The Walking Dead – 2×09

Oh mein Gott. 

Inhalte: Sexismus, Rassismus, Dummheit, Schneckentempo

Gerade hatte ich noch Hoffnung. Zwei Tage später und ein paar Folgen weiter sehe ich die Sache etwas anders. Wir sind also bei The Walking Dead bis zu Folge 9 in Staffel 2 gekommen, auch bekannt als „Die Folge, wo am Ende was passiert.“

Denn passieren ist sonst eher eine Umschreibung dafür, etwas zu Breis zu kneten und den Saft zu gewinnen als für Erzähltempo in dieser Staffel. Da wird aber auch wirklich alles lang ausgedehnt, und dann allerdings mit eher bekannten Entwicklungen, sodass man schon mal einnicken kann.

Schlimmer aber noch ist das, was da beschrieben wird. Ich kann und muss auf einige Dinge eingehen.

  • Person of Color

In der ersten Staffel gab es eine Latino-Familie, eine schwarze Frau und einen schwarzen Mann, die mit der Gruppe reisten. Nun ist es nur noch ein schwarzer Mann. Der verletzt sich am Anfang der Staffel und hat danach nichts mehr zu tun. Er hat keine eigene Story, er hängt nur rum und ist manchmal zu sehen. Immerhin dreht sich eine eigene Storyline um Glenn, der ja Koreaner ist. Ansonsten befinden wir uns mitten in den Südstatten, auf einer Farm, und es gibt keine anderen Schwarzen. Keine anderen People of Color, ab und zu immerhin mal ein Zombie of Color. Das wars auch schon. Sehr enttäuschend.

NB: der Dicke ist natürlich schnell gestorben, immerhin auf eine unerwartete Weise, nachdem er sich als recht zäh erwiesen hatte und sogar richtig weglaufen durfte.

  • Frauen und das Patriarchat

Hier geht es nun richtig zur Sache, denn was Geschlechterverhältnisse und Rollenbilder angeht, könnte ich manchmal echt kotzen. Die Tatsache, dass der rassistische Macho Daryl die Sympathiefigur der Serie ist (die bislang einzige), sagt schon einiges aus. Daryls Verdienst: er will anderen (Frauen) nicht vorschreiben, was sie tun. Mit dieser Minimalvoraussetzung ist er schon gut dabei.

Ansonsten gibt es Hershel: er bewihnt eine Farm und ist der eindeutige Patriarch. Seine Regeln gelten, und ohne sein Wissen darf niemand am Schießtraining teilnehmen oder sonst etwas tun. Er bestimmt, wem geholfen wird. Als solches spricht er auch nur mit Rick aus der Gruppe der Reisenden, denn der ist ja der andere Anführer.

Rick: ist gar nicht der Anführer, verhält sich aber so. Alle anderen verhalten sich auch so. Nicht, dass es eine Wahl gegeben hätte oder man einen Rat gegründet hätte. Nein, Rick entscheidet einfach, und es wirkt wie ein natürliches Gesetz, dass der weiße Cowboy halt das Sagen hat.

Shane: Ricks bester Freund und die Schattenseite, weil sein Testosteron im Aggression endet nicht in Schutz. Dale: Mischt sich überall ein. T-Dog: ist der Schwarze und kommt nicht vor. Glenn: hat seinen tollen Moment, als er seine designierte Frau beschützen darf wie ein guter Mann. Carl: der Zehnjährige sagt auch schon an, was läuft, weil er der Sohn von Rick ist. 

Anstrengend ist dabei, dass die Verhaltensweisen stereotyp sind: Männer wollen alle beschützen und unterdrücken ihre Angst, Frauen lassen die Angst raus und müssen beschützt werden. Alle Männer bekommen eine Frau an die Seite, und der Konflikt besteht darin, dass Shane keine Frau für sich hat. 

Nehmen wir nur das Beispiel von Maggie, die mit Glenn anbandelt und ihm in einer Szene ein Ei in seine Mütze kloppt. Nun trägt Glenn die ganze Folge lang keine Mütze, bis Maggie am Ende nachgibt und sich anbietet, die Mütze zu waschen. Glenn ist unfähig, sogar seine Mütze sauber zu waschen, weil das ja der Job von Frauen ist.

Andrea lernt schießen – also, ein Mann muss ihr Stück für Stück schießen erklären -, und keine 5 Minuten, nachdem sie das erste Mal Wache hält, verwechselt sie einen Freund mit einem Zombie, schießt gegen den Befehl Ricks auf den „Zombie“ – und verfehlt diesen noch. 

Lori ist schwanger und… Mann. Nicht nur, dass in der Folge die „Pille danach“ als Abtreibungspille dargestellt wird, nein, keine einzige Person hält es auch nur ansatzweise für eine miese Idee, ein Baby in diese Welt zu setzen. Weder aus Gründen der Gesundheit von Kind und Frau (Ernährung, Hygiene, Medizin), noch aus Gründen der Sicherheit (schreiende Babys locken Zombies an). Das ist einfach total unrealistisch. Und natürlich benutzt Rick die Schwangerschaft dann noch, um Hershel zu erpressen, weil so gute Christen ja kein Problem haben, einen Zehnjährigen zu den Zombies zu schicken, aber ein ungeborenes Kond muss beschützt werden.

Diese einseitig männliche Perspektive, die auch dazu führt, dass Glenn vermutet, die Frauen würden alle zur selben Zeit ihre Tage haben, weil die gerade so gereizt wären, ist ärgerlich, weil sie auch eindeutig nicht gewollt einseitig ist, sondern im Drehbuchteam nicht erkannt wurde.

Genauso wie im Team wohl nicht gemerkt wurde, dass sich die Figuren von Folge zu Folge anders verhalten – also vor allem die Frauen. Weshalb wir von einem sich küssenden Paar Glenn und Maggie wechseln zu einer Szene, in der Maggie mit Glenn kein Wort wechselt.

Besonders frustrierend ist, dass entscheidende Gespräche oft ohne Beisein der Frauen stattfindet. Wenn es um Carols Tochter geht, reden Hershel und Rick und Shane und Daryl miteinander, aber Carol wird nicht involviert. 

Dabei glaube ich wirklich, dass das einfach schlechte Autorinnen sind (erneut – generisches Femininum). Die denken einfach, dass Lori in Gefahr geraten siollte. Dass nun in der Serie zum ersten Mal eine Frau ein Auto fährt und sofort einen Unfall hat, kommt denen gar nicht in den Sinn. Dass es vielleicht auch andere Möglichkeiten gibt als einen starken männlichen Anführer und Gewaltlösungen ebenso nicht. Darum ist Rick auch im Recht, wenn er zwei Fremde erschießt, die sich vage seltsam verhalten haben – die aber in dieser verhunzten Welt eventuell auch Grund haben, Ricks Verhalten zu beäugen. Aber das Drehbuch wird Rick wieder Recht geben.

Das ist zugegeben auch der Grund, warum ich immer wieder aufgehört habe, den Comic zu lesen. der heilige Rick und seine Machtposition – endgültiges Ende gab es dann bei mir, als Sohnemann Carl diesen Posten erbt -, und die bisweilen etwas zu heftige und schockierende Brutalität, die mir weniger inhaltlich motiviert schien als fiel mehr dadurch, dass man Grenzen pushen möchte.

Aber ich werde weitergucken und wieder berichten. Vielleicht sogar schon bald, wenn es in diesem Tempo weitergeht.

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3 Gedanken zu „The Walking Dead – 2×09

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