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Skyfall

Beim zweiten Gucken wird mir klar: Ich verabscheue Skyfall. Der noch neueste Bond-Film ist in meinen Augen ein richtiges Machwerk.

Inhalt: Sexismus und sexuelle Gewalt, Ewig-Gestrigkeit, Inkonsequenz und Dödelei

Es beginnt gleich in der ersten Actionsequenz, als Daniel Craigs James Bond seiner Mitagentin Eve Moneypenny (Naomie Harris) ins Steuer greift, um einen Bösewicht zu stoppen, und dann rechtzeitig aus dem Auto kommt und sie warnt, damit sie in Deckung gehen kann. Gleich ist klar, dass in diesem Film Frauen ja nicht glauben mögen, sie seien gleichwertig mit einem Mann. Bond hat mit ihnen auch entweder Sex oder eine Mutter-Sohn-Beziehung.

Moneypenny darf Bond dann auch gleich anschießen, was ihn den Film über schwächt (aber siehe unten) und sie davon überzeugt, am Ende doch lieber eine Vorzimmerdame zu werden. Nachdem sie mit Bond Sex hatte.

  • Nachtrag: Mir wurde gesagt, dass die beiden keinen Sex haben. Nun, sie haben ein recht eindeutiges Vorspiel – siehe dieses YoutTube-Video -mit einer weichen Abblende am Ende. Und auch, wenn es keinen Akt gab, so hat sie doch vor ihm kniend ihn rasiert, eine sexualisierte und eindeutig bedienende Handlung, die auch ausreicht.

Später trifft Bond eine Frau, die ihm beichtet, seit ihrer Jugend an Männer verkauft worden zu sein. Um frei zu kommen, hilft sie ihm. Die nächste Szene: er schleicht sich zu ihr in die Dusche und es gibt Sex. Mit dieser in einer sexuellen Zwangslage steckenden Frau. Ekelhaft.

Dann wird die Frau erwischt und Bond muss versuchen, sie durch einen Schuss zu retten. Nun kommt die Verletzung wieder ins Spiel, die den ganzen Film über angedeutet wird aber Bond im Ernstfall nicht wirklich behindert – nur in dieser Szene kann er eben nicht gut genug zielen. Der Bösewicht erschießt sie daraufhin. Bonds Reaktion: er bedauert, dass Whisky vergossen wurde. Dann tötet er alle Wachen und nimmt den Bösen gefangen. Zehn Sekunden vorher, und die Frau hätte gelebt. Aber andererseits verschwendet Bond an diese Frau ebensowenig Gedanken wie an die Frau, neben der er zu Beginn des Films aufwacht.

Derweil wird Mutterfigur M in England von einer Ministerin in die Zange genommen, die mit den Methoden des Geheimdienstes nicht einverstanden ist. In einem Tribunal sitzt diese Ministerin mit vier weißen Männern (die schweigen und so nicht explizit ihrer Meinung sind) und referiert so ausgiebig über ihre Hexenjagd, dass der gute Junge Ralph Fiennes die Ministerin verbal abstrafen kann.

Am Ende verliert Bond seine Mutter, gewinnt aber einen neuen Vater dazu, also alles gut.

Gekoppelt ist das mit einem durchgehenden Thema, dass die „gute alte Zeit“ – also die Zeit, in der Ungleichheit und Staatsmacht noch ausufernder waren als heute – nicht vorbei ist und angebliche „Relikte“ wie Bond immer noch gebraucht werden, und gipfelt in einer Szene, in der genau dieses Thema von Judi Dench als verdammtes Gedicht vorgelesen werden, während wir die Maschine dieser Reise in die Vergangenheit, James Bond, dramatisch im Bild sehen können. Kotz.

Neben diesem Thema, dass die alte männliche Gewalt und das Patriarchat Bestand haben müssen (ergo wieder ein Mann als M und Moneypenny ins Vorzimmer), ist Skyfall erschreckend leer. Zugegeben tolle Bilder ergeben aber kein größeres Bild, sondern sind nur nett anzusehen. Sie bedeuten nichts. Und wie oben beschrieben gefällt man sich darin, Bond als angeschlagen zu inszenieren, bis es zu Actionszenen kommt, wo er dann keine merklichen Nachteile erleidet. (Er ist aber auch, erfahren wir im Gedicht, mit unbändigem Willen versehen.)

Skyfall wirkt wie die schicke Gegenbewegung zur Forderung nach mehr Diversität im Film: Nein, der weiße männliche und natürlich Hetero-Held (cooler Spruch hin oder her, maskulin ist der Held, feminin wirkt eher der Schurke) ist immer noch die wahre Antwort.

Mich ärgert wohl, dass der Film toll besetzt und toll gefilmt ist und tatsächlich mehr sein könnte als tolle Bilder und eine Sehnsucht nach 1950.

Dann tausendmal lieber Mission Impossible.

R.E.D. 2 vs. Spy

Inhalt: Klischees, Sexismus, folgenlose Gewalt

Ich fand R.E.D. mäßig unterhaltsam, habe aber Gutes über die Fortsetzung gehört, in der Bruce Willis, John Malkovich, Helen Mirren und andere ältere Menschen erneut die Welt oder zumindest ihr Leben retten, indem sie viel in die Luft jagen. Leider habe ich vor R.E.D. 2 bereit Spy gesehen, oder wie es auf deutsch so krachend heißt: Susan Cooper undercover.

R.E.D. 2 ist im Plot ein relativer Standard-Actionfilm: Bösewichte haben Zugriff auf eine gewaltige Bombe, unsere unwahrscheinlichen Heldinnen müssen dagegen vorgehen. Derselbe Plot übrigens bei Spy. Bei R.E.D. 2 ist es nun so, dass Bruce Willis und John Malkovich als Agenten im Ruhestand mit der Bombe in Verbindung gebracht werden und nun ihre Unschuld beweisen müssen. Dies tun sie mithilfe von alten Weggefährten wie z.B. Anthony Hopkins oder Helen Mirren, aber auch mit Bruces Geliebter Marie-Louise Parker und seiner Ex-Geliebten Catherine Zeta-Jones und Witzen über Alter.

Spy hingegen erzählt, dass die Namen aller Top-Agenten wie Jude Law oder Jason Statham öffentlich werden und daher die hinter den Schreibtisch verbannte Melissa McCarthy ihr Können zeigen muss. Dies tut sie mithilfe ihrer besten Freundin und Analystin Miranda Hart und dem übergriffigen Agenten Peter Serafinowicz sowie vieler Witze über dicke Frauen.

Das Problem: R.E.D. 2 macht Sprüche über das Alter. Zum Beispiel gibt es natürlich Weinliebhaber („guter Jahrgang“), jeder sagt was dazu („das war vor meiner Zeit“ usw.), aber außer der Idee, dass ältere Menschen überraschend kompetent sein können, passiert da nicht mehr viel. Der zweite Humorstrang ist, dass Bruce Willis seiner Freundin sein sorgloses Leben ermöglichen will, die aber eindeutig auf Gefahr steht, und Bruce das erkennen muss. Aber auch das erschöpft sich in Platitüden.

Spy hingegen ist da treffender. Die Witze sind stellenweise grenzwertig (und härter als bei dem harmlosen R.E.D. 2, wobei beide Filme eine seltsame Stelle über Fäkalien beinhalten, die sonst nicht hereinpasst). Aber der Humor zeigt auch deutlich, wie Frauen und fette Frauen behandelt werden – McCarthy bekommt Tarnidentitäten als unattraktive Mütterchen, sie wird nicht ernst genommen und erhält auch keine echte Unterstützung, bis sie sich selbst welche besorgt. Hier gibt es echte Benachteiligung, und McCarthy zeigt, dass sie nicht nur genauso gut sein kann wie die Top-Agenten, sondern aufgrund ihrer schlechteren Ausstattung sogar besser sein muss. Sie zeigt die Klischees gekonnt auf und zerbricht sie dann, wenn sie zum Beispiel absolut großartig in einem Hosenanzug aussieht, der dann doch gleich wieder schlecht gemacht wird. Es ist sehr viel mehr ein Ausrufezeichen einer fetten Frau, die sich hinstellt und präsentiert, wie cool sie doch ist, als R.E.D. 2 ein Ausrufezeichen von alten Männern ist.

Dazu passt auch, dass Spy echte Frauenfreundschaft beinhaltet, wohingegen R.E.D. 2 sofort Rivalinnen inszeniert. Dass in Spy das Machogehabe (großartig: Jason Statham) entlarvt wird, wohingegen es in R.E.D. 2 Teil der Fantasie ist.

R.E.D. 2 hat einen sehr unklaren Plot, der ohne große Gefahren auskommt, selbst der Tod einer Hauptfigur ist nur momentan tragisch, danach dödelt alles so vor sich hin. Auch Folterszenen sind hier nicht ganz ernst zu nehmen, Mary-Louise Parker wechselt bisweilen schmerzhaft in die Farce, und immer wieder ist man als Zuschauerin verwirrt.

Spy hat einen klaren Plot, die Action hat Gewicht und ist trotzdem komisch, wenn sie es sein darf, und es gibt nur wenige Momente, die nicht klar unterscheiden können. Verwirrt ist man hier nie.

Einzig Melissa McCarthys Sprache ist für mich gewöhnungsbedürftig. Ich finde Beschimpfungen nicht witzig und Figuren, die ständig beleidigen, auch nicht sympathisch. Darum fand ich sie z.B. in Bridesmaids eher unerträglich (geht mir übrigens auch so mit Zach Galifianakis). Diese Komik ist nicht meine, weshalb ich aber Spy trotzdem noch gut anschauen kann, ich zucke nur bisweilen zusammen, weil es mir zu weit geht. Genieße aber, dass der Mittelfinger in die richtige Richtung geht.

Bei R.E.D. 2 gibt es keinen Mittelfinger. Dazu fehlt die Kraft. Alles ist dumdidelei Plätscherei, es passiert und ist halbwegs nett gemacht. Niemand ist in Gefahr, einen Infarkt zu erleiden. Fast wirkt es, als seien die alten Stars doch nicht mehr so aktiv und fähig, wie der Film suggeriert. Darum muss der vergleichsweise junge Lee Byung-Hun auch die heftigsten Actionszenen bestreiten.

Also: R.E.D. 2 ist halbwegs okay mit teilweise blödem Frauenbild und mit grober Aussage, Spy ist pointiert und witzig, aber teilweise brachial. Wirklich empfehlen kann ich nur Susan Cooper Undercover.

Jurassic World

Vorsintflutlich.

Inhalt: Sexismus, Dinozentrismus, 50er-Jahre-Moral

Ich erinnere mich noch daran, dass ich Jurassic Park im Kino gesehen habe, und wie überwältigend das war. Umso schlimmer, dass die besten Szenen von Jurassic World an den ersten Teil erinnern, diesen aber nicht übertreffen. Außer in der konservativen Figurengestaltung.

Der Plot jedenfalls ist nicht zu komplex und recht eindeutig. Jurassic World ist seit 20 Jahren ein Hit unter den Vergnügungsparks, aber neue Attraktionen müssen her. Die neueste Attraktion kommt frei und bedroht den Park. Chris Pratt und Bryce Dallas Howard retten erst zwei kleine Jungs und dann den Park. Angereichert wird das ganze mit böse meinenden Industriellen, wohlmeinenden Industriellen (ein und dieselbe Person), Militaristen, Gehässigkeit gegen Frauen und einer Pseudo-Naturbotschaft.

Der Plot ist also okay, aber das Drehbuch ist trotzdem zu kritisieren, und zwar darin, wie es mit den weiblichen Figuren umgeht (und den wenigen nicht-weißen Menschen). Als da wären: Bryce Dallas Howard, die den Vergnügungspark leitet. Sie ist zu Beginn in einem engen weißen Kostüm und wird als kalt dargestellt, weil sie sich nicht selbst um ihre Neffen kümmert, sondern ihre Assistentin dies tun lässt. Der böse Dino ist übrigens auch weiß wie ihr Kostüm – Zufall? Im Laufe des Films wird sie dann mehr und mehr von ihrem Oberkörper entblößen, weil sie von ihrem hohen Ross runtersteigt (vermeintlich) – ihre High Heels wird sie aber behalten, ob sie nun durch den Dschungel rennt oder vor einem T-Rex flieht. Sie nutzt keine Gelegenheit, um sich zumindest mal Stiefel anzuziehen (die Gelegenheit würde es geben).

Schlimmer noch: sie wird vom Skript beständig runtergemacht. Da rettet sie mit Chris Pratt die beiden Neffen, und die finden natürlich Pratt ganz toll. Und dann rettet sie Pratt das Leben. Pratt küsst sie daraufhin ungefragt – was sie toll findet – und die Neffen sagen in der nächsten Szene, dass sie nun auf jeden Fall in der Nähe bleiben werden: weil Pratt sie beschützen kann. Kein Wort darüber, dass dieser tolle Beschützer gerade von ihrer vermeintlich biederen Tante gerettet wurde. Und als die Kinder dann noch einmal sagen, dass ihr Freund so toll sei, errötet Howard, anstatt mal darauf hinzuweisen, dass sie gerade einen Geländewagen auf Dinojagd steuert.

Nebenbei wird der ältere Neffe mit einer Freundin daheim dargestellt und bekommt dennoch mehrere Szenen, wo er im Park hübsche Mädchen anglotzen kann. Jungs eben, gell? Zumindest in Skript-Entscheidungen.

Der Hammer ist dann aber die Assistentin von Howard. Die soll ja auf die Jungs aufpassen und gleichzeitig Termine koordinieren. Sie verliert die Jungs aus dem Auge, als eine Panik ausbricht. Später greifen Flugsaurier an und es gibt kurze, wenig detaillierte Action. Und dann wird die Assistentin ausführlich und brutal von Sauriern getötet in einem Sadismus, der sonst in diesem Film nicht vorkommt, kein Bösewicht bekommt so einen Tod wie diese harmlose Assistentin und einzige andere prominente Frauenrolle.

Wobei es noch eine Programmiererin gibt. Als die Insel geräumt wird, muss eine Person an den Rechnern bleiben, und sie bringt sich in Sicherheit, während ihr männlicher Nerd-Kollege bleibt und den Helden markiert.

So ein ekelhafter Sexismus ist mir lange nicht untergekommen.

Es gibt zwei prominente PoC sowie eine winzige Rolle für einen Genforscher, der ungeschoren davonkommt. Die anderen beiden sterben. Der eine PoC ist der Chef des Parks und wird gleichzeitig als Gutmensch dargestellt (als Kontrast zu Howard) und als knallharter Kapitalist (der an der Misere mit Schuld ist). Diese Person baut Scheiße und stirbt nicht nur, sondern ist mit für den Angriff der Flugsaurier verantwortlich.

Gänzlich raus aus der Nummer ist Chris Pratt. Der darf sexistische Sprüche machen, mit denen er auf die Libido seiner Chefin anspielt und trotzdem der liebenswürdige Machoheld sein, den das Kino der Fünfziger braucht. Natürlich kriegt er am Ende das Mädchen.

Und dann steht da ein T-Rexs und brüllt und soll uns etwas sagen, aber außer, dass die Effekte ganz gut waren, habe ich Jurassic World als abwechselnd langweilig – weil ich die Figuren furchtbar fand und nicht mitfühlte – und ärgerlich erlebt – weil ich die Figuren furchtbar fand. Ich kann erkennen, dass die Actionszenen gelungen waren und, wenn man mit weniger Missgunst guckt, ist das vielleicht ganz ansehnlich inszeniert. Bei mir hat es nur nicht funktioniert.

Mission: Impossible – Rogue Nation

(hiernach M:I5)

(Inhalt: Sexismus, Action, Tom Cruise)

Die Mission:Impossible-Reihe steht für moderne Spionage-Action und Lust am Ausprobieren. Die 5 Filme wurden inszeniert von Brian dePalma, John Woo, JJ Abrams, Brad Bird und nun Christopher McQuarrie – fünf recht unterschiedliche und zumindest teilweise namhafte Regisseure. Ohne den Aussetzer von Teil 2 wurden die Filme zumal immer besser. Teil 5 auch?

Plot-Check: Die Elemente sind klar: Tom Cruise muss auf eigene Faust operieren, es gibt Verräter an höchster Stelle, irgendwann wird Cruise von einer Explosion zur Seite geschleudert, Cruise zieht sein Hemd aus. Der Bösewicht will irgendein Staatsgeheimnis, Cruise muss es beschaffen und bestiehlt die „Guten“. Mehr oder weniger kommen diese Elemente auch in M:I5 vor. Ansonsten ist der Plot sehr verzahnt und etwas undurchsichtig. Cruise jagt Solomon Lane, den Anführer des „Syndikats“. Lane hat die für Bösewichte beliebte Form der Intelligenz, mit der er nahezu alle Ereignisse vorhersehen kann, was bedeutet, dass das Drehbuch ihn einfach auftauchen oder gewinnen lassen kann, ohne dass uns Zuschauern das klar ersichtlich wäre. Ansonsten ist eigentlich meistens klar, was in einer Szene genau erreicht werden soll.

Figuren-Check: Auch typisch, dass es genau eine wichtige Frauenrolle gibt. In M:I5 ist dies Ilsa Faust, am Namen klar als britische Agentin zu identifizieren. Newcomerin Rebecca Ferguson spielt Ilsa, und immerhin hat diese eine eigene Motivation und eine eigene Entwicklung, außerdem kann sie körperlich fast mit Cruise mithalten und sogar wichtige Kämpfe alleine bestreiten oder Cruise retten. Allerdings tritt sie auch wiederholt betont sexy auf: in High Heels, mit einem Kleid mit langer Schleppe und hohem Schlitz, im Bikini, in Unterwäsche, usw.

Die eine Frau und eine fast völlig weiße Besetzung (Ving Rhames ist die einzige Ausnahme, die mir in den Sinn kommt) sind also nicht so schön.

Ansonsten geht die Besetzung in Ordnung, M:I5 braucht wie seine Vorgänger eher Typen und keine komplexen Charakterdarstellerinnen. Philip Seymour Hoffman aus Teil 3 bleibt der beste Bösewicht der Reihe, aber auch ohne große Anstrengung sind Jeremy Renner, Simon Pegg und Rhames unterhaltsam.

Tom Cruise ist außerdem Tom Cruise. Er hat es geschafft, seine negative Presse durch den Mythos seines Arbeitseinsatzes zu übertrumpfen, und tatsächlich ist es erstaunlich, was Cruise in seinem Alter noch für Actionszenen hinkriegt. Ebenso erwähnenswert, dass er in allen Filmen dieser Reihe möglichst auf praktische Effekte setzt und dann mit Computern lieber Sicherheitsseile retuschiert, anstatt gleich alles am Rechner zu machen. Dadurch hängt Cruise eben wirklich an einem abhebenden Flugzeug, und wir sehen einen langen Take von ihm unter Wasser ohne Atemgerät. Das hilft bei dieser Art Film ungemein.

Produktions-Check: Die Figuren sind typisiert, der Plot geradlinig und wenig aufregend, aber was M:I5 ausmacht sind die Stunts. Diese sind wirklich sehenswert. Zwar fehlt dem Film bisweilen der Humor des letzten Teils auch in den Actionszenen, aber es ist schon eine Kunst, Spannung zu erzeugen bei einer Figur, die im Film als „menschliche Verkörperung des Schicksals“ bezeichnet wird. Das gelingt auch durch die klare Motivation und Kameraeinstellungen, die beim Zuschauen nicht verwirren und nur Bewegung simulieren, sondern tatsächlich die Choreographie und die Örtlichkeit erkennen lassen.

Die Musik bedient sich oft am klassischem Thema der Reihe. Eine längere Szene spielt während einer Aufführung von Turandot und „Nessun Dorma“ wird das romantische Thema des Films. Kann man wenig gegen sagen, ist ja bewährte Musik.

Fazit: Insgesamt ist M:I5 für mich der zweitbeste Film der Reihe, weil mir in M:I4 das Zusammenspiel des Teams noch besser gefiel und mehr Leichtigkeit auch in der Action war. Aber die Entscheidung ist knapp, und ich finde es auch bezeichnend, dass M:I5 die bislang beste weibliche Figur der Serie präsentiert (wenn auch immer noch mit Augenmerk auf sexy), wohingegen sich James Bond gerade in Skyfall wieder konservativeren Zeiten annäherte. M:I5 ist einfach der bessere Bond, und das noch vor dem Kinostart von Spectre (wobei auch noch der Plot so ähnlich klingt).

Sehr gute Popcornunterhaltung!

Arrow – Staffel 1

Inhalt: erlösende Gewalt, Superheldinnen

Plot-Check: Oliver Queen war fünf Jahre verschollen: die Yacht des Milliardärs Robert Queen sank mit Robert, Oliver, Olivers Liebschaft und noch einem Typen an Bord, und Oliver rettete sich auf eine Insel. Als er dort fünf Jahre später gefunden wird, ist aus dem Playboy ein Mann geworden, der sich geschworen hat, die Korruption in seiner Heimatstadt auszumerzen. Dazu hat er einerseits eine Liste mit korrupten Menschen, andererseits einen Bogen und enorme körperliche Fähigkeiten, die er mit einer Kapuze bekleidet einsetzt.

Im Verlauf der ersten Staffel kommt es zu Konflikten mit Olivers ehemaliger Liebe, seinem besten Freund, seiner Familie (Mutter, Stiefvater, Tochter), seinem Bodyguard, einer IT-Spezialistin, … und Oliver deckt eine Verschwörung auf, die gleich einen ganzen Stadtteil seiner Heimat bedroht und von dem „dunklen Bogenschützen“ beschützt wird. Also viel Spielraum für Drama und interne Konflikte. Und für Action. Nebenher gibt es immer Rückblenden zu Olivers Zeit auf der Insel, welche nicht so verlassen war, wie man zuerst glauben mochte.

Insgesamt ist der Plot nur selten wirklich überraschend. Man kann ziemlich gut erahnen, welche Hürden sich als nächstes auftürmen, wie bestimmte Konflikte sich auflösen, welche Figuren vielleicht auch sterben. Die Serie ist diesbezüglich nicht besonders mutig. Allerdings verläuft alles stringent und nachvollziehbar, wenn auch nicht immer glaubwürdig – natürlich verliebt sich die Tochter einer der reichsten Familien in einen Habenichts aus dem Ghetto, und natürlich ist der wiederum ein echt guter Kerl ohne wirkliche Probleme. Natürlich geht die Sozial-Anwältin auch bei Androhung eines Terroranschlags noch in ihre Praxis im Ghetto, um dort Akten zu retten (oder was auch immer) – wer soll sie sonst dort retten? Und so weiter.

Größtes Problem ist hier, was zum Genre gehört, in Serien aber für mich immer schwerer wiegt als in Actionfilmen, weil diese Serien immerhin theoretisch die Zeit hätten, komplexer zu erzählen: der Mythos der erlösenden Gewalt. Und zwar ist die Gewaltausübung durch die Helden gut und richtig. Natürlich gibt es Lippenbekenntnisse dazu, dass sie nicht ihre Seele verlieren sollen oder so etwas, aber im Endeffekt führt Olivers Gewalt dazu, dass Bösewichte ihre Verbrechen gestehen und die Straßen sicherer werden, und dass Oliver das Ansehen seines Vaters ehrt. Das ist vor allem in seiner Einseitigkeit ein Problem: so funktioniert Gewalt immer, und damit wird Gewalt in der überwiegenden Mehrzahl von Texten als gute Alternative (oder gar als einzige) präsentiert. Wenn hier z.B. andere Figuren in ihrer Funktion als Polizist und Juristin agieren, scheitern sie, wo Olivers Gewalt Früchte trägt. Laurel gewinnt keinen Fall, ohne dass Oliver tötet oder bedroht. Diese Gewalt hinterlässt aber keine wirklichen Spuren, weder Hinterbliebene noch Traumata.

Positiv zu vermerken ist, dass weibliche Figuren zu keiner Zeit sexuell bedroht werden.

Figuren-Check: Oliver Queen, Moira Queen, Thea Queen, Tommy Merlyn, Malcolm Merlyn, Laurel Lance, Quentin Lance, Felicity Smoak, Roy Harper, Slade Wilson, Edward Fyers, dazu wiederkehrende Nebenfiguren Huntress, Count und Deadshot – alle weiß. PoC: Walter Steele, John Diggle, Shado, Yao Fei, China White (die weißhaarige Chinesin) sowie wiederkehrende Romanze XX, die so wichtig ist, dass sie nicht mal in Wikipedia steht, und John Diggles Schwägerin – PoC. Sehr großzügig gerechnet also 7:14, 1/3 PoC.

Gefühlt allerdings gibt es eine PoC-Hauptfigur, nämlich den Bodyguard und Arrows rechte Hand John Diggle. Dazu aber 9 weiße Hauptfiguren. Olivers Stiefvater ist zu Beginn noch Teil der Serie und wäre Figur Nummer zwei, wenn er nicht die meiste Zeit entführt wäre und rechtzeitig zurückkommt, um die Scheidung einzureichen und zum Finale wieder weg zu sein. Auf der Insel ist es etwas besser: da helfen Yao Fei und Yao Feis Tochter Oliver ebenso wie Slade, gegen Fyers zu kämpfen, und so steht es da mit 3 weißen und 2 PoC-Figuren etwas ausgeglichener.

Ansonsten ist Central City aber auch sehr weiß. Die korrupten Bösewichte, die Oliver in den einzelnen Folgen angeht, sind alle weiß und männlich. Es gibt einen asiatischen Bösewicht, der aber vom dunklen Bogenschützen erledigt wird und dann noch in Rückblenden auftaucht. Und andere PoC-Figuren verschwinden aus der Serie, während weiße Figuren gefühlt bleiben, sodass Laurels Assistentin oder auch Olivers kurze Romanze eher auffällig beendet und rausgeschrieben werden und die Serie damit bleicher wird.

Immerhin sind die Sprechrollen ansatzweise zwischen weiblich und männlich verteilt. Ja, die Bösen sind alle männlich, und Autoriätsfiguren (Polizeichef, Richter, Arzt) auch. Aber immerhin bei den oben beschriebenen 21 Figuren sind es immerhin 9 weibliche und 12 männliche, wobei der Fokus oft auf Olivers Familie oder seiner Beziehung zu Laurel liegt und Felicity zum Ende hin viel zu tun hat, sodass Frauen durchaus eine Rolle spielen.

Solange man nicht genauer hinsieht jedenfalls.

Laurens Rolle ist die der romantischen Liebe und der Dreiecksbeziehung zwischen Oliver und seinem besten Freund. Dabei sagt Oliver zwar, dass Laurel sich selbst entscheiden könne, aber wenn es dann ganz ernst wird, darf sich der Kumpel dann doch opfern. Auch hat Laurel nur selten eigene Fälle, die dann auch nicht von ihr, sondern durch Olivers Gewalt gelöst werden bzw. Oliver darf sie mehrfach retten. Laurel hat dabei zwei Szenen, in denen sie zeigt, dass sie sich wehren könnte – im Ernstfall bleibt davon aber wenig. Immerhin hat Laurel noch die Beziehung zu ihrem Vater, der Oliver dafür verantwortlich macht, dass seine andere Tochter bei dem Schiffsunglück starb, und der als Cop natürlich den Bogenschützen jagt.

Theas Rolle ist erst Sorgenkind wegen Drogen und dann die Frau zu sein, die dem Ghettojungen Roy ein besseres Leben zeigt. Sehr anspruchsvoll.

Moira ist zwar Teil der Verschwörung, aber nur zum Schutz ihrer Familie und ohne eigene Meinung.

Felicity ist ein Computernerd (mit Modelaussehen natürlich). Das wars dann auch schon mit der Charakterisierung der Damen. Hingegen ist John Diggle getrieben vom Mord seines Bruders und will versuchen, Olivers Rachefeldzug in menschlichen Bahnen zu halten. Tommy ist Olivers bester Freund, der Olivers wahre Liebe liebt. Aber er ist auch geschockt von der Idee, dass Oliver ein Killer ist, er versucht, sein Leben in den Griff zu kriegen, und er hat ein komplexes Verhältnis mit seinem Vater. Walter ist der neue Stiefvater, er liebt die Familie und kommt der Verschwörung auf die Spur und muss nun damit umgehen, dass seine Frau anscheinend darin verstrickt ist. Quentin hasst den Typen, den seine Tochter liebt, er jagt den Typen, der anscheinend ein Held ist, und knabbert immer noch am Tod seiner anderen Tochter. Malcolm ist verbittert vom Tod seiner Frau und will Rache, aber gleichzeitig das beste für seinen Sohn, den er aber im Stich ließ. Und Oliver ist als Hauptfigur natürlich ohnehin konfliktbeladener als alle anderen zusammen.

Die Männerrollen sind einfach griffiger. Verschlimmert wird dies dadurch, dass zum Finale hin alles noch typischer wird. Da gehen dann Oliver und John auf Verbrecherjagd, Quentin entschärft die Bombe und den Frauen wird gesagt, dass sie zu Hause bleiben sollen. Und wenn sie das nicht tun, müssen sie von ihren Männern noch gerettet werden. Das nervt echt.

Personen mit Behinderung oder nicht-normgerechten Aussehen gibt es nicht, außer evtl. leicht übergewichtige verschwitzte Bösewichte, an die ich mich nicht konkret erinnere.

Die Darstellerinnen sind insgesamt überzeugend. Stephen Amell als Oliver übertreibt es manchmal mit der Ernsthaftigkeit, wodurch seine Momente mit Witz und Charme erholsam sind. Auf der Insel muss er eine furchtbare Perücke tragen und wirkt manchmal doch sehr harmlos, weil er natürlich auch da schon extrem durchtrainiert ist. John Barrowman ist als Malcolm Merlyn etwas zu glatt. Am besten gefallen mir Colin Donell als Olivers bester Freund, Susanna Thompson als Olivers Mutter (die sicher auch eine komplexere Rolle gut umgesetzt hätte) und Emily Bett Rickards als IT-Expertin – sie beweist Gespür für Komik. Andere Darstellerinnen sind eher als Typen gefragt und funktionieren.

Produktions-Check: Die Serie ist ganz gut umgesetzt. Die Kämpfe finden natürlich oft im Dunkeln oder im Regen, mit Lichtblitzen und schnellen Schnitten statt, aber es gibt auch mal kurze Szenen von Sportlichkeit, in denen Stephen Amell als Oliver Queen und auch die anderen Figuren glaubwürdig agieren. Ansonsten ist es eben eine TV-Serie für einen normalen Sender mit begrenztem Budget, sodass es zu verkürzten Darstellungen kommt und man auch mal Abstriche macht. Aber die Serie wirkt nicht billig oder unglaubwürdig.

Fazit: Arrow habe ich während eines Aufenthalts im Krankenhaus gesehen. Es war unterhaltsam, und wenn man mal wegdöste, war es auch nicht schlimm. Das ist ein passendes Urteil.

John Wick

Inhalt: Waffengewalt

Plot-Check: Der Plot von John Wick ist minimalistisch. Er war früher der beste Killer überhaupt. Er zog sich zurück. Seine Frau stirbt, dann wird sein Hund getötet und sein Auto geklaut. Natürlich vom Sohn seines ehemaligen Bosses. John Wick nimmt Rache. Ende.

Das ist wirklich nicht sehr viel, und entsprechend stereotyp sind auch die Figuren. Man muss schon in der Lage sein, sich auf so eine in Anführungszeichen Geschichte einzulassen.

Das Skript macht dennoch einige Dinge richtig. Die Vorgeschichte wird in einer Viertelstunde erzählt, und mit wenigen Worten. Dann gibt es zehn Minuten, in denen die Legende von John Wick aufgebaut wird. Und dieser Teil ist wirklich gelungen. Die Reaktionen der anderen Figuren darauf, dass John Wick aus dem Ruhestand kommt, sind den ganzen Film über passend und sehr spaßig und machen deutlich, was für einen Ruf dieser Typ hat. Daraus ergeben sich auch die wenigen Momente, in denen der Film mit klassischen Situationen des Genres spielt.

Negativ hingegen sind die Momente, in denen John Wick den Klischees erliegt. Dass Wick die Killerin Perkins am Leben lässt, ist ebenso unsinnig wie die Tatsache, dass Oberboss Vigo diesen John Wick, als er ihn einmal im Griff hat, nicht sofort erschießt. Und nicht nur erst ein Schwätzchen hält, sondern dann noch ganz typisch seinen Leuten (von denen Wick bereits gefühlt 50 getötet hat) sagt, sie sollen ihn töten, und dann einfach geht. So wird es am Ende ein wenig altbekannt, was vorher so erfrischend war.

Figuren: Die Figuren sind wie oben beschrieben stereotyp. Keanu Reeves als John Wick ist gut, aber dass Keanu Action kann, wissen wir ja. Alle anderen sind okay. Hier gibt es wenig zu sagen.

Allerdings gibt es genau eine winzige Sprechrolle für Wicks Frau Helen (die darf aus dem Off und in einem Home Video mal was sagen und dann an einer Krankheit sterben) und eine weitere Rolle für Perkins, gespielt von Adrienne Palicki. Und es gibt wohl noch eine Bardame mit drei Sätzen. Ach so, und zwei Statistinnen, die Mafiageld zählen und dann kreischend weglaufen können sowie eine alte Frau in einer Kirche. Und knapp bekleidete Frauen in einem Badehaus und in einer Disco. Also bahnbrechende Gelegenheiten. Zumal der Tod des Hundes den Männerschmerz von Wick erst so richtig in die Handlung kanalisiert, dieser also fast wichtiger ist als der Tod seiner Frau. Das nenne ich mal auf Eis legen.

Palickis Perkins ist eine furchtbare Figur. Sie greift Wick in einem Hotel an, wo Auftragskiller eigentlich einander in Ruhe lassen, weil sie nicht nach den Regeln spielt. Diese Frau lässt Wick dann am Leben. Darum kann sie ihn dann später, als der Film vorbei zu sein scheint, noch einmal verraten, und dann wird sie von den Betreibern des obigen Hotels erschossen. Weil John Wick in diesem Film keine Frau erschießen darf? Weil Frauen eben nicht zu trauen ist? Weil Frauen die ehernen Regeln der Männerwelt halt nicht einhalten können und nicht dazugehören? Ja.

Es gibt genau keinen Grund, dass Vigos Gang nicht auch Frauen beinhalten könnte. Und genau keinen Grund, dass Perkins nicht einfach Wick entkommen könnte anstatt von diesem am Leben gelassen zu werden. Und genau keinen Grund, dass diese beiden sich nicht am Ende noch einmal begegnen könnten (oder für eine Fortsetzung gerade nicht), anstatt dass Perkins ohne Gegenwehr erschossen wird.

Ebenso gibt es keinen Grund, nicht mehr PoC im Film zu haben. Der tolle Lance Reddick muss als Concierge sogar einen Akzent produzieren, und The Wire-Gefährte Clarke Peters hat seinen Mini-Auftritt nur, um von Palicki mies gemeuchelt zu werden (auch unnötig). John Leguizamo hat ebenfalls eine Minirolle als Autoschieber.

Einen Diversity-Preis gewinnt John Wick sicher nicht, auch wenn man nicht auf Behinderungen oder Körperdiversität achtet.

Produktions-Check: Bleibt die Stärke von John Wick: Coole Pistolenkämpfe. Die sind allerdings so richtig cool. Was diesen Film sehenswert macht ist, wie John Wick zuerst einen ganz besonderen Ruf als Badass bekommt und diesen dann durchweg rechtfertigt. Keanu Reeves ist hier agil, schnell, und rücksichtslos. Gegner bekommen zur Sicherheit gerne noch einmal einen Schuss in den Kopf verpasst. Waffengewalt und Tod haben hier nur ganz zu Beginn Gewicht, wenn Wick erst Frau, dann Hund verliert.

Fazit: John Wick ist ein B-Movie-Actionfilm mit einem A-Star in Keanu Reeves. Wer sich auf so etwas einlassen kann, wird gut unterhalten und wird es wohl leicht finden, die Probleme zu ignorieren.

Terminator 2

Inhalt: Gewalt, Roboter, Weltuntergang

Dieser Beitrag bezieht sich auf die Special Edition

Versuch: Nicht so sehr Nacherzählung eines Medientextes, sondern Bewertung.

Plot-Check: Durch die Special Edition wird nahezu jede logische Lücke geschlossen, sodass der Plot ziemlich lückenlos und stringent ist. Es gibt wohl noch eine Szene in der Ultimate Edition, die eine mögliche Lücke schließt, aber um ehrlich zu sein, hatte ich diese Lücke niemals bemerkt.

Der Plot ist jedenfalls recht durchgängig. Sarah Connor wurde vor 13 Jahren von einem Terminator gejagt, weil sie den zukünftigen Anführer des Widerstands gebären würde. Sie überlebte, und nun soll der Anführer selbst, John Connor, getötet werden. Gleichzeitig will Sarah die Zukunft verändern und den Angriff der Maschinen verhindern. Es folgt Action.

Im Gegensatz zu Teil 1 ist in Teil 2 die Zukunft veränderbar. Das ist eine philosophische Idee, die Fragen aufwirft – wenn die Maschinen nicht angreifen, gibt es keinen Widerstand, also keinen Grund, John Connor zu töten, also reist niemand in die Vergangenheit, also wird das Weltende nicht verhindert, also… aber diese Zeitreisen-Fragen sind tatsächlich im Film unwichtig. Es geht mehr darum, dass wir die Zukunft selbst gestalten können, und wie wir das denn tun wollen. Die Antwort: mit großen Knarren.

Dabei gefällt mir sehr, dass Sarah Connor in diesem Film nicht nur eine Nebenrolle als Mutter spielt. Tatsächlich hat sie ihren Sohn darauf vorbereitet, einen Widerstand anführen zu können. Aber anstatt sich dann darauf zu beschränken, ihn zu beschützen, nimmt sie sich vor, die Apokalypse zu verhindern und gestaltet damit die zweite Hälfte des Films entscheidend mit. Sie ist auch in keiner Phase eine Gefangene, die gerettet werden muss, sondern stets gleichwertige Heldin, was sicher auch der Darstellerin geschuldet ist.

Was mir missfällt, ist höchstens die Idee von John Connor als Messias. Wenn John nicht wäre, würde der Widerstand verlieren? Oder würde einfach jemand anderes diesen anführen? Die Idee, dass große Männer (und es sind ja in der Regel Männer) Geschichte schreiben, teile ich nur begrenzt.

Ach so, und ich frage mich ernsthaft, wie realistisch das Bild von us-amerikanischen Nervenheilanstalten ist, in denen ja regelmäßig Patientinnen verprügelt und missbraucht werden.

Figuren-Check: Sarah Connor. In Terminator 2 gibt es gefühlt drei Frauenrollen, allesamt Mütter oder Pflegemütter. Johns Pflegemutter ist eher ineffektiv, die Ehefrau von Dyson (dem Konstrukteur der todbringenden Maschinen und Mutter seines Sohnes) vervollständigt nur die Familie, und ich nehme an, es gibt noch Statistinnen wie Krankenschwestern und so.

Aber Sarah Connor ist großartig. Und das liegt an Linda Hamilton. Im ersten Teil war Sarah eine einfache Kellnerin und klassisches Opfer eines Slasher-Films wie Freitag der 13. Jetzt aber weiß sie, dass ein Weltkrieg naht, und Linda Hamilton verkörpert nicht nur, wie sehr diese Visionen vom Atomkrieg Sarah zusetzen, sondern sie hat einen so gestählten Körper, als hätte sie sich tatsächlich auf so einen Krieg vorbereitet. Natürlich ist Sarahs Stärke hier eine maskuline Stärke, aber dennoch ist sie damit in meinen Augen nicht eindimensional, weil sie gerade nicht nebenher auf die Mutterrolle reduziert wird oder am Ende doch gerettet werden muss. Vielmehr rettet sie ihren Sohn (beinahe). Außerdem ist es eben im Kontext glaubwürdig, dass Sarah so eine Härte entwickelt, ihre Härte wird diskutiert (soll man Menschen töten, weil sie vielleicht in der Zukunft etwas Schlechtes tun?), und Linda Hamilton erzeugt eben durch ihre Körperlichkeit auch Glaubwürdigkeit. Und ehrlich: Terminator 2 ist entstanden, als Arnold Schwarzenegger einer der Superstars des Kinos war, und sie steht gleichberechtigt neben ihm. Das ist nicht einfach, weil natürlich im Zweifel der Film auch seine Seite bevorzugt. Also Hamilton nicht zu Teil 3 zurückkehren wollte, musste man fast ihre Rolle aus dem Film schreiben – wer soll sie ersetzen? Und auch für Genysis ahne ich, dass Emilia Clarke hier nichts ausrichten kann. Nur gut, dass junge Kinogängerinnen vielleicht nicht einmal T2 gesehen haben.

Joe Morton spielt Miles Dyson in einer kleinen, aber wichtigen Nebenrolle. Mir gefällt, dass er aus freien Stücken entscheidet, seine Forschung zu vernichten. Allerdings ist der Schwarze damit auch die einzige der wichtigeren Figuren, die ihr Leben lassen müssen.

Es gibt eine Gruppe von Latinas, die Sarah helfen und sie ausrüsten, und einen schwarzen Pfleger im Krankenhaus. Ansonsten sind mir keine PoC-Figuren aufgefallen. Ebensowenig wie Figuren mit Beeinträchtigung.

Arnold ist, wie es zu dieser Zeit passt, cool. Der Film entwickelt auch Humor aus seiner Steifheit, und es ist einfach zu sehen, warum Terminator 2 ihn endgültig zum Superstar machte.

Edward Furlong ist nicht so nervig, wie er sein könnte, aber trotzdem nervig. Das ist eben eine Schwierigkeit von Teenagern im Film, die dann kompetent oder aufmüpfig sein sollen. Aber er behindert die Entwicklung nicht. John Connor ist als Figur der humanisierende Faktor, was mir gefällt, wenn er denn die Führung des Widerstands übernimmt. Dass ausgerechnet dieser spätere Kriegsherr verbietet, Unschuldige zu töten, und unbedingt seine Mutter retten will (vor dem Terminator, aber auch davor, zur Mörderin zu werden), ist positiv. Als Gewissen und MacGuffin funktioniert er, wenn er Computerschlösser hackt nicht unbedingt.

Robert Patrick schließlich macht die drei tollen Leistungen in diesem Film komplett. Linda Hamilton und Arnold Schwarzenegger sind so dominant, dass sie einen guten Gegner brauchen. Und das Skript liefert mit dem T-1000 einen solchen, der aber umgesetzt werden muss. Robert Patrick tut das. Sein Roboter scheint unaufhaltsam, unberührbar, und die Art, wie Patrick geht und läuft, ist genau richtig unnatürlich. Ein Raubtier, ein Jäger – der T1000 ist gar nicht so viel im Film, aber man hat ihn immer im Hinterkopf, und das liegt auch an Robert Patrick.

Dennoch ist Terminator 2 insgesamt ein eher weiß und männlich besetzter Film. Erfreulich, dass die Rolle der Frau und die Nebenrolle des schwarzen Mannes immerhin komplex sind, und vor allem Linda Hamilton holt alles aus dieser Rolle heraus.

Produktions-Check: James Cameron kann Blockbuster. Terminator 2 ist inzwischen fast 25 Jahre alt, aber seine Effekte (damals bahnbrechend) sind immer noch überzeugend. Die Action ist perfekt inszeniert. Ich glaube, dass die Kinoversion vom Tempo her gelungener ist – die Special Edition hat leichte Längen – aber ich bevorzuge trotzdem die längere Fassung, weil sie eben ein paar Plotlöcher stopft. Arnolds Daumen am Ende ist immer noch etwas kitschig. Aber um einen so alten Film heutzutage zu gucken und kaum etwas an Bild, Ton, Effekten auszusetzen, muss schon sehr viel richtig gemacht worden sein.

Fazit: Ein dichtes, stringentes Skript mit klarem Plot. Figuren mit starker Motivation und tolle Darsteller. Eine hochwertige Produktion. Terminator 2 ist auch heute noch ein Actionfilm, der sich sehen lassen kann und sehr viel Spaß macht.

Mad Max Fury Road

Fury Road ist großartig, wenn auch nicht perfekt. Lasst mich etwas schwärmen (und kontextualisieren).

SPOILER FOLGEN

Ich sehe den Film im Kontext von Hollywood-Actionfilmen dieser Zeit. Insofern gebe ich zu, dass Fury Road nicht perfekt ist, sondern nur viel besser als die allermeisten Zeitgenossen. Auch wenn manche Dinge Standard sein sollten, sind sie es leider nicht, und entsprechend meine Freude darüber, dass einmal verwicklicht zu sehen.

Es gibt m.E. unsaubere Kritik, z.B. von Anita Sarkeesian, aber auch angemessene solche, wenn man sich z.B. die Reprösentation ansieht.

Action: Fury Road besticht mit Action, die zu einem großen Teil physisch inszeniert wurde. Es macht einen Unterschied, ob da wirklich Autos crashen und Flammen speien, oder ob das aus dem Rechner kommt. Gerade in dieser eher schmutzigen Welt, von der Fury Road erzählt, ist es wichtig, dass alles spürbar bleibt.

Mehr noch: die Action und die Handlung gehen Hand in Hand. Hier gibt es nicht die Marvel-typsichen 10 Minuten, in denen Menschen irgendwas erklären und sich gegenüber sitzen, und dann 10 Minuten, in denen mal irgendwer irgendwofür kämpft, als gäbe es kurze Charaktermomente zwischen zwei Werbeblöcken für die Firmen “Exposition” und “Krachbumm”. Insofern ist Fury Road auf jeden Fall sehr erfolgreich als Actionfilm.

Es vergehen auch nur 10 oder 15 Minuten, dann sind wir mitten im (zugegeben geradlinigen) Plot und steigen nicht mehr aus. Hier wird im Vorbeifahren erzählt und erklärt und auch Dinge offen gelassen, die nicht so wichtig sind. Toll.

Wer hat die Welt getötet: Wo Fury Road aber echt punktet, ist die thematische Dichte. “Who killed the world” steht an einer Wand und wird auch einmal explizit gefragt. Die Antwort ist klar: alte weiße Männer. Hier ist der Bösewicht ein alter Sack, selbst kaputt, besessen von der Idee gesunder männlicher Nachkommen. Er hat eine Armee von “Warboys”, weiß geschminkter Muskeljungs, die seiner verqausten Religion folgen und ihn sowie V8-Motoren anbeten. Am Beispiel von Nux sehen wir, wie verblendet und naiv diese Warboys sind, und kein Wunder.

Immortan Joe, der Bösewicht, herrscht über eine Festung mit riesigen Wasservorkommen (er nennt es “Aqua Cola”). Bei ihm gibt es grüne Felder und Salat und Trinkwasser – außerhalb seiner Festung leben alle Menschen im Elend und der trockenen Wüste. Und wenn er einmal die vergleichbare Menge eines Spucketropfen Wasser abgibt, warnt Joe noch: “Werdet nicht abhängig vom Wasser, dann macht euch sein Fehlen verrückt.”

Hier sind die 1%, die ihren Reichtum ausleben und andere warnen, nicht zu geldgeil zu sein, und Menschen, die sich als würdig erweisen, ein wenig abgeben. Diese Warboys glauben natürlich an die Patriarchie, weil sie ihnen Heilung verheißt.

Joe sieht andere als sein Eigentum. Die Warboys sind zu verheizen und mit Versprechungen von Walhalla ruhig zu stellen. Frauen dienen als “Brüter”, um einen gesunden Nachfolger zu schaffen, oder aber, um Muttermilch abzupumpen, die dann in voller Dekadenz als Getränk genutzt wird. Passenderweise hat Joe enge Verbindungen zur Ölindustrie (Gastown) und Waffenhändlern (Bullet Farm). Der militärisch-industrielle Komplex eben, toxische Männlichkeit und Ausbeutung.

Mein Sohn wird kein Kriegsherr: Ein weiterer Satz an einer Wand. Die Frauen von Joe wehren sich. Aber nicht mit Gewalt, sondern mit einer Alternative. Keine Kriegsherren. Als Nux in der Gewalt der Guten ist, schreiten die Frauen ein: “Kein unnötiges Töten”. Sie erkennen, dass die Warboys auch nur verblendet sind. Als später eine Frau ihre Scharfschütenkünste lobt, sind die Ehefrauen enttäuscht: “Ich dachte, ihr wärt schon weiter” – und tatsächlich kann ein Koffer mit Saatgut als Hoffnung auf eine bessere Welt die Ehefrau besänftigen.

Gleichzeitig wird deutlich, wie privilegiert diese Ehefrauen sind. “Wo hast du diese Kreaturen gefunden?” heißt es angesichts ihrer glatten Haut und weißen Zähne. Schmerzen einer Verwundung sind ihnen neu, während “hier draußen alles Schmerz” ist. Sie haben entsprechend auch die Muße, Pazifismus zu fordern, weil sie nicht gewzungen sind, sich ständig gegen Gewalt zu wehren.

Trotzdem ist dies gerade nicht der Jubel auf Gewalt und Action, den Anita Sarkeesian sieht. Denn im Film selbst geht es darum, dieses System zu überkommen, und tatsächlich ist das Happy End nicht die erfolgreiche Flucht, sondern die Übernahme der Festung und die Hoffnung auf Besserung – das Wasser wird mit allen geteilt, das Saatgut kann zum Einsatz kommen, usw.

Es ist auch nie das Ziel, sich an Menschen zu rächen. Obwohl klar ist, dass Immortan Joe ein brutaler Diktator und schlimmer ist, geht es nie darum, ihn zu töten. Sondern nur darum, seiner Herrschaft zu entkommen und am Ende ihn abzulösen. Getötet wird er, weil er mit seinem Wagen am Ende vor den HeldInnen fährt und im Weg ist. Es wäre aber den HeldInnen Recht gewesen, Joe einfach abzuhängen.

An Nux erkennt man auch, dass Joe nicht sterben musste. Seine Fehlbarkeit hötte vielleicht schon gereicht, um die Warboys zweifeln zu lassen. Aber natürlich ist seine Ideologie einfacher zu überwinden, wenn er selbst sich als sterblich erwiesen hat.

Wir sind keine Dinge: Der dritte Satz im Quartier der Ehefrauen. Sie sind eben keine Brüter, kein Eigentum, obwohl Joe sie als solche betrachtet. Und so übernehmen die Ehefrauen auch tatsächlich umfangreichere Rollen als normal. Auch hier widerspreche ich Sarkeesian: Die Ehefrauen sind eben kein Beispiel typischer Sexualisierung von Figuren.

Wobei ich zugebe, dass sie in wenig Stoff herumlaufen und stereotyp hübsch sind – was zu ihrer Rolle im Film passt, aber im Laufe der Geschichte hätten sich die Frauen auch etwas anderes anziehen können. Dennoch gibt es keine Momente, in denen die Kamera sich an diesen Körpern ergötzt: der einzige solche Moment verharrt nicht auf Bosen oder Po, sondern dem sehr schwangeren Babybauch einer Ehefrau.

Mehr noch: weder Max noch Nox zeigen je sexuelles Interesse an den Frauen oder machen Anspielungen. Mehr noch: es ist zwar klar, dass diese Frauen sexueller Gewalt ausgesetzt waren, aber wir sehen davon nichts (die anderen Mad-Max-Filme sind da nicht so zurückhaltend). Es reicht, dass sie da wegwollen. Mehr noch: es muss keine Frau überzeugt werden, ihrer Gefangenschaft zu entgehen, und keine der Ehefrauen ruiniert etwas durch ihre Dummheit. Mehr noch: sie setzen sich alle aktiv für ihre Befreiung ein und tun dies vehement und nicht, indem sie automatisch auch zu Kriegswaffen greifen.

Mehr noch: sie sind unterscheidbar. Toast hat technisches Verständnis und ist organisiert, kümmert sich um Munition und so. Capable übernimmt den Ausguck (auf ausdrücklichen Wunsch) und zeigt Nux gegenüber Mitgefühl und Verständnis, was ihn bekehrt. The Dag sucht nach mehr als Flucht und wird zur Hüterin des Saatguts. Splendid nutzt ihren Körper als Schutzschild wohl wissend, dass er nur deshalb etwas wert ist, weil Joe sein Eigentum (sie UND den ungeborenen Sohn) zurück will. Cheedo hat große Angst und in einem Moment der Panik will sie sogar zurück zu Joe. Später nutzt sie diese Angst, um Furiosa zu helfen.

Bechdel-Test: Bereits 5 Frauenrollen mit Namen. Aber es gibt noch so viel mehr. Da sind die Vuvalini, Frauen überwiegend im Renterinnen-Alter, die gleichwohl noch immer auf ihren Motorrädern und mit ihren Waffen zu überleben wissen. Sie nutzen die Ideen der Patriarchie zu ihren Gunsten: eine nackte hilflose Frau in einem Turm ist natürlich eine Falle. (Und Max erkennt das sofort, er unterliegt diesen Ideen nicht). Auch hier gibt es noch die Valkyrie und die Hüterin des Saatguts. Die Vuvalini sind besonders, weil alte Frauen in der Regel nur Mütter oder Großmütter sein dürfen, hier aber ihre Frau stehen.

Furiosa: Ach ja, und dann ist da noch Imperator Furiosa, die Hauptfigur des Films. Sie ist eine harte Frau, die gleichwohl nach Erlösung sucht (nicht nach einem Kerl!) Sie befreit die Ehefrauen, sie macht den Plan, sie ist die Chefin. Sie hat nur einen gesunden Arm und eine Armprothese. Sie ist niemals sexualisiert, es gibt keine Szene von ihr in Unterwäsche. Es gibt keine Szene, in der sie in Max’ Armen schwach wird. Es gibt keine Szene, in der sie gefangen genommen wird. Sie ist eindeutig die Heldin dieses Films, die am Ende Joe tötet und sich beinahe für die anderen opfert. Sie durchlebt die deutlichste Figurenreise, ihre Verzweiflung, ihr Schmerz sind es, die mitleiden lassen.

Max: Max schließlich ist die männliche Nebenfigur, die so ein Film braucht. Seine größte Actionszene findet off-screen statt. Er setzt die Frauen niemals herab. Er macht sich an niemanden heran. Er wird nicht zu Furiosas Liebhaber. Wie oft gab es Filme mit kompetenten Frauen, die am Ende vor dem männlichen Helden zurückstecken. Hier gibt Max es auf, mit dem Scharfschützengewehr zu schießen, und überlässt es Furiosa. Er macht nur die Ablage. Max schläft im Wagen ein, während Furiosa die Nacht durchfährt. Max bekämpft den Handlanger von Joe.

Max schlägt vor, zurückzufahren und die Festung zu übernehmen. Aber es ist eindeutig nur ein Vorschlag. Furiosa entscheidet. Max’ größter Moment ist zudem ein typisch weiblicher (für Filme): er spendet Blut, um Furiosa zu retten. Keine gewaltige Actionszene, sondern Heilen. Dann kehren alle zurück und während die Frauen die Festung erklimmen, macht er sich davon. Es geht nicht um ihn. Er ist nicht wichtig.

Fazit: Toll inszeniert, spektakulär erzählt. Die 1%, das Patriarchat, der militärisch-industrielle Komplex sind explizite Gegner und es gibt nicht nur eine Flucht, sondern sie werden besiegt und es gibt Hoffnung auf eine Alternative. Die Frauenrollen sind vielfältig und komplex und nicht nur Männer im Kleid, sie werden zudem nicht sexualisiert oder erniedrigt. Überhaupt spielt Sexualität hier eine sehr geringe Rolle. Traumatisierende Inhalte werden nicht gezeigt, sondern man vertraut dem Publikum, dass es auch so erkennt, wie schlimm das ist und man den Opfern da einfach glaubt. Es wird auch niemals aufgeworfen, ob die Diktatur Joes nicht doch etwas für sich hat.

Aber: Es ist ein sehr weißer Film. Nur wenige Frauen sind erkennbar People of Color, Männer sind meiner Wahrnehmung nach alle weiß (die Warboys schminken sich ja sogar bleich). Die Ehefrauen haben trotzdem nur flimsige Fummel an. Es gibt eine Szene, die beinahe zeigt, wie ein Kaiserschnitt durchgeführt wird. Dicke Frauen gibt es hier nur, um gemolken zu werden, auch wenn diese Frauen am Ende von sich aus das Wasser mit den Unterdrückten teilen – sie haben keine Dialogszenen. Es gibt viele Menschen mit Beeinträchtigung in vielen Rollen – Unterdrückte, die Kinder Joes, Joe und der Menschenfresser aus Gastown, Furiosa, die Warboys haben Verstümmelungen und Geschwüre. Das passt vielleicht zu einer postapokalyptischen Welt, das passt thematisch sowieso, aber es gerät doch in die Gefahr, dass hier Behinderung als Markierung gesetzt wird für Schwäche oder moralische Verkommenheit, weil im Vergleich Furiosas fehlender Arm sehr “sauber” wirkt.

Aus der Perspektive intersektionalen Feminismus also ist Fury Road keinesfalls fehlerfrei. Die Stärke des Films liegt da eher in der Behandlung von Männlichkeit und Weiblichkeit (die in der Dichotomie Gewalt-Pazifismus vielleicht sogar zu sehr vereinfacht).

Hoffen wir doch einfach, dass Fury Road in ein paar Jahren gar nicht mehr so progressiv wirkt, sondern von vielen weiteren Produktionen in den Schatten gestellt wurde. Im Vergleich heute aber bin ich immer noch begeistert.