Archiv | Juli 2015

Misfits, Pilotfolge

Puuh.

Inhalt: Sexismus, Klassismus, Superkräfte

Plot-Check: Jugendliche Straftäter bekommen Superkräfte. Ihr Bewährungshelfer auch und wird ihr erster Gegner. Witzige Idee, die in der ersten Folge auch gut umgesetzt wird: die Jugendlichen haben wenig Lust, ihre Sozialstunden abzuleisten, sie machen stupide Arbeit, sie gehen sich auf die Nerven… und müssen dann sowohl mit ihren Kräften als auch mit einem Kampf auf Leben und Tod klar kommen.

Figuren-Check: Hier sieht es auch erst Mal gut aus. Von den 6 Jugendlichen sind zwei schwarz (Curtis, Alisha) und zwei weiblich (Alisha, Kelly), der Bewährungshelfer ist auch schwarz. Da einer der Jugendlichen recht schnell zum Opfer wird, sind also 3 der 6 Hauptfiguren dieser Folge PoC und 2 von 6 weiblich.

In England hat man ja auch gerne eine klarere sozioökonomische Herkunft, und auch hier sind die Figuren unterschiedlich positioniert. Während drei Figuren (Curtis, Nathan und Alisha) eher der Mittelklasse zu entstammen scheinen (wirklich posh wirkt keine Figur), sind Kelly und das Opfer zumindest eher Arbeiterschicht-Kinder.

Positiv finde ich, dass die Jugendlichen sich deutlich gegen die Unterschichten-Tussi („Chav“) Kelly wenden, dass Kelly aber gleich dagegenhält und sich in der Folge am sozialsten verhält. Kelly wird (auch von ihrem Freund) mit Vorurteilen konfrontiert und erfüllt diese klar nicht, sondern geht sogar dagegen an.

Klingt alles gut, und jetzt kommen meine Ausschlusskriterien. Erstens ist da Nathan. Es ist passend, wie dieser weiße Kerl genau das repräsentiert, den privilegierten weißen Kerl, der alle unterbricht, der immer einen Spruch hat, der alle provoziert und doch glaubt, dass er bekommt, was er will. Es ist passend – aber es ist auch nervig, weil so ein Typ eben nervt. Dazu kommt, dass nicht klar ist, ob die Serie auch weiß, was für ein Arsch das ist, oder ihn als Hauptfigur sieht. Ich habe ob meiner Unsicherheiten im Wiki nachgelesen und erfahren, dass Nathan mit Kelly anbändelt (also kriegt er sie rum) und als Superkraft Unsterblichkeit hat, also nicht gerade eine Niete gezogen hat in der Superheldinnen-Lotterie. So einen Stereotyp zu haben und ihn dann abkacken lassen – bin dabei. Ihn gewinnen lassen – langweilig.

Zweitens ist da Alisha. Ihre Superkraft ist es, dass alle, die sie berühren, sexuell übermäßig erregt werden und sich auf sie stürzen wollen. Also quasi die Kraft, zum Vergewaltigungsopfer zu werden bzw. ihre Sexualität zur Manipulation einzusetzen. Wie ich wiederum dem Wiki entnehme, kann sie diese Kraft nicht einmal abstellen. Damit ist Alisha ein Musterbeispiel für funktionierende Rape Culture.

Die übrigen Superkräfte sind Zeitreisen (Curtis), Unsichtbarkeit (Simon) und Gedankenlesen (Kelly) – auch hier finde ich Gedankenlesen die passivste Kraft, es ist ja nicht einmal Zwei-Wege-Kommunikation. Aber wenn dazu ein Poster Boy für Privilegien und ein Poster Girl für Rape Culture kommen, bin ich raus. Als Sahne für obendrauf bekommt der Bewährungshelfer noch eine Superkraft in unbändiger Wut und wird damit zum Angry Black Man, der besiegt werden muss. Das ist mir zu unsensibel.

Die Darstellerinnen sind immerhin in Ordnung, wobei Nathans Robert Sheehan echt gut nervt und Kellys Lauren Socha ein Lichtblick ist.

Produktions-Check: Misfits ist eine Serie mit britischem TV-Budget, weshalb sie auch Kräfte auswählt, die wenig teuer zu inszenieren sind. In der Pilotfolge spielt sich das Meiste in einer alten Schule ab und damit mit wenigen Statisten, aber ansonsten kann ich wenig aussetzen oder besonders hervorheben. Ist okay.

Fazit: Ich wäre wohl dabei geblieben, aber die Hypersexualität von Alisha geht gar nicht. Gar. Nicht.

John Wick

Inhalt: Waffengewalt

Plot-Check: Der Plot von John Wick ist minimalistisch. Er war früher der beste Killer überhaupt. Er zog sich zurück. Seine Frau stirbt, dann wird sein Hund getötet und sein Auto geklaut. Natürlich vom Sohn seines ehemaligen Bosses. John Wick nimmt Rache. Ende.

Das ist wirklich nicht sehr viel, und entsprechend stereotyp sind auch die Figuren. Man muss schon in der Lage sein, sich auf so eine in Anführungszeichen Geschichte einzulassen.

Das Skript macht dennoch einige Dinge richtig. Die Vorgeschichte wird in einer Viertelstunde erzählt, und mit wenigen Worten. Dann gibt es zehn Minuten, in denen die Legende von John Wick aufgebaut wird. Und dieser Teil ist wirklich gelungen. Die Reaktionen der anderen Figuren darauf, dass John Wick aus dem Ruhestand kommt, sind den ganzen Film über passend und sehr spaßig und machen deutlich, was für einen Ruf dieser Typ hat. Daraus ergeben sich auch die wenigen Momente, in denen der Film mit klassischen Situationen des Genres spielt.

Negativ hingegen sind die Momente, in denen John Wick den Klischees erliegt. Dass Wick die Killerin Perkins am Leben lässt, ist ebenso unsinnig wie die Tatsache, dass Oberboss Vigo diesen John Wick, als er ihn einmal im Griff hat, nicht sofort erschießt. Und nicht nur erst ein Schwätzchen hält, sondern dann noch ganz typisch seinen Leuten (von denen Wick bereits gefühlt 50 getötet hat) sagt, sie sollen ihn töten, und dann einfach geht. So wird es am Ende ein wenig altbekannt, was vorher so erfrischend war.

Figuren: Die Figuren sind wie oben beschrieben stereotyp. Keanu Reeves als John Wick ist gut, aber dass Keanu Action kann, wissen wir ja. Alle anderen sind okay. Hier gibt es wenig zu sagen.

Allerdings gibt es genau eine winzige Sprechrolle für Wicks Frau Helen (die darf aus dem Off und in einem Home Video mal was sagen und dann an einer Krankheit sterben) und eine weitere Rolle für Perkins, gespielt von Adrienne Palicki. Und es gibt wohl noch eine Bardame mit drei Sätzen. Ach so, und zwei Statistinnen, die Mafiageld zählen und dann kreischend weglaufen können sowie eine alte Frau in einer Kirche. Und knapp bekleidete Frauen in einem Badehaus und in einer Disco. Also bahnbrechende Gelegenheiten. Zumal der Tod des Hundes den Männerschmerz von Wick erst so richtig in die Handlung kanalisiert, dieser also fast wichtiger ist als der Tod seiner Frau. Das nenne ich mal auf Eis legen.

Palickis Perkins ist eine furchtbare Figur. Sie greift Wick in einem Hotel an, wo Auftragskiller eigentlich einander in Ruhe lassen, weil sie nicht nach den Regeln spielt. Diese Frau lässt Wick dann am Leben. Darum kann sie ihn dann später, als der Film vorbei zu sein scheint, noch einmal verraten, und dann wird sie von den Betreibern des obigen Hotels erschossen. Weil John Wick in diesem Film keine Frau erschießen darf? Weil Frauen eben nicht zu trauen ist? Weil Frauen die ehernen Regeln der Männerwelt halt nicht einhalten können und nicht dazugehören? Ja.

Es gibt genau keinen Grund, dass Vigos Gang nicht auch Frauen beinhalten könnte. Und genau keinen Grund, dass Perkins nicht einfach Wick entkommen könnte anstatt von diesem am Leben gelassen zu werden. Und genau keinen Grund, dass diese beiden sich nicht am Ende noch einmal begegnen könnten (oder für eine Fortsetzung gerade nicht), anstatt dass Perkins ohne Gegenwehr erschossen wird.

Ebenso gibt es keinen Grund, nicht mehr PoC im Film zu haben. Der tolle Lance Reddick muss als Concierge sogar einen Akzent produzieren, und The Wire-Gefährte Clarke Peters hat seinen Mini-Auftritt nur, um von Palicki mies gemeuchelt zu werden (auch unnötig). John Leguizamo hat ebenfalls eine Minirolle als Autoschieber.

Einen Diversity-Preis gewinnt John Wick sicher nicht, auch wenn man nicht auf Behinderungen oder Körperdiversität achtet.

Produktions-Check: Bleibt die Stärke von John Wick: Coole Pistolenkämpfe. Die sind allerdings so richtig cool. Was diesen Film sehenswert macht ist, wie John Wick zuerst einen ganz besonderen Ruf als Badass bekommt und diesen dann durchweg rechtfertigt. Keanu Reeves ist hier agil, schnell, und rücksichtslos. Gegner bekommen zur Sicherheit gerne noch einmal einen Schuss in den Kopf verpasst. Waffengewalt und Tod haben hier nur ganz zu Beginn Gewicht, wenn Wick erst Frau, dann Hund verliert.

Fazit: John Wick ist ein B-Movie-Actionfilm mit einem A-Star in Keanu Reeves. Wer sich auf so etwas einlassen kann, wird gut unterhalten und wird es wohl leicht finden, die Probleme zu ignorieren.

Terminator 2

Inhalt: Gewalt, Roboter, Weltuntergang

Dieser Beitrag bezieht sich auf die Special Edition

Versuch: Nicht so sehr Nacherzählung eines Medientextes, sondern Bewertung.

Plot-Check: Durch die Special Edition wird nahezu jede logische Lücke geschlossen, sodass der Plot ziemlich lückenlos und stringent ist. Es gibt wohl noch eine Szene in der Ultimate Edition, die eine mögliche Lücke schließt, aber um ehrlich zu sein, hatte ich diese Lücke niemals bemerkt.

Der Plot ist jedenfalls recht durchgängig. Sarah Connor wurde vor 13 Jahren von einem Terminator gejagt, weil sie den zukünftigen Anführer des Widerstands gebären würde. Sie überlebte, und nun soll der Anführer selbst, John Connor, getötet werden. Gleichzeitig will Sarah die Zukunft verändern und den Angriff der Maschinen verhindern. Es folgt Action.

Im Gegensatz zu Teil 1 ist in Teil 2 die Zukunft veränderbar. Das ist eine philosophische Idee, die Fragen aufwirft – wenn die Maschinen nicht angreifen, gibt es keinen Widerstand, also keinen Grund, John Connor zu töten, also reist niemand in die Vergangenheit, also wird das Weltende nicht verhindert, also… aber diese Zeitreisen-Fragen sind tatsächlich im Film unwichtig. Es geht mehr darum, dass wir die Zukunft selbst gestalten können, und wie wir das denn tun wollen. Die Antwort: mit großen Knarren.

Dabei gefällt mir sehr, dass Sarah Connor in diesem Film nicht nur eine Nebenrolle als Mutter spielt. Tatsächlich hat sie ihren Sohn darauf vorbereitet, einen Widerstand anführen zu können. Aber anstatt sich dann darauf zu beschränken, ihn zu beschützen, nimmt sie sich vor, die Apokalypse zu verhindern und gestaltet damit die zweite Hälfte des Films entscheidend mit. Sie ist auch in keiner Phase eine Gefangene, die gerettet werden muss, sondern stets gleichwertige Heldin, was sicher auch der Darstellerin geschuldet ist.

Was mir missfällt, ist höchstens die Idee von John Connor als Messias. Wenn John nicht wäre, würde der Widerstand verlieren? Oder würde einfach jemand anderes diesen anführen? Die Idee, dass große Männer (und es sind ja in der Regel Männer) Geschichte schreiben, teile ich nur begrenzt.

Ach so, und ich frage mich ernsthaft, wie realistisch das Bild von us-amerikanischen Nervenheilanstalten ist, in denen ja regelmäßig Patientinnen verprügelt und missbraucht werden.

Figuren-Check: Sarah Connor. In Terminator 2 gibt es gefühlt drei Frauenrollen, allesamt Mütter oder Pflegemütter. Johns Pflegemutter ist eher ineffektiv, die Ehefrau von Dyson (dem Konstrukteur der todbringenden Maschinen und Mutter seines Sohnes) vervollständigt nur die Familie, und ich nehme an, es gibt noch Statistinnen wie Krankenschwestern und so.

Aber Sarah Connor ist großartig. Und das liegt an Linda Hamilton. Im ersten Teil war Sarah eine einfache Kellnerin und klassisches Opfer eines Slasher-Films wie Freitag der 13. Jetzt aber weiß sie, dass ein Weltkrieg naht, und Linda Hamilton verkörpert nicht nur, wie sehr diese Visionen vom Atomkrieg Sarah zusetzen, sondern sie hat einen so gestählten Körper, als hätte sie sich tatsächlich auf so einen Krieg vorbereitet. Natürlich ist Sarahs Stärke hier eine maskuline Stärke, aber dennoch ist sie damit in meinen Augen nicht eindimensional, weil sie gerade nicht nebenher auf die Mutterrolle reduziert wird oder am Ende doch gerettet werden muss. Vielmehr rettet sie ihren Sohn (beinahe). Außerdem ist es eben im Kontext glaubwürdig, dass Sarah so eine Härte entwickelt, ihre Härte wird diskutiert (soll man Menschen töten, weil sie vielleicht in der Zukunft etwas Schlechtes tun?), und Linda Hamilton erzeugt eben durch ihre Körperlichkeit auch Glaubwürdigkeit. Und ehrlich: Terminator 2 ist entstanden, als Arnold Schwarzenegger einer der Superstars des Kinos war, und sie steht gleichberechtigt neben ihm. Das ist nicht einfach, weil natürlich im Zweifel der Film auch seine Seite bevorzugt. Also Hamilton nicht zu Teil 3 zurückkehren wollte, musste man fast ihre Rolle aus dem Film schreiben – wer soll sie ersetzen? Und auch für Genysis ahne ich, dass Emilia Clarke hier nichts ausrichten kann. Nur gut, dass junge Kinogängerinnen vielleicht nicht einmal T2 gesehen haben.

Joe Morton spielt Miles Dyson in einer kleinen, aber wichtigen Nebenrolle. Mir gefällt, dass er aus freien Stücken entscheidet, seine Forschung zu vernichten. Allerdings ist der Schwarze damit auch die einzige der wichtigeren Figuren, die ihr Leben lassen müssen.

Es gibt eine Gruppe von Latinas, die Sarah helfen und sie ausrüsten, und einen schwarzen Pfleger im Krankenhaus. Ansonsten sind mir keine PoC-Figuren aufgefallen. Ebensowenig wie Figuren mit Beeinträchtigung.

Arnold ist, wie es zu dieser Zeit passt, cool. Der Film entwickelt auch Humor aus seiner Steifheit, und es ist einfach zu sehen, warum Terminator 2 ihn endgültig zum Superstar machte.

Edward Furlong ist nicht so nervig, wie er sein könnte, aber trotzdem nervig. Das ist eben eine Schwierigkeit von Teenagern im Film, die dann kompetent oder aufmüpfig sein sollen. Aber er behindert die Entwicklung nicht. John Connor ist als Figur der humanisierende Faktor, was mir gefällt, wenn er denn die Führung des Widerstands übernimmt. Dass ausgerechnet dieser spätere Kriegsherr verbietet, Unschuldige zu töten, und unbedingt seine Mutter retten will (vor dem Terminator, aber auch davor, zur Mörderin zu werden), ist positiv. Als Gewissen und MacGuffin funktioniert er, wenn er Computerschlösser hackt nicht unbedingt.

Robert Patrick schließlich macht die drei tollen Leistungen in diesem Film komplett. Linda Hamilton und Arnold Schwarzenegger sind so dominant, dass sie einen guten Gegner brauchen. Und das Skript liefert mit dem T-1000 einen solchen, der aber umgesetzt werden muss. Robert Patrick tut das. Sein Roboter scheint unaufhaltsam, unberührbar, und die Art, wie Patrick geht und läuft, ist genau richtig unnatürlich. Ein Raubtier, ein Jäger – der T1000 ist gar nicht so viel im Film, aber man hat ihn immer im Hinterkopf, und das liegt auch an Robert Patrick.

Dennoch ist Terminator 2 insgesamt ein eher weiß und männlich besetzter Film. Erfreulich, dass die Rolle der Frau und die Nebenrolle des schwarzen Mannes immerhin komplex sind, und vor allem Linda Hamilton holt alles aus dieser Rolle heraus.

Produktions-Check: James Cameron kann Blockbuster. Terminator 2 ist inzwischen fast 25 Jahre alt, aber seine Effekte (damals bahnbrechend) sind immer noch überzeugend. Die Action ist perfekt inszeniert. Ich glaube, dass die Kinoversion vom Tempo her gelungener ist – die Special Edition hat leichte Längen – aber ich bevorzuge trotzdem die längere Fassung, weil sie eben ein paar Plotlöcher stopft. Arnolds Daumen am Ende ist immer noch etwas kitschig. Aber um einen so alten Film heutzutage zu gucken und kaum etwas an Bild, Ton, Effekten auszusetzen, muss schon sehr viel richtig gemacht worden sein.

Fazit: Ein dichtes, stringentes Skript mit klarem Plot. Figuren mit starker Motivation und tolle Darsteller. Eine hochwertige Produktion. Terminator 2 ist auch heute noch ein Actionfilm, der sich sehen lassen kann und sehr viel Spaß macht.

Notiz: Ant-Man

Aus der Inhaltsangabe:

Dass ich das richtig verstehe: sowohl Ant-Man als auch Wasp sind Gründungsmitglieder der Avengers. Der Film wird natürlich Ant-Man. Darin stirbt Wasp im Prolog und rettet die Welt. Das dient aber dann nicht als Vorbild, sondern dazu, dass Ant-Man glaubt, er habe seine Frau nicht beschützt und darum seiner Tochter verbietet, in seine bzw. Ihre Fußstapfen zu treten. Und am Ende opfert sich der neue Ant-Man ebenso, ist aber schlau genug, zu überleben (kann es also besser als Wasp).

Kein Interesse mehr an Comic – Filmen mit weißen Kerlen und solchen Frauenrollen.

Mad Max Fury Road

Fury Road ist großartig, wenn auch nicht perfekt. Lasst mich etwas schwärmen (und kontextualisieren).

SPOILER FOLGEN

Ich sehe den Film im Kontext von Hollywood-Actionfilmen dieser Zeit. Insofern gebe ich zu, dass Fury Road nicht perfekt ist, sondern nur viel besser als die allermeisten Zeitgenossen. Auch wenn manche Dinge Standard sein sollten, sind sie es leider nicht, und entsprechend meine Freude darüber, dass einmal verwicklicht zu sehen.

Es gibt m.E. unsaubere Kritik, z.B. von Anita Sarkeesian, aber auch angemessene solche, wenn man sich z.B. die Reprösentation ansieht.

Action: Fury Road besticht mit Action, die zu einem großen Teil physisch inszeniert wurde. Es macht einen Unterschied, ob da wirklich Autos crashen und Flammen speien, oder ob das aus dem Rechner kommt. Gerade in dieser eher schmutzigen Welt, von der Fury Road erzählt, ist es wichtig, dass alles spürbar bleibt.

Mehr noch: die Action und die Handlung gehen Hand in Hand. Hier gibt es nicht die Marvel-typsichen 10 Minuten, in denen Menschen irgendwas erklären und sich gegenüber sitzen, und dann 10 Minuten, in denen mal irgendwer irgendwofür kämpft, als gäbe es kurze Charaktermomente zwischen zwei Werbeblöcken für die Firmen “Exposition” und “Krachbumm”. Insofern ist Fury Road auf jeden Fall sehr erfolgreich als Actionfilm.

Es vergehen auch nur 10 oder 15 Minuten, dann sind wir mitten im (zugegeben geradlinigen) Plot und steigen nicht mehr aus. Hier wird im Vorbeifahren erzählt und erklärt und auch Dinge offen gelassen, die nicht so wichtig sind. Toll.

Wer hat die Welt getötet: Wo Fury Road aber echt punktet, ist die thematische Dichte. “Who killed the world” steht an einer Wand und wird auch einmal explizit gefragt. Die Antwort ist klar: alte weiße Männer. Hier ist der Bösewicht ein alter Sack, selbst kaputt, besessen von der Idee gesunder männlicher Nachkommen. Er hat eine Armee von “Warboys”, weiß geschminkter Muskeljungs, die seiner verqausten Religion folgen und ihn sowie V8-Motoren anbeten. Am Beispiel von Nux sehen wir, wie verblendet und naiv diese Warboys sind, und kein Wunder.

Immortan Joe, der Bösewicht, herrscht über eine Festung mit riesigen Wasservorkommen (er nennt es “Aqua Cola”). Bei ihm gibt es grüne Felder und Salat und Trinkwasser – außerhalb seiner Festung leben alle Menschen im Elend und der trockenen Wüste. Und wenn er einmal die vergleichbare Menge eines Spucketropfen Wasser abgibt, warnt Joe noch: “Werdet nicht abhängig vom Wasser, dann macht euch sein Fehlen verrückt.”

Hier sind die 1%, die ihren Reichtum ausleben und andere warnen, nicht zu geldgeil zu sein, und Menschen, die sich als würdig erweisen, ein wenig abgeben. Diese Warboys glauben natürlich an die Patriarchie, weil sie ihnen Heilung verheißt.

Joe sieht andere als sein Eigentum. Die Warboys sind zu verheizen und mit Versprechungen von Walhalla ruhig zu stellen. Frauen dienen als “Brüter”, um einen gesunden Nachfolger zu schaffen, oder aber, um Muttermilch abzupumpen, die dann in voller Dekadenz als Getränk genutzt wird. Passenderweise hat Joe enge Verbindungen zur Ölindustrie (Gastown) und Waffenhändlern (Bullet Farm). Der militärisch-industrielle Komplex eben, toxische Männlichkeit und Ausbeutung.

Mein Sohn wird kein Kriegsherr: Ein weiterer Satz an einer Wand. Die Frauen von Joe wehren sich. Aber nicht mit Gewalt, sondern mit einer Alternative. Keine Kriegsherren. Als Nux in der Gewalt der Guten ist, schreiten die Frauen ein: “Kein unnötiges Töten”. Sie erkennen, dass die Warboys auch nur verblendet sind. Als später eine Frau ihre Scharfschütenkünste lobt, sind die Ehefrauen enttäuscht: “Ich dachte, ihr wärt schon weiter” – und tatsächlich kann ein Koffer mit Saatgut als Hoffnung auf eine bessere Welt die Ehefrau besänftigen.

Gleichzeitig wird deutlich, wie privilegiert diese Ehefrauen sind. “Wo hast du diese Kreaturen gefunden?” heißt es angesichts ihrer glatten Haut und weißen Zähne. Schmerzen einer Verwundung sind ihnen neu, während “hier draußen alles Schmerz” ist. Sie haben entsprechend auch die Muße, Pazifismus zu fordern, weil sie nicht gewzungen sind, sich ständig gegen Gewalt zu wehren.

Trotzdem ist dies gerade nicht der Jubel auf Gewalt und Action, den Anita Sarkeesian sieht. Denn im Film selbst geht es darum, dieses System zu überkommen, und tatsächlich ist das Happy End nicht die erfolgreiche Flucht, sondern die Übernahme der Festung und die Hoffnung auf Besserung – das Wasser wird mit allen geteilt, das Saatgut kann zum Einsatz kommen, usw.

Es ist auch nie das Ziel, sich an Menschen zu rächen. Obwohl klar ist, dass Immortan Joe ein brutaler Diktator und schlimmer ist, geht es nie darum, ihn zu töten. Sondern nur darum, seiner Herrschaft zu entkommen und am Ende ihn abzulösen. Getötet wird er, weil er mit seinem Wagen am Ende vor den HeldInnen fährt und im Weg ist. Es wäre aber den HeldInnen Recht gewesen, Joe einfach abzuhängen.

An Nux erkennt man auch, dass Joe nicht sterben musste. Seine Fehlbarkeit hötte vielleicht schon gereicht, um die Warboys zweifeln zu lassen. Aber natürlich ist seine Ideologie einfacher zu überwinden, wenn er selbst sich als sterblich erwiesen hat.

Wir sind keine Dinge: Der dritte Satz im Quartier der Ehefrauen. Sie sind eben keine Brüter, kein Eigentum, obwohl Joe sie als solche betrachtet. Und so übernehmen die Ehefrauen auch tatsächlich umfangreichere Rollen als normal. Auch hier widerspreche ich Sarkeesian: Die Ehefrauen sind eben kein Beispiel typischer Sexualisierung von Figuren.

Wobei ich zugebe, dass sie in wenig Stoff herumlaufen und stereotyp hübsch sind – was zu ihrer Rolle im Film passt, aber im Laufe der Geschichte hätten sich die Frauen auch etwas anderes anziehen können. Dennoch gibt es keine Momente, in denen die Kamera sich an diesen Körpern ergötzt: der einzige solche Moment verharrt nicht auf Bosen oder Po, sondern dem sehr schwangeren Babybauch einer Ehefrau.

Mehr noch: weder Max noch Nox zeigen je sexuelles Interesse an den Frauen oder machen Anspielungen. Mehr noch: es ist zwar klar, dass diese Frauen sexueller Gewalt ausgesetzt waren, aber wir sehen davon nichts (die anderen Mad-Max-Filme sind da nicht so zurückhaltend). Es reicht, dass sie da wegwollen. Mehr noch: es muss keine Frau überzeugt werden, ihrer Gefangenschaft zu entgehen, und keine der Ehefrauen ruiniert etwas durch ihre Dummheit. Mehr noch: sie setzen sich alle aktiv für ihre Befreiung ein und tun dies vehement und nicht, indem sie automatisch auch zu Kriegswaffen greifen.

Mehr noch: sie sind unterscheidbar. Toast hat technisches Verständnis und ist organisiert, kümmert sich um Munition und so. Capable übernimmt den Ausguck (auf ausdrücklichen Wunsch) und zeigt Nux gegenüber Mitgefühl und Verständnis, was ihn bekehrt. The Dag sucht nach mehr als Flucht und wird zur Hüterin des Saatguts. Splendid nutzt ihren Körper als Schutzschild wohl wissend, dass er nur deshalb etwas wert ist, weil Joe sein Eigentum (sie UND den ungeborenen Sohn) zurück will. Cheedo hat große Angst und in einem Moment der Panik will sie sogar zurück zu Joe. Später nutzt sie diese Angst, um Furiosa zu helfen.

Bechdel-Test: Bereits 5 Frauenrollen mit Namen. Aber es gibt noch so viel mehr. Da sind die Vuvalini, Frauen überwiegend im Renterinnen-Alter, die gleichwohl noch immer auf ihren Motorrädern und mit ihren Waffen zu überleben wissen. Sie nutzen die Ideen der Patriarchie zu ihren Gunsten: eine nackte hilflose Frau in einem Turm ist natürlich eine Falle. (Und Max erkennt das sofort, er unterliegt diesen Ideen nicht). Auch hier gibt es noch die Valkyrie und die Hüterin des Saatguts. Die Vuvalini sind besonders, weil alte Frauen in der Regel nur Mütter oder Großmütter sein dürfen, hier aber ihre Frau stehen.

Furiosa: Ach ja, und dann ist da noch Imperator Furiosa, die Hauptfigur des Films. Sie ist eine harte Frau, die gleichwohl nach Erlösung sucht (nicht nach einem Kerl!) Sie befreit die Ehefrauen, sie macht den Plan, sie ist die Chefin. Sie hat nur einen gesunden Arm und eine Armprothese. Sie ist niemals sexualisiert, es gibt keine Szene von ihr in Unterwäsche. Es gibt keine Szene, in der sie in Max’ Armen schwach wird. Es gibt keine Szene, in der sie gefangen genommen wird. Sie ist eindeutig die Heldin dieses Films, die am Ende Joe tötet und sich beinahe für die anderen opfert. Sie durchlebt die deutlichste Figurenreise, ihre Verzweiflung, ihr Schmerz sind es, die mitleiden lassen.

Max: Max schließlich ist die männliche Nebenfigur, die so ein Film braucht. Seine größte Actionszene findet off-screen statt. Er setzt die Frauen niemals herab. Er macht sich an niemanden heran. Er wird nicht zu Furiosas Liebhaber. Wie oft gab es Filme mit kompetenten Frauen, die am Ende vor dem männlichen Helden zurückstecken. Hier gibt Max es auf, mit dem Scharfschützengewehr zu schießen, und überlässt es Furiosa. Er macht nur die Ablage. Max schläft im Wagen ein, während Furiosa die Nacht durchfährt. Max bekämpft den Handlanger von Joe.

Max schlägt vor, zurückzufahren und die Festung zu übernehmen. Aber es ist eindeutig nur ein Vorschlag. Furiosa entscheidet. Max’ größter Moment ist zudem ein typisch weiblicher (für Filme): er spendet Blut, um Furiosa zu retten. Keine gewaltige Actionszene, sondern Heilen. Dann kehren alle zurück und während die Frauen die Festung erklimmen, macht er sich davon. Es geht nicht um ihn. Er ist nicht wichtig.

Fazit: Toll inszeniert, spektakulär erzählt. Die 1%, das Patriarchat, der militärisch-industrielle Komplex sind explizite Gegner und es gibt nicht nur eine Flucht, sondern sie werden besiegt und es gibt Hoffnung auf eine Alternative. Die Frauenrollen sind vielfältig und komplex und nicht nur Männer im Kleid, sie werden zudem nicht sexualisiert oder erniedrigt. Überhaupt spielt Sexualität hier eine sehr geringe Rolle. Traumatisierende Inhalte werden nicht gezeigt, sondern man vertraut dem Publikum, dass es auch so erkennt, wie schlimm das ist und man den Opfern da einfach glaubt. Es wird auch niemals aufgeworfen, ob die Diktatur Joes nicht doch etwas für sich hat.

Aber: Es ist ein sehr weißer Film. Nur wenige Frauen sind erkennbar People of Color, Männer sind meiner Wahrnehmung nach alle weiß (die Warboys schminken sich ja sogar bleich). Die Ehefrauen haben trotzdem nur flimsige Fummel an. Es gibt eine Szene, die beinahe zeigt, wie ein Kaiserschnitt durchgeführt wird. Dicke Frauen gibt es hier nur, um gemolken zu werden, auch wenn diese Frauen am Ende von sich aus das Wasser mit den Unterdrückten teilen – sie haben keine Dialogszenen. Es gibt viele Menschen mit Beeinträchtigung in vielen Rollen – Unterdrückte, die Kinder Joes, Joe und der Menschenfresser aus Gastown, Furiosa, die Warboys haben Verstümmelungen und Geschwüre. Das passt vielleicht zu einer postapokalyptischen Welt, das passt thematisch sowieso, aber es gerät doch in die Gefahr, dass hier Behinderung als Markierung gesetzt wird für Schwäche oder moralische Verkommenheit, weil im Vergleich Furiosas fehlender Arm sehr “sauber” wirkt.

Aus der Perspektive intersektionalen Feminismus also ist Fury Road keinesfalls fehlerfrei. Die Stärke des Films liegt da eher in der Behandlung von Männlichkeit und Weiblichkeit (die in der Dichotomie Gewalt-Pazifismus vielleicht sogar zu sehr vereinfacht).

Hoffen wir doch einfach, dass Fury Road in ein paar Jahren gar nicht mehr so progressiv wirkt, sondern von vielen weiteren Produktionen in den Schatten gestellt wurde. Im Vergleich heute aber bin ich immer noch begeistert.

The Walking Dead – Staffel 4 Ende

Die letzten Folgen der vierten Staffel führen die Idee der verprengten Gruppe fort, sodass wir weiter mehrere Plotstränge haben, von denen einer ganz interessant ist. Als da wären:

Inhalt: Gewalt, Vorhersehbarkeit, Gewalt gegen Kinder, Kannibalismus

  • Tyreese und Carol kümmern sich weiter um Lizzie und ihre Schwester sowie das kleine Baby von Rick. Sie kommen an eine Jagdhütte, die sicheren Unterschlupf verspricht. Aber Lizzie versteht nicht, dass Zombies böse sind – sie ist dissozial, hält die Beißer aber für ihre Freunde. Und so ersticht sie ihre Schwester, damit diese auch zu einem Zombie wird. Um das Baby und sich selbst zu schützen, bringt Carol dann Lizzie um. Anschließend erzählt sie Tyreese, dass sie (Carol) Tyreeses Freundin umgebracht hatte, um die Gruppe zu schützen. Diese Geschichte nimmt eine ganze Folge ein und ist generell recht effektiv, und die Parallele zwischen dem Tod von Lizzie und dem Tod von Tyreeses Freundin – zum Wohle aller -, wird nicht expliziert. Aber natürlich gibt es auch hier Momente, wo Carol mehrfach den Kindern erklärt, in dieser neuen Welt müsse man eben bereit sein, Menschen zu töten, um sich und andere zu retten, und der ironische Twist ist dann, dass Carol eben Lizzie töten muss. Also mehr so Holzhammer-Ironie. Aber Carol ist cool, also.

  • Daryl und Beth haben gottseidank keinen Sex, auch wenn Beth sich also totales Manic Pixie Dream Girl herausstellt, die mit ihrer Naivität und ihrem Optimismus auch Daryl wieder dazu bringt, an die Menschheit zu glauben (wobei Daryl auch vorher im Gefängnis eher einer der stabileren war, aber das ist eben die Geschichte, die hier erzählt wird). Das ist natürlich der Moment, wo ein Dutzend Zombies lautlos angreift und in dem Gemnge wird Beth von Unbekannten entführt. Daryl schließt sich daraufhin einer Bande von Streunern an, die einen eher brutalen Kodex leben und – Zufall über Zufälle – hinter Rick her sind, der einen von ihnen zum Zombie machte.    

  • Maggie, Bob und Sasha (die übrigens Tyreeses Schwester ist, nicht seine Tochter) suchen nach Glenn. Dabei gehen sie in Richtung Terminus. Aber zuerst lässt Maggie die beiden anderen zurück und wir bekommen eine Holzhammer-hoch-drei-Metapher übers Alleinsein, weil Bob sich weigert, Maggie allein zu lassen. In einer Rückblende sehen wir, dass Bob sogar der Meinung ist, eine Gemeinschaft sei immer besser als Alleinsein, egal, mit wem man zusammen ist. Erzähl das den Leuten um den Gouvernor, Bob – und das gleiche bitte ich die Autorinnen, die uns ja gerade erst lang und breit zeigten, dass das eben nicht egal ist. Na, egal. Bob will Maggie auf keinen Fall allein lassen, und obwohl er sich in Sasha verliebt, ist er bereit, diese allein zu lassen, um Maggie nicht allein zu lassen. Ein anderer Grund als der, dass a) Maggie weiß ist und b) Maggie explizit allein gelassen werden wollte und Bob das als Mann nicht durchgehen lassen kann, fällt mir nicht ein. Jedenfalls findet Sasha dann Maggie und gibt weinend zu, dass Bob mit seinen Ausführungen Recht hatte: Sasha hatte einfach Angst, dass Tyreese sich als definitiv tot erweist. Gut, dass Bob Sasha ihre Gefühle erklären konnte.    

  • Glenn und Tara sind mit Major Ford Mercedes Audi unterwegs. Rosita Espinoza hat inzwischen zum Glück Hosen gefunden und ein Hemd, das sowohl Bauchnabel als auch Brust bedeckt, und jetzt sieht sie einfach aus wie eine Soldatin. Gut. Glenn ist wie verrückt auf der Suche nach Maggie, weil diese ihm Zeichen hinterließ, dass sie noch lebt. Also ist er sogar bereit, durch einen Tunnel voller Zombies zu gehen, weil der Umweg ihn einen Tag kosten würde. Die Soldaten beschützen immerhin Dr. Mantamatte, den klügsten Hinterwäldler der Welt (und ein Terminator, wenn man vom Gang ausgehen kann). Darum trennen sie sich von Glenn und Tara, suchen sich ein Auto, warten dort noch ein wenig, ob sich Glenns Meinung ändert, und fahren dann von Mantamatte geleitet doch den Umweg. Und sind schneller am Ausgang des Tunnels als Glenn es wäre – also gar kein Umweg! Das ist die Qualität der Drehbücher von The Walking Dead. Im Tunnel sieht es so aus, als würden Glenn und Tara gefressen, aber dann tauchen die Soldaten mit Maggie und Co. auf und alle sind wieder vereint. Maggie erzählt noch, dass sie mit ihren letzten Kugeln einen Teil des Tunnels zum Einsturz brachte, was in der Erzählung schon unwahrscheinlich ist und daher zum Glück nicht gezeigt wurde. Nun zieht man gemeinsam nach Terminus, wo die Soldaten hoffen, Ausrüstung zu kriegen. Die Wiedervereinigung von Glenn und Maggie geht aber schon etwas ans Herz.

  • spätestens jetzt ist übrigens klar, dass Terminus eine Falle sein wird und Dr. Mantamatte wohl ein Hochstapler ist – er lenkt die Soldaten auf Umwege und hält seine Erkenntnisse geheim, obwohl doch erste Priorität wäre, das aufzuschreiben oder anderen zu erzählen. In dieser Welt stirbt man an so vielen Dingen… wahrscheinlich will der Typ nur ein paar Bodyguards und lügt die Soldaten an.

  • Damit sind wir bei Rick, Michonne und Carl. Michonnes Aufgabe ist nun völlig, Carl zum Lachen zu bringen (worüber Rick dann gönnerhaft lächelt), weil die Gefühle der Männer halt wichtiger sind. Sie treffen auf Daryl und die Gang, und es passiert Scheiße. Denn nun ist plötzlich diese bislang zurückhaltende Serie aus dem Ruder: Michonne soll vergewaltigt werden, und auch Carl soll vergewaltigt werden, natürlich von einem Dicken, weil besonders eklig. Daryl will eingreifen und wird verprügelt, und dann beißt Rick dem Änführer die Kehle durch und prügelt den Dicken zu Brei. Und anstatt dies als etwas zu sehen, das Rick endgültig zu einem Monster macht, ist es vielmehr rechtschaffene Wut und eine „normale“ Reaktion, wenn man der Serie und den Figuren glauben soll. Rick ist problemlos danach noch der Anführer, auch wenn es Michonne zufällt, Carl danach erst mal zu beruhigen. Weil Rick sich ja ohnehin nie um seine Kinder kümmert.

In der letzten Szene dieser beschissenen Show kommen Rick und Co nach Terminus und Rick erkennt Besitztümer seiner Freundinnen aus dem Gefängnis (Hose, Weste, eine Taschenuhr, also hoch individuelle Gegenstände), und während wir noch mit den Augen rollen, haben die Leute von Terminus schon einen der Ihren erschossen und Rick und der Rest werden durch Mündungsfeuer durch den großen Bahnhof gelenkt und sie rennen an einem großen Käfig voll blutiger Knochen vorbei (na klar!) und müssen dann ihre Waffen abgeben, bevor sie in einen Waggon gesteckt werden. Und in dem Waggon sind alle anderen Überlebenden außer Carol, Tyreese und Baby Grimes, und alle akzeptieren sofort Ricks Führungsanspruch, und Ricks letzte Worte dieser Staffel sind: „Die haben sich mit den falschen angelegt.“ Also die abgenudeltsten Worte aller Zeiten.

Cool wäre es gewesen, wenn Terminus eine echte Zuflucht gewesen wäre, die Rick durch Paranoia zerstörte oder so etwas. Aber nein, da dieser Typ selbst nach diesen Gewaltexzessen niemals Unrecht haben darf, wird das wohl nix. Bah.  

Vorherige Beiträge:

The Walking Dead

Stand: Staffel 2, Folge 9

Stand: Ende Staffel 2

Stand: Staffel 3, Folge 4

Stand: Ende Staffel 3

Stand: Staffel 4, Folge 5

Stand: Staffel 4, Folge 8

Stand: Staffel 4, Folge 12

The Walking Dead – 4×12

Inhalt: noch eine Groteske, Gewalt, Dödelei

Nun sind die Figuren aus Ricks Rudel versprengt und wir erhalten tolle Storys. Ha ha, tun wir nicht. Aber immerhin Storys. Diese:

  • Michonne darf Hershels Zombiekopf töten (grotesk) und dann erneut mit angebundenen Tarnzombies rumlaufen, bis sie ihre Trauer überwältigt und sie alle Zombies um sich herum erschlägt (der typische Umgang mit Trauer in dieser Serie). Sie träumt von ihrem Kind und dann zieht sie los, um schließlich Rick und Carl zu finden. Das alles dauert etwa 10 mal so lang wie hier beschrieben.
  • Rick und Carl stapfen durch eine verlassene Stadt, die zwar in der Nähe des Gefängnisses liegen muss, von Ricks Rudel damals aber noch nicht leer geräumt wurde. Das zeigt die unglaubliche Planung dieser Leute, die auch für den Fall einer Evakuierung zwar einen Fluchtbus hatten, aber kein gemeinsames Ziel, an dem man sich wiederfindet. Rick bricht zusammen und Carl erklärt ihm explizit, dass er nun erwachsen sei und Rick nicht mehr brauche. In der allernächsten Szene stirbt Carl fast und verliert seinen Schuh. Dann kann er den im Delirium stöhnenden Rick – den er für einen Zombie hält – nicht erschießen (kein Problem bei seiner Mutter), und dann sagt Rick: „Du bist ein Mann, Carl.“ Mann. So ein Quatsch, und meines Wissens schon 1-3 Folgen vorher abgenudelt, als die beiden gemeinsam Zombies niedermähten.
  • Carl und Michonne gehen auf Plündertour. Vorher gibt Rick ihr den Auftrag, Carls Freundin zu werden und ihn locker zu machen, also haben alle Gespräche schon mal einen seltsamen Beigeschmack, als wären sie vom Anführer befohlen. Jedenfalls spricht Michonne erstmals über ihr totes Kind – aber nur, um Carl aufzulockern. Ihr Trauma wird so das Gefährt, Carls Verhalten zu beeinflussen. Furchtbar.
  • Rick muss derweil unter dem Bett vor bösen Plünderern Zuflucht nehmen, inklusive dem Klassiker, dass einer der Plünderer bei einem Kampf unter das Bett guckt, bevor er Rick aber verraten kann, wird er kampfunfähig, und dem Klassiker, dass ein Bösewicht mit angezogener Hose auf der geschlossenen Toilette sitzt. Und dem Klassiker, dass… ach, das ist alles sehr doof und altbekannt und endet damit, dass Rick geduckt über den Hof huscht und mit Carl und Michonne flieht. Ein Action-Highlight also.
  • Daryl und Beth sind im Wald. Beth will Überlebende suchen, Daryl nicht. Beth geht einfach, Daryl muss folgen. Sie erweist sich als halbwegs überlebensfähig, will aber nicht nur Schlange essen, sondern endlich mal was trinken (was ihr der tolle Patriarch Hershel immer verbot). Daryl als ihr männlicher Beschützer geht mit, und in einem Golfclub wird uns überraschenderweise und wiederholt erzählt, dass Daryl keine reichen Leute mag und arm war. Anstatt Beth dann dem Pfirsichschnapps zu überlassen, führt er sie zu einer nahen Hütte mit Distille (die auch nicht ins Gefängnis wanderte), wo Beth ihre Unschuld verliert und zum Glück nur Alkohol trinkt, während Daryl noch einmal explizit sagen darf, wie scheiße seine Kindheit war. Am Ende zünden die beiden die Hütte zu einem coolen Lied an, was doch recht cool wirkt.
  • Maggie, Sasha und Bob sind ebenfalls in einem Wald. Maggie will Glenn suchen, die anderen nicht. Maggie geht einfach, die anderen müssen folgen. Hui, wird hier Neues ohne Ende erzählt. Sie treffen auf den Fluchtbus, der geschlossen und voller Zombies ist, was irgendwie unmöglich zu sein scheint. Glenn ist aber zum Glück nicht dabei.
  • Glenn wacht im Gefängnis auf, rüstet sich aus, findet Tara (die überlebende lesbische Schwester aus der neuen Familie des Gouvernors) und nimmt sie mit. Er will Maggie suchen, und oh Wunder, Tara geht gleich mit. Die beiden treffen aber stattdessen:
  • Abraham Ford Lincoln Mercury, einen weißen Army-Typen, Rosalita Espinoza, die aussieht wie ein Cosplay von Lara Croft und als Namen das Latina-Äquivalent von Wilhelm Dauerwurst oder Fred Freizeit hat, sowie Doktor Manta, ein Typ, der wie ein Roboter geht und unfähig zu sein scheint, aber das Geheimnis der Zombieplage kennt (es ist geheim!) und dieses nach Washington bringen will.
  • Glenn und Tara wollen Maggie suchen, Abraham, Rosalita Espinoza und Doktor Mantamatte nicht. Glenn geht einfach, die anderen gehen hinterher… nachdem Doktor Manta den Tank des Lasters kaputt geschossen hat. Also ganz anders als oben.
  • Tyreese, Lizzie, Mika und Baby Judith sind schließlich auch noch im Wald. Lizzie ist soziopathisch und tötet süße Hasen, und beinahe auch das Baby, das nun drei Folgen lang womöglich tot war. Als Tyreese die Kinder alleine lässt, um zwei Fremden zu helfen (vergebens), werden die Kinder von Carol gerettet. Nun reist Tyreese also mit der Frau herum, die vermeintlich seine Geliebte tötete, was er aber nicht weiß, und dem Mädchen, das wahrscheinlich in Wahrheit seine Geliebte tötete, was er auch nicht weiß. Wichtig ist auf jeden Fall, dass das total ironisch ist und sich nur um Tyreese dreht, und dass der jetzt auch nicht mehr das Baby tragen muss, Carol (und damit eine Frau) ist ja nun da.

Insgesamt gibt es hanebüchene Zufälle und Unwägbarkeiten, und wenn man wie diese Serie anscheinend dramatische, von Charakteren getriebene Konflikte inszenieren will, dann sollten diese Charaktere durchgehende Motivationen haben und nicht nur Fetzen von sich verändernder Backstory samt Verhalten, was sich dann in Klischee-Dialogen äußert. So kümmern mich die Charaktere nicht, die Ereignisse sind aber nicht spannend und rasant genug, das aufzuwiegen.

Ach so, anscheinend reisen alle nach und nach Richtung Terminus, eine angebliche Zuflucht entlang der Bahngleise.

Vorherige Beiträge:

The Walking Dead

Stand: Staffel 2, Folge 9

Stand: Ende Staffel 2

Stand: Staffel 3, Folge 4

Stand: Ende Staffel 3

Stand: Staffel 4, Folge 5

[Stand: Staffel 4, Folge 8][7]

The Walking Dead – 4×08

Wir müssen erst mal über Carol reden.

Inhalt: Sexismus, Rassismus, Klischee, Krieg der Patriarchen, Gewalt

Direkt, nachdem Carol von Rick verbannt wurde, bekommen wir eine Doppelfolge, die sich in einem Rückblick nur mit dem Gouvernor beschäftigt und werden in einer dritten Folge dann endlich sein Ende sehen. In dieser dritten Folge…

  • Erklärt Rick Daryl, dass er Carol wegschicken musste, weil sie zu weit ging (und weil man den bösen Schwarzen Tyreese nicht bändigen kann, ein weiteres rassistisches Klischee, das Tyrone in der ganzen Zeit davor nicht zu erfüllen schien – nur direkt nach dem Tod seiner Geliebten und bei der gleichzeitigen Krankheit seiner Tochter ist er aggressiv)
  • Sagt Rick dem Gouvernor, dass doch alle schon Schlimmes getan hätten, und lädt ihn und seine Leute ernsthaft ein, mit ihnen im Gefängnis zu wohnen. Dieser Typ, der folterte, mordete, sexuell übergriffig war, ein Aquarium mit Zombieköpfen hatte und bereits bewiesen hat, dass er nicht vertrauenswürdig ist – dieser Typ darf rein, Carol aber nicht?
  • Erweckt die Show klar den Eindruck, dass Carol gar nicht die Leute getötet hat. Das war wohl die kleine Lizzie, die nun eine Ratte häutete und sezierte. Carol hat nur die Verantwortung übernommen, um die Kleine zu schützen. Was bedeutet, wenn Carol letztendlich wieder zur Gruppe stößt, dann wird Rick keinen Fehler damit begangen haben, sie generell wegzuschicken, er hatte nur die falschen Informationen. Ich hasse, dass hier Carols Geständnis dafür verantwortlich ist und Rick wieder fein raus.

So, nun aber zur Geschichte um den Gouvernor. Der wird von seinen letzten Leuten verlassen und wandert durch die Gegend, nimmt dann einen fremden Namen an (er ist ein neuer Mann, ha ha!) und trifft eine unmögliche Familie. Unmöglich, weil diese 2 Frauen mit einem Mädchen und einem kranken alten Mann ein Jahr in der Zombiewelt überlebten, ohne dass jemand ihren Essenslaster klaute oder sie was über Zombies lernten. Und so kann Mr. G nun dadurch glänzen, dass er ein Backgammonspiel und Sauerstoff besorgt in den langweiligsten Szenen aller Zeiten, weil er sich so langsam bewegt und wir ja bereits wissen, dass er überlebt. Ist halt ein Rückblick. Jedenfalls kann natürlich nur der Opa das Mädchen zum Lachen bringen und dann auch Mr. G (Männer eben), und die plötzlich hilflosen Frauen drängen sich ihm förmlich auf.

Nun ist die Frage, will die Show erzählen, wie G ein besserer Mensch wird und dann am Ende an den Umständen scheitert? Oder ist er ein unbelehrbarer Psychopath, der nur eine Rechtfertigung braucht? Weil die Show es selbst nicht genau weiß, bleibt das auch unklar. Immerhin gibt es die erste offene lesbische Beziehung, die genau eine Folge hält, dann stirbt eine der beiden. Und am Ende hat der Gouvernor den genialen Plan, das Gefängnis zu zerstören, um es einzunehmen. Was teilweise klappt (es wird zerstört) und Ricks Rudel wird dabei versprengt. Hershel wird von Mr. G getötet und Michonne tötet G nicht, damit eine weiße Frau das tun kann.

Letzten Endes bekamen wir zwei Rückblicke, die die Figur des Gouvernors wieder genau dahin brachten, wo er am Anfang war, nur mit einem Panzer. Irgendwie lohnte sich das nicht so besonders. Ich vermute fast (befürchte es), wir sollten Gs Schicksal als tragisch empfinden, weil er doch nur seine neue Familie beschützen wollte, und nicht als Resultat vergifteter Männlichkeit. Weshalb es auch beim Tod des kleinen Mädchens eher darum geht, was dieser Tod mit dem Gouvernor anstellt.

Echt dödelig, und dann wird mit einem Panzer das Gefängnis geschrottet. Was ganz okay war, aber da alle Hauptfiguren kugelimmun waren, auch nicht so spannend.

Vorherige Beiträge:

The Walking Dead

Stand: Staffel 2, Folge 9

Stand: Ende Staffel 2

Stand: Staffel 3, Folge 4

Stand: Ende Staffel 3

Stand: Staffel 4, Folge 5

The Walking Dead – Stand 4×05

Oh Mann, diese Show. Diese Show.

Inhalt: Patriarchat, Dummdödelei, Zombie-Thematik (Tot, Gewalt, usw).

Wir beginnen die vierte Staffel mit einem Zeitsprung. Das Gefängnis floriert und wird von einem Rat geleitet, weil Rick „eine Pause“ brauchte. So behandeln das auch alle, die warten nur darauf, dass Rick wieder das Ruder übernimmt, weil seine Entscheidungen so toll waren. Was er bald auch wieder unter Beweis stellt.

In den ersten 5 Folgen haben wir das Problem einer Zombiemeute vor dem Zaun. Der Zaun droht einzubrechen und tut das schließlich auch. Wir haben auch das Problem einer Grippewelle, die mit blutenden Augen zum Tod führt und dann Zombies im Lager der Überlebenden hervorbringt. Es gilt, Kranke zu isolieren und ein Heilmittel zu besorgen. Und alles ist so dämlich.

Beginnen wir mit der Tatsache, dass diese Serie es mag, Musik spielen zu lassen und nur die Figuren, gerne in Großaufnahme, zu zeigen. Da es aber schwer fällt, deren Motivation zu verstehen, selbst wenn die Figuren reden (weil sich die vermeintliche Motivation ständig ändert), ist es unmöglich, in den stoischen Gesichtern zu lesen. Man guckt einfach nur Leute an. Etwas wenig. Da liest Hershel zum Beispiel in der Bibel. Könnte eine tolle Idee sein: welchen Trost bietet ein Buch, das bis zur Apokalypse geht, nach der Apokalypse? Aber eine reife Glaubensdiskussion geht über die Autorinnen, und darum ist Hershel halt der Bibelleser.

Ähnlich wird mit Bob umgegangen (mit dem Namen bleibt er bestimmt ewig dabei), dem Alkoholiker. Wie geht man mit der Apokalypse um? Lässt man Alkis sich besaufen, oder nimmt man den Schnaps weg? Ein interessantes Thema, aber stattdessen wird Bob auf der Suche nach Medikamenten seinen riesigen Rucksack nur mit einer Flasche füllen und nicht noch zusätzlich Medikamente da rein tun, weil man sich ja ansonsten fragen muss, ob das Trinken an sich okay ist und nicht direkt sieht, dass der Kerl eine Gefahr ist.

Ansonsten handeln die Figuren eben immer noch sehr beschränkt. Erst, als die Grippe beginnt, sucht man nach Antibiotika, dabei sollten Infektionen doch eine der größten Gefahren darstellen und man würde bestmöglich vorsorgen. Mehr noch, der Grippeombie kann nur soviel Unheil stiften, weil die Leute zwar in Zellen schlafen, diese aber nicht abschließen. Wenn jeder seine Zelle schließen würde, käme der Zombie nicht rein und ein Zombie, der darin entsteht, nicht raus. 

Dann gibt es zwei weitere Kranke. Carol, die gerade einen Gebissenen getötet hat, kümmert sich um dessen Kinder. Carol kümmert sich ohnehin um die Kinder und muss an Rick vorbei im Geheimen denen beibringen, wie man sich verteidigen kann – dabei sollte das auf jeden Stundenplan der Zombiewelt stehen. Jedenfalls sieht Carol die Gefahr einer Epidemie und schleicht sich zu den Kranken und tötet sie, bevor sie zu Zombies werden. Dann verbrennt sie die Leichen (was komischerweise ein großer Affront ist, obwohl ich in so einer Welt voller Toten schnell zu Feuerbestattung gewechselt wäre). 

Wir erinnern uns: Rick hat zwei Typen erschossen, die nur seltsam redeten. Carl, sein Sohn, hat einen Typen erschossen, der sich ergeben wollte. Shane hat einen Dicken erschossen, um sich vermeintlich zu retten. In dieser Serie haben viele Leute fragwürdige Entscheidungen gefällt. Aber Carols Vergehen ist so groß, dass Rick sie verbannt. Ohne dies mit irgendjemandem abzusprechen und vermeintlich zu ihrem Schutz, weil man den Schwarzen nicht kontrollieren kann (starke und wütende Schwarze, der Klassiker) – aber auch, weil er Carol nicht bei seinen Kindern will. Seine Kinder, die Grimes selbst übrigens kaum sieht und nur wertschätzt, wenn sie sich als gute Schützen erweisen. Carl ist da klar im Vorteil zu seinem Baby, das Rick in der ganzen Serie insgesamt 10 Sekunden gehalten hat. Das Baby hat damals sofort geschrien. Die Verbannung wird von denen, die davon bislang erfahren haben, nüchtern bis positiv aufgenommen. Was totaler Bullshit ist.

 Es kommt jedenfalls zur Quarantäne, und wie wir später sehen, schließen sich die Kranken ein, sie werden nicht etwa eingeschlossen. Das heißt, dass die Kranken selbst rauskönnten, aber wenn jemand ihnen zuhilfe kommen möchte, kommt sie nicht herein. Tolle Idee. In diesem Zellenblock schließen sich die Leute immer noch nicht ein, und wenn jemand stirbt, wird sie heimlich rausgebracht und getötet (vor der Zombiewerdung), damit das niemand mitkriegt. Das stellt aber eine weitere Gefahr dar, und gleichzeitig ist nicht klar, ob die Kranken das nicht lieber sehen würden. Sie fragt ja niemand, das entscheidet der Hilfspatriarch Hershel, der freiwillig als Gesunder zu den Kranken geht. Als Maggie auch dazu will, lehnt er das aber ab, weil er die Gewalt über sie hat, und Maggie geht erst hinein, als ein Schuss fällt und nachdem Rick ihr explizit erlaubt, reinzugehen. Weil Selbstbestimmnung in dieser Serie ein Witz ist. Der einfachste Weg zu Überleben ist es, um den Tod zu bitten. 

Draußen sind derweil die Zombies vor dem Gatter. Schon vorher dachte ich immer, dass die Bewohner alle Zombies der Umgebung töten sollten – in den Actionszenen sieht man, dass dies nicht schwer ist, vor allem nicht, wenn ein Zaun dazwischen ist. Machen sie aber nicht, und nun sind es zu viele geworden. Wieder tun die Leute nix, bis der Zaun einbricht, dann erinnern sie sich an ihre Schnellfeuergewehre. Und weil es diese Serie ist, sind gleichzeitig die Kranken in der Quarantäne bedroht, und so darf Rick seinen Sohn bitten, ihm mit den Maschinengewehren zu helfen. Danach hat Rick auch wieder Respekt für seinen kleinen Soziopathen.

Als Hinweis darauf, wie Festhalten am Patriarchat und fehlende Voraussicht, fehlende Offenheit und Diskussionskultur und Missachtung der Stimmen von Frauen und Minderheiten zu Bedrohung werden, ist „The Walking Dead“ weiterhin beeindruckend. Als intelligente Serie versagt sie völlig. 

Ich werde bestimmt noch einmal oder zweimal zu Staffel 4 schreiben, danach ist die Serie ja momentan nicht im Free TV. Jetzt kommt ja der Gouvernor zurück, und weil ich darauf warte, was Daryl zu Carols Verbannung sagt, wird er wahrscheinlich nix sagen. Bis dahin aber starre ich ein wenig nichtssagend aus dem Fenster und lasse laut Musik laufen. 

Vorherige Beiträge:

The Walking Dead

Stand: Staffel 2, Folge 9

Stand: Ende Staffel 2

Stand: Staffel 3, Folge 4

Stand: Ende Staffel 3