Archiv | Oktober 2017

Noch zwei Dinge zu Walking Dead, Staffel 7 (bis Folge 11)

Nachdem mir die letzten 7 Dinge aufgefallen sind, habe ich weitergeguckt, und ich hatte eine Eingebung. Ich weiß, was bei den Autor_innen passiert ist, als die siebte Staffel geplant wurde:

  1. Lagerkoller. Ein Autor hat gesagt: „Wäre es nicht verdammt cool, wenn wir mal ein Internierungslager zeigen, aber nicht aus Sicht der Internierten, sondern aus Sicht der Wärter? Ich meine, Negan ist doch irgendwie Amon Göth, oder?“ Und so kam es, dass wir als lustigen Triumph sehen können, wie Eugene sich gegen die hungernden Sklaven durchsetzt, die Negan als Pseudo-Freie in seiner Festung behaust und die in Todesangst vor einem Typen leben, der kurz darauf den einzigen Arzt des Lagers in einen Ofen steckt. Können wir bitte noch mehr darüber erfahren?
  2. Noch mehr. Wie in einem guten Internierungslager gibt es natürlich Frauen, die sich an die Offiziere verkaufen, um ihr Leben oder das ihrer Familie zu verbessern. Klar, dass wir die schwarzen Frauen darunter nicht genauer kennenlernen, aber wie wäre es, wenn da auch eine Frau bei ist, die wir schon vorher kannten? Die kann dann traurig sein, nicht weil sie da in diesem Harem hockt, sondern weil ihr Mann so leidet – und dann noch, weil einer unserer Helden gefangen wird. Kann diese Frau dann unseren Helden befreien und fliehen, aber wir sehen das nicht, sondern sehen nur, wie unser Held entkommt und wie ihr Mann dann versucht, sie zu finden? Am Ende wird das noch eine Geschichte über diese Frau anstatt über ihre Typen…

7 Dinge über Walking Dead, Staffel 7 (erste Hälfte)

  1. Autor Normalverbraucher. Das Besondere an „The Walking Dead“ war immer das Setting, und nie die Drehbücher. Ich habe mir immer gewünscht, dass jemand wirklich überlegt, wie man dieses Setting zum Leben erweckt. Welche Dinge werden in der Zombie-Apokalypse wichtig, welche Verhaltensweisen gewöhnt man sich an, wie kann man Zivilisation erhalten, usw. Zwar gehen die Autor_innen (überwiegend Autoren) ab und zu auf solche Fragen ein, das bleibt in der Regel aber oberflächlich oder wird schnell verworfen. Immerhin ist es nicht wie bei „Game of Thrones“, wo die Verursacher der Serie thematische Fragen ja als unwichtig abgetan haben. (Das ist ein anderer Beitrag) Jedenfalls sieht die Realität so aus, dass dies normale Fernsehautor_innen sind, die eben was mit Zombies machen. Darum gibt es dann hier dieselben bekloppten Plots und Figuren und Entwicklungen wie sonst auch. Es fällt mir aber schwer, das hinzunehmen – siehe auch den Begleitartikel zu „Fear the Walking Dead“, der hier bald folgt.
  2. Grusel oder Ekel oder Langeweile. „The Walking Dead“ soll eine Horrorserie sein. Und mit der Zeit hat die Serie wirklich tolle Make-Up-Effekte und ein bisschen CGI, die eklig sind. So kommt nun eins zum anderen: Ekel ist einfacher als Horror. Gerade, wenn man wöchentlich ein neues Drehbuch abliefern muss, bleibt eine gute Figurenzeichnung oder langsames Steigern von Furcht auf der Strecke. Also wird immer wieder Blut, Gedärm, Schleim, oder auch Folter gezeigt, weil das eben eine Reaktion verursacht. Dabei hat die Serie zugegebenermaßen auch ein Talent für Hingucker, wenn z.B. ein Sandhaufen einstürzt und daraus eine Horde Zombies hervor-röcheln. Aber in der Masse kann das auch ermüdend wirken.
  3. Lieblingsfiguren. Das ist ganz normal. Fans bekommen Lieblingsfiguren. Die Autor_innen bekommen Lieblingsfiguren, oder auch Darsteller_innen, die ihnen einfach sehr sympathisch sind. Manche Darsteller_innen möchten die Serie verlassen, oder machen Probleme am Set. Andere sind vertraglich gebunden. Dadurch entsteht automatisch, dass bestimmte Figuren von der Geschichte verschont oder bevorzugt werden und andere eben eher bestraft. Die Aufgabe des Autor_innenteams ist es, dies durch die Welt erklärbar zu machen. Je länger eine Serie dauert, desto schwieriger wird das aber. So ist Carl z.B. ein richtiger Nervsack, aber er ist auch der Teenager und Vertreter einer wichtigen Zielgruppe, und kann man im Fernsehen wirklich noch weiter gehen, als diesem Jungen ein Auge zu nehmen? Also bekommt er keine richtig heftigen Plot-Szenen und wird unerklärlicherweise verschont, ist aber auch langweilig. Rick wiederum sollte inzwischen längst zum Bösewicht geworden sein, das bietet sich einfach an. Aber er ist die Hauptfigur, und solange Andrew Lincoln das nicht explizit fordert, wird Rick immer wieder zum Helden werden, so ist die Serie halt angelegt und niemand hat den Anreiz, für eine bessere Geschichte seinen_ihren Job zu riskieren, weil die Serie abgesetzt wird oder eine Figur herausgeschrieben, zumal wenn die Serie ohnehin erfolgreich ist.
  4. Negan. Negan, Negan, Negan. Hier kommen so viele Probleme zusammen. Die Autor_innen lieben ganz augenscheinlich diese Figur. Die Mitwirkenden mögen Jeffrey Dean Morgan. Negan ist ein Favorit aus den Comics und damit zielgruppenrelevant. Also bekommt dieser Typ etwa 3/4 der Redezeit und Sendezeit von nahezu jeder Folge, und wir sollen das toll finden statt ermüdend. Außerdem reicht die Präsentation eines offensichtlichen Bösewichts, denn sich eine funktionierende proto-faschistische Gruppe auszudenken oder Negan klare Ziele zu geben, ist anstrengend und zeitraubend. Schnell geht es wiederum, wenn man den Bösen zu einem unberechenbaren Irren macht (siehe auch das anfangs mittelmäßige und inzwischen grauslige „Sherlock“) Und also darf Negan in dieser Zeit immer wieder Menschen foltern, erpressen, bedrohen, weil es für die Autor_innen einfach ist, so einen Bösewicht zu inszenieren, und die Hoffnung besteht, dass Jeffrey Dean Morgan diesen Typen so faszinierend verkörpert, dass wir es hassen, ihn zu lieben. Aber stattdessen wird das nervig und anstrengend, und der Psychopath Negan wirkt so unberechenbar, dass auch ein wenig Gefahr verloren geht – immerhin muss er ständig die Figuren bedrohen, die aber (siehe oben) nicht sterben dürfen. Negan darf aber auch (noch) nicht sterben, also suhlt sich die Serie einfach in Folter und Psychopathie. Negan soll der große Publikumsmagnet sein, und anstatt zwei-, dreimal in der Staffel vorzukommen, während die Hauptfiguren andere Konflikte austragen und auch Erfolge haben, wird es zu einer unablässigen Depri-Dusche. Man hat den Eindruck, dass nichts passiert – und schlimmer noch, anstatt Angst vor Negan zu haben, fragt man sich, warum dem noch keiner eine Kugel durch den Kopf gejagt hat.
  5. Patriarchat. Ich muss das extra nennen, weil es mir so auf den Senkel geht. Immer sind die Typen die Chefs, haben die Typen Recht, retten die Typen den Frauen das Leben. Klassische Szene: Enid will die Siedlung verlassen, Carl sagt, sie solle das nicht tun, er würde ihr nicht wieder das Leben retten wollen. Enid geht. Nächste Szene: Carl rettet Enid das Leben. Dann geht er los, um Negan anzugreifen, und Enid kümmert sich um die schwangere Maggie. Weil das eben so ist mit Jungs und Mädels. Und Carol war mal die coolste, aber nun hat sie ein kleines Haus und will Hausfrau sein, weil es den Autor_innen wohl nicht passte, dass das Publikum Carol für die coolste hielt. Oder warum auch immer, interessante Dinge stellen sie mit ihr jedenfalls nicht an. Dazu gehört auch, dass am Ende doch immer Gewalt die richtige Lösung ist, und Leute wie Morgan, die hoffen, mit anderen reden zu können, per se falsch liegen – und damit nicht interessant sind, sondern naiv wirken.
  6. April, April. Was ist auch noch einfach, um eine Reaktion zu erzeugen? Überraschungsmomente und falsche Erwartungen zu erzeugen. Also wird Glenn getötet – aber halt, doch nicht! Er taucht wieder auf (und wird prompt getötet). Daryl wird verschleppt – aber es geht ihm gut! Da steht unser Kumpel Heath als Zombie… aber nein, es ist nur irgendein Zombie. Olivia schlägt Negan, aber nein, es passiert doch nix, aber doch, jetzt, aber nein, aber ja, aber… wenn der Umgang mit Figuren so wirkt wie aus „Little Britain“, gibt es ein Problem.
  7. 100 Folgen. Man erkennt, warum Serien es nur selten über so lange Zeit schaffen. Fernsehen ist ein Medium der Veränderung, und nach sieben Jahren lassen sich Figuren nicht so einfach ändern, und viel Platz für neue Leute gibt es dank der Lieblingsfiguren auch nicht. Also gibt es einerseits wenig Zeit, sich zu überlegen, warum jemand so handelt, wie er_sie es tut; es gibt wenig überraschende Antworten auf diese Fragen bei den etablierten Figuren (was langweilig wirkt) – oder unerklärte Änderungen (was unglaubwürdig wirkt). Und die Serien von heute wollen keine Archetypen, die sich an Konflikten reiben, das ist nicht en vogue (auch wenn sich das eignen würde: zuerst lernt man in der Apokalypse neu, wer man wirklich ist oder sein will, und dann prüft man dieses Bild an der Welt). Also gibt es Stunts: Überbösewichte, Schockmomente, Fake-Outs, noch mehr Schleim als vorher…

Es ist seltsam. Dies sind keine positiven Punkte, aber „The Walking Dead“ ist ein Flauschfaktor für mich. Wo ich mich früher aufgeregt habe, dass es diese Serie gibt und wie die so ist, gehört heute das Ärgern über ihre Fehler zu meiner Routine. Es ist entspannend, sich anzusehen, welchen Quatsch wir denn diesmal wieder zu sehen bekommen, und es ist in dieser Hinsicht schön, dass „Fear the Walking Dead“ genauso bekloppt ist. Hoffentlich geht das noch so lange weiter, bis Carl aufs College geht und Ricks verschollene Zwillingsschwester auftaucht, und sich herausstellt, dass Daryl die ganze Zeit ein Zombie war…

7 Gründe, warum Star Trek Discovery das beste Trek ist

  1. Verstehen. Zuerst halte ich etwas Angst, dass die Serie einen Krieg zum Aufhänger hat. Aber es zeigt sich, dass die Militarisierung von Forschung als Bedrohung beschrieben wird. Die Lösung der Episoden beruhte bislang darauf, fremde Wesen und Kulturen zu verstehen und zu schätzen.
  2. Michael Burnham. Die Hauptfigur der Serie ist nicht nur erste Offizierin, sondern sogar degradiert und entehrt. Als solche kommt sie auf der Discovery direkt mit der Kommandostruktur in Konflikt. Das bedeutet, dass die philosophischen Differenzen nicht zwischen der Crew und einem externen Einfluss stattfinden, sondern innerhalb der Crew. Burnham trifft auf Misstrauen und Neid und auf einen kriegerischen Captain.
  3. Die Crew. Discovery ist eine Serie, die stark auf ihren Plot baut. Dadurch stehen die Figuren nicht so im Vordergrund wie in anderen Trek-Serien. Und natürlich kennt man nach 100 Folgen – davon 10 auf dem Holodeck – eine Crew besser als nach 5 Episoden. Trotzdem ist die Crew der Discovery für mich fast die beste Crew, da sie erzählerisches Potenzial hat. Nicht umsonst waren Spock, Data, Seven-of- Nine oder Worf beliebte Figuren, denn sie gingen über ihre Eigenschaften hinaus und hatten innere Konflikte, ein Entwicklungspotential. Saru kämpft mit seiner paranoiden Ader und seinem Misstrauen gegen und Neid für Michael Burnham, um doch ein guter erster Offizier zu sein. Tilly ist nervös, brabbelig und doch sehr ernst in der Ambition, Captain zu werden. Wer ist die letzte Figur einer Trek-Serie, die Ambitionen zum Aufstieg hatte? Stamets kann sein Lieblingsthema erforschen mit gewaltigen Ressourcen, aber nicht für friedliche Zwecke. Und Lorca ist eher ein Klingone, der aber für die Föderation unterwegs ist- und Captain.
  4. Vielfalt. Bei allen progressiven Politik tat sich Trek doch oft schwer mit Minderheiten und sexueller Vielfalt. Hier haben wir auch in Nebenrollen Frauen, People of Color (inklusive Women of Color), wir haben ein schwules Paar in wichtiger Position… das ist nicht radikal, aber zeitgemäß.
  5. Der rote Faden. Discovery hat anscheinend einen Plot für die ganze Staffel, aber zugleich macht die Serie es bislang sehr gut, die Folgen mit abschließenden Entwicklungen zu fällen. Andere Netflix- Seien sind oft als einzelne Folgen kaum anzusehen, vor allem in der Mitte der Staffel. Ich hoffe, dass dieser Hänger Discovery nicht trifft, weil eben jede Folge etwas erzählt und damit fertig wird.
  6. Ausstattung. Mann, sieht diese Serie gut aus. Film-Qualität.
  7. Flausch oder Tentakel? Momente von Flausch durch Zusammenhalt der Crew und Wertschätzung von Mitgefühl. Aber in einem düsteren Umfeld. Beste Entwicklung ist die von Ripper.

Was fehlt? Die Klingonen. Ich finde sie teilweise interessant, aber auch so anders als sonst, ich weiß einfach noch nicht… Und bitte keine Romanze da!

Mehr erwarten – oder?

Mehr erwarten – das war lange für mich ein Schlagwort feministischer Kritik. Fehltritte nicht übelnehmen, aber dennoch mehr von Leuten erwarten. Soll heißen: zum Fehler stehen und beim nächsten Mal besser machen.

Kritik dient in diesem Sinne dann (auch) dazu, Anleitung zu geben, Rückmeldung darüber, was gut war und was – und ggf. wie – besser gemacht werden kann. In der Erwartung, dass es alle besser machen wollen.

Das führt bei mir aktuell zu zwei Schwierigkeiten:

1) Bei positiv aufgefallenen Medien entsteht für mich die Schwierigkeit, dass man die möglichen Fortschritte, die diese Medien machen, unter den höheren Erwartungen versteckt und man ggf. diese Medien gar nicht mehr positiv wahrnehmen kann. Quasi das Unvermögen, den Istzustand zu genießen, weil der Sollzustand noch besser ist.

2) Diese höheren Erwartungen werden oft auch in der feministischen Diskussion gegen sich selbst gesetzt bzw. den feministischen Mainstream (wenn es denn so etwas gibt), die diese dann durchaus ernst nehmen. Bei vermeintlich anders denkenden Menschen werden diese Erwartungen nicht nur oft enttäuscht, sondern oft nicht einmal mehr gesetzt. Und damit sind wir bei der AfD.

Ernst nehmen solle man die Wähler_innen und ihre Nöte und Sorgen. Man solle sie nicht als dumm abtun, nicht die Diskussion mit den Nazis verweigern, nicht auf ihre Tonart wechseln, sich aber auch nicht mit ihnen gemein machen. Das sind extrem hohe Anforderungen in einer sehr stressigen Zeit, wie ruhig und geduldig und verständnisvoll man Menschen begegnen soll, die zumindest Nazi-Tendenzen in einer Partei nicht disqualifizierend finden. Die auch nichts dagegen haben, dass die AfD den Klimawandel leugnet. Und so einiges anderes.

Damit haben diese Wähler_innen doch ihr Ziel erreicht. Sie haben gepoltert, sie haben gebuht und gepfiffen, gepöbelt und krakeelt. Sie haben Diskussionen verweigert und unmöglich gemacht, sie haben unmenschliche Politik gewählt – und jetzt werden sie ernst genommen und alle kümmern sich darum, wie man diesen Menschen gerecht werden kann.

Und Feminist_innen? Die sollen nicht laut werden, nicht pöbeln oder krakeeln, wenn sie angehört werden wollen. Und wenn sie brav gewartet haben – dann kommen die Pöbler und sind wichtiger.

Da habe ich ehrlich gesagt im Moment wenig Kraft zu, da lasse ich mir meinen AfD-Wähler-sind-doof-Witz nicht nehmen. Ihr versteht das sicherlich, zumindest erwarte ich das von euch.

Listen mit Flausch: 7 Dinge über ES

In which I go and blog again.

  1. Derry. Derry ist die Stadt, in der ES spielt. Derry ist ein Ort der Verschwiegenheit. Die Kinder verschwinden, die Erwachsenen sehen weg. Egal, was ist, die Erwachsenen sehen weg — oder sind selbst die Täter_innen. Die Kinder und Hauptfiguren haben entsprechend keine Hilfe zu erwarten, vielmehr leiden sie unter ihren Eltern. So weit das Buch. Im Film wird das nur stellenweise deutlich. Dadurch gerät die Thematik des Erwachsenwerdens, der Abkapselung von Autoritäten ein wenig in Verschwommenheit. Diese Dinge werden entsprechend gesagt, aber weniger gezeigt.
  2. Klang. Schaut euch diesen Film an: How to make music scary (4 min). Diese Musik wird in ES wummernd über euch gegossen, wieder und wieder. Das ist ein Trick, der durch Wucht und Masse an Wirkung verliert. Manchmal gibt es auch Krach. Oder Rockmusik als Pointe.
  3. Ton. Auch die Stimmung des Films ist unausgewogen. Wenn die Kinder sich gegen ihre Peiniger wehren, erklingt harter Rock, gleichzeitig beginnt das Ganze mit einem Gag. Ist das nun eine witzige Szene, oder ein Triumph, oder ist es den Filmatisten scheißegal? Ebenso die Gruselei. Da wechselt es von verstörenden Bildern zu hektischem Geschüttel zu Bombast zu minimalem Splatter (nur subtil ist es nie). Dadurch wird immer wieder die Spannung gebrochen, weil die nächste Veränderung kommen muss — und sie springt uns wahrscheinlich auch noch ins Gesicht.
  4. Frauen. Es gibt eine Bibliothekarin. Ansonsten kommen genau zwei Frauen vor: Eddies Mutter wird betont mit ihrer Körperfülle gezeigt und diese als Pointe benutzt, wie es den Vätern des Films nicht ergeht. Die sind zwar schmierig, aber klar dominant—maskulin. Die Mutter ist ein fetter Witz wie Howards Mutter in der Big Bang Theory. Die dritte weibliche Figur mit mehr als einer Szene ist ein Papierboot, weil wir zwei Mal hören, dass Boote weiblich sind.
  5. Und dann ist da noch Beverly. Im Buch ist Beverly arm und wird von ihrem Vater geschlagen. Der Film hat auch hier wieder tonale Schwierigkeiten. Beverly wird recht klar von ihrem Vater missbraucht. In der Schule gibt es Gerüchte über ihre angebliche Hypersexualität. Sie lenkt mit sexuellen Anspielungen einen Erwachsenen ab. Schon das wird eher neutral bis positiv gezeigt, nicht als seltsame Folge ihrer Erfahrung. Sie ist auch eindeutig Objekt der Begierde von allen Jungs, zwei Jungs insbesonders. Beide Jungs werden sie ungefragt küssen, und Beverly wird das gefallen. Diese Übergriffigkeit fällt den Filmatisten nicht auf, ebensowenig, dass sie bei Erwachsenen raubtierhafte Begierde als bedrohlich zeigen, bei Kindern aber ebenso inszenieren, mit dem Unterschied, dass es um Gleichaltrige geht.
  6. Die Kids. Wir müssen heutzutage in so einem Film nicht mehr 6 Jungs und ein Mädchen haben, nicht mehr 6 weiße und eine Minderheit, nicht mehr nur heterosexuelle Kinder usw. Hollywood ist weiter. Wobei die Darsteller allesamt gut sind, und Sophia Lillis ist großartig als Beverly. Ich möchte auch noch die Szene erwähnen. Im Roman verbrüdern sich die Kinder (sic), indem sie nacheinander mit Beverly schlafen. Das ist quatsch und unfilmbar und passiert hier auch nicht. Gut so.
  7. Flausch. ES hat eher geringen Flauschfaktor. Auch die Freundschaft der Kinder hat eine Umarmung und wenig Kuschelei. Das ist bei einem Gruselfilm auch wenig verwunderlich. 

Am Ende ist ES okay, aber problembehaftet, vor allem dadurch, dass es eher brachial vorgeht und wenig Sinn für thematische Klarheit, konsequente Atmosphäre und Subtilität hat. Aber gute Darsteller und ein paar Schocks. Der Schlaf ist aber nicht gefährdet.