The Walking Dead – 3×01 bis 3×04

Ich hatte Trost. In der dritten Staffel werde es besser, hieß es. 

Bislang kann ich sagen: es wurde. 

Oh, die Serie hat weiterhin Elemente, die mich aufregen. So ist in der Grimes-Gang die Verteilung zwischen Frauen und Männern eindeutig (Frauen: reagieren emotional, kümmern sich um Kinder – Männer: reagieren mit Stoizismus oder Wut, kümmern sich um Zombies), sodass dem jungen Carl (zwischen 11 und 13) regelmäßig mehr Verantwortung aufgebürdet wird als erwachsenen Frauen (und er sich auch so verhält). Auch in dem neuen Städtchen Woodsboro, wo der Gouverneur eine nicht ganz heile, aber zumindest sichere Welt errichtet hat, ist das ähnlich. Frauen pflanzen an und Männer beschützen. Andrea ist pro Gouverneur, aber leider mit der Andeutung einer Romanze, sodass man dieser emotionalen Frau das nicht abnehmen kann.

Lori ist übrigens die schlimmste Ausprägung des Ganzen, da sie ihr Heil und ihren Lebenssinn buchstäblich durch ihre Schwangerschaft erfüllt. Und auch in Woodsboro gibt es schwangere Frauen. Beide Gruppen haben auch ihre besondere Ausnahme: bei Rick Grimes ist es Maggie, die zwar auch emotional ist und heult, aber immerhin mit auf Zombiejagd geht. Und in Woodsboro ist es Andreas neue Freundin Michonne, die sehr cool ist, aber wahrscheinlich wird sich ihre Härte als Resultat ganz besonderer Traumatisierung erweisen. Weil Frauen ja sonst nicht so sein können.

Ebenso enervierend ist die fehlende Voraussicht. Die Autorinnen (ha!) müssen sich natürlich um spannende Plots kümmern, bevor sie realistisch werden, aber es ist trotzdem unverständlich, wie wenig die Grimes-Gang anscheinend bespricht und plant. Da hat man eine Schwangere dabei und anscheinend weder ein OP-Set vorbereitet, noch sich Gedanken über die Erfordernisse eines Babys gemacht für den Fall, dass die Mutter stirbt. Noch hat man sich überlegt, wie man mit Neuankömmlingen umgeht. Noch fragt irgendjemand irgendjemanden mal, was sie für Fertigkeiten aus der Vergangenheit mitbringt. Denn es gibt ja viele nützliche Fertigkeiten – und nebenbei ist es unrealistisch, dass keine Frau aus unserer Zivilisation mehr gelernt hat als zu kochen und zu putzen -, und man muss sich auch gewahr sein, dass in der Apokalypse Menschen sterben werden, sodass man Stärke in der Gruppengröße suchen sollte – also nicht alle Leute per se ablehnen.

Die Idee, dass die Welt eine andere ist, wird zwar oft wiederholt, aber von Grimes und Co nicht wirklich gelebt, auch fast ein Jahr nach der Apokalypse nicht. Sexismus und Dummheit sind aber in Kombination hart zu ertragen.

Allerdings gibt es auch ein Licht am Tunnelende. In der dritten Staffel passiert was, und zwar regelmäßig. Die Übernahme eines Gefängnisses als Basis ist eine gute Idee (wenn auch nicht so umgesetzt, wie ich es an Ricks Stelle tun würde). Die Main Street von Woodsboro als Ideal und Gegenpol – und wahrscheinlich in Wahrheit korrupte Fantasie – ist interessant, und Merle ist nicht annähernd so nervig wie bei seinem Auftritt in Staffel 1. 

The Walking Dead ist immer noch eine Serie, bei der ich mich gut aufregen kann, aber die Begleiterscheinungen sind wesentlich angenehmer geworden. Staffel 1 – okay. Staffel 2 – blah. Staffel 3 bislang gut.

Vorherige Beiträge:

The Walking Dead

Stand: Staffel 2, Folge 9

Stand: Ende Staffel 2

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.