Misfits, Pilotfolge

Puuh.

Inhalt: Sexismus, Klassismus, Superkräfte

Plot-Check: Jugendliche Straftäter bekommen Superkräfte. Ihr Bewährungshelfer auch und wird ihr erster Gegner. Witzige Idee, die in der ersten Folge auch gut umgesetzt wird: die Jugendlichen haben wenig Lust, ihre Sozialstunden abzuleisten, sie machen stupide Arbeit, sie gehen sich auf die Nerven… und müssen dann sowohl mit ihren Kräften als auch mit einem Kampf auf Leben und Tod klar kommen.

Figuren-Check: Hier sieht es auch erst Mal gut aus. Von den 6 Jugendlichen sind zwei schwarz (Curtis, Alisha) und zwei weiblich (Alisha, Kelly), der Bewährungshelfer ist auch schwarz. Da einer der Jugendlichen recht schnell zum Opfer wird, sind also 3 der 6 Hauptfiguren dieser Folge PoC und 2 von 6 weiblich.

In England hat man ja auch gerne eine klarere sozioökonomische Herkunft, und auch hier sind die Figuren unterschiedlich positioniert. Während drei Figuren (Curtis, Nathan und Alisha) eher der Mittelklasse zu entstammen scheinen (wirklich posh wirkt keine Figur), sind Kelly und das Opfer zumindest eher Arbeiterschicht-Kinder.

Positiv finde ich, dass die Jugendlichen sich deutlich gegen die Unterschichten-Tussi („Chav“) Kelly wenden, dass Kelly aber gleich dagegenhält und sich in der Folge am sozialsten verhält. Kelly wird (auch von ihrem Freund) mit Vorurteilen konfrontiert und erfüllt diese klar nicht, sondern geht sogar dagegen an.

Klingt alles gut, und jetzt kommen meine Ausschlusskriterien. Erstens ist da Nathan. Es ist passend, wie dieser weiße Kerl genau das repräsentiert, den privilegierten weißen Kerl, der alle unterbricht, der immer einen Spruch hat, der alle provoziert und doch glaubt, dass er bekommt, was er will. Es ist passend – aber es ist auch nervig, weil so ein Typ eben nervt. Dazu kommt, dass nicht klar ist, ob die Serie auch weiß, was für ein Arsch das ist, oder ihn als Hauptfigur sieht. Ich habe ob meiner Unsicherheiten im Wiki nachgelesen und erfahren, dass Nathan mit Kelly anbändelt (also kriegt er sie rum) und als Superkraft Unsterblichkeit hat, also nicht gerade eine Niete gezogen hat in der Superheldinnen-Lotterie. So einen Stereotyp zu haben und ihn dann abkacken lassen – bin dabei. Ihn gewinnen lassen – langweilig.

Zweitens ist da Alisha. Ihre Superkraft ist es, dass alle, die sie berühren, sexuell übermäßig erregt werden und sich auf sie stürzen wollen. Also quasi die Kraft, zum Vergewaltigungsopfer zu werden bzw. ihre Sexualität zur Manipulation einzusetzen. Wie ich wiederum dem Wiki entnehme, kann sie diese Kraft nicht einmal abstellen. Damit ist Alisha ein Musterbeispiel für funktionierende Rape Culture.

Die übrigen Superkräfte sind Zeitreisen (Curtis), Unsichtbarkeit (Simon) und Gedankenlesen (Kelly) – auch hier finde ich Gedankenlesen die passivste Kraft, es ist ja nicht einmal Zwei-Wege-Kommunikation. Aber wenn dazu ein Poster Boy für Privilegien und ein Poster Girl für Rape Culture kommen, bin ich raus. Als Sahne für obendrauf bekommt der Bewährungshelfer noch eine Superkraft in unbändiger Wut und wird damit zum Angry Black Man, der besiegt werden muss. Das ist mir zu unsensibel.

Die Darstellerinnen sind immerhin in Ordnung, wobei Nathans Robert Sheehan echt gut nervt und Kellys Lauren Socha ein Lichtblick ist.

Produktions-Check: Misfits ist eine Serie mit britischem TV-Budget, weshalb sie auch Kräfte auswählt, die wenig teuer zu inszenieren sind. In der Pilotfolge spielt sich das Meiste in einer alten Schule ab und damit mit wenigen Statisten, aber ansonsten kann ich wenig aussetzen oder besonders hervorheben. Ist okay.

Fazit: Ich wäre wohl dabei geblieben, aber die Hypersexualität von Alisha geht gar nicht. Gar. Nicht.

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