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Listen mit Flausch: 7 Dinge über ES

In which I go and blog again.

  1. Derry. Derry ist die Stadt, in der ES spielt. Derry ist ein Ort der Verschwiegenheit. Die Kinder verschwinden, die Erwachsenen sehen weg. Egal, was ist, die Erwachsenen sehen weg — oder sind selbst die Täter_innen. Die Kinder und Hauptfiguren haben entsprechend keine Hilfe zu erwarten, vielmehr leiden sie unter ihren Eltern. So weit das Buch. Im Film wird das nur stellenweise deutlich. Dadurch gerät die Thematik des Erwachsenwerdens, der Abkapselung von Autoritäten ein wenig in Verschwommenheit. Diese Dinge werden entsprechend gesagt, aber weniger gezeigt.
  2. Klang. Schaut euch diesen Film an: How to make music scary (4 min). Diese Musik wird in ES wummernd über euch gegossen, wieder und wieder. Das ist ein Trick, der durch Wucht und Masse an Wirkung verliert. Manchmal gibt es auch Krach. Oder Rockmusik als Pointe.
  3. Ton. Auch die Stimmung des Films ist unausgewogen. Wenn die Kinder sich gegen ihre Peiniger wehren, erklingt harter Rock, gleichzeitig beginnt das Ganze mit einem Gag. Ist das nun eine witzige Szene, oder ein Triumph, oder ist es den Filmatisten scheißegal? Ebenso die Gruselei. Da wechselt es von verstörenden Bildern zu hektischem Geschüttel zu Bombast zu minimalem Splatter (nur subtil ist es nie). Dadurch wird immer wieder die Spannung gebrochen, weil die nächste Veränderung kommen muss — und sie springt uns wahrscheinlich auch noch ins Gesicht.
  4. Frauen. Es gibt eine Bibliothekarin. Ansonsten kommen genau zwei Frauen vor: Eddies Mutter wird betont mit ihrer Körperfülle gezeigt und diese als Pointe benutzt, wie es den Vätern des Films nicht ergeht. Die sind zwar schmierig, aber klar dominant—maskulin. Die Mutter ist ein fetter Witz wie Howards Mutter in der Big Bang Theory. Die dritte weibliche Figur mit mehr als einer Szene ist ein Papierboot, weil wir zwei Mal hören, dass Boote weiblich sind.
  5. Und dann ist da noch Beverly. Im Buch ist Beverly arm und wird von ihrem Vater geschlagen. Der Film hat auch hier wieder tonale Schwierigkeiten. Beverly wird recht klar von ihrem Vater missbraucht. In der Schule gibt es Gerüchte über ihre angebliche Hypersexualität. Sie lenkt mit sexuellen Anspielungen einen Erwachsenen ab. Schon das wird eher neutral bis positiv gezeigt, nicht als seltsame Folge ihrer Erfahrung. Sie ist auch eindeutig Objekt der Begierde von allen Jungs, zwei Jungs insbesonders. Beide Jungs werden sie ungefragt küssen, und Beverly wird das gefallen. Diese Übergriffigkeit fällt den Filmatisten nicht auf, ebensowenig, dass sie bei Erwachsenen raubtierhafte Begierde als bedrohlich zeigen, bei Kindern aber ebenso inszenieren, mit dem Unterschied, dass es um Gleichaltrige geht.
  6. Die Kids. Wir müssen heutzutage in so einem Film nicht mehr 6 Jungs und ein Mädchen haben, nicht mehr 6 weiße und eine Minderheit, nicht mehr nur heterosexuelle Kinder usw. Hollywood ist weiter. Wobei die Darsteller allesamt gut sind, und Sophia Lillis ist großartig als Beverly. Ich möchte auch noch die Szene erwähnen. Im Roman verbrüdern sich die Kinder (sic), indem sie nacheinander mit Beverly schlafen. Das ist quatsch und unfilmbar und passiert hier auch nicht. Gut so.
  7. Flausch. ES hat eher geringen Flauschfaktor. Auch die Freundschaft der Kinder hat eine Umarmung und wenig Kuschelei. Das ist bei einem Gruselfilm auch wenig verwunderlich. 

Am Ende ist ES okay, aber problembehaftet, vor allem dadurch, dass es eher brachial vorgeht und wenig Sinn für thematische Klarheit, konsequente Atmosphäre und Subtilität hat. Aber gute Darsteller und ein paar Schocks. Der Schlaf ist aber nicht gefährdet.