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Star Wars: die letzten Jedi

Gestern war ich zum ersten Mal im neuen Star-Wars-Film. Die folgenden Inhalte werden sich auch mit dem Inhalt beschäftigen, aber ich versuche allzu schlimme Spoiler zu vermeiden.

Ich weiß, dass Star Wars eine Geldmaschine ist. Aber ich bin beeindruckt, dass die letzten drei Filme immerhin versuchen, außerdem auch noch gutes Kino zu machen. „Die letzten Jedi“ ist möglicherweise etwas lang, es gibt ein oder zwei Momente, die für die gesamte Story eher unnötig waren.

Aber: sie hatten dennoch Sinn, denn „die letzten Jedi“ tut etwas, das mich sehr freut. Der Film hat thematischen Fokus und erzählt auch über Figuren. Wie die Filmlöwin im Blockbuster-Check (Spoiler) zu Recht anmerkt, sind dabei die dynamischen Figuren zu einem Großteil die Männer, auch wenn ich Rey nicht ganz so statisch empfunden habe. Dennoch geht es hier in jeder Szene entweder um die Entwicklung einer Figur, um die Entwicklung des Themas, oder um beides. Und dieser Fokus ist es, den ich bei Filmen mag.

Und so saß ich nicht nur stellenweise mit offenem Mund im Kino und bekam (ehrlich) Gänsehaut, sondern fühle mich auch noch am Ende inspiriert. Dabei ist das Zitat des Films für mich eines von Rose Tico und hat durchaus auch Relevanz für mich und meinen Alltag.

Thematische SPOILER folgen. Wenn ihr das nicht lesen wollt, hört hier auf. Der Film ist gut, sehr gut, und macht definitiv Spaß.

„Wir gewinnen nicht, indem wir bekämpfen, was wir hassen – sondern, indem wir bewahren, was wir lieben.“ Dieser Satz fasst gut zusammen, was Finn und Poe im Film lernen müssen (und zu einem Teil Luke – siehe oben, dynamische Figuren sind überwiegend männlich). Ich frage mich, ob mir das zu konservativ ist – aber andererseits gibt es die Gefahr sehr wohl, dass man im Kampf gegen „das Böse“ eben selbst die gleichen Mittel verwendet – der Film macht dies mehrfach explizit – und das Ziel aus den Augen verliert.

Und was tut man gegen die rechte populistische Welle zur Zeit? Sie unterdrücken? Oder im Bewusstsein, dass man den erfolgreicheren Ansatz hat, diesen demonstrieren? Gibt es eine andere Möglichkeit, um langfristig voran zu kommen? Oder wird das sonst nur ein hin und her, wer gerade mehr Einfluss hat, unterdrückt die andere Position und macht sie zunichte?

Ich sehe die Gefahr in den USA – die Republikaner machen rechtsradikale Politik – sollen die Demokraten nun dieselben Mittel aufwenden und genauso radikal und rücksichtslos werden? Kurzfristig erscheint dies klug. Aber tatsächlich ist es vielleicht besser, nicht die Gegner fertig zu machen, sondern das Schützenswerte zu fördern und zu schützen.

Das kann, denke ich, progressiv sein und Schaden verhindern – also ist hoffentlich kein hohes Ross, auf dem man in der weißen Mittelschicht beruhigt sitzen kann. Es bedeutet eben Umweltschutz und Sozialpolitik und Bürgerrechte auch für solche, die das scheiße finden.

Jedenfalls beschäftigt mich das, und das finde ich bei einem Millionenblockbuster von Disney schon sehr erstaunlich.

Listen mit Flausch: 7 Dinge über ES

In which I go and blog again.

  1. Derry. Derry ist die Stadt, in der ES spielt. Derry ist ein Ort der Verschwiegenheit. Die Kinder verschwinden, die Erwachsenen sehen weg. Egal, was ist, die Erwachsenen sehen weg — oder sind selbst die Täter_innen. Die Kinder und Hauptfiguren haben entsprechend keine Hilfe zu erwarten, vielmehr leiden sie unter ihren Eltern. So weit das Buch. Im Film wird das nur stellenweise deutlich. Dadurch gerät die Thematik des Erwachsenwerdens, der Abkapselung von Autoritäten ein wenig in Verschwommenheit. Diese Dinge werden entsprechend gesagt, aber weniger gezeigt.
  2. Klang. Schaut euch diesen Film an: How to make music scary (4 min). Diese Musik wird in ES wummernd über euch gegossen, wieder und wieder. Das ist ein Trick, der durch Wucht und Masse an Wirkung verliert. Manchmal gibt es auch Krach. Oder Rockmusik als Pointe.
  3. Ton. Auch die Stimmung des Films ist unausgewogen. Wenn die Kinder sich gegen ihre Peiniger wehren, erklingt harter Rock, gleichzeitig beginnt das Ganze mit einem Gag. Ist das nun eine witzige Szene, oder ein Triumph, oder ist es den Filmatisten scheißegal? Ebenso die Gruselei. Da wechselt es von verstörenden Bildern zu hektischem Geschüttel zu Bombast zu minimalem Splatter (nur subtil ist es nie). Dadurch wird immer wieder die Spannung gebrochen, weil die nächste Veränderung kommen muss — und sie springt uns wahrscheinlich auch noch ins Gesicht.
  4. Frauen. Es gibt eine Bibliothekarin. Ansonsten kommen genau zwei Frauen vor: Eddies Mutter wird betont mit ihrer Körperfülle gezeigt und diese als Pointe benutzt, wie es den Vätern des Films nicht ergeht. Die sind zwar schmierig, aber klar dominant—maskulin. Die Mutter ist ein fetter Witz wie Howards Mutter in der Big Bang Theory. Die dritte weibliche Figur mit mehr als einer Szene ist ein Papierboot, weil wir zwei Mal hören, dass Boote weiblich sind.
  5. Und dann ist da noch Beverly. Im Buch ist Beverly arm und wird von ihrem Vater geschlagen. Der Film hat auch hier wieder tonale Schwierigkeiten. Beverly wird recht klar von ihrem Vater missbraucht. In der Schule gibt es Gerüchte über ihre angebliche Hypersexualität. Sie lenkt mit sexuellen Anspielungen einen Erwachsenen ab. Schon das wird eher neutral bis positiv gezeigt, nicht als seltsame Folge ihrer Erfahrung. Sie ist auch eindeutig Objekt der Begierde von allen Jungs, zwei Jungs insbesonders. Beide Jungs werden sie ungefragt küssen, und Beverly wird das gefallen. Diese Übergriffigkeit fällt den Filmatisten nicht auf, ebensowenig, dass sie bei Erwachsenen raubtierhafte Begierde als bedrohlich zeigen, bei Kindern aber ebenso inszenieren, mit dem Unterschied, dass es um Gleichaltrige geht.
  6. Die Kids. Wir müssen heutzutage in so einem Film nicht mehr 6 Jungs und ein Mädchen haben, nicht mehr 6 weiße und eine Minderheit, nicht mehr nur heterosexuelle Kinder usw. Hollywood ist weiter. Wobei die Darsteller allesamt gut sind, und Sophia Lillis ist großartig als Beverly. Ich möchte auch noch die Szene erwähnen. Im Roman verbrüdern sich die Kinder (sic), indem sie nacheinander mit Beverly schlafen. Das ist quatsch und unfilmbar und passiert hier auch nicht. Gut so.
  7. Flausch. ES hat eher geringen Flauschfaktor. Auch die Freundschaft der Kinder hat eine Umarmung und wenig Kuschelei. Das ist bei einem Gruselfilm auch wenig verwunderlich. 

Am Ende ist ES okay, aber problembehaftet, vor allem dadurch, dass es eher brachial vorgeht und wenig Sinn für thematische Klarheit, konsequente Atmosphäre und Subtilität hat. Aber gute Darsteller und ein paar Schocks. Der Schlaf ist aber nicht gefährdet.