Archiv | Dezember 2017

Star Wars: die letzten Jedi

Gestern war ich zum ersten Mal im neuen Star-Wars-Film. Die folgenden Inhalte werden sich auch mit dem Inhalt beschäftigen, aber ich versuche allzu schlimme Spoiler zu vermeiden.

Ich weiß, dass Star Wars eine Geldmaschine ist. Aber ich bin beeindruckt, dass die letzten drei Filme immerhin versuchen, außerdem auch noch gutes Kino zu machen. „Die letzten Jedi“ ist möglicherweise etwas lang, es gibt ein oder zwei Momente, die für die gesamte Story eher unnötig waren.

Aber: sie hatten dennoch Sinn, denn „die letzten Jedi“ tut etwas, das mich sehr freut. Der Film hat thematischen Fokus und erzählt auch über Figuren. Wie die Filmlöwin im Blockbuster-Check (Spoiler) zu Recht anmerkt, sind dabei die dynamischen Figuren zu einem Großteil die Männer, auch wenn ich Rey nicht ganz so statisch empfunden habe. Dennoch geht es hier in jeder Szene entweder um die Entwicklung einer Figur, um die Entwicklung des Themas, oder um beides. Und dieser Fokus ist es, den ich bei Filmen mag.

Und so saß ich nicht nur stellenweise mit offenem Mund im Kino und bekam (ehrlich) Gänsehaut, sondern fühle mich auch noch am Ende inspiriert. Dabei ist das Zitat des Films für mich eines von Rose Tico und hat durchaus auch Relevanz für mich und meinen Alltag.

Thematische SPOILER folgen. Wenn ihr das nicht lesen wollt, hört hier auf. Der Film ist gut, sehr gut, und macht definitiv Spaß.

„Wir gewinnen nicht, indem wir bekämpfen, was wir hassen – sondern, indem wir bewahren, was wir lieben.“ Dieser Satz fasst gut zusammen, was Finn und Poe im Film lernen müssen (und zu einem Teil Luke – siehe oben, dynamische Figuren sind überwiegend männlich). Ich frage mich, ob mir das zu konservativ ist – aber andererseits gibt es die Gefahr sehr wohl, dass man im Kampf gegen „das Böse“ eben selbst die gleichen Mittel verwendet – der Film macht dies mehrfach explizit – und das Ziel aus den Augen verliert.

Und was tut man gegen die rechte populistische Welle zur Zeit? Sie unterdrücken? Oder im Bewusstsein, dass man den erfolgreicheren Ansatz hat, diesen demonstrieren? Gibt es eine andere Möglichkeit, um langfristig voran zu kommen? Oder wird das sonst nur ein hin und her, wer gerade mehr Einfluss hat, unterdrückt die andere Position und macht sie zunichte?

Ich sehe die Gefahr in den USA – die Republikaner machen rechtsradikale Politik – sollen die Demokraten nun dieselben Mittel aufwenden und genauso radikal und rücksichtslos werden? Kurzfristig erscheint dies klug. Aber tatsächlich ist es vielleicht besser, nicht die Gegner fertig zu machen, sondern das Schützenswerte zu fördern und zu schützen.

Das kann, denke ich, progressiv sein und Schaden verhindern – also ist hoffentlich kein hohes Ross, auf dem man in der weißen Mittelschicht beruhigt sitzen kann. Es bedeutet eben Umweltschutz und Sozialpolitik und Bürgerrechte auch für solche, die das scheiße finden.

Jedenfalls beschäftigt mich das, und das finde ich bei einem Millionenblockbuster von Disney schon sehr erstaunlich.

16 Dinge über Donald Trump

Dieser Beitrag sollte mein nächster sein, aber er war schwer und schmerzhaft. Bitte sehr:

  1. Die Republikaner sind eine rechtsradikale Partei
  2. Mike Pence ist ein Albtraum
  3. Es gibt keinerlei Anzeichen, dass Trump irgendwie Einhalt geboten wird.
  4. Trump ist… aber alle wissen, was das für einer ist.
  5. Schlimmer: Trump prägt eine Kultur. Eine regressive, repressive Kultur, bei der es nur um persönlichen Ruhm und Reichtum geht – und darum, dem Anführer zu folgen.
  6. Die Proteste sind heftig, aber anscheinend machtlos. Trump ist weiter ungefährdet. Mel Gibson ist zurück, bald wird es auch Harvey Weinstein sein.
  7. Stattdessen gibt es z.B. Lavar Ball, den Vater eines NBA-Spielers, der ein Trump-Typ ist und von den Medien goutiert wird… bis hin zur Twitter-Fehde mit Trump selbst.
  8. Auch Phänomene wie diese unsäglichen Video „Everything wrong with × in Y minutes or less“ von Cinema Sins passen hinein und zeigen: Algorithmen sind dem nicht gewachsen.
  9. Der Umgang mit der AFD zeigt: auch deutsche Medien sind dem nicht gewachsen. Mir graut vor einer Neuwahl mit Event-Wahlkampf über Einwanderung und sonst nix.
  10. Das ist kein Vergleich zu den USA, wo man immer noch ablenken kann mit einem Verweis auf Hillary Clinton.
  11. Kaputte Algorithmen, kaputte Medien, eine rechtsradikale Partei, die Gehorsam übt und fleißig daran arbeitet, durch Wahlkreise und Wahlgesetze die Wahlen noch ungerechter Zu machen. Dazu Wahlmaschinen, die evident unsicher sind. Dazu russische Einmischung, ob nun mit oder ohne Trumps Zutun. Ich fürchte, die USA sind nicht einmal mehr auf dem Weg, die Demokratie zu verlieren.
  12. Trump hat eher nicht mit Russland verhandelt, der kann so was nicht geheim halten. Aber er wehrt sich sicher auch nicht, und seine Berater haben wohl ganz schön Zustimmung signalisiert.
  13. Selbst bei einem Wahlerfolg der Demokraten Zu den Midterms – und es ist ein Zeichen, dass dieser nicht sicher ist – weiß ich nicht, was sich ändern soll. Trumps Stammwähler sind viele, die haben potente Geldgeber und die Republikaner sind geschlossen regierungsunfähig.
  14. Außerdem hat Trump zwar Probleme, große Gesetze zu schaffen, aber besetzt fleißig Richterstellen, Ministerien verabschieden weitreichende Leitlinien, die man schwer rückgängig macht… und eben die kulturelle Veränderung.
  15. Bei allem Lachen über Trumps Tölpelei ist mir der Humor flöten gegangen, weil es direkte und negative Folgen gibt für Minderheiten, sozial Schwache, Frauen – und das macht das Ganze tragisch und so schwer, darüber zu schreiben. Wut und Trauer und Hilflosigkeit.
  16. Erstaunlich, welche Kraft auch für mich das Image der USA hat. Denn natürlich gibt es viele andere Länder, in denen es schlimm ist, und auch Länder wie z. B. Polen, die gerade abdriften. Aber die USA sind mir am präsentesten, sicher auch kulturell und medial bedingt – und sprachlich.

Ein gutes Beispiel ist Roy Moore. Dieser Krampentyp war ohnehin schon unerträglich, aber seit Kurzem wird ihm von inzwischen mehr als 10 Frauen übergriffiges Verhalten vorgeworfen. Die Republikaner haben das geschlossen ignoriert bzw. bezeichnen das als Fake News, und Moore hat gute Chancen, seine Wahl zu gewinnen. Die republikanische Partei ist voll auf Linie getrimmt. Trump ist so ein Verhalten egal, er unterstützt Moore, die Partei also auch, und sie will die Macht. Und als Drittes nicken die Wähler das dann ab, weil die seriösen Medien eben inzwischen als demokratisch durchseuchte Medien abgestempelt wurden. Ich sehe momentan nicht, wie die US-Demokratie hier noch wirkungsvolle Schranken errichtet. Eher wirkt es wie die Festigung autokratischer Regierung.

Gerade habe ich „Die Wasserkrieger“ gehört und hatte die Idee, dieses Hörspiel im Unterricht zu behandeln. Aber ich lese dort:

In „Die Wasserkrieger“ mischen sich Fiktion und Realität. „Das Material ist nah an der Wirklichkeit“, sagt Autor und Regisseur Tim Staffel. Die Verbindungen zur Realität seien so eng, dass sie bei der Produktion „teilweise selbst erschrocken waren, wie viel davon wahr ist“. Fast alle Geschichten seien der Wirklichkeit entlehnt, Menschen, Situationen. Er habe dennoch die Umsetzung als Hörspiel gewählt, weil er so das „Rädchen weiter drehen“ konnte, ins Fiktionale überspitzen.

Das ist der Anfang. Die Idee, dass für das richtige Ziel Fiktion und Realität vermischt werden dürfen, auch wenn man dann die Realität nicht genau erkennen kann, ohne 700 verschiedene Dinge zu ergoogeln. Es geht schließlich um Wasserversorgung. Oder um die Regierung. Oder um einen Posten. Oder…

Fakten müssen Fakten bleiben, Meinungen dürfen dann Meinungen sein. Trump ist das Symbol einer Kultur, die aus Eigennutz auf alles scheißt und von niemandem zurecht gewiesen wird. Das macht mich traurig.