The Walking Dead

Inhalte: Sexismus, ausgelutschte Dialoge, Zombies

Vorbemerkung: Dieser Beitrag bezieht sich auf die TV-Serie „The Walking Dead“, Stand Staffel 2, Episode 2. 

Voreingenommenheit: Ich habe die Comics von The Walking Dead gelesen. Zuerst bis etwa Heft 60, dann aufgegeben. Danach bis Heft 100 verfolgt, aufgegeben. Noch einmal angefangen und bei Heft 130 oder so aufgegeben. Mich interessiert die Thematik, die konkrete Ausführung der Comics aber sehe ich zwiegespalten. Vielleicht ist das auch einmal einen Beitrag wert.

Die TV-Serie „The Walking Dead“ ist ja in den USA ein ziemlicher Erfolg gewesen, der auch Videospiele und andere Lizenzware nach sich zog. Ich hatte bereits einmal die erste Folge gesehen, war aber dann abgekommen. Dank meiner Netflix-Mitgliedschaft komme ich nun dazu, noch einmal einen genaueren Blick zu werfen.

Plot-Check

Rick Grimes (irgendein weißer Kerl) ist ein Polizist, der nach einer Schussverletzung im Koma liegt. Er wacht auf und es ist die Zombie-Apokalypse, auch wenn niemand Zombie sagt und es in dieser Welt keine Zombies gibt. Also keine Voudoun-Religion, nehme ich an. Immerhin gibt es dann auch nicht den Bond-Film „Leben und Sterben lassen“, allerdings auch nicht das tolle Lied von McCartney dazu. 

Rick marschiert erst Mal barfuß und in Unterwäsche nach Hause, wie man das so tut, Apokalypse hin oder her. Er trifft einzelne Überlebende und geht dann auf die Suche nach seiner Frau und seinem Sohn. Über Umwege findet er die beiden bei einer Gruppe Überlebender mit seinem besten Freund Shane (ein anderer weißer Typ), der mittlerweile mit seiner Frau ein Verhältnis hat. Die größere Gruppe umfasst auch Latinos und Schwarze und einen Koreaner mit nicht-asiatischem Namen, weil ironisch: Glenn.

Zombies greifen an, Leute sterben, Konflikte entstehen, die Gruppe trennt sich (von den Latinos), man fährt weiter, und so. Wie erwartet.

Was „The Walking Dead“ ausmachen sollte, ist die Qualität der Konflikte, die Dialoge, eben die Drehbücher. Aber die sind leider in der ersten Staffel doch sehr ausgelutscht und voll von Situationen, in denen man sich richtig vorstellt, wie die Autorinnen (ha! Eher die Autoren) sich diebisch freuen. Die Latinos im Gangoutfit, die Glenn entführen und mit Waffen drohen, sind gar keine brutale Gang – wie konnte ich Rassist nur so was denken? Der faule Ehemann ist natürlich auch noch ein Frauenverprügler und seine Frau darf dann verhindern, dass er als Zombie wieder aufsteht, indem sie seinen Schädel zerbreit. Die Frau stirbt an ihrem groß angekündigten Geburtstag. Der Schwarze will dem Rassisten helfen, aber er stolpert und der helfende Schlüssel fällt natürlich genau in ein Abflussrohr. Die Zombiegedärme überdecken den Menschengeruch, aber da fängt es natürlich an zu regnen. 

Es gibt viele Szenen, in denen deutlich wird, dass hier eine Serie geschrieben wird und nicht etwa versucht wird, mögliche Realität zu erzählen. 

Umso schlimmer, wie die Serie mit ihren Figuren umgeht. Da wird kurz hinterfragt, dass die Frauen die Wäsche waschen, und bügeln, und kochen, und… Und die Antwort der Serie ist „noch nicht gemerkt? Die Welt ist untergegangen.“ Und dann wird an einem Mann ein Exempel statuiert, der Kerl ist aber auch ein Frauenprügler und wird von Alpha 2, also Shane, zusammengeschlagen, während die Frauen verängstigt zusehen.

Das tun sie nämlich. Verängstigt zusehen, wegsehen, kreischen, weinen. Männer hingegen sind hart und schlucken ihre Angst runter. Männer kriegen auch Waffen und niemand würde es wagen, Männern Waffen wegzunehmen. Frauen sind nicht so. Zumindest hier. Die Geschlechtertrennung ist beinahe schon witzig oder aberwitzig, so extrem ist sie. Immerhin gibt es einen kurzen Monolog, der diesen Wahnsinn aufzugreifen scheint, aber letztendlich verhallt auch dieser Monolog wirkungslos. Die Kerle Dale, Glenn, Shane, Rick, Daryl haben eindeutig mehr zu sagen und sind eindeutig aktiv, die Frauen sind in der Regel passiv. Andrea wird eine aktivere Rolle verwehrt, Lori (Ricks Ehefrau) will eine soclhe Rolle, aber es muss sich noch zeigen, ob das erfolgreich ist. Bislang ist sie eher eine nörgelnde Ehefrau, die in einer Szene Rick sagt, er solle Daryls Bruder suchen, und in der nächsten sauer ist, dass Rick losgeht, die in einer Szene Shane verbietet, mit ihrem Sohn umzugehen, und in der nächsten sauer ist, dass Shane den Sohn nicht freundlich behandelt.

Die Apokalypse ist ansonsten, wie man sie sich so vorstellt. Zusammenbrechen aller Kommunikation, Regierung usw. Niemand ist auf so etwas vorbereitet und alle erscheinen unfähig, dort zu überleben (außer Daryl, Shane und vielleicht Glenn), wenn ihnen Rick Grimes nicht alles erklärt. Oder ein anderer weißer Kerl, wenn es um Frauen geht.

Beispiel: Andreas Knarre. Andrea kriegt von ihrem Vater eine Pistole geschenkt. Die Apokalypse passiert. Monate später trifft Andrea auf Rick und bedroht ihn, aber natürlich hat sie die Waffe nciht entsichert. Noch später erklärt Shane ihr die Waffe und beginnt damit, dass im Magazin sieben Kugeln sind, was für Andrea ersichtlich neu ist. Und schließlich, nachdem Andrea beinahe gefressen wurde, entzieht Dale ihr die Waffe und gibt sie nicht zurück und bekommt männliche Rückendeckung, weil er befürchtet, Andrea könne sich etwas antun. Dies führt zu den einen Monolog, den ich oben erwähnt habe (Kurzform: was geht dich das an?) und dazu, dass Lori Andrea entnervt (von Andrea) eine Waffe gibt – und Andrea gibt die dann prompt zurück, weil Alphaweibchen und so. Grr! 

Figuren-Check

Immerhin sind die Figuren von verschiedenen ethnischen Herkünften. Allerdings sind die Latinos nach einer halben Staffel weg. Die schwarze Frau stirbt, der schwarze Kerl ist ein Idiot und wird sicher nicht überleben, und Neuankömmlinge sind weiß. Es gibt auch dickere und ältere (Männer), bislang keine Homosexualität oder Behinderungen (wobei sich Daryls rassistischer drogensüchtiger Bruder eine Hand entfernt hat, aber der Bruder selbst ist verschollen). Aus den Comics weiß ich, dass es Kriegsverletzungen geben könnte.

Produktions-Check

Die Serie ist hochwertig produziert. Zwar beschränken sich die Schauplätze auf begrenzte oder isolierte Orte (das Dach und eine Etage eines Warenhauses, eine Straßenecke, eine Lichtung im Wald), aber das liegt sicher auch an der Schwierigkeit, moderne Zivilisation aus Locations herauszuhalten. Die Bücher müssen also auf ausgiebige Touren verzichten, und einzelne Einstellungen bearbeitet man dann am Rechner, was nur selten – dann aber gerne eindeutig – heraussticht. Die Zombies sind gut gemacht, die Kostüme riechen geradezu vor Schweiß beim Angucken. 

Das ist auch wichtig, denn bei den eher bekannten Plots und Dialogen ist es wichtig, dass die Serie nicht billig erscheint.

Fazit

Bislang konnte die Serie noch nicht viel Neuland betreten und hat für mich anstrengende Blickwinkel auf Geschlechterrollen. Da die Gruppe auch noch immer wieder Blödheiten unternimmt, macht es bislang Spaß, die Serie zu gucken, uund sich dabei aufzuregen. Wegen ihrer Verfügbarkeit werde ich wohl relativ schnell ein Update veröffentlichen können, wie es weitergeht. Wie gesagt, in den ersten beiden Folgen der zweiten Staffel wirkt es, als könne es etwas besser werden.

8 Gedanken zu „The Walking Dead

  1. Pingback: The Walking Dead – 3×01 bis 3×04 | Flauschtentakel

  2. Pingback: The Walking Dead – Ende Staffel 3 | Flauschtentakel

  3. Pingback: The Walking Dead – 2×13 | Flauschtentakel

  4. Pingback: The Walking Dead – Stand 4×05 | Flauschtentakel

  5. Pingback: The Walking Dead – 4×08 | Flauschtentakel

  6. Pingback: The Walking Dead – 4×12 | Flauschtentakel

  7. Pingback: The Walking Dead – Staffel 4 Ende | Flauschtentakel

  8. Pingback: Alle Beiträge zu The Walking Dead | Flauschtentakel

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.