The Walking Dead – Ende Staffel 3

Inhalt: Patriarchat, schlechte Bücher, dumme Figuren

„The Walking Dead“ ist die perfekte Hass-Serie. Sie könnte so gut sein und ist es doch nicht. Ihr Setting erlaubt Ideen, was man besser machen würde. Oder zumindest anders. Und obwohl die Serie das heilige männliche Reich weißer Patriarchen nachspielt, ist es nicht wie bei „Game of Thrones“, wo eine weibliche Figur erst dann in der Serie angekommen ist, wenn sie völlig nackt war oder vergewaltigt wurde oder beides. 

Und damit Willkommen zum Staffelrückblick!

Ich stelle mir das so vor, dass die Autorinnen (Ha!) der Serie zwei Ideen für eine ganze Staffel haben und dann eine Folge schreiben, in der alles beginnt, zwölf Folgen, in denen nichts passiert, und eine Folge, in der ihre Ideen passieren. So könnte sich ergeben, dass in der Serie so eine große Angst vor Konsequenzen herrscht, dass in Folge 7 jemand sagen kann „wir ziehen in den Krieg“ und dann in Folge 16 (!) dieser Krieg darin besteht, dass fünfzehn Sekunden lang rumgeballert wird und dann eine Seite flüchtet. Fertig.

Immer noch stehen die Männer eindeutig im Vordergrund der Serie. Jede weibliche Figur musstge bereits mindestens einmal von anderen vor Zombies gerettet werden, die männlichen Figuren packen das in der Regel. In der dritten Staffel wird einmal ein Mann an einen Stuhl gefesselt gegen einen Zombie geschickt: der packt das natürlich. Einer Frau passiert dasselbe: sie wird gebissen. Wenn eine Frau einen Zombie anfährt, überschlägt sich der Wagen, ein Mann bringt den Wagen wieder auf die Spur.

Ich glaube immer noch (anders als bei Game of Thrones – Seitenhieb 2), dass die Autorinnen aber überwiegend ahnungslos sind. Sie schreiben einfach einzelne Szene, und die sind dann durch die Implikation und die handelnden Figuren verdächtig. Die Autorinnen hinterfragen die männlichen Führungsansprüche nicht, sie sind einfach so durch die Figurenkonstellation geworden.

Ich glaube das, weil auch sonst die Autorinnen wenig Konsistenz aufrechterhalten, sondern gefühlt von Folge zu Folge und Szene zu Szene entscheiden, was passieren soll, und dann die vorhandenen Figuren das halt machen lassen, ob das logisch ist oder nicht. Weshalb Figuren in einer Folge geschickt reagieren über etwas, das sie zwei Minuten später selbst tun, und ähnliches.

Darum ist the Walking Dead auch voller thematischer Annsätze, die aber mehr immanent in den Situationen entstehen und nicht gewollt erscheinen. Nehmen wir nur Woodbury (was ich im letzten Beitrag Woodsboro) genannt habe. Diese Stadt und ihr Anführer, der Gouvernor, könnten verschiedene Zwecek erfüllen: ist es eine Parallele für das, was das Gefängnis für Ricks Rudel sein könnte? Eine korrupte Variante oder eine gelungene? Ist der Fall von Woodbury eine Parallele, sodass der Gouvernor und Rick gemeinsam brutaler werden, aber Rick die Kurve kriegt? Ist der Gouvernor von vorneherein ein Bösewicht? Ist die Stadt ein Zeichen dafür, dass zu große Gruppen in dieser neuen Welt sich zerfleischen? Oder eher ein Ansporn? Die Autorinnen haben anscheinend keine feste Idee dafür, weshalb dieser Plot auch so schwammig behandelt wird. Dazu kommt, dass Rick (und sein Rudel, aber vor allem Rick) keine Fehler machen dürfen, sodass auch die blödesten Entscheidungen nicht infrage gestellt werden udn Figuren ständig kommen, um Rick explizit zu loben und klug zu nennen.

Dabei passiert dann so etwas wie: 4 Neuankömmlinge erreichen das Gefängnis und leben sich dort halbwegs ein. Sie erscheinen vertrauenswürdig. Rick kommt und sieht sie – und er sieht seine verstorbene Frau. Während er sich offensichtlich für alle mit nicht Anwesenden unterhält, schickt er die Neuen davon. Und keine der anderen Personen findet das komisch, sondern sie machen, was Rick will.

So funktionieren Menschen nicht. In dieser Welt, in der Überlebende ja überlebensreif waren, wird es doch mindestens eine Person geben, die einem offensichtlich realitätsfremden Anführer nicht mehr folgt. Ebenso, als der Gouvernor seine Leute alle erschießt und nur zwei überlässt – dass diese beiden nicht allein aus Selbstschutz den Gouvernor erschießen, der ihnen aktuell nichts zu bieten hat, ist schwer vorstellbar.

Außer in dieser Welt, wo weiße Führer Gehorsam bekommen.

Ärgerlich auch, dass die Storys sich fast ausschließlich um die Männer richten – auch der sexuelle Übergriff auf eine Frau führt zu einer Betrachtung, was das mit ihrem Liebsten macht. Die eine Figur mit halbwegs eigener Storyline ist Andrea, und auch die steckt nach und nach gegen den Gouvernor zurück. Mehr noch aber, Andreas Story handelt davon, wie sie sich in einen Psychopathen verliebt und das zu spät erkennt. Also Klischee hoch drei. Michonne als neue Figur erlebt ähnliches, weil sie in Nebensätzen zum Opfer von Vergewaltigung wird und einer Mutter ohne Kind und somit ihre Härte durch Trauma motiviert wird. Wo sonst Härte durch Testosteron allein entsteht. Und wenn Michonne sich in Woodsbury nicht wohl fühlt, liegt das nicht an besonderer Wahrnehmung, sondern daran, dass sie wegen Andrea eifersüchtig auf den Gouvernor ist (keine Sorge, das ist nur implizit lesbisch bzw. bisexuell, explizit ein Freundschaftsbruch). Wenn sie den Gouvernor töten will, dann nicht, weil sie dessen Verfasstheit durchschaut, sondern weil sie Andrea aus Rache weh tun will. Frauen halt. 

Schließlich finde ich nervig, wie wenig sich die Anführer um ihr Gefolge scheren und nachfragen, was die denn wollen. Da wird einfach entschieden, bis hin zu Gefühlsebene (du musst hart werden), und da wird so getan, als sei diese Führung irgendwie legitimiert. Aber tatsächlich verhalten sich die Menschen wie Schafe und zwar nicht, wenn es um eine abstrakte Steuererhöhung geht, sondern ihr nacktes Überleben.

Wenig durchdacht auch die Aktionen der Gruppen. Wo klar ist, dass die Größe einer Gruppe ihre Stärke ausmacht, will Rick niemanden aufnehmen und lässt sogar einzelne Menschen den Zombies – hat aber natürlich gleichzeitig kein Problem, Experimente des Gouvernors zu verurteilen. Das Gefängnis, dass Ricks Leute einnehmen, wird niemals richtig genutzt. Da müsste es Strom geben, eine Küche, eine Werkstatt, eine Krankenstation, Möglichkeiten, einzelne Trakte abzusperren und so weiter. Aber Ricks Rudel hat anscheinend nicht einmal einen Plan, diese Ressourcen nutzbar zu machen. Da entsteht immer nur ein Bedarf von jetzt auf gleich und dann muss man schnell sehen, wie der gedeckt wird. Umso grotesker, dass alle Ricks Führung so sehr loben. Es gibt nicht einmal regelmäßiges Training in Selbstverteidigung und anderen nützlichen Fähigkeiten. Stattdessen passen die Frauen auf das Baby auf und die Männer suchen nach dem Zeug, das gerade plötzlich aktuell wird.

Wenn dann auch noch die Motivation der Figuren so nebulös bleibt und von Folge zu Folge wechseln kann, wenn keine thematische Dichte herrscht, sondern nur Ansätze, wenn die Action auch irgendwie nicht befriedigen kann, vor allem nachdem man viele Folgen warten musste (auf den Showdown) – warum guckt man das dann? Auch die Effekte sind nicht mehr so gut wie vorher.

Letztes Problem sind die Zombies. Wenn man bisweilen sieht, wie einfach diese Untoten beseitigt werden, wie toll ausnahmslos alle Figuren auch im Laufen mit einer Pistole auf 30 Meter ihnen in den Kopf schießen können (nur um dann beim Gefecht mit dem Gouvernor zu Sturmtruppen-Präzision zu wechseln), dann sind Zombies nicht mehr so gefährlich, wie andere Szenen suggerieren. Nachdem Glenn in 5 Sekunden an einen Stuhl gefesselt einenZombie platt macht, bleibt halt nicht viel Grund, warum die Figuren im Gefängnis nicht nach und nach alle Zombies platt machen und auch den Zaun frei halten. 

Aber der Reiz dieser Idee lockt dann doch. Was würde man anders – also besser – machen als Rick? Welche akute Krise hätte man längst schon erahnt und wie würde man sie nun bewältigen? Kopfschütteln über die Dummdödel und damit auch über die Autorinnen, Ärger über den Fokus der Handlung auf den weißen Männern (und sowohl der Koraner Glenn als auch das Kind Carl zählen hierzu), gefolgt von den Frauen (mit Abstand, und damit ist eigentlich nur Andrea gemeint), gefolgt von schwarzen Männern.

Das Potenzial, dass „The Walking Dead“ hat, lässt mich einschalten. Die Verschwendung dieses Potenzials lässt uns vor der Flimmerkiste diskutieren, und die relative Zurückhaltung bei sexuellen Übergriffen sorgt dafür, dass diese Serie toll ist, um sie zu hassen und eben nicht abstoßend gewalttätig ist wie „Game of Thrones“ (Seitenhieb 3, Mission erfüllt).

Vorherige Beiträge:

The Walking Dead

Stand: Staffel 2, Folge 9

Stand: Ende Staffel 2

Stand: Staffel 3, Folge 4

Ein Gedanke zu „The Walking Dead – Ende Staffel 3

  1. Pingback: Alle Beiträge zu The Walking Dead | Flauschtentakel

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.