Sense8

Sense8 ist eine Serie, in der 8 Menschen ihre Sinne teilen können. Sie wurde von den Wachowskis (Matrix) und J. Michael Straczynski (Babylon 5) für Netflix produziert in dem Wissen, dass die ganze Staffel auf einmal zu konsumieren ist.

Das bedeutet, dass sich die Serie viel Zeit lässt, um Plots zu entwickeln. Wir sehen in jeder Folge (fast?) alle 8 Personen und ihre eigenen Geschichten, die sich erst in der zweiten Hälfte der Staffel langsam kreuzen. Interessant dabei ist, dass die individuellen Geschichten unterschiedliche Genres bedienen – Herzschmerz, romantische Komödie, Gangsterfilm, Sozialdrama. Leider bleiben die Plots insgesamt sehr einfach – das Schöne an einer Serie ist ja eigentlich, dass komplexe Geschichten erzählt werden können, hier werden aber ziemliche Standard-Sachen abgespult, die nur besonders werden, weil Momente sich überschneiden.

Auch muss man den Wachowskis zubilligen, dass sie große Gedanken haben. Aber sie hauen diese Ideen mit einer Ernsthaftigkeit und Direktheit heraus, dass man entweder voll mitgeht oder sich etwas abgestumpft fühlt. Es ist Holzhammer-Fernsehen.

Toll ist, dass die Serie tatsächlich auch an Standorten rund um die Welt spielt und auch die Figuren international und divers sind. Wir haben ein lesbisches Liebespaar mit einer Transfrau, die auch von einer Transfrau gespielt wird. Der Berliner Gangster ist auch in Berlin. Es gibt 4 Männer und 4 Frauen, davon 2 homosexuelle Figuren und 4 PoC (2 männlich, 2 weiblich). Das ist extrem begrüßenswert, und toll ist zudem, dass die beste Love Story die erwähnte Geschichte der beiden Frauen ist.

Die Bilder sind auch teilweise beeindruckend. Mit Zeitlupenaufnahmen und Zoom-Effekten, vor allem in HD gefilmt und farbenfroh lässt sich Sense8 wirklich sehen.

Das Problem ist einfach die Dauer und die Schwere. Immer wieder gleicht die Serie einer Predigt von einer sehr wohlmeinenden Predigerin, die aber nicht zum Punkt kommt und nur ihre Botschaft im Kopf hat. Es gibt viel zu wenig Leichtigkeit, zu wenig Tempo, zu wenig Spielerei, man wird nur abgewatscht mit der Idee der Serie, dass Empathie ein evolutionärer Vorteil sei – was gleichwohl trotzdem nicht verhindert, dass die Figuren mitunter mal jemanden zusammenschlagen oder erschießen, wenn diese Leute nur richtig böse sind.

Das Konzept von Sense8 ist toll, die Darsteller, die Figuren passen auch. Aber die Geschichten, die erzählt werden, sind einfach unterkomplex, und die Figuren bleiben es dadurch auch. Scherenschnitt in Zeitlupe und ohne Witz ist letzten Endes ein „gut gemeint, aber nicht gut gemacht.“

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