Archiv | August 2015

Jackie Brown

Inhalt: Quentin Tarantino, Rassismus, Sexismus, Coolness

Nach dem großen Erfolg von Pulp Fiction drehte (und schrieb) Quentin Tarantino mit Jackie Brown so ziemlich das Gegenteil davon. Jackie Brown kam bei der Kritik gut an, aber traf nicht so ganz die Erwartungen der Zuschauerinnen.

Jackie Brown erzählt eine recht komplexe Geschichte, in der die Vorhaben des Waffenhändlers Samuel Jackson, die Untersuchungen des Polizisten Michael Keaton sowie die Vorhaben von Nebenfiguren aneinander geraten – und mitten drin ist Pam Grier als die Titelfigur, die weder ins Gefängnis will (wie arbeitet mit Odell zusammen) noch von Odell als Zeugin umgebracht werden. Also gibt es noch ihren eigenen Plan. Daneben wird aber auch erzählt, wie Pam Grier und der Kautionshändler Robert Forster sich verlieben. Entsprechend ist der Film auch 2 1/2 Stunden lang.

Das bemerkt man allerdings kaum.

Tarantino ist ja für mich in einer seltsamen Position, weil er einerseits oft diverser und offener inszeniert und besetzt als typisches Hollywood, andererseits aber von einer wenig reflektierten Position zu kommen scheint und daher immer wieder problematisch sexistisch oder rassistisch ist.

So kommen in seinen Büchern immer wieder ziemlich viele Benutzungen des N-Wortes vor, was von einem weißen Typen nicht so unkritisch ist, wie er das gerne darstellt. Auch inszeniert er starke Frauen, liebkost diese aber auch mit der Kamera, dass wieder fraglich ist, wo die Objektifizierung anfängt.

In Jackie Brown lässt Samuel L Jackson die N-Worte ab (und meint damit in mindestens einem Fall auch einen Weißen). Dafür wird Bridget Fonda in ihrer Rolle als sexuell aufgeschlossene Kifferin fast nur im Bikini-Top und Shorts gezeigt, und immer wieder sieht man auch ihre nackten Füße (Tarantino ist ein Fan von Frauenfüßen).

Andererseits aber ist eine ernsthafte (und so glaubwürdige) Romanze zwischen Personen über 40 für Hollywood absolute Seltenheit, und Pam Grier und Robert Forster sind großartig in diesen Rollen. Auch ist es selten, dass eine Frau Hauptfigur eines Gangsterfilms ist und noch dazu ohne Femme Fatale zu sein; dass eine Frau über 40 (Grier war 48 beim Dreh) Hauptfigur ist und noch dazu so sexy und wenig mütterlich sein darf; dass eine Schwarze Hauptfigur (und moralische Instanz) sein kann. Jackie Brown vereint dies alles und zeigt auch, wie gut das funktionieren kann. Mit Sam Jackson und Tony „Tiny“ Lister sowie Chris Tucker in Nebenrollen gibt es weitere Rollen für PoC, während Bridget Fonda und Hattie Winston weibliche Nebenfiguren mit Eigenleben sind und nicht nur Beiwerk.

Darüber hinaus wird auch auf solche Dinge geachtet. So thematisiert der Film auch in Dialogen (kurz), dass eine Schwarze bei der Polizei und nach Problemen mit der Polizei vielleicht nicht ganz fair behandelt wird. Sam Jackson bekommt Probleme, gerade weil er meint, die Frauen in seiner Umgebung einschätzen und kontrollieren zu können. Trotzdem wird auch genug über Frauen und Sex geätzt, um dies nicht zu einem feministischen Essay zu machen.

Jackie Brown spielt in den Neunzigern, die aussehen wie die Siebziger. Auch die Musik und die Filme, die Sam Jackson und Bridget Fonda sich ansehen, stammen aus dieser Zeit. So ergibt sich ein cool aussehender Film mit teilweise tollen Einstellungen, die gleichzeitig aber abgerissene Umgebung zeigen. Die Musik und das Sound Editing sind bei Tarantino ja immer sehr effektiv, um Atmosphäre zu schaffen und zu kommentieren. In Jackie Brown verwendet Tarantino oft diegetische Musik (also Musik, die auch in der Szene selbst zu hören ist, z.B. aus dem Radio), was die Figuren charakterisiert und uns auch teilweise in die Szene einbindet. Da Jackie Brown von einer Vorlage von Elmore Leonard stammt, gibt es auch sich cool findende Verbrecher, die nicht so cool und schlau sind, auch wenn Sam Jackson nicht ganz so dämlich ist wie andere Kreationen Leonards.

Insgesamt ist Jackie Brown ein sehr unterhaltsamer, sehenswerter Film, der genüsslich und ruhig erzählt, Humor und Spannung sowie auch Romantik und Sex Appeal enthält (Pam Grier im Hosenanzug: Wow!). Ein rundum gelungener Film, den ich lange Zeit für Tarantinos Besten hielt (bis Inglourious Basterds bis Django Unchained).

Übersicht: Comics, die ich lese

…und ggf. bespreche

  • The Wicked and The Divine
  • Bitch Planet
  • Unbeatable Squirrel Girl
  • Lumberjanes
  • The Spire
  • Trees
  • Broken World
  • Deep State
  • Giant Days
  • The Midas Flesh
  • Saga
  • Black Widow
  • Ms Marvel
  • Lazarus
  • Velvet
  • Southern Cross
  • The Walking Dead (lese ich nicht mehr, rezensiere ich aber vielleicht)

Ich habe immer Interesse an Comics mit diversen Charakteren, gerne PoC und/oder Frauen, die nicht sexualisiert werden. Superhelden sind nur sehr begrenzt mein Ding, wie man oben vielleicht auch erkennt. Habe aber auch da ein paar Sachen gelesen, die nicht mehr fortgeführt werden (oder unter anderen Leuten) bzw. Sachen angelesen.

Jurassic World

Vorsintflutlich.

Inhalt: Sexismus, Dinozentrismus, 50er-Jahre-Moral

Ich erinnere mich noch daran, dass ich Jurassic Park im Kino gesehen habe, und wie überwältigend das war. Umso schlimmer, dass die besten Szenen von Jurassic World an den ersten Teil erinnern, diesen aber nicht übertreffen. Außer in der konservativen Figurengestaltung.

Der Plot jedenfalls ist nicht zu komplex und recht eindeutig. Jurassic World ist seit 20 Jahren ein Hit unter den Vergnügungsparks, aber neue Attraktionen müssen her. Die neueste Attraktion kommt frei und bedroht den Park. Chris Pratt und Bryce Dallas Howard retten erst zwei kleine Jungs und dann den Park. Angereichert wird das ganze mit böse meinenden Industriellen, wohlmeinenden Industriellen (ein und dieselbe Person), Militaristen, Gehässigkeit gegen Frauen und einer Pseudo-Naturbotschaft.

Der Plot ist also okay, aber das Drehbuch ist trotzdem zu kritisieren, und zwar darin, wie es mit den weiblichen Figuren umgeht (und den wenigen nicht-weißen Menschen). Als da wären: Bryce Dallas Howard, die den Vergnügungspark leitet. Sie ist zu Beginn in einem engen weißen Kostüm und wird als kalt dargestellt, weil sie sich nicht selbst um ihre Neffen kümmert, sondern ihre Assistentin dies tun lässt. Der böse Dino ist übrigens auch weiß wie ihr Kostüm – Zufall? Im Laufe des Films wird sie dann mehr und mehr von ihrem Oberkörper entblößen, weil sie von ihrem hohen Ross runtersteigt (vermeintlich) – ihre High Heels wird sie aber behalten, ob sie nun durch den Dschungel rennt oder vor einem T-Rex flieht. Sie nutzt keine Gelegenheit, um sich zumindest mal Stiefel anzuziehen (die Gelegenheit würde es geben).

Schlimmer noch: sie wird vom Skript beständig runtergemacht. Da rettet sie mit Chris Pratt die beiden Neffen, und die finden natürlich Pratt ganz toll. Und dann rettet sie Pratt das Leben. Pratt küsst sie daraufhin ungefragt – was sie toll findet – und die Neffen sagen in der nächsten Szene, dass sie nun auf jeden Fall in der Nähe bleiben werden: weil Pratt sie beschützen kann. Kein Wort darüber, dass dieser tolle Beschützer gerade von ihrer vermeintlich biederen Tante gerettet wurde. Und als die Kinder dann noch einmal sagen, dass ihr Freund so toll sei, errötet Howard, anstatt mal darauf hinzuweisen, dass sie gerade einen Geländewagen auf Dinojagd steuert.

Nebenbei wird der ältere Neffe mit einer Freundin daheim dargestellt und bekommt dennoch mehrere Szenen, wo er im Park hübsche Mädchen anglotzen kann. Jungs eben, gell? Zumindest in Skript-Entscheidungen.

Der Hammer ist dann aber die Assistentin von Howard. Die soll ja auf die Jungs aufpassen und gleichzeitig Termine koordinieren. Sie verliert die Jungs aus dem Auge, als eine Panik ausbricht. Später greifen Flugsaurier an und es gibt kurze, wenig detaillierte Action. Und dann wird die Assistentin ausführlich und brutal von Sauriern getötet in einem Sadismus, der sonst in diesem Film nicht vorkommt, kein Bösewicht bekommt so einen Tod wie diese harmlose Assistentin und einzige andere prominente Frauenrolle.

Wobei es noch eine Programmiererin gibt. Als die Insel geräumt wird, muss eine Person an den Rechnern bleiben, und sie bringt sich in Sicherheit, während ihr männlicher Nerd-Kollege bleibt und den Helden markiert.

So ein ekelhafter Sexismus ist mir lange nicht untergekommen.

Es gibt zwei prominente PoC sowie eine winzige Rolle für einen Genforscher, der ungeschoren davonkommt. Die anderen beiden sterben. Der eine PoC ist der Chef des Parks und wird gleichzeitig als Gutmensch dargestellt (als Kontrast zu Howard) und als knallharter Kapitalist (der an der Misere mit Schuld ist). Diese Person baut Scheiße und stirbt nicht nur, sondern ist mit für den Angriff der Flugsaurier verantwortlich.

Gänzlich raus aus der Nummer ist Chris Pratt. Der darf sexistische Sprüche machen, mit denen er auf die Libido seiner Chefin anspielt und trotzdem der liebenswürdige Machoheld sein, den das Kino der Fünfziger braucht. Natürlich kriegt er am Ende das Mädchen.

Und dann steht da ein T-Rexs und brüllt und soll uns etwas sagen, aber außer, dass die Effekte ganz gut waren, habe ich Jurassic World als abwechselnd langweilig – weil ich die Figuren furchtbar fand und nicht mitfühlte – und ärgerlich erlebt – weil ich die Figuren furchtbar fand. Ich kann erkennen, dass die Actionszenen gelungen waren und, wenn man mit weniger Missgunst guckt, ist das vielleicht ganz ansehnlich inszeniert. Bei mir hat es nur nicht funktioniert.

Sense8

Sense8 ist eine Serie, in der 8 Menschen ihre Sinne teilen können. Sie wurde von den Wachowskis (Matrix) und J. Michael Straczynski (Babylon 5) für Netflix produziert in dem Wissen, dass die ganze Staffel auf einmal zu konsumieren ist.

Das bedeutet, dass sich die Serie viel Zeit lässt, um Plots zu entwickeln. Wir sehen in jeder Folge (fast?) alle 8 Personen und ihre eigenen Geschichten, die sich erst in der zweiten Hälfte der Staffel langsam kreuzen. Interessant dabei ist, dass die individuellen Geschichten unterschiedliche Genres bedienen – Herzschmerz, romantische Komödie, Gangsterfilm, Sozialdrama. Leider bleiben die Plots insgesamt sehr einfach – das Schöne an einer Serie ist ja eigentlich, dass komplexe Geschichten erzählt werden können, hier werden aber ziemliche Standard-Sachen abgespult, die nur besonders werden, weil Momente sich überschneiden.

Auch muss man den Wachowskis zubilligen, dass sie große Gedanken haben. Aber sie hauen diese Ideen mit einer Ernsthaftigkeit und Direktheit heraus, dass man entweder voll mitgeht oder sich etwas abgestumpft fühlt. Es ist Holzhammer-Fernsehen.

Toll ist, dass die Serie tatsächlich auch an Standorten rund um die Welt spielt und auch die Figuren international und divers sind. Wir haben ein lesbisches Liebespaar mit einer Transfrau, die auch von einer Transfrau gespielt wird. Der Berliner Gangster ist auch in Berlin. Es gibt 4 Männer und 4 Frauen, davon 2 homosexuelle Figuren und 4 PoC (2 männlich, 2 weiblich). Das ist extrem begrüßenswert, und toll ist zudem, dass die beste Love Story die erwähnte Geschichte der beiden Frauen ist.

Die Bilder sind auch teilweise beeindruckend. Mit Zeitlupenaufnahmen und Zoom-Effekten, vor allem in HD gefilmt und farbenfroh lässt sich Sense8 wirklich sehen.

Das Problem ist einfach die Dauer und die Schwere. Immer wieder gleicht die Serie einer Predigt von einer sehr wohlmeinenden Predigerin, die aber nicht zum Punkt kommt und nur ihre Botschaft im Kopf hat. Es gibt viel zu wenig Leichtigkeit, zu wenig Tempo, zu wenig Spielerei, man wird nur abgewatscht mit der Idee der Serie, dass Empathie ein evolutionärer Vorteil sei – was gleichwohl trotzdem nicht verhindert, dass die Figuren mitunter mal jemanden zusammenschlagen oder erschießen, wenn diese Leute nur richtig böse sind.

Das Konzept von Sense8 ist toll, die Darsteller, die Figuren passen auch. Aber die Geschichten, die erzählt werden, sind einfach unterkomplex, und die Figuren bleiben es dadurch auch. Scherenschnitt in Zeitlupe und ohne Witz ist letzten Endes ein „gut gemeint, aber nicht gut gemacht.“

Mission: Impossible – Rogue Nation

(hiernach M:I5)

(Inhalt: Sexismus, Action, Tom Cruise)

Die Mission:Impossible-Reihe steht für moderne Spionage-Action und Lust am Ausprobieren. Die 5 Filme wurden inszeniert von Brian dePalma, John Woo, JJ Abrams, Brad Bird und nun Christopher McQuarrie – fünf recht unterschiedliche und zumindest teilweise namhafte Regisseure. Ohne den Aussetzer von Teil 2 wurden die Filme zumal immer besser. Teil 5 auch?

Plot-Check: Die Elemente sind klar: Tom Cruise muss auf eigene Faust operieren, es gibt Verräter an höchster Stelle, irgendwann wird Cruise von einer Explosion zur Seite geschleudert, Cruise zieht sein Hemd aus. Der Bösewicht will irgendein Staatsgeheimnis, Cruise muss es beschaffen und bestiehlt die „Guten“. Mehr oder weniger kommen diese Elemente auch in M:I5 vor. Ansonsten ist der Plot sehr verzahnt und etwas undurchsichtig. Cruise jagt Solomon Lane, den Anführer des „Syndikats“. Lane hat die für Bösewichte beliebte Form der Intelligenz, mit der er nahezu alle Ereignisse vorhersehen kann, was bedeutet, dass das Drehbuch ihn einfach auftauchen oder gewinnen lassen kann, ohne dass uns Zuschauern das klar ersichtlich wäre. Ansonsten ist eigentlich meistens klar, was in einer Szene genau erreicht werden soll.

Figuren-Check: Auch typisch, dass es genau eine wichtige Frauenrolle gibt. In M:I5 ist dies Ilsa Faust, am Namen klar als britische Agentin zu identifizieren. Newcomerin Rebecca Ferguson spielt Ilsa, und immerhin hat diese eine eigene Motivation und eine eigene Entwicklung, außerdem kann sie körperlich fast mit Cruise mithalten und sogar wichtige Kämpfe alleine bestreiten oder Cruise retten. Allerdings tritt sie auch wiederholt betont sexy auf: in High Heels, mit einem Kleid mit langer Schleppe und hohem Schlitz, im Bikini, in Unterwäsche, usw.

Die eine Frau und eine fast völlig weiße Besetzung (Ving Rhames ist die einzige Ausnahme, die mir in den Sinn kommt) sind also nicht so schön.

Ansonsten geht die Besetzung in Ordnung, M:I5 braucht wie seine Vorgänger eher Typen und keine komplexen Charakterdarstellerinnen. Philip Seymour Hoffman aus Teil 3 bleibt der beste Bösewicht der Reihe, aber auch ohne große Anstrengung sind Jeremy Renner, Simon Pegg und Rhames unterhaltsam.

Tom Cruise ist außerdem Tom Cruise. Er hat es geschafft, seine negative Presse durch den Mythos seines Arbeitseinsatzes zu übertrumpfen, und tatsächlich ist es erstaunlich, was Cruise in seinem Alter noch für Actionszenen hinkriegt. Ebenso erwähnenswert, dass er in allen Filmen dieser Reihe möglichst auf praktische Effekte setzt und dann mit Computern lieber Sicherheitsseile retuschiert, anstatt gleich alles am Rechner zu machen. Dadurch hängt Cruise eben wirklich an einem abhebenden Flugzeug, und wir sehen einen langen Take von ihm unter Wasser ohne Atemgerät. Das hilft bei dieser Art Film ungemein.

Produktions-Check: Die Figuren sind typisiert, der Plot geradlinig und wenig aufregend, aber was M:I5 ausmacht sind die Stunts. Diese sind wirklich sehenswert. Zwar fehlt dem Film bisweilen der Humor des letzten Teils auch in den Actionszenen, aber es ist schon eine Kunst, Spannung zu erzeugen bei einer Figur, die im Film als „menschliche Verkörperung des Schicksals“ bezeichnet wird. Das gelingt auch durch die klare Motivation und Kameraeinstellungen, die beim Zuschauen nicht verwirren und nur Bewegung simulieren, sondern tatsächlich die Choreographie und die Örtlichkeit erkennen lassen.

Die Musik bedient sich oft am klassischem Thema der Reihe. Eine längere Szene spielt während einer Aufführung von Turandot und „Nessun Dorma“ wird das romantische Thema des Films. Kann man wenig gegen sagen, ist ja bewährte Musik.

Fazit: Insgesamt ist M:I5 für mich der zweitbeste Film der Reihe, weil mir in M:I4 das Zusammenspiel des Teams noch besser gefiel und mehr Leichtigkeit auch in der Action war. Aber die Entscheidung ist knapp, und ich finde es auch bezeichnend, dass M:I5 die bislang beste weibliche Figur der Serie präsentiert (wenn auch immer noch mit Augenmerk auf sexy), wohingegen sich James Bond gerade in Skyfall wieder konservativeren Zeiten annäherte. M:I5 ist einfach der bessere Bond, und das noch vor dem Kinostart von Spectre (wobei auch noch der Plot so ähnlich klingt).

Sehr gute Popcornunterhaltung!

Life is strange

Inhalt: Rape Culture, Mobbing, Zeitreisen

Life is strange ist ein Episodenspiel für PC, X-Box und Playstation. Die erste Episode ist einzeln zu kaufen, die anderen vier Folgen gibt es in einem Staffelpass und erscheinen nach und nach. Zu diesem Zeitpunkt sind allerdings bereits 4 Folgen erschienen, die fünfte soll wohl in der zweiten Oktoberwoche 2015 erscheinen.

Plot-Check: Es ist nicht so einfach, die Stärke des Plots komplett abzuschätzen, weil die letzte Folge noch fehlt und naturgemäß wichtige Geheimnisse und Spannungsbögen offen sind. Die Auflösungen können jeweils sehr enttäuschend ausfallen. Was ich bisher gesehen habe, ist allerdings überzeugend.

Das Konzept des Spiels besteht darin, dass man die Hauptfigur steuert, es aber auch vorgefertigte Sequenzen gibt, bei denen man an bestimmten Stellen entscheiden kann, wie sich die Figur weiter verhalten soll – machen wir zum Beispiel ein Beweisfoto von einem pöbelnden Kerl oder schreiten wir lieber ein, um dem bepöbelten Mädchen zu helfen. Diese Entscheidungen verändern das weitere Geschehen kurz- oder auch langfristig und nicht immer in vorhersehbarer Weise. So habe ich meine Zimmerpflanze fleißig gegossen, und am dritten Tag war sie ertränkt.

Die Schwierigkeit bei diesen Spielen ist nun, Entscheidungsspielräume zu geben, die erzählerisch bedeutsam sind und sich auch auswirken auf den Verlauf – so weit das bei einem Spiel, das programmiert werden muss, möglich ist. Jedenfalls sollte es nicht nur eine Frage sein, ob die Zimmerpflanze nun noch lebt oder nicht.

Dabei weiß ich nicht, wie sehr sich meine Entscheidungen der ersten vier Folgen auf den Verlauf tatsächlich auswirken. Es gibt für mich gefühlt nur zwei oder drei Momente, in denen wirklich von Belang ist, was ich vorher tat. Alles andere sind Kleinigkeiten, die dann in freundlicherem oder weniger freundlichem Umgang oder einem zusätzlichen Dialog ihre Auswirkung finden. Was mir aber reicht, weil ich dadurch tatsächlich das Gefühl habe, mir diese Freundlichkeit (oder Unfreundlichkeit) verdient zu haben.

Besser sieht es aber bei der Bedeutsamkeit aus. Dontnod hat immer wieder Situationen, in denen ich mich zwischen zwei schlechten (oder guten) Alternativen entscheiden musste, in denen es für mich keine klar „beste“ Lösung gab. Das führte dann dazu, dass ich schnell vergaß, nach den Vorteilen und Nachteilen von Alternativen zu suchen und stattdessen so zu handeln, wie ich es (als Max) für richtig hielt. Also nicht den Kampfhund verletzen, damit der später nicht angreifen kann – einen Hund verletze ich nicht böswillig. Diese Dilemmata bei den Entscheidungen machen einen großen Teil der Spannung für mich aus.

Jetzt aber zur Story:

Im Grunde genommen geht es darum, dass die Teenagerin Maxine mit 18 Jahren an ihren Geburtsort zurückkehrt, um dort zu studieren. Sie hat ihre ehemals beste Freundin Chloe seit 5 Jahren nicht gesehen und hatte auch keinen Kontakt zu ihr (wie das manchmal so ist, wenn man wegzieht) und ist deshalb etwas unsicher. Da hat sie plötzlich eine Weltuntergangsvision und entdeckt auch noch, dass sie in begrenztem Maße die Zeit zurückdrehen kann. Was nun?

Um dieses Grundgerüst versammeln sich diverse Figuren, allen voran natürlich Max’s Mitschülerinnen und Chloe, aber auch andere Bewohner der Stadt. Die Thematik erweitert sich um Mobbing und Cybermobbing bis hin zu dem Problem, dass Mädchen bei Partys unter Drogen gesetzt werden. Dabei erlaubt die Zeitreise es, die möglichen Entscheidungen in der Regel (aber nicht immer) durchzuspielen und sich ganz gezielt für die zu entscheiden, die einem am Besten zusagt. Ich habe mich zum Beispiel schnell dazu entschlossen, in einem Spiel mit den obigen Themen totale Solidarität zu verfolgen und auch der blödesten weiblichen Figur Zuspruch zu geben sowie mich gegen die Männerwelt abzusichern.

Das war eine sehr interessante Erfahrung. Mein Instinkt als männlicher Spieler und als Spielerin von Heldenfiguren ging dahin, sich an die Autoritäten zu wenden. Bösewichte zu bestrafen. Sich darauf zu verlassen, dass am Ende alles gut geht. Ich musste mich darauf konzentrieren, wie ein junges Mädchen zu denken. Dass die Polizei nicht immer hilft. Dass Rektorinnen vielleicht bei Mobbing nicht helfen wollen oder können. Dass man ständig bedroht ist und sich eben nicht darauf verlassen kann, dass alles gut geht. Umso lohnenswerter war es, dass Life is strange diese Sichtweise und Spielweise bestätigt.

Den Gerüchten nach wollte kein us-amerikanischer Spieleverlag das Spiel herausbringen, sodass dontnod sich an die japanische Firma Square Enix wenden musste. Grund für die Ablehnung war es, dass dieses Spiel eine weibliche Hauptrolle hat, noch dazu eine relativ durchschnittliche (wenn auch zeitreisende) Teenagerin. Ich kann mir aber vorstellen, dass auch problematisch war, wie sehr sich Life is strange auf die Perspektive einer solchen Figur einlässt, und wie sehr sich die Männer hier immer wieder als wenig vertrauenswürdig erweisen (mit Ausnahme der romantischen Option). Keinen strahlenden weißen Ritter zu haben, aber eine Thelma-und-Louise-Dynamik, dass war sicher auch nicht leicht zu verkaufen. Ist aber toll.

Toll ist, dass hier deutlich eine Perspektive der Opfer eingenommen wird. Es gibt zum Beispiel ein Partyvideo, mit dem eine Schülerin gemobbt wird, aber wir hören nur von seinem Inhalt. Wir können es nicht angucken, es wurde nicht programmiert. Es gibt keine Sexualisierung der Figuren. Gleichzeitig gibt es deutlich wohlmeinende Typen, die aber dennoch versagen und nicht helfen, obwohl sie sich wahrscheinlich für total hilfsbereit halten. Umso cooler, dass man als Max die Chance hat, einen besseren Weg zu gehen. Es gibt ein ganz besonderes Beispiel für die Art, wie Life is strange agiert, aber das werde ich übermorgen in einem Spoilerbeitrag ausführen.

Ein Hinweis noch: auf der Playstation läuft im Hauptmenü neben Werbung für die Folgen auch die Botschaft, dass es auf der Webseite von dontnod Anlaufstellen gibt, sollte sich jemand von der Thematik in diesem Spiel so betroffen fühlen, dass sie Hilfe oder Gespräche braucht.

Figuren-Check: Auch hier kann ich nur voll des Lobes sein. Dontnod versucht merklich, auch die Nebenfiguren mit Komplexität und Eigenleben zu füllen. So gibt es zwar deutliche Antagonistinnen, aber keine einfachen Bösewichte. Es sei denn, wir behandeln sie als solche. Wer den Figuren also eine Chance gibt, sie kennenzulernen, entdeckt auch Facetten, und daher lohnt es sich immer wieder, auch mit Außenstehenden zu reden. Ein Beispiel ist ein Polizist, den wir nur einmal sehen, und der eigentlich nur ein paar Infos ausspucken muss, wenn wir das richtige Stichwort ansprechen. Aber wir erfahren, dass dieser Polizist von einer reichen Familie am Ort bestochen wird. Und vom Polizisten erfahren wir auch, dass er sich einmal auf ein Geschäft mit dieser Familie einließ (um seiner eigenen Familie zu helfen) und nun nicht mehr aus der Sache rauskommt. Ist der Polizist nun vertrauenswürdig oder nicht? Ein Helfer oder ein potentieller Schurke? Es ist eben nicht so einfach hier.

Dabei dreht sich alles um die Beziehung zwischen Chloe und Max. Max wird ja zum Teil durch unsere Entscheidungen charakterisiert, umso wichtiger, dass Chloe eine gute Figur ist. Und das ist ein Hammer, wie Chloe und die Freundschaft der beiden funktioniert (es ist auch möglich, dieser Freundschaft zumindest ansatzweise romantische Töne zu geben, wenn man will). In guten Momenten merkt man, wie toll diese beiden zusammenpassen. Aber Chloe hatte es nicht einfach: ihr Vater starb, dann zog die beste Freundin weg und meldete sich nicht mehr, und ihre letzte beste Freundin ist nun auch verschwunden. Sie ist aggressiv, aufbrausend, provozierend. Chloe ist tatsächlich die beste Freundin, die es geben kann – aber sie ist auch mitunter anstrengend und schwer zu ertragen. Das macht die Freundschaft umso spezieller: Chloe und Max halten eben wirklich auch in den harten Momenten zusammen.

Ich habe wirklich schnell angefangen, an diese Freundschaft zu glauben (und auch die Figuren um sie herum wertzuschätzen), und empfinde diese Komplexität als etwas Besonderes und die Freundschaft als besonders schützenswert. Mich hat überhaupt nicht gestört, dass Life is Strange sich überwiegend mit Max und Chloe beschäftigt und die Geheimnisse um verschwundene Mädchen und tödliche Wirbelstürme nur langsam enthüllt werden.

Produktions-Check: Ich habe mehrfach gehört, dass die Dialoge in Life is strange manchmal doch sehr nach Erwachsenen klingen, die Teenager nachmachen. So gut kenne ich dann Teenie-Sprache in den USA doch nicht, dass ich das als störend empfunden hätte. Die Dialoge korrespondieren nur grob mit den Lippenbewegungen der Figuren, und auch die Mimik der Figuren ist nicht immer sehr aussagekräftig. Aber doch gut genug, dass man die Figuren kennenlernt. Es gibt einzelne Stellen, an denen das Rückspulen nicht ganz so präzise klappt oder an denen kleine Bildfehler auftreten.

Das sind aber für mich nur Kleinigkeiten in einer ansonsten sehr überzeugenden Präsentation. Life is strange ähnelt sehr einem Independent-Film wie Juno und schafft durch entsprechende (manchmal schräge) Kameraperspektiven und Gitarrenmusik eine angenehme Atmosphäre, die zwischen Kleinstadt-Drama und Thriller springt. Auch das Design und die Beleuchtung der Örtlichkeiten ist sehr effektiv, wobei besonderer Nutzen daraus entsteht, Örtlichkeiten mit leichten Änderungen (durch Zeitreisen) oder bei Tageslicht und bei Nacht (vom Handy beleuchtet) darzustellen.

Fazit: Life is strange ist ein einfühlsam erzähltes Spiel um eine Frauenfreundschaft, bei der nebenher ein Mystery-Plot mit Zeitreisen gelöst wird. Die komplexen Figuren und der ehrliche Blick auch auf Probleme eines patriarchalen Systems bereichern das Spiel ebenso wie die Möglichkeit, durchweg solidarisch den Frauen gegenüber und misstrauisch den Männern gegenüber sein zu können. Dabei schreibt sich das Spiel sicher nicht auf die Fahne, revolutionär sein zu wollen, aber dass Max in einem Graffiti als Feminazi beschimpft wird, passt schon. Besonders hervorzuheben ist, dass bis zur vierten Folge die Opfer von Gewalt und Sexismus diese nicht live im Spiel erleben und dass Max keines dieser Opfer geworden ist. Als Spielerin muss man diese Traumata also nicht explizit durchleben, sondern kann sich darauf beschränken, die Urheber zu bekämpfen.

Eine klare Kaufempfehlung von mir und ein Hinweis: Ich habe am Ende der dritten Folge Bedenken (wegen möglichem Ableismus) gehabt. Zu Beginn der vierten dann Rotz und Wasser geheult (wobei meine Bedenken fort waren). Warum, werde ich in einem weiteren Beitrag erklären, der aber dann Entwicklungen im Spiel verrät. Dieser Beitrag ist dann über untigen Link zu erreichen.

Spoiler-Ecke

Arrow – Staffel 1

Inhalt: erlösende Gewalt, Superheldinnen

Plot-Check: Oliver Queen war fünf Jahre verschollen: die Yacht des Milliardärs Robert Queen sank mit Robert, Oliver, Olivers Liebschaft und noch einem Typen an Bord, und Oliver rettete sich auf eine Insel. Als er dort fünf Jahre später gefunden wird, ist aus dem Playboy ein Mann geworden, der sich geschworen hat, die Korruption in seiner Heimatstadt auszumerzen. Dazu hat er einerseits eine Liste mit korrupten Menschen, andererseits einen Bogen und enorme körperliche Fähigkeiten, die er mit einer Kapuze bekleidet einsetzt.

Im Verlauf der ersten Staffel kommt es zu Konflikten mit Olivers ehemaliger Liebe, seinem besten Freund, seiner Familie (Mutter, Stiefvater, Tochter), seinem Bodyguard, einer IT-Spezialistin, … und Oliver deckt eine Verschwörung auf, die gleich einen ganzen Stadtteil seiner Heimat bedroht und von dem „dunklen Bogenschützen“ beschützt wird. Also viel Spielraum für Drama und interne Konflikte. Und für Action. Nebenher gibt es immer Rückblenden zu Olivers Zeit auf der Insel, welche nicht so verlassen war, wie man zuerst glauben mochte.

Insgesamt ist der Plot nur selten wirklich überraschend. Man kann ziemlich gut erahnen, welche Hürden sich als nächstes auftürmen, wie bestimmte Konflikte sich auflösen, welche Figuren vielleicht auch sterben. Die Serie ist diesbezüglich nicht besonders mutig. Allerdings verläuft alles stringent und nachvollziehbar, wenn auch nicht immer glaubwürdig – natürlich verliebt sich die Tochter einer der reichsten Familien in einen Habenichts aus dem Ghetto, und natürlich ist der wiederum ein echt guter Kerl ohne wirkliche Probleme. Natürlich geht die Sozial-Anwältin auch bei Androhung eines Terroranschlags noch in ihre Praxis im Ghetto, um dort Akten zu retten (oder was auch immer) – wer soll sie sonst dort retten? Und so weiter.

Größtes Problem ist hier, was zum Genre gehört, in Serien aber für mich immer schwerer wiegt als in Actionfilmen, weil diese Serien immerhin theoretisch die Zeit hätten, komplexer zu erzählen: der Mythos der erlösenden Gewalt. Und zwar ist die Gewaltausübung durch die Helden gut und richtig. Natürlich gibt es Lippenbekenntnisse dazu, dass sie nicht ihre Seele verlieren sollen oder so etwas, aber im Endeffekt führt Olivers Gewalt dazu, dass Bösewichte ihre Verbrechen gestehen und die Straßen sicherer werden, und dass Oliver das Ansehen seines Vaters ehrt. Das ist vor allem in seiner Einseitigkeit ein Problem: so funktioniert Gewalt immer, und damit wird Gewalt in der überwiegenden Mehrzahl von Texten als gute Alternative (oder gar als einzige) präsentiert. Wenn hier z.B. andere Figuren in ihrer Funktion als Polizist und Juristin agieren, scheitern sie, wo Olivers Gewalt Früchte trägt. Laurel gewinnt keinen Fall, ohne dass Oliver tötet oder bedroht. Diese Gewalt hinterlässt aber keine wirklichen Spuren, weder Hinterbliebene noch Traumata.

Positiv zu vermerken ist, dass weibliche Figuren zu keiner Zeit sexuell bedroht werden.

Figuren-Check: Oliver Queen, Moira Queen, Thea Queen, Tommy Merlyn, Malcolm Merlyn, Laurel Lance, Quentin Lance, Felicity Smoak, Roy Harper, Slade Wilson, Edward Fyers, dazu wiederkehrende Nebenfiguren Huntress, Count und Deadshot – alle weiß. PoC: Walter Steele, John Diggle, Shado, Yao Fei, China White (die weißhaarige Chinesin) sowie wiederkehrende Romanze XX, die so wichtig ist, dass sie nicht mal in Wikipedia steht, und John Diggles Schwägerin – PoC. Sehr großzügig gerechnet also 7:14, 1/3 PoC.

Gefühlt allerdings gibt es eine PoC-Hauptfigur, nämlich den Bodyguard und Arrows rechte Hand John Diggle. Dazu aber 9 weiße Hauptfiguren. Olivers Stiefvater ist zu Beginn noch Teil der Serie und wäre Figur Nummer zwei, wenn er nicht die meiste Zeit entführt wäre und rechtzeitig zurückkommt, um die Scheidung einzureichen und zum Finale wieder weg zu sein. Auf der Insel ist es etwas besser: da helfen Yao Fei und Yao Feis Tochter Oliver ebenso wie Slade, gegen Fyers zu kämpfen, und so steht es da mit 3 weißen und 2 PoC-Figuren etwas ausgeglichener.

Ansonsten ist Central City aber auch sehr weiß. Die korrupten Bösewichte, die Oliver in den einzelnen Folgen angeht, sind alle weiß und männlich. Es gibt einen asiatischen Bösewicht, der aber vom dunklen Bogenschützen erledigt wird und dann noch in Rückblenden auftaucht. Und andere PoC-Figuren verschwinden aus der Serie, während weiße Figuren gefühlt bleiben, sodass Laurels Assistentin oder auch Olivers kurze Romanze eher auffällig beendet und rausgeschrieben werden und die Serie damit bleicher wird.

Immerhin sind die Sprechrollen ansatzweise zwischen weiblich und männlich verteilt. Ja, die Bösen sind alle männlich, und Autoriätsfiguren (Polizeichef, Richter, Arzt) auch. Aber immerhin bei den oben beschriebenen 21 Figuren sind es immerhin 9 weibliche und 12 männliche, wobei der Fokus oft auf Olivers Familie oder seiner Beziehung zu Laurel liegt und Felicity zum Ende hin viel zu tun hat, sodass Frauen durchaus eine Rolle spielen.

Solange man nicht genauer hinsieht jedenfalls.

Laurens Rolle ist die der romantischen Liebe und der Dreiecksbeziehung zwischen Oliver und seinem besten Freund. Dabei sagt Oliver zwar, dass Laurel sich selbst entscheiden könne, aber wenn es dann ganz ernst wird, darf sich der Kumpel dann doch opfern. Auch hat Laurel nur selten eigene Fälle, die dann auch nicht von ihr, sondern durch Olivers Gewalt gelöst werden bzw. Oliver darf sie mehrfach retten. Laurel hat dabei zwei Szenen, in denen sie zeigt, dass sie sich wehren könnte – im Ernstfall bleibt davon aber wenig. Immerhin hat Laurel noch die Beziehung zu ihrem Vater, der Oliver dafür verantwortlich macht, dass seine andere Tochter bei dem Schiffsunglück starb, und der als Cop natürlich den Bogenschützen jagt.

Theas Rolle ist erst Sorgenkind wegen Drogen und dann die Frau zu sein, die dem Ghettojungen Roy ein besseres Leben zeigt. Sehr anspruchsvoll.

Moira ist zwar Teil der Verschwörung, aber nur zum Schutz ihrer Familie und ohne eigene Meinung.

Felicity ist ein Computernerd (mit Modelaussehen natürlich). Das wars dann auch schon mit der Charakterisierung der Damen. Hingegen ist John Diggle getrieben vom Mord seines Bruders und will versuchen, Olivers Rachefeldzug in menschlichen Bahnen zu halten. Tommy ist Olivers bester Freund, der Olivers wahre Liebe liebt. Aber er ist auch geschockt von der Idee, dass Oliver ein Killer ist, er versucht, sein Leben in den Griff zu kriegen, und er hat ein komplexes Verhältnis mit seinem Vater. Walter ist der neue Stiefvater, er liebt die Familie und kommt der Verschwörung auf die Spur und muss nun damit umgehen, dass seine Frau anscheinend darin verstrickt ist. Quentin hasst den Typen, den seine Tochter liebt, er jagt den Typen, der anscheinend ein Held ist, und knabbert immer noch am Tod seiner anderen Tochter. Malcolm ist verbittert vom Tod seiner Frau und will Rache, aber gleichzeitig das beste für seinen Sohn, den er aber im Stich ließ. Und Oliver ist als Hauptfigur natürlich ohnehin konfliktbeladener als alle anderen zusammen.

Die Männerrollen sind einfach griffiger. Verschlimmert wird dies dadurch, dass zum Finale hin alles noch typischer wird. Da gehen dann Oliver und John auf Verbrecherjagd, Quentin entschärft die Bombe und den Frauen wird gesagt, dass sie zu Hause bleiben sollen. Und wenn sie das nicht tun, müssen sie von ihren Männern noch gerettet werden. Das nervt echt.

Personen mit Behinderung oder nicht-normgerechten Aussehen gibt es nicht, außer evtl. leicht übergewichtige verschwitzte Bösewichte, an die ich mich nicht konkret erinnere.

Die Darstellerinnen sind insgesamt überzeugend. Stephen Amell als Oliver übertreibt es manchmal mit der Ernsthaftigkeit, wodurch seine Momente mit Witz und Charme erholsam sind. Auf der Insel muss er eine furchtbare Perücke tragen und wirkt manchmal doch sehr harmlos, weil er natürlich auch da schon extrem durchtrainiert ist. John Barrowman ist als Malcolm Merlyn etwas zu glatt. Am besten gefallen mir Colin Donell als Olivers bester Freund, Susanna Thompson als Olivers Mutter (die sicher auch eine komplexere Rolle gut umgesetzt hätte) und Emily Bett Rickards als IT-Expertin – sie beweist Gespür für Komik. Andere Darstellerinnen sind eher als Typen gefragt und funktionieren.

Produktions-Check: Die Serie ist ganz gut umgesetzt. Die Kämpfe finden natürlich oft im Dunkeln oder im Regen, mit Lichtblitzen und schnellen Schnitten statt, aber es gibt auch mal kurze Szenen von Sportlichkeit, in denen Stephen Amell als Oliver Queen und auch die anderen Figuren glaubwürdig agieren. Ansonsten ist es eben eine TV-Serie für einen normalen Sender mit begrenztem Budget, sodass es zu verkürzten Darstellungen kommt und man auch mal Abstriche macht. Aber die Serie wirkt nicht billig oder unglaubwürdig.

Fazit: Arrow habe ich während eines Aufenthalts im Krankenhaus gesehen. Es war unterhaltsam, und wenn man mal wegdöste, war es auch nicht schlimm. Das ist ein passendes Urteil.