit einer Flasche füllen und nicht noch zusätzlich Medikamente da rein tun, weil man sich ja ansonsten fragen muss, ob das Trinken an sich okay ist und nicht direkt sieht, dass der Kerl eine Gefahr ist.

Ansonsten handeln die Figuren eben immer noch sehr beschränkt. Erst, als die Grippe beginnt, sucht man nach Antibiotika, dabei sollten Infektionen doch eine der größten Gefahren darstellen und man würde bestmöglich vorsorgen. Mehr noch, der Grippeombie kann nur soviel Unheil stiften, weil die Leute zwar in Zellen schlafen, diese aber nicht abschließen. Wenn jeder seine Zelle schließen würde, käme der Zombie nicht rein und ein Zombie, der darin entsteht, nicht raus. 

Dann gibt es zwei weitere Kranke. Carol, die gerade einen Gebissenen getötet hat, kümmert sich um dessen Kinder. Carol kümmert sich ohnehin um die Kinder und muss an Rick vorbei im Geheimen denen beibringen, wie man sich verteidigen kann – dabei sollte das auf jeden Stundenplan der Zombiewelt stehen. Jedenfalls sieht Carol die Gefahr einer Epidemie und schleicht sich zu den Kranken und tötet sie, bevor sie zu Zombies werden. Dann verbrennt sie die Leichen (was komischerweise ein großer Affront ist, obwohl ich in so einer Welt voller Toten schnell zu Feuerbestattung gewechselt wäre). 

Wir erinnern uns: Rick hat zwei Typen erschossen, die nur seltsam redeten. Carl, sein Sohn, hat einen Typen erschossen, der sich ergeben wollte. Shane hat einen Dicken erschossen, um sich vermeintlich zu retten. In dieser Serie haben viele Leute fragwürdige Entscheidungen gefällt. Aber Carols Vergehen ist so groß, dass Rick sie verbannt. Ohne dies mit irgendjemandem abzusprechen und vermeintlich zu ihrem Schutz, weil man den Schwarzen nicht kontrollieren kann (starke und wütende Schwarze, der Klassiker) – aber auch, weil er Carol nicht bei seinen Kindern will. Seine Kinder, die Grimes selbst übrigens kaum sieht und nur wertschätzt, wenn sie sich als gute Schützen erweisen. Carl ist da klar im Vorteil zu seinem Baby, das Rick in der ganzen Serie insgesamt 10 Sekunden gehalten hat. Das Baby hat damals sofort geschrien. Die Verbannung wird von denen, die davon bislang erfahren haben, nüchtern bis positiv aufgenommen. Was totaler Bullshit ist.

 Es kommt jedenfalls zur Quarantäne, und wie wir später sehen, schließen sich die Kranken ein, sie werden nicht etwa eingeschlossen. Das heißt, dass die Kranken selbst rauskönnten, aber wenn jemand ihnen zuhilfe kommen möchte, kommt sie nicht herein. Tolle Idee. In diesem Zellenblock schließen sich die Leute immer noch nicht ein, und wenn jemand stirbt, wird sie heimlich rausgebracht und getötet (vor der Zombiewerdung), damit das niemand mitkriegt. Das stellt aber eine weitere Gefahr dar, und gleichzeitig ist nicht klar, ob die Kranken das nicht lieber sehen würden. Sie fragt ja niemand, das entscheidet der Hilfspatriarch Hershel, der freiwillig als Gesunder zu den Kranken geht. Als Maggie auch dazu will, lehnt er das aber ab, weil er die Gewalt über sie hat, und Maggie geht erst hinein, als ein Schuss fällt und nachdem Rick ihr explizit erlaubt, reinzugehen. Weil Selbstbestimmnung in dieser Serie ein Witz ist. Der einfachste Weg zu Überleben ist es, um den Tod zu bitten. 

Draußen sind derweil die Zombies vor dem Gatter. Schon vorher dachte ich immer, dass die Bewohner alle Zombies der Umgebung töten sollten – in den Actionszenen sieht man, dass dies nicht schwer ist, vor allem nicht, wenn ein Zaun dazwischen ist. Machen sie aber nicht, und nun sind es zu viele geworden. Wieder tun die Leute nix, bis der Zaun einbricht, dann erinnern sie sich an ihre Schnellfeuergewehre. Und weil es diese Serie ist, sind gleichzeitig die Kranken in der Quarantäne bedroht, und so darf Rick seinen Sohn bitten, ihm mit den Maschinengewehren zu helfen. Danach hat Rick auch wieder Respekt für seinen kleinen Soziopathen.

Als Hinweis darauf, wie Festhalten am Patriarchat und fehlende Voraussicht, fehlende Offenheit und Diskussionskultur und Missachtung der Stimmen von Frauen und Minderheiten zu Bedrohung werden, ist „The Walking Dead“ weiterhin beeindruckend. Als intelligente Serie versagt sie völlig. 

Ich werde bestimmt noch einmal oder zweimal zu Staffel 4 schreiben, danach ist die Serie ja momentan nicht im Free TV. Jetzt kommt ja der Gouvernor zurück, und weil ich darauf warte, was Daryl zu Carols Verbannung sagt, wird er wahrscheinlich nix sagen. Bis dahin aber starre ich ein wenig nichtssagend aus dem Fenster und lasse laut Musik laufen. 

Vorherige Beiträge:

The Walking Dead

Stand: Staffel 2, Folge 9

Stand: Ende Staffel 2

Stand: Staffel 3, Folge 4

Stand: Ende Staffel 3

The Walking Dead – Ende Staffel 3

Inhalt: Patriarchat, schlechte Bücher, dumme Figuren

„The Walking Dead“ ist die perfekte Hass-Serie. Sie könnte so gut sein und ist es doch nicht. Ihr Setting erlaubt Ideen, was man besser machen würde. Oder zumindest anders. Und obwohl die Serie das heilige männliche Reich weißer Patriarchen nachspielt, ist es nicht wie bei „Game of Thrones“, wo eine weibliche Figur erst dann in der Serie angekommen ist, wenn sie völlig nackt war oder vergewaltigt wurde oder beides. 

Und damit Willkommen zum Staffelrückblick!

Ich stelle mir das so vor, dass die Autorinnen (Ha!) der Serie zwei Ideen für eine ganze Staffel haben und dann eine Folge schreiben, in der alles beginnt, zwölf Folgen, in denen nichts passiert, und eine Folge, in der ihre Ideen passieren. So könnte sich ergeben, dass in der Serie so eine große Angst vor Konsequenzen herrscht, dass in Folge 7 jemand sagen kann „wir ziehen in den Krieg“ und dann in Folge 16 (!) dieser Krieg darin besteht, dass fünfzehn Sekunden lang rumgeballert wird und dann eine Seite flüchtet. Fertig.

Immer noch stehen die Männer eindeutig im Vordergrund der Serie. Jede weibliche Figur musstge bereits mindestens einmal von anderen vor Zombies gerettet werden, die männlichen Figuren packen das in der Regel. In der dritten Staffel wird einmal ein Mann an einen Stuhl gefesselt gegen einen Zombie geschickt: der packt das natürlich. Einer Frau passiert dasselbe: sie wird gebissen. Wenn eine Frau einen Zombie anfährt, überschlägt sich der Wagen, ein Mann bringt den Wagen wieder auf die Spur.

Ich glaube immer noch (anders als bei Game of Thrones – Seitenhieb 2), dass die Autorinnen aber überwiegend ahnungslos sind. Sie schreiben einfach einzelne Szene, und die sind dann durch die Implikation und die handelnden Figuren verdächtig. Die Autorinnen hinterfragen die männlichen Führungsansprüche nicht, sie sind einfach so durch die Figurenkonstellation geworden.

Ich glaube das, weil auch sonst die Autorinnen wenig Konsistenz aufrechterhalten, sondern gefühlt von Folge zu Folge und Szene zu Szene entscheiden, was passieren soll, und dann die vorhandenen Figuren das halt machen lassen, ob das logisch ist oder nicht. Weshalb Figuren in einer Folge geschickt reagieren über etwas, das sie zwei Minuten später selbst tun, und ähnliches.

Darum ist the Walking Dead auch voller thematischer Annsätze, die aber mehr immanent in den Situationen entstehen und nicht gewollt erscheinen. Nehmen wir nur Woodbury (was ich im letzten Beitrag Woodsboro) genannt habe. Diese Stadt und ihr Anführer, der Gouvernor, könnten verschiedene Zwecek erfüllen: ist es eine Parallele für das, was das Gefängnis für Ricks Rudel sein könnte? Eine korrupte Variante oder eine gelungene? Ist der Fall von Woodbury eine Parallele, sodass der Gouvernor und Rick gemeinsam brutaler werden, aber Rick die Kurve kriegt? Ist der Gouvernor von vorneherein ein Bösewicht? Ist die Stadt ein Zeichen dafür, dass zu große Gruppen in dieser neuen Welt sich zerfleischen? Oder eher ein Ansporn? Die Autorinnen haben anscheinend keine feste Idee dafür, weshalb dieser Plot auch so schwammig behandelt wird. Dazu kommt, dass Rick (und sein Rudel, aber vor allem Rick) keine Fehler machen dürfen, sodass auch die blödesten Entscheidungen nicht infrage gestellt werden udn Figuren ständig kommen, um Rick explizit zu loben und klug zu nennen.

Dabei passiert dann so etwas wie: 4 Neuankömmlinge erreichen das Gefängnis und leben sich dort halbwegs ein. Sie erscheinen vertrauenswürdig. Rick kommt und sieht sie – und er sieht seine verstorbene Frau. Während er sich offensichtlich für alle mit nicht Anwesenden unterhält, schickt er die Neuen davon. Und keine der anderen Personen findet das komisch, sondern sie machen, was Rick will.

So funktionieren Menschen nicht. In dieser Welt, in der Überlebende ja überlebensreif waren, wird es doch mindestens eine Person geben, die einem offensichtlich realitätsfremden Anführer nicht mehr folgt. Ebenso, als der Gouvernor seine Leute alle erschießt und nur zwei überlässt – dass diese beiden nicht allein aus Selbstschutz den Gouvernor erschießen, der ihnen aktuell nichts zu bieten hat, ist schwer vorstellbar.

Außer in dieser Welt, wo weiße Führer Gehorsam bekommen.

Ärgerlich auch, dass die Storys sich fast ausschließlich um die Männer richten – auch der sexuelle Übergriff auf eine Frau führt zu einer Betrachtung, was das mit ihrem Liebsten macht. Die eine Figur mit halbwegs eigener Storyline ist Andrea, und auch die steckt nach und nach gegen den Gouvernor zurück. Mehr noch aber, Andreas Story handelt davon, wie sie sich in einen Psychopathen verliebt und das zu spät erkennt. Also Klischee hoch drei. Michonne als neue Figur erlebt ähnliches, weil sie in Nebensätzen zum Opfer von Vergewaltigung wird und einer Mutter ohne Kind und somit ihre Härte durch Trauma motiviert wird. Wo sonst Härte durch Testosteron allein entsteht. Und wenn Michonne sich in Woodsbury nicht wohl fühlt, liegt das nicht an besonderer Wahrnehmung, sondern daran, dass sie wegen Andrea eifersüchtig auf den Gouvernor ist (keine Sorge, das ist nur implizit lesbisch bzw. bisexuell, explizit ein Freundschaftsbruch). Wenn sie den Gouvernor töten will, dann nicht, weil sie dessen Verfasstheit durchschaut, sondern weil sie Andrea aus Rache weh tun will. Frauen halt. 

Schließlich finde ich nervig, wie wenig sich die Anführer um ihr Gefolge scheren und nachfragen, was die denn wollen. Da wird einfach entschieden, bis hin zu Gefühlsebene (du musst hart werden), und da wird so getan, als sei diese Führung irgendwie legitimiert. Aber tatsächlich verhalten sich die Menschen wie Schafe und zwar nicht, wenn es um eine abstrakte Steuererhöhung geht, sondern ihr nacktes Überleben.

Wenig durchdacht auch die Aktionen der Gruppen. Wo klar ist, dass die Größe einer Gruppe ihre Stärke ausmacht, will Rick niemanden aufnehmen und lässt sogar einzelne Menschen den Zombies – hat aber natürlich gleichzeitig kein Problem, Experimente des Gouvernors zu verurteilen. Das Gefängnis, dass Ricks Leute einnehmen, wird niemals richtig genutzt. Da müsste es Strom geben, eine Küche, eine Werkstatt, eine Krankenstation, Möglichkeiten, einzelne Trakte abzusperren und so weiter. Aber Ricks Rudel hat anscheinend nicht einmal einen Plan, diese Ressourcen nutzbar zu machen. Da entsteht immer nur ein Bedarf von jetzt auf gleich und dann muss man schnell sehen, wie der gedeckt wird. Umso grotesker, dass alle Ricks Führung so sehr loben. Es gibt nicht einmal regelmäßiges Training in Selbstverteidigung und anderen nützlichen Fähigkeiten. Stattdessen passen die Frauen auf das Baby auf und die Männer suchen nach dem Zeug, das gerade plötzlich aktuell wird.

Wenn dann auch noch die Motivation der Figuren so nebulös bleibt und von Folge zu Folge wechseln kann, wenn keine thematische Dichte herrscht, sondern nur Ansätze, wenn die Action auch irgendwie nicht befriedigen kann, vor allem nachdem man viele Folgen warten musste (auf den Showdown) – warum guckt man das dann? Auch die Effekte sind nicht mehr so gut wie vorher.

Letztes Problem sind die Zombies. Wenn man bisweilen sieht, wie einfach diese Untoten beseitigt werden, wie toll ausnahmslos alle Figuren auch im Laufen mit einer Pistole auf 30 Meter ihnen in den Kopf schießen können (nur um dann beim Gefecht mit dem Gouvernor zu Sturmtruppen-Präzision zu wechseln), dann sind Zombies nicht mehr so gefährlich, wie andere Szenen suggerieren. Nachdem Glenn in 5 Sekunden an einen Stuhl gefesselt einenZombie platt macht, bleibt halt nicht viel Grund, warum die Figuren im Gefängnis nicht nach und nach alle Zombies platt machen und auch den Zaun frei halten. 

Aber der Reiz dieser Idee lockt dann doch. Was würde man anders – also besser – machen als Rick? Welche akute Krise hätte man längst schon erahnt und wie würde man sie nun bewältigen? Kopfschütteln über die Dummdödel und damit auch über die Autorinnen, Ärger über den Fokus der Handlung auf den weißen Männern (und sowohl der Koraner Glenn als auch das Kind Carl zählen hierzu), gefolgt von den Frauen (mit Abstand, und damit ist eigentlich nur Andrea gemeint), gefolgt von schwarzen Männern.

Das Potenzial, dass „The Walking Dead“ hat, lässt mich einschalten. Die Verschwendung dieses Potenzials lässt uns vor der Flimmerkiste diskutieren, und die relative Zurückhaltung bei sexuellen Übergriffen sorgt dafür, dass diese Serie toll ist, um sie zu hassen und eben nicht abstoßend gewalttätig ist wie „Game of Thrones“ (Seitenhieb 3, Mission erfüllt).

Vorherige Beiträge:

The Walking Dead

Stand: Staffel 2, Folge 9

Stand: Ende Staffel 2

Stand: Staffel 3, Folge 4

The Walking Dead – 3×01 bis 3×04

Ich hatte Trost. In der dritten Staffel werde es besser, hieß es. 

Bislang kann ich sagen: es wurde. 

Oh, die Serie hat weiterhin Elemente, die mich aufregen. So ist in der Grimes-Gang die Verteilung zwischen Frauen und Männern eindeutig (Frauen: reagieren emotional, kümmern sich um Kinder – Männer: reagieren mit Stoizismus oder Wut, kümmern sich um Zombies), sodass dem jungen Carl (zwischen 11 und 13) regelmäßig mehr Verantwortung aufgebürdet wird als erwachsenen Frauen (und er sich auch so verhält). Auch in dem neuen Städtchen Woodsboro, wo der Gouverneur eine nicht ganz heile, aber zumindest sichere Welt errichtet hat, ist das ähnlich. Frauen pflanzen an und Männer beschützen. Andrea ist pro Gouverneur, aber leider mit der Andeutung einer Romanze, sodass man dieser emotionalen Frau das nicht abnehmen kann.

Lori ist übrigens die schlimmste Ausprägung des Ganzen, da sie ihr Heil und ihren Lebenssinn buchstäblich durch ihre Schwangerschaft erfüllt. Und auch in Woodsboro gibt es schwangere Frauen. Beide Gruppen haben auch ihre besondere Ausnahme: bei Rick Grimes ist es Maggie, die zwar auch emotional ist und heult, aber immerhin mit auf Zombiejagd geht. Und in Woodsboro ist es Andreas neue Freundin Michonne, die sehr cool ist, aber wahrscheinlich wird sich ihre Härte als Resultat ganz besonderer Traumatisierung erweisen. Weil Frauen ja sonst nicht so sein können.

Ebenso enervierend ist die fehlende Voraussicht. Die Autorinnen (ha!) müssen sich natürlich um spannende Plots kümmern, bevor sie realistisch werden, aber es ist trotzdem unverständlich, wie wenig die Grimes-Gang anscheinend bespricht und plant. Da hat man eine Schwangere dabei und anscheinend weder ein OP-Set vorbereitet, noch sich Gedanken über die Erfordernisse eines Babys gemacht für den Fall, dass die Mutter stirbt. Noch hat man sich überlegt, wie man mit Neuankömmlingen umgeht. Noch fragt irgendjemand irgendjemanden mal, was sie für Fertigkeiten aus der Vergangenheit mitbringt. Denn es gibt ja viele nützliche Fertigkeiten – und nebenbei ist es unrealistisch, dass keine Frau aus unserer Zivilisation mehr gelernt hat als zu kochen und zu putzen -, und man muss sich auch gewahr sein, dass in der Apokalypse Menschen sterben werden, sodass man Stärke in der Gruppengröße suchen sollte – also nicht alle Leute per se ablehnen.

Die Idee, dass die Welt eine andere ist, wird zwar oft wiederholt, aber von Grimes und Co nicht wirklich gelebt, auch fast ein Jahr nach der Apokalypse nicht. Sexismus und Dummheit sind aber in Kombination hart zu ertragen.

Allerdings gibt es auch ein Licht am Tunnelende. In der dritten Staffel passiert was, und zwar regelmäßig. Die Übernahme eines Gefängnisses als Basis ist eine gute Idee (wenn auch nicht so umgesetzt, wie ich es an Ricks Stelle tun würde). Die Main Street von Woodsboro als Ideal und Gegenpol – und wahrscheinlich in Wahrheit korrupte Fantasie – ist interessant, und Merle ist nicht annähernd so nervig wie bei seinem Auftritt in Staffel 1. 

The Walking Dead ist immer noch eine Serie, bei der ich mich gut aufregen kann, aber die Begleiterscheinungen sind wesentlich angenehmer geworden. Staffel 1 – okay. Staffel 2 – blah. Staffel 3 bislang gut.

Vorherige Beiträge:

The Walking Dead

Stand: Staffel 2, Folge 9

Stand: Ende Staffel 2

The Walking Dead – 2×13

Die zweite Staffel ist vorbei und ich möchte ein paar Highlights präsentieren.

Dem Ablauf dieser Staffel folgend mache ich aber erst mal lange nix.

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dum di dum

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Es dauert jedenfalls alles sehr lange und lässt sich Zeit für in der Regel blöde Dialoge und komische Geschichten, bei denen wir folgendes lernen: die Welt braucht starke männliche Führer. Die führen an, ohne dass sie jemand darum bittet, aber sagen gleichzeitig, dass sie diese Verantwortung ja nicht wollen. Und sie sind gute Traditionalisten.

Hershel nimmt sich Glenn zur Brust und gibt seinen väterlichen Segen für die Beziehung mit dessen Tochter Maggie, und die Serie behandelt dies tatsächlich als relevanten Moment.

Rick nimmt sich Shane zur Brust und stellt klar, dass es hier um seine Frau und sein Kind geht – wichtig ist nicht, mit wem Lori zusammen sein will, sondern wem sie gehört.

Lori steht in der Küche und tröstet Maggie, die vorher zwar selbst ausgeritten ist, jetzt aber immer zu Hause bleibt (es sind ja Männer da), und die sich nun um den abwesenden Glenn sorgt: „Männer müssen so etwas einfach tun. Wir sorgen dafür, dass hier alles am Laufen bleibt, bis die Männer zurückkommen.“ Und dann wirft Lori Andrea vor, dass diese den Wachdienst übernimmt: „Die Männer brauchen dich nicht. Aber hier gibt es genug zu waschen und zu kochen, und diese Arbeit bleibt dann an uns hängen, wenn du sie nicht machst.“

Das ist so furchtbar. Wir bekommen auch keinen Eindruck davon, dass irgendjemand außer den Polizisten Shane und Rick ein Leben vor der Apokalypse hatten, und daher irgendwas können. Wobei, das stimmt nicht ganz. Es gibt da noch den Fall von Randall. Und das ist eine coole Geschichte.

Zuletzt hatte ich erzählt, dass Rick einfach zwei Typen umgenietet hat, die sich halbwegs komisch verhielten, aber hallo – Apokalypse! Natürlich gehören die beiden zu einer Gruppe von Unmenschen, und bei einem kurzen Gefecht lassen diese Randall verletzt zurück. Rick rettet ihm das Leben und die Gruppe versorgt Randalls Wunden.

Schnitt! Und die nächste Folge sagt uns, dass der Kerl eine Woche später ausgesetzt werden soll. Hier gibt es anscheinend keine Diskussion, ob der in die Gruppe aufgenommen wird. Es ist ja nicht so, als würde eine größere Gruppe Sicherheit bedeuten und der Kerl dankbar sein, zumal er von den anderen im Stich gelassen wurde. Nein, er soll ausgesetzt werden, aber weil er den Weg zu Ricks Versteck kennt, ist nun die Frage, ob man ihn vielleicht besser gleich tötet.

Schnitt! Und er wird gefoltert, um sein Wissen über die andere Gruppe zu verraten. Also nicht, während er dankbar von der Verletzung genest, nein, jetzt wird er angekettet und gefoltert – und dann überlegt man, ob man ihn bei sich aufnehmen soll. Weil er nach Folter und Gefängnis ohne Wasser und ohne Brot ja so loyal sein wird. Das ist aber alles kein Problem, weil das nämlich Amis sind.

So. Und jetzt erfahren wir, dass Andrea Bürgerrechtsanwältin war, bevor die Welt endete. Aber nicht sie ist es, die mit der Hinrichtung (oder gar mit der Folter) ein Problem hat, sondern natürlich ein anderer Kerl, Dale. Weil wichtige Konflikte zwischen weißen Männern stattfinden. Da hätte ich lieber gedacht, dass Andrea Kassiererin war.

Und wenn Rick dann am Ende entscheidet, und sich dann wieder umentscheidet, dann nicken alle ab, und Lori sagt nur: „Ich bin sicher, du hattest deine Gründe“ und will die Gründe nicht mal hören. Weil Papa entscheidet.

Wobei Andrea sonst noch ganz gut wegkommt, weil sie als einzige Frau Interesse zeigt, mit Waffen umzugehen. Und dann auf der Flucht alleine Dutzende Zombies tötet, auch noch ohne Munition, aber vor dem letzten natürlich dann doch noch gerettet werden muss.

Die ganze Planung dieser Gruppe ist lächerlich. Die waschen sorgfältig ihre Wäsche, statt sich in Läden zu bedienen, aber haben keine Notfalltasche, keinen Notfallplan, keinen Austausch von Wissen, keine ständige Bewaffnung, keine Fallen, nicht einmal einen Expertenrat, sondern nur die bestimmende Hand von Rick Grimes, der zwar keine Ahnung hat, aber mal Sheriff war.

Absolut anstrengend, und trotzdem guckt man irgendwie weiter hin. Immerhin ist Michonne jetzt aufgetaucht, die ein Badass ist (Schwarze mit Samuraschwert!), aber in den Comics auch treue Soldatin Ricks ist. Und ich habe nicht den Eindruck, dass diese Serie sehr bald mit den amerikanischen Mythen aufhört, und danach ist eben ein starker weißer Mann mit Knarre in der Hand der beste Anführer.

Ach so, T-Dog lebt auch noch und darf zweimal was sagen. Aber wenn Michonne da ist, wird er bestimmt bald sterben. Zwei Schwarze in der Gruppe und dann noch ein Koreaner, ob das nicht zu viel ist…

Vorherige Beiträge:

The Walking Dead

Stand: Staffel 2, Folge 9

The Walking Dead

Inhalte: Sexismus, ausgelutschte Dialoge, Zombies

Vorbemerkung: Dieser Beitrag bezieht sich auf die TV-Serie „The Walking Dead“, Stand Staffel 2, Episode 2. 

Voreingenommenheit: Ich habe die Comics von The Walking Dead gelesen. Zuerst bis etwa Heft 60, dann aufgegeben. Danach bis Heft 100 verfolgt, aufgegeben. Noch einmal angefangen und bei Heft 130 oder so aufgegeben. Mich interessiert die Thematik, die konkrete Ausführung der Comics aber sehe ich zwiegespalten. Vielleicht ist das auch einmal einen Beitrag wert.

Die TV-Serie „The Walking Dead“ ist ja in den USA ein ziemlicher Erfolg gewesen, der auch Videospiele und andere Lizenzware nach sich zog. Ich hatte bereits einmal die erste Folge gesehen, war aber dann abgekommen. Dank meiner Netflix-Mitgliedschaft komme ich nun dazu, noch einmal einen genaueren Blick zu werfen.

Plot-Check

Rick Grimes (irgendein weißer Kerl) ist ein Polizist, der nach einer Schussverletzung im Koma liegt. Er wacht auf und es ist die Zombie-Apokalypse, auch wenn niemand Zombie sagt und es in dieser Welt keine Zombies gibt. Also keine Voudoun-Religion, nehme ich an. Immerhin gibt es dann auch nicht den Bond-Film „Leben und Sterben lassen“, allerdings auch nicht das tolle Lied von McCartney dazu. 

Rick marschiert erst Mal barfuß und in Unterwäsche nach Hause, wie man das so tut, Apokalypse hin oder her. Er trifft einzelne Überlebende und geht dann auf die Suche nach seiner Frau und seinem Sohn. Über Umwege findet er die beiden bei einer Gruppe Überlebender mit seinem besten Freund Shane (ein anderer weißer Typ), der mittlerweile mit seiner Frau ein Verhältnis hat. Die größere Gruppe umfasst auch Latinos und Schwarze und einen Koreaner mit nicht-asiatischem Namen, weil ironisch: Glenn.

Zombies greifen an, Leute sterben, Konflikte entstehen, die Gruppe trennt sich (von den Latinos), man fährt weiter, und so. Wie erwartet.

Was „The Walking Dead“ ausmachen sollte, ist die Qualität der Konflikte, die Dialoge, eben die Drehbücher. Aber die sind leider in der ersten Staffel doch sehr ausgelutscht und voll von Situationen, in denen man sich richtig vorstellt, wie die Autorinnen (ha! Eher die Autoren) sich diebisch freuen. Die Latinos im Gangoutfit, die Glenn entführen und mit Waffen drohen, sind gar keine brutale Gang – wie konnte ich Rassist nur so was denken? Der faule Ehemann ist natürlich auch noch ein Frauenverprügler und seine Frau darf dann verhindern, dass er als Zombie wieder aufsteht, indem sie seinen Schädel zerbreit. Die Frau stirbt an ihrem groß angekündigten Geburtstag. Der Schwarze will dem Rassisten helfen, aber er stolpert und der helfende Schlüssel fällt natürlich genau in ein Abflussrohr. Die Zombiegedärme überdecken den Menschengeruch, aber da fängt es natürlich an zu regnen. 

Es gibt viele Szenen, in denen deutlich wird, dass hier eine Serie geschrieben wird und nicht etwa versucht wird, mögliche Realität zu erzählen. 

Umso schlimmer, wie die Serie mit ihren Figuren umgeht. Da wird kurz hinterfragt, dass die Frauen die Wäsche waschen, und bügeln, und kochen, und… Und die Antwort der Serie ist „noch nicht gemerkt? Die Welt ist untergegangen.“ Und dann wird an einem Mann ein Exempel statuiert, der Kerl ist aber auch ein Frauenprügler und wird von Alpha 2, also Shane, zusammengeschlagen, während die Frauen verängstigt zusehen.

Das tun sie nämlich. Verängstigt zusehen, wegsehen, kreischen, weinen. Männer hingegen sind hart und schlucken ihre Angst runter. Männer kriegen auch Waffen und niemand würde es wagen, Männern Waffen wegzunehmen. Frauen sind nicht so. Zumindest hier. Die Geschlechtertrennung ist beinahe schon witzig oder aberwitzig, so extrem ist sie. Immerhin gibt es einen kurzen Monolog, der diesen Wahnsinn aufzugreifen scheint, aber letztendlich verhallt auch dieser Monolog wirkungslos. Die Kerle Dale, Glenn, Shane, Rick, Daryl haben eindeutig mehr zu sagen und sind eindeutig aktiv, die Frauen sind in der Regel passiv. Andrea wird eine aktivere Rolle verwehrt, Lori (Ricks Ehefrau) will eine soclhe Rolle, aber es muss sich noch zeigen, ob das erfolgreich ist. Bislang ist sie eher eine nörgelnde Ehefrau, die in einer Szene Rick sagt, er solle Daryls Bruder suchen, und in der nächsten sauer ist, dass Rick losgeht, die in einer Szene Shane verbietet, mit ihrem Sohn umzugehen, und in der nächsten sauer ist, dass Shane den Sohn nicht freundlich behandelt.

Die Apokalypse ist ansonsten, wie man sie sich so vorstellt. Zusammenbrechen aller Kommunikation, Regierung usw. Niemand ist auf so etwas vorbereitet und alle erscheinen unfähig, dort zu überleben (außer Daryl, Shane und vielleicht Glenn), wenn ihnen Rick Grimes nicht alles erklärt. Oder ein anderer weißer Kerl, wenn es um Frauen geht.

Beispiel: Andreas Knarre. Andrea kriegt von ihrem Vater eine Pistole geschenkt. Die Apokalypse passiert. Monate später trifft Andrea auf Rick und bedroht ihn, aber natürlich hat sie die Waffe nciht entsichert. Noch später erklärt Shane ihr die Waffe und beginnt damit, dass im Magazin sieben Kugeln sind, was für Andrea ersichtlich neu ist. Und schließlich, nachdem Andrea beinahe gefressen wurde, entzieht Dale ihr die Waffe und gibt sie nicht zurück und bekommt männliche Rückendeckung, weil er befürchtet, Andrea könne sich etwas antun. Dies führt zu den einen Monolog, den ich oben erwähnt habe (Kurzform: was geht dich das an?) und dazu, dass Lori Andrea entnervt (von Andrea) eine Waffe gibt – und Andrea gibt die dann prompt zurück, weil Alphaweibchen und so. Grr! 

Figuren-Check

Immerhin sind die Figuren von verschiedenen ethnischen Herkünften. Allerdings sind die Latinos nach einer halben Staffel weg. Die schwarze Frau stirbt, der schwarze Kerl ist ein Idiot und wird sicher nicht überleben, und Neuankömmlinge sind weiß. Es gibt auch dickere und ältere (Männer), bislang keine Homosexualität oder Behinderungen (wobei sich Daryls rassistischer drogensüchtiger Bruder eine Hand entfernt hat, aber der Bruder selbst ist verschollen). Aus den Comics weiß ich, dass es Kriegsverletzungen geben könnte.

Produktions-Check

Die Serie ist hochwertig produziert. Zwar beschränken sich die Schauplätze auf begrenzte oder isolierte Orte (das Dach und eine Etage eines Warenhauses, eine Straßenecke, eine Lichtung im Wald), aber das liegt sicher auch an der Schwierigkeit, moderne Zivilisation aus Locations herauszuhalten. Die Bücher müssen also auf ausgiebige Touren verzichten, und einzelne Einstellungen bearbeitet man dann am Rechner, was nur selten – dann aber gerne eindeutig – heraussticht. Die Zombies sind gut gemacht, die Kostüme riechen geradezu vor Schweiß beim Angucken. 

Das ist auch wichtig, denn bei den eher bekannten Plots und Dialogen ist es wichtig, dass die Serie nicht billig erscheint.

Fazit

Bislang konnte die Serie noch nicht viel Neuland betreten und hat für mich anstrengende Blickwinkel auf Geschlechterrollen. Da die Gruppe auch noch immer wieder Blödheiten unternimmt, macht es bislang Spaß, die Serie zu gucken, uund sich dabei aufzuregen. Wegen ihrer Verfügbarkeit werde ich wohl relativ schnell ein Update veröffentlichen können, wie es weitergeht. Wie gesagt, in den ersten beiden Folgen der zweiten Staffel wirkt es, als könne es etwas besser werden.