Skyfall

Beim zweiten Gucken wird mir klar: Ich verabscheue Skyfall. Der noch neueste Bond-Film ist in meinen Augen ein richtiges Machwerk.

Inhalt: Sexismus und sexuelle Gewalt, Ewig-Gestrigkeit, Inkonsequenz und Dödelei

Es beginnt gleich in der ersten Actionsequenz, als Daniel Craigs James Bond seiner Mitagentin Eve Moneypenny (Naomie Harris) ins Steuer greift, um einen Bösewicht zu stoppen, und dann rechtzeitig aus dem Auto kommt und sie warnt, damit sie in Deckung gehen kann. Gleich ist klar, dass in diesem Film Frauen ja nicht glauben mögen, sie seien gleichwertig mit einem Mann. Bond hat mit ihnen auch entweder Sex oder eine Mutter-Sohn-Beziehung.

Moneypenny darf Bond dann auch gleich anschießen, was ihn den Film über schwächt (aber siehe unten) und sie davon überzeugt, am Ende doch lieber eine Vorzimmerdame zu werden. Nachdem sie mit Bond Sex hatte.

  • Nachtrag: Mir wurde gesagt, dass die beiden keinen Sex haben. Nun, sie haben ein recht eindeutiges Vorspiel – siehe dieses YoutTube-Video -mit einer weichen Abblende am Ende. Und auch, wenn es keinen Akt gab, so hat sie doch vor ihm kniend ihn rasiert, eine sexualisierte und eindeutig bedienende Handlung, die auch ausreicht.

Später trifft Bond eine Frau, die ihm beichtet, seit ihrer Jugend an Männer verkauft worden zu sein. Um frei zu kommen, hilft sie ihm. Die nächste Szene: er schleicht sich zu ihr in die Dusche und es gibt Sex. Mit dieser in einer sexuellen Zwangslage steckenden Frau. Ekelhaft.

Dann wird die Frau erwischt und Bond muss versuchen, sie durch einen Schuss zu retten. Nun kommt die Verletzung wieder ins Spiel, die den ganzen Film über angedeutet wird aber Bond im Ernstfall nicht wirklich behindert – nur in dieser Szene kann er eben nicht gut genug zielen. Der Bösewicht erschießt sie daraufhin. Bonds Reaktion: er bedauert, dass Whisky vergossen wurde. Dann tötet er alle Wachen und nimmt den Bösen gefangen. Zehn Sekunden vorher, und die Frau hätte gelebt. Aber andererseits verschwendet Bond an diese Frau ebensowenig Gedanken wie an die Frau, neben der er zu Beginn des Films aufwacht.

Derweil wird Mutterfigur M in England von einer Ministerin in die Zange genommen, die mit den Methoden des Geheimdienstes nicht einverstanden ist. In einem Tribunal sitzt diese Ministerin mit vier weißen Männern (die schweigen und so nicht explizit ihrer Meinung sind) und referiert so ausgiebig über ihre Hexenjagd, dass der gute Junge Ralph Fiennes die Ministerin verbal abstrafen kann.

Am Ende verliert Bond seine Mutter, gewinnt aber einen neuen Vater dazu, also alles gut.

Gekoppelt ist das mit einem durchgehenden Thema, dass die „gute alte Zeit“ – also die Zeit, in der Ungleichheit und Staatsmacht noch ausufernder waren als heute – nicht vorbei ist und angebliche „Relikte“ wie Bond immer noch gebraucht werden, und gipfelt in einer Szene, in der genau dieses Thema von Judi Dench als verdammtes Gedicht vorgelesen werden, während wir die Maschine dieser Reise in die Vergangenheit, James Bond, dramatisch im Bild sehen können. Kotz.

Neben diesem Thema, dass die alte männliche Gewalt und das Patriarchat Bestand haben müssen (ergo wieder ein Mann als M und Moneypenny ins Vorzimmer), ist Skyfall erschreckend leer. Zugegeben tolle Bilder ergeben aber kein größeres Bild, sondern sind nur nett anzusehen. Sie bedeuten nichts. Und wie oben beschrieben gefällt man sich darin, Bond als angeschlagen zu inszenieren, bis es zu Actionszenen kommt, wo er dann keine merklichen Nachteile erleidet. (Er ist aber auch, erfahren wir im Gedicht, mit unbändigem Willen versehen.)

Skyfall wirkt wie die schicke Gegenbewegung zur Forderung nach mehr Diversität im Film: Nein, der weiße männliche und natürlich Hetero-Held (cooler Spruch hin oder her, maskulin ist der Held, feminin wirkt eher der Schurke) ist immer noch die wahre Antwort.

Mich ärgert wohl, dass der Film toll besetzt und toll gefilmt ist und tatsächlich mehr sein könnte als tolle Bilder und eine Sehnsucht nach 1950.

Dann tausendmal lieber Mission Impossible.

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