Jurassic World

Vorsintflutlich.

Inhalt: Sexismus, Dinozentrismus, 50er-Jahre-Moral

Ich erinnere mich noch daran, dass ich Jurassic Park im Kino gesehen habe, und wie überwältigend das war. Umso schlimmer, dass die besten Szenen von Jurassic World an den ersten Teil erinnern, diesen aber nicht übertreffen. Außer in der konservativen Figurengestaltung.

Der Plot jedenfalls ist nicht zu komplex und recht eindeutig. Jurassic World ist seit 20 Jahren ein Hit unter den Vergnügungsparks, aber neue Attraktionen müssen her. Die neueste Attraktion kommt frei und bedroht den Park. Chris Pratt und Bryce Dallas Howard retten erst zwei kleine Jungs und dann den Park. Angereichert wird das ganze mit böse meinenden Industriellen, wohlmeinenden Industriellen (ein und dieselbe Person), Militaristen, Gehässigkeit gegen Frauen und einer Pseudo-Naturbotschaft.

Der Plot ist also okay, aber das Drehbuch ist trotzdem zu kritisieren, und zwar darin, wie es mit den weiblichen Figuren umgeht (und den wenigen nicht-weißen Menschen). Als da wären: Bryce Dallas Howard, die den Vergnügungspark leitet. Sie ist zu Beginn in einem engen weißen Kostüm und wird als kalt dargestellt, weil sie sich nicht selbst um ihre Neffen kümmert, sondern ihre Assistentin dies tun lässt. Der böse Dino ist übrigens auch weiß wie ihr Kostüm – Zufall? Im Laufe des Films wird sie dann mehr und mehr von ihrem Oberkörper entblößen, weil sie von ihrem hohen Ross runtersteigt (vermeintlich) – ihre High Heels wird sie aber behalten, ob sie nun durch den Dschungel rennt oder vor einem T-Rex flieht. Sie nutzt keine Gelegenheit, um sich zumindest mal Stiefel anzuziehen (die Gelegenheit würde es geben).

Schlimmer noch: sie wird vom Skript beständig runtergemacht. Da rettet sie mit Chris Pratt die beiden Neffen, und die finden natürlich Pratt ganz toll. Und dann rettet sie Pratt das Leben. Pratt küsst sie daraufhin ungefragt – was sie toll findet – und die Neffen sagen in der nächsten Szene, dass sie nun auf jeden Fall in der Nähe bleiben werden: weil Pratt sie beschützen kann. Kein Wort darüber, dass dieser tolle Beschützer gerade von ihrer vermeintlich biederen Tante gerettet wurde. Und als die Kinder dann noch einmal sagen, dass ihr Freund so toll sei, errötet Howard, anstatt mal darauf hinzuweisen, dass sie gerade einen Geländewagen auf Dinojagd steuert.

Nebenbei wird der ältere Neffe mit einer Freundin daheim dargestellt und bekommt dennoch mehrere Szenen, wo er im Park hübsche Mädchen anglotzen kann. Jungs eben, gell? Zumindest in Skript-Entscheidungen.

Der Hammer ist dann aber die Assistentin von Howard. Die soll ja auf die Jungs aufpassen und gleichzeitig Termine koordinieren. Sie verliert die Jungs aus dem Auge, als eine Panik ausbricht. Später greifen Flugsaurier an und es gibt kurze, wenig detaillierte Action. Und dann wird die Assistentin ausführlich und brutal von Sauriern getötet in einem Sadismus, der sonst in diesem Film nicht vorkommt, kein Bösewicht bekommt so einen Tod wie diese harmlose Assistentin und einzige andere prominente Frauenrolle.

Wobei es noch eine Programmiererin gibt. Als die Insel geräumt wird, muss eine Person an den Rechnern bleiben, und sie bringt sich in Sicherheit, während ihr männlicher Nerd-Kollege bleibt und den Helden markiert.

So ein ekelhafter Sexismus ist mir lange nicht untergekommen.

Es gibt zwei prominente PoC sowie eine winzige Rolle für einen Genforscher, der ungeschoren davonkommt. Die anderen beiden sterben. Der eine PoC ist der Chef des Parks und wird gleichzeitig als Gutmensch dargestellt (als Kontrast zu Howard) und als knallharter Kapitalist (der an der Misere mit Schuld ist). Diese Person baut Scheiße und stirbt nicht nur, sondern ist mit für den Angriff der Flugsaurier verantwortlich.

Gänzlich raus aus der Nummer ist Chris Pratt. Der darf sexistische Sprüche machen, mit denen er auf die Libido seiner Chefin anspielt und trotzdem der liebenswürdige Machoheld sein, den das Kino der Fünfziger braucht. Natürlich kriegt er am Ende das Mädchen.

Und dann steht da ein T-Rexs und brüllt und soll uns etwas sagen, aber außer, dass die Effekte ganz gut waren, habe ich Jurassic World als abwechselnd langweilig – weil ich die Figuren furchtbar fand und nicht mitfühlte – und ärgerlich erlebt – weil ich die Figuren furchtbar fand. Ich kann erkennen, dass die Actionszenen gelungen waren und, wenn man mit weniger Missgunst guckt, ist das vielleicht ganz ansehnlich inszeniert. Bei mir hat es nur nicht funktioniert.

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