Noch zwei Dinge zu Walking Dead, Staffel 7 (bis Folge 11)

Nachdem mir die letzten 7 Dinge aufgefallen sind, habe ich weitergeguckt, und ich hatte eine Eingebung. Ich weiß, was bei den Autor_innen passiert ist, als die siebte Staffel geplant wurde:

  1. Lagerkoller. Ein Autor hat gesagt: „Wäre es nicht verdammt cool, wenn wir mal ein Internierungslager zeigen, aber nicht aus Sicht der Internierten, sondern aus Sicht der Wärter? Ich meine, Negan ist doch irgendwie Amon Göth, oder?“ Und so kam es, dass wir als lustigen Triumph sehen können, wie Eugene sich gegen die hungernden Sklaven durchsetzt, die Negan als Pseudo-Freie in seiner Festung behaust und die in Todesangst vor einem Typen leben, der kurz darauf den einzigen Arzt des Lagers in einen Ofen steckt. Können wir bitte noch mehr darüber erfahren?
  2. Noch mehr. Wie in einem guten Internierungslager gibt es natürlich Frauen, die sich an die Offiziere verkaufen, um ihr Leben oder das ihrer Familie zu verbessern. Klar, dass wir die schwarzen Frauen darunter nicht genauer kennenlernen, aber wie wäre es, wenn da auch eine Frau bei ist, die wir schon vorher kannten? Die kann dann traurig sein, nicht weil sie da in diesem Harem hockt, sondern weil ihr Mann so leidet – und dann noch, weil einer unserer Helden gefangen wird. Kann diese Frau dann unseren Helden befreien und fliehen, aber wir sehen das nicht, sondern sehen nur, wie unser Held entkommt und wie ihr Mann dann versucht, sie zu finden? Am Ende wird das noch eine Geschichte über diese Frau anstatt über ihre Typen…

7 Dinge über Walking Dead, Staffel 7 (erste Hälfte)

  1. Autor Normalverbraucher. Das Besondere an „The Walking Dead“ war immer das Setting, und nie die Drehbücher. Ich habe mir immer gewünscht, dass jemand wirklich überlegt, wie man dieses Setting zum Leben erweckt. Welche Dinge werden in der Zombie-Apokalypse wichtig, welche Verhaltensweisen gewöhnt man sich an, wie kann man Zivilisation erhalten, usw. Zwar gehen die Autor_innen (überwiegend Autoren) ab und zu auf solche Fragen ein, das bleibt in der Regel aber oberflächlich oder wird schnell verworfen. Immerhin ist es nicht wie bei „Game of Thrones“, wo die Verursacher der Serie thematische Fragen ja als unwichtig abgetan haben. (Das ist ein anderer Beitrag) Jedenfalls sieht die Realität so aus, dass dies normale Fernsehautor_innen sind, die eben was mit Zombies machen. Darum gibt es dann hier dieselben bekloppten Plots und Figuren und Entwicklungen wie sonst auch. Es fällt mir aber schwer, das hinzunehmen – siehe auch den Begleitartikel zu „Fear the Walking Dead“, der hier bald folgt.
  2. Grusel oder Ekel oder Langeweile. „The Walking Dead“ soll eine Horrorserie sein. Und mit der Zeit hat die Serie wirklich tolle Make-Up-Effekte und ein bisschen CGI, die eklig sind. So kommt nun eins zum anderen: Ekel ist einfacher als Horror. Gerade, wenn man wöchentlich ein neues Drehbuch abliefern muss, bleibt eine gute Figurenzeichnung oder langsames Steigern von Furcht auf der Strecke. Also wird immer wieder Blut, Gedärm, Schleim, oder auch Folter gezeigt, weil das eben eine Reaktion verursacht. Dabei hat die Serie zugegebenermaßen auch ein Talent für Hingucker, wenn z.B. ein Sandhaufen einstürzt und daraus eine Horde Zombies hervor-röcheln. Aber in der Masse kann das auch ermüdend wirken.
  3. Lieblingsfiguren. Das ist ganz normal. Fans bekommen Lieblingsfiguren. Die Autor_innen bekommen Lieblingsfiguren, oder auch Darsteller_innen, die ihnen einfach sehr sympathisch sind. Manche Darsteller_innen möchten die Serie verlassen, oder machen Probleme am Set. Andere sind vertraglich gebunden. Dadurch entsteht automatisch, dass bestimmte Figuren von der Geschichte verschont oder bevorzugt werden und andere eben eher bestraft. Die Aufgabe des Autor_innenteams ist es, dies durch die Welt erklärbar zu machen. Je länger eine Serie dauert, desto schwieriger wird das aber. So ist Carl z.B. ein richtiger Nervsack, aber er ist auch der Teenager und Vertreter einer wichtigen Zielgruppe, und kann man im Fernsehen wirklich noch weiter gehen, als diesem Jungen ein Auge zu nehmen? Also bekommt er keine richtig heftigen Plot-Szenen und wird unerklärlicherweise verschont, ist aber auch langweilig. Rick wiederum sollte inzwischen längst zum Bösewicht geworden sein, das bietet sich einfach an. Aber er ist die Hauptfigur, und solange Andrew Lincoln das nicht explizit fordert, wird Rick immer wieder zum Helden werden, so ist die Serie halt angelegt und niemand hat den Anreiz, für eine bessere Geschichte seinen_ihren Job zu riskieren, weil die Serie abgesetzt wird oder eine Figur herausgeschrieben, zumal wenn die Serie ohnehin erfolgreich ist.
  4. Negan. Negan, Negan, Negan. Hier kommen so viele Probleme zusammen. Die Autor_innen lieben ganz augenscheinlich diese Figur. Die Mitwirkenden mögen Jeffrey Dean Morgan. Negan ist ein Favorit aus den Comics und damit zielgruppenrelevant. Also bekommt dieser Typ etwa 3/4 der Redezeit und Sendezeit von nahezu jeder Folge, und wir sollen das toll finden statt ermüdend. Außerdem reicht die Präsentation eines offensichtlichen Bösewichts, denn sich eine funktionierende proto-faschistische Gruppe auszudenken oder Negan klare Ziele zu geben, ist anstrengend und zeitraubend. Schnell geht es wiederum, wenn man den Bösen zu einem unberechenbaren Irren macht (siehe auch das anfangs mittelmäßige und inzwischen grauslige „Sherlock“) Und also darf Negan in dieser Zeit immer wieder Menschen foltern, erpressen, bedrohen, weil es für die Autor_innen einfach ist, so einen Bösewicht zu inszenieren, und die Hoffnung besteht, dass Jeffrey Dean Morgan diesen Typen so faszinierend verkörpert, dass wir es hassen, ihn zu lieben. Aber stattdessen wird das nervig und anstrengend, und der Psychopath Negan wirkt so unberechenbar, dass auch ein wenig Gefahr verloren geht – immerhin muss er ständig die Figuren bedrohen, die aber (siehe oben) nicht sterben dürfen. Negan darf aber auch (noch) nicht sterben, also suhlt sich die Serie einfach in Folter und Psychopathie. Negan soll der große Publikumsmagnet sein, und anstatt zwei-, dreimal in der Staffel vorzukommen, während die Hauptfiguren andere Konflikte austragen und auch Erfolge haben, wird es zu einer unablässigen Depri-Dusche. Man hat den Eindruck, dass nichts passiert – und schlimmer noch, anstatt Angst vor Negan zu haben, fragt man sich, warum dem noch keiner eine Kugel durch den Kopf gejagt hat.
  5. Patriarchat. Ich muss das extra nennen, weil es mir so auf den Senkel geht. Immer sind die Typen die Chefs, haben die Typen Recht, retten die Typen den Frauen das Leben. Klassische Szene: Enid will die Siedlung verlassen, Carl sagt, sie solle das nicht tun, er würde ihr nicht wieder das Leben retten wollen. Enid geht. Nächste Szene: Carl rettet Enid das Leben. Dann geht er los, um Negan anzugreifen, und Enid kümmert sich um die schwangere Maggie. Weil das eben so ist mit Jungs und Mädels. Und Carol war mal die coolste, aber nun hat sie ein kleines Haus und will Hausfrau sein, weil es den Autor_innen wohl nicht passte, dass das Publikum Carol für die coolste hielt. Oder warum auch immer, interessante Dinge stellen sie mit ihr jedenfalls nicht an. Dazu gehört auch, dass am Ende doch immer Gewalt die richtige Lösung ist, und Leute wie Morgan, die hoffen, mit anderen reden zu können, per se falsch liegen – und damit nicht interessant sind, sondern naiv wirken.
  6. April, April. Was ist auch noch einfach, um eine Reaktion zu erzeugen? Überraschungsmomente und falsche Erwartungen zu erzeugen. Also wird Glenn getötet – aber halt, doch nicht! Er taucht wieder auf (und wird prompt getötet). Daryl wird verschleppt – aber es geht ihm gut! Da steht unser Kumpel Heath als Zombie… aber nein, es ist nur irgendein Zombie. Olivia schlägt Negan, aber nein, es passiert doch nix, aber doch, jetzt, aber nein, aber ja, aber… wenn der Umgang mit Figuren so wirkt wie aus „Little Britain“, gibt es ein Problem.
  7. 100 Folgen. Man erkennt, warum Serien es nur selten über so lange Zeit schaffen. Fernsehen ist ein Medium der Veränderung, und nach sieben Jahren lassen sich Figuren nicht so einfach ändern, und viel Platz für neue Leute gibt es dank der Lieblingsfiguren auch nicht. Also gibt es einerseits wenig Zeit, sich zu überlegen, warum jemand so handelt, wie er_sie es tut; es gibt wenig überraschende Antworten auf diese Fragen bei den etablierten Figuren (was langweilig wirkt) – oder unerklärte Änderungen (was unglaubwürdig wirkt). Und die Serien von heute wollen keine Archetypen, die sich an Konflikten reiben, das ist nicht en vogue (auch wenn sich das eignen würde: zuerst lernt man in der Apokalypse neu, wer man wirklich ist oder sein will, und dann prüft man dieses Bild an der Welt). Also gibt es Stunts: Überbösewichte, Schockmomente, Fake-Outs, noch mehr Schleim als vorher…

Es ist seltsam. Dies sind keine positiven Punkte, aber „The Walking Dead“ ist ein Flauschfaktor für mich. Wo ich mich früher aufgeregt habe, dass es diese Serie gibt und wie die so ist, gehört heute das Ärgern über ihre Fehler zu meiner Routine. Es ist entspannend, sich anzusehen, welchen Quatsch wir denn diesmal wieder zu sehen bekommen, und es ist in dieser Hinsicht schön, dass „Fear the Walking Dead“ genauso bekloppt ist. Hoffentlich geht das noch so lange weiter, bis Carl aufs College geht und Ricks verschollene Zwillingsschwester auftaucht, und sich herausstellt, dass Daryl die ganze Zeit ein Zombie war…

7 Gründe, warum Star Trek Discovery das beste Trek ist

  1. Verstehen. Zuerst halte ich etwas Angst, dass die Serie einen Krieg zum Aufhänger hat. Aber es zeigt sich, dass die Militarisierung von Forschung als Bedrohung beschrieben wird. Die Lösung der Episoden beruhte bislang darauf, fremde Wesen und Kulturen zu verstehen und zu schätzen.
  2. Michael Burnham. Die Hauptfigur der Serie ist nicht nur erste Offizierin, sondern sogar degradiert und entehrt. Als solche kommt sie auf der Discovery direkt mit der Kommandostruktur in Konflikt. Das bedeutet, dass die philosophischen Differenzen nicht zwischen der Crew und einem externen Einfluss stattfinden, sondern innerhalb der Crew. Burnham trifft auf Misstrauen und Neid und auf einen kriegerischen Captain.
  3. Die Crew. Discovery ist eine Serie, die stark auf ihren Plot baut. Dadurch stehen die Figuren nicht so im Vordergrund wie in anderen Trek-Serien. Und natürlich kennt man nach 100 Folgen – davon 10 auf dem Holodeck – eine Crew besser als nach 5 Episoden. Trotzdem ist die Crew der Discovery für mich fast die beste Crew, da sie erzählerisches Potenzial hat. Nicht umsonst waren Spock, Data, Seven-of- Nine oder Worf beliebte Figuren, denn sie gingen über ihre Eigenschaften hinaus und hatten innere Konflikte, ein Entwicklungspotential. Saru kämpft mit seiner paranoiden Ader und seinem Misstrauen gegen und Neid für Michael Burnham, um doch ein guter erster Offizier zu sein. Tilly ist nervös, brabbelig und doch sehr ernst in der Ambition, Captain zu werden. Wer ist die letzte Figur einer Trek-Serie, die Ambitionen zum Aufstieg hatte? Stamets kann sein Lieblingsthema erforschen mit gewaltigen Ressourcen, aber nicht für friedliche Zwecke. Und Lorca ist eher ein Klingone, der aber für die Föderation unterwegs ist- und Captain.
  4. Vielfalt. Bei allen progressiven Politik tat sich Trek doch oft schwer mit Minderheiten und sexueller Vielfalt. Hier haben wir auch in Nebenrollen Frauen, People of Color (inklusive Women of Color), wir haben ein schwules Paar in wichtiger Position… das ist nicht radikal, aber zeitgemäß.
  5. Der rote Faden. Discovery hat anscheinend einen Plot für die ganze Staffel, aber zugleich macht die Serie es bislang sehr gut, die Folgen mit abschließenden Entwicklungen zu fällen. Andere Netflix- Seien sind oft als einzelne Folgen kaum anzusehen, vor allem in der Mitte der Staffel. Ich hoffe, dass dieser Hänger Discovery nicht trifft, weil eben jede Folge etwas erzählt und damit fertig wird.
  6. Ausstattung. Mann, sieht diese Serie gut aus. Film-Qualität.
  7. Flausch oder Tentakel? Momente von Flausch durch Zusammenhalt der Crew und Wertschätzung von Mitgefühl. Aber in einem düsteren Umfeld. Beste Entwicklung ist die von Ripper.

Was fehlt? Die Klingonen. Ich finde sie teilweise interessant, aber auch so anders als sonst, ich weiß einfach noch nicht… Und bitte keine Romanze da!

Mehr erwarten – oder?

Mehr erwarten – das war lange für mich ein Schlagwort feministischer Kritik. Fehltritte nicht übelnehmen, aber dennoch mehr von Leuten erwarten. Soll heißen: zum Fehler stehen und beim nächsten Mal besser machen.

Kritik dient in diesem Sinne dann (auch) dazu, Anleitung zu geben, Rückmeldung darüber, was gut war und was – und ggf. wie – besser gemacht werden kann. In der Erwartung, dass es alle besser machen wollen.

Das führt bei mir aktuell zu zwei Schwierigkeiten:

1) Bei positiv aufgefallenen Medien entsteht für mich die Schwierigkeit, dass man die möglichen Fortschritte, die diese Medien machen, unter den höheren Erwartungen versteckt und man ggf. diese Medien gar nicht mehr positiv wahrnehmen kann. Quasi das Unvermögen, den Istzustand zu genießen, weil der Sollzustand noch besser ist.

2) Diese höheren Erwartungen werden oft auch in der feministischen Diskussion gegen sich selbst gesetzt bzw. den feministischen Mainstream (wenn es denn so etwas gibt), die diese dann durchaus ernst nehmen. Bei vermeintlich anders denkenden Menschen werden diese Erwartungen nicht nur oft enttäuscht, sondern oft nicht einmal mehr gesetzt. Und damit sind wir bei der AfD.

Ernst nehmen solle man die Wähler_innen und ihre Nöte und Sorgen. Man solle sie nicht als dumm abtun, nicht die Diskussion mit den Nazis verweigern, nicht auf ihre Tonart wechseln, sich aber auch nicht mit ihnen gemein machen. Das sind extrem hohe Anforderungen in einer sehr stressigen Zeit, wie ruhig und geduldig und verständnisvoll man Menschen begegnen soll, die zumindest Nazi-Tendenzen in einer Partei nicht disqualifizierend finden. Die auch nichts dagegen haben, dass die AfD den Klimawandel leugnet. Und so einiges anderes.

Damit haben diese Wähler_innen doch ihr Ziel erreicht. Sie haben gepoltert, sie haben gebuht und gepfiffen, gepöbelt und krakeelt. Sie haben Diskussionen verweigert und unmöglich gemacht, sie haben unmenschliche Politik gewählt – und jetzt werden sie ernst genommen und alle kümmern sich darum, wie man diesen Menschen gerecht werden kann.

Und Feminist_innen? Die sollen nicht laut werden, nicht pöbeln oder krakeeln, wenn sie angehört werden wollen. Und wenn sie brav gewartet haben – dann kommen die Pöbler und sind wichtiger.

Da habe ich ehrlich gesagt im Moment wenig Kraft zu, da lasse ich mir meinen AfD-Wähler-sind-doof-Witz nicht nehmen. Ihr versteht das sicherlich, zumindest erwarte ich das von euch.

Listen mit Flausch: 7 Dinge über ES

In which I go and blog again.

  1. Derry. Derry ist die Stadt, in der ES spielt. Derry ist ein Ort der Verschwiegenheit. Die Kinder verschwinden, die Erwachsenen sehen weg. Egal, was ist, die Erwachsenen sehen weg — oder sind selbst die Täter_innen. Die Kinder und Hauptfiguren haben entsprechend keine Hilfe zu erwarten, vielmehr leiden sie unter ihren Eltern. So weit das Buch. Im Film wird das nur stellenweise deutlich. Dadurch gerät die Thematik des Erwachsenwerdens, der Abkapselung von Autoritäten ein wenig in Verschwommenheit. Diese Dinge werden entsprechend gesagt, aber weniger gezeigt.
  2. Klang. Schaut euch diesen Film an: How to make music scary (4 min). Diese Musik wird in ES wummernd über euch gegossen, wieder und wieder. Das ist ein Trick, der durch Wucht und Masse an Wirkung verliert. Manchmal gibt es auch Krach. Oder Rockmusik als Pointe.
  3. Ton. Auch die Stimmung des Films ist unausgewogen. Wenn die Kinder sich gegen ihre Peiniger wehren, erklingt harter Rock, gleichzeitig beginnt das Ganze mit einem Gag. Ist das nun eine witzige Szene, oder ein Triumph, oder ist es den Filmatisten scheißegal? Ebenso die Gruselei. Da wechselt es von verstörenden Bildern zu hektischem Geschüttel zu Bombast zu minimalem Splatter (nur subtil ist es nie). Dadurch wird immer wieder die Spannung gebrochen, weil die nächste Veränderung kommen muss — und sie springt uns wahrscheinlich auch noch ins Gesicht.
  4. Frauen. Es gibt eine Bibliothekarin. Ansonsten kommen genau zwei Frauen vor: Eddies Mutter wird betont mit ihrer Körperfülle gezeigt und diese als Pointe benutzt, wie es den Vätern des Films nicht ergeht. Die sind zwar schmierig, aber klar dominant—maskulin. Die Mutter ist ein fetter Witz wie Howards Mutter in der Big Bang Theory. Die dritte weibliche Figur mit mehr als einer Szene ist ein Papierboot, weil wir zwei Mal hören, dass Boote weiblich sind.
  5. Und dann ist da noch Beverly. Im Buch ist Beverly arm und wird von ihrem Vater geschlagen. Der Film hat auch hier wieder tonale Schwierigkeiten. Beverly wird recht klar von ihrem Vater missbraucht. In der Schule gibt es Gerüchte über ihre angebliche Hypersexualität. Sie lenkt mit sexuellen Anspielungen einen Erwachsenen ab. Schon das wird eher neutral bis positiv gezeigt, nicht als seltsame Folge ihrer Erfahrung. Sie ist auch eindeutig Objekt der Begierde von allen Jungs, zwei Jungs insbesonders. Beide Jungs werden sie ungefragt küssen, und Beverly wird das gefallen. Diese Übergriffigkeit fällt den Filmatisten nicht auf, ebensowenig, dass sie bei Erwachsenen raubtierhafte Begierde als bedrohlich zeigen, bei Kindern aber ebenso inszenieren, mit dem Unterschied, dass es um Gleichaltrige geht.
  6. Die Kids. Wir müssen heutzutage in so einem Film nicht mehr 6 Jungs und ein Mädchen haben, nicht mehr 6 weiße und eine Minderheit, nicht mehr nur heterosexuelle Kinder usw. Hollywood ist weiter. Wobei die Darsteller allesamt gut sind, und Sophia Lillis ist großartig als Beverly. Ich möchte auch noch die Szene erwähnen. Im Roman verbrüdern sich die Kinder (sic), indem sie nacheinander mit Beverly schlafen. Das ist quatsch und unfilmbar und passiert hier auch nicht. Gut so.
  7. Flausch. ES hat eher geringen Flauschfaktor. Auch die Freundschaft der Kinder hat eine Umarmung und wenig Kuschelei. Das ist bei einem Gruselfilm auch wenig verwunderlich. 

Am Ende ist ES okay, aber problembehaftet, vor allem dadurch, dass es eher brachial vorgeht und wenig Sinn für thematische Klarheit, konsequente Atmosphäre und Subtilität hat. Aber gute Darsteller und ein paar Schocks. Der Schlaf ist aber nicht gefährdet.

Fear the Walking Dead 1×05

Inhalt: Spannender Cliffhanger, keine Zombies, Folter

Der Aufbau der einzelnen Folgen von FtWD wiederholt sich. Es passiert nichts, dann kommt am Ende ein cooles Bild oder eine viel versprechende Entwicklung. Das nervt.

Diese Woche wollen wir natürlich wissen, was so gruseliges in dem angeblichen Militärhospital vorgeht. Wir sehen: es ist ein Hospital. Boah. Außerdem sitzen manche Leute in Käfigen fest und werden überprüft, ob sie z.B. Anzeichen einer Infektion zeigen, und dann weg geschafft. Gruselig. Nick trifft einen Schwarzen im Anzug, der sich ein wenig wie ein Teufel aufführt mit langen Selbstgesprächen, und der Nick beschützt. Das tut er übrigens, indem er die Wachen mit wertvollen Manschettenknöpfen besticht. In einer Welt, in der schon jetzt viele, viele Häuser leer stehen und man in jedes Haus und jede Bank und jedes Juweliergeschäft gehen könnte, um so viel Geld und Gold zu holen, wie man will.

Mich ärgert wirklich, und darum hacke ich darauf auch herum, wie banal das alles ist. Die Macherinnen der Serie haben sich entschieden. Sie wollen die Infektion nicht so zeigen, dass Zuschauerinnen alles verfolgen können, was passiert. Also bekommen wir keine Informationen darüber, wer in der Regierung oder im Militär noch das Sagen hat. Wir bekommen keine Einblicke in den Zombie-Ausbruch, den die Figuren nicht haben, und die Figuren sind aber nun wirklich überhaupt nicht neugierig.

Die Macherinnen wollen aber auch nicht realistisch beschreiben, was passieren könnte. Denn herauszufinden, wie es tatsächlich mit so einer Versorgung wäre, welche Schritte und Entwicklungen sinnvoll wären – wie eben zum Beispiel, dass goldene Manschettenknöpfe niemanden interessieren würden -, bedeutet Recherche und vielleicht auch Introspektion. Ich werfe den Macherinnen nicht vor, dass sie diese Zeit nicht nehmen. In einer normalen Serienproduktion müssen Woche für Woche Skripte abgeliefert werden, da muss man eben primär an die Story denken. Trotzdem finde ich manchmal, dass vielleicht die Rolle einer „kritischen Freundin“ oder ähnliches im Drehbuchraum angemessen wäre.

Nun ja, jedenfalls bleibt den Macherinnen dann nur, spannende Storys zu erzählen, aber sie wollen nicht actionreich sein, sie wollen sich Zeit lassen und den angeblichen Grusel andeuten, dann durchschlagen lassen. Darum ist dies auch die dritte Folge in Folge ohne Zombiebedrohung. Aber immerhin geht jemand in einen dunklen Keller mit einer Taschenlampe mit Wackelkontakt.

Die letzte Chance ist nun, diese banalen Dinge mit Figuren zu erzählen, die interessant sind. Aber das sind sie nicht. Ich muss immer noch jedes Mal bei Wikipedia nachlesen, wie die Leute eigentlich heißen. Ich interessiere mich null für Alicia, die nach ihrem Schwarzen Freund nun anscheinend mit Chris zusammenkommt, ist immerhin der einzige Nichtverwandte ihres Alters und die beiden zerstören gemeinsam ein verlassenes Haus. Und Ofelia verführt einen Soldaten, der dann aber von ihrem Vater gefoltert wird. Sie weiß das aber nicht. Sonst bekämen wir ja vielleicht mal einen interessanten Gewissenskonflikt. Aber nein, Vater ist ein eiskalter Folterer, Tochter ist unwissend.

Es gibt genau eine interessante Storyline mit dem bislang sehr langweiligen Travis. Der soll nämlich im Beisein von Soldaten einen Zombie erschießen, kann das aber nicht. Zu sehr sind das für ihn noch Menschen, die vielleicht geheilt werden können. Oder zu sehr kann er einfach nicht töten. Das ist interessant. Hätte man das gekoppelt z.B. mit der bewussten Entscheidung seiner Frau, den Soldaten zu foltern, und hätte man die beiden dann aufeinander losgelassen, hätte das interessant sein können: welche Moral können wir uns in so einer Situation erlauben? Welche Moral müssen wir uns vielleicht erhalten?

Die Antworten sind aber, so fürchte ich, den Macherinnen bereits klar: Egoistisch sein, eine Kleingruppe beschützen, alles andere ist abzulehnen. Die Folter hilft für nützliche Infos und wir sehen auch nicht so genau, was da eigentlich passiert, und der Soldat ist nachher auch noch gut drauf. Wird vielleicht sogar alles verzeihen, wenn er überleben sollte.

Nun ja. Noch eine Folge, in der also folgendes droht: das Militär will abziehen und eine Bombe werfen, ohne die Bevölkerung zu retten (unklar, warum das so sein sollte – alle Überlebenden sind doch wertvoll). Ein großes Stadion voller Zombies droht, zu platzen. Und es ist noch eine Nacht Zeit. Also wird womöglich doch noch was passieren, und in der letzten Folge dann viele sterben, und ich stelle fest, dass mich überhaupt nicht interessiert, wer lebt und wer stirbt, weil die sich alle so blöd anstellen und so langweilig sind.

Ich freue mich also auf nächste Woche.

Fear the Walking Dead 1×04

Na, war das jetzt eine Verbesserung?

Inhalte: keine Zombies, Militarismus, Krankheiten und Süchte

Die vierte Folge von FtWD hat mir bislang am Besten gefallen, was bedeutet, dass ich mich nur ganz wenig geärgert habe. Aber mitgerissen hats mich leider auch nicht.

Der Vorort von Maddie und Travis und der erweiterten Familie (Nick und Alicia, Liza und Chris, Daniel und Griselda und Ofelia) wurde vom Militär gesäubert und mit einem Schutzzaun versehen. Nun gibt es regelmäßig Strom, ein wenig Essen, die Idee von öffentlicher Ordnung. Liza gibt sich als Krankenschwester aus und pflegt Nachbarinnen, Travis arrangiert sich besonders schnell und wird so eine Art Vermittler zwischen Militär und der Nachbarschaft, Maddie hat am ehesten zu knappsen, aber auch die meiste Arbeit. Die Salazars kümmern sich um Griseldas entzündeten Fuß, Ofelia verführt sogar einen Soldaten, um an Medizin zu kommen (erfolglos).

Alles dreht sich um zwei Ereignisse: erst entdeckt Chris in den Hügeln ein flackerndes Licht, aber das Militär behauptet, es könne niemand mehr da draußen leben. Dann kommt endlich eine Ärztin in die Stadt und nimmt alle Kranken mit in ein angebliches Krankenhaus außerhalb der Stadt. Auch der drogensüchtige Nick wird mitgenommen, und Liza geht freiwillig mit – die Ärztin möchte, dass Liza weiterhin die Krankenschwester spielt. Gekoppelt mit den abfälligen Kommentaren der Soldaten ist zu erahnen, dass hier nicht alles koscher ist, und am Ende scheint es so, als seien die flackernden Lichter in den Hügeln eher Mündungsfeuer.

6 Folgen sind für diese erste Staffel womöglich einfach zu wenig, das Budget zu klein. So spielt sich alles in zwei Straßen ab, wo mir doch zuerst der Untergang der Welt am Beispiel von Los Angeles versprochen wurde. Die fehlende Zeit äußert sich darin, dass ich mich nie mit den Figuren zusammen richtig sicher fühlen darf, dass die Versuchung durch das Militär nicht deutlich wird, bevor die Korruption erkennbar ist. So bleibt es an einzelnen Dialogen, Tragik und Spannung aufzubauen, und die Dialoge haben ja schon die Originalserie nicht berühmt gemacht.

Ärgerlich in dieser Folge ist vor allem, wenn Maddie sich durch den Sicherheitszaun schleicht. Wohl wissend oder zumindest ahnend, was vor sich geht – wenn schon keine Zombies, dann aber ansteckende Krankheiten und angriffslustige Infizierte -, macht sie bedenkenlos ein Loch in den Zaun und geht dann unbewaffnet los, lässt sogar eine auf der Straße liegende Pistole in Ruhe, statt sich zu bewaffnen. Und kehrt unversehens zurück ohne Angst, eventuell nun infiziert zu sein. Es gibt überhaupt in dieser Folge keinerlei – null – Diskussion über die Ursachen der Krankheit oder ihre Folgen. Es gibt keine größeren Themen als das aktuelle Leben der jeweiligen Person: hier muss gestrichen werden, wo bleibt der Strom, gibt es Medizin usw. Die Figuren sind unbewegt, untraumatisiert, uninteressiert. Niemand fragt sich, was in L.A. passiert sein mag. Eine Wand mit Botschaften an Vermisste macht deutlich, wie wenig diese Leute sich um andere sorgen: keine Freunde, Kollegen, Familie – aber auch keine Trauer.

Das ist langweilig.

Die beste Szene der Folge war, als Nick sich unter das Bett eines Herzkranken legt und dessen Morphin für sich selbst abzweigt. Eine brutale Junkie-Aktion, die passte und ehrlich schien.

Nun ja, ich hoffe, dass die nächste Folge (die vorletzte der Staffel) dann endlich loslegt mit Grusel und Zombies, denn Melodrama oder Drama oder Charakterstudie können die hier nicht. Bis dahin!

Skyfall

Beim zweiten Gucken wird mir klar: Ich verabscheue Skyfall. Der noch neueste Bond-Film ist in meinen Augen ein richtiges Machwerk.

Inhalt: Sexismus und sexuelle Gewalt, Ewig-Gestrigkeit, Inkonsequenz und Dödelei

Es beginnt gleich in der ersten Actionsequenz, als Daniel Craigs James Bond seiner Mitagentin Eve Moneypenny (Naomie Harris) ins Steuer greift, um einen Bösewicht zu stoppen, und dann rechtzeitig aus dem Auto kommt und sie warnt, damit sie in Deckung gehen kann. Gleich ist klar, dass in diesem Film Frauen ja nicht glauben mögen, sie seien gleichwertig mit einem Mann. Bond hat mit ihnen auch entweder Sex oder eine Mutter-Sohn-Beziehung.

Moneypenny darf Bond dann auch gleich anschießen, was ihn den Film über schwächt (aber siehe unten) und sie davon überzeugt, am Ende doch lieber eine Vorzimmerdame zu werden. Nachdem sie mit Bond Sex hatte.

  • Nachtrag: Mir wurde gesagt, dass die beiden keinen Sex haben. Nun, sie haben ein recht eindeutiges Vorspiel – siehe dieses YoutTube-Video -mit einer weichen Abblende am Ende. Und auch, wenn es keinen Akt gab, so hat sie doch vor ihm kniend ihn rasiert, eine sexualisierte und eindeutig bedienende Handlung, die auch ausreicht.

Später trifft Bond eine Frau, die ihm beichtet, seit ihrer Jugend an Männer verkauft worden zu sein. Um frei zu kommen, hilft sie ihm. Die nächste Szene: er schleicht sich zu ihr in die Dusche und es gibt Sex. Mit dieser in einer sexuellen Zwangslage steckenden Frau. Ekelhaft.

Dann wird die Frau erwischt und Bond muss versuchen, sie durch einen Schuss zu retten. Nun kommt die Verletzung wieder ins Spiel, die den ganzen Film über angedeutet wird aber Bond im Ernstfall nicht wirklich behindert – nur in dieser Szene kann er eben nicht gut genug zielen. Der Bösewicht erschießt sie daraufhin. Bonds Reaktion: er bedauert, dass Whisky vergossen wurde. Dann tötet er alle Wachen und nimmt den Bösen gefangen. Zehn Sekunden vorher, und die Frau hätte gelebt. Aber andererseits verschwendet Bond an diese Frau ebensowenig Gedanken wie an die Frau, neben der er zu Beginn des Films aufwacht.

Derweil wird Mutterfigur M in England von einer Ministerin in die Zange genommen, die mit den Methoden des Geheimdienstes nicht einverstanden ist. In einem Tribunal sitzt diese Ministerin mit vier weißen Männern (die schweigen und so nicht explizit ihrer Meinung sind) und referiert so ausgiebig über ihre Hexenjagd, dass der gute Junge Ralph Fiennes die Ministerin verbal abstrafen kann.

Am Ende verliert Bond seine Mutter, gewinnt aber einen neuen Vater dazu, also alles gut.

Gekoppelt ist das mit einem durchgehenden Thema, dass die „gute alte Zeit“ – also die Zeit, in der Ungleichheit und Staatsmacht noch ausufernder waren als heute – nicht vorbei ist und angebliche „Relikte“ wie Bond immer noch gebraucht werden, und gipfelt in einer Szene, in der genau dieses Thema von Judi Dench als verdammtes Gedicht vorgelesen werden, während wir die Maschine dieser Reise in die Vergangenheit, James Bond, dramatisch im Bild sehen können. Kotz.

Neben diesem Thema, dass die alte männliche Gewalt und das Patriarchat Bestand haben müssen (ergo wieder ein Mann als M und Moneypenny ins Vorzimmer), ist Skyfall erschreckend leer. Zugegeben tolle Bilder ergeben aber kein größeres Bild, sondern sind nur nett anzusehen. Sie bedeuten nichts. Und wie oben beschrieben gefällt man sich darin, Bond als angeschlagen zu inszenieren, bis es zu Actionszenen kommt, wo er dann keine merklichen Nachteile erleidet. (Er ist aber auch, erfahren wir im Gedicht, mit unbändigem Willen versehen.)

Skyfall wirkt wie die schicke Gegenbewegung zur Forderung nach mehr Diversität im Film: Nein, der weiße männliche und natürlich Hetero-Held (cooler Spruch hin oder her, maskulin ist der Held, feminin wirkt eher der Schurke) ist immer noch die wahre Antwort.

Mich ärgert wohl, dass der Film toll besetzt und toll gefilmt ist und tatsächlich mehr sein könnte als tolle Bilder und eine Sehnsucht nach 1950.

Dann tausendmal lieber Mission Impossible.

Fear the Walking Dead 1×03

Nach der dritten Folge von FtWD bin ich echt genervt.

Die Figuren zeigen ein ständig wechselndes Bild der Situation: Da ist eindeutig die Nachbarsfamilie hingerafft worden, und man hat genug Angst, um nicht nachzusehen oder Hilfe anzubieten. Aber gleichzeitig bereitet man sich in keiner Weise darauf vor, abzuhauen, sich zu wehren oder nur sich zu verbarrikadieren. Da wird die Tochter immer noch im Dunkeln darüber gelassen, was vorgeht.

Da steht Travis einem Zombie gegenüber, der gerade vor seinen Augen einen Hund frisst, und nähert sich ihm naiv. „Peter, komm schon, du bist krank.“ Selbst wenn – in diesem Moment ist Peter eindeutig gefährlich. So eine Blauäugigkeit, gekoppelt immer noch mit so einer Herzlosigkeit, andere Menschen nicht zu warnen und ihnen nicht zu helfen, macht diese Figuren ärgerlich.

Dazu kommt, dass dadurch in den Folgen nichts passiert. Da sitzt die Familie um den Tisch und spielt Monopoly. Boah. Weil die Autorinnen die Idee so toll finden, dass Familientraditionen in dieser neuen Welt neu geschrieben werden müssen. Darum bitte auch noch drei mal die platte Hüpfburg einblenden, nicht um an die Unmenschlichkeit der Heldinnen zu erinnern, sondern um tragisch die neue Welt zu inszenieren. Und jetzt bitte noch ein einzelnes kleines Mädchen mit Teddy, das aber nur als Bild wichtig ist, weshalb niemand losgeht, um diesem Mädchen zu helfen. Es ist gleich wieder vergessen.

Wir erfahren auch kaum, was diese Familien bewegt. Ich meine, ob die Welt untergeht oder nicht, immerhin passiert da etwas Abgefahrenes. Das muss man doch für sich einordnen und diskutieren. Was denken die? Was macht das mit ihren Grundwerten? Welche Konflikte, welche Zuflucht finden sie? Nicht einmal das wird geschildert. Aber natürlich auch nicht der Blick aufs Große. Nichts.

Ebenso seltsam: Nach einem ganzen Tag von Randalen, die so schlimm sind, dass die Heldinnen sich nicht vor die Tür trauen, kommt die US-Polizei harmlos mit Schilden und Schlagstöcken, anstatt wie aus dem Fernsehen bekannt militaristisch vorzugehen. Und der Geländewagen der Heldinnen steht auch noch unbeschadet mitten auf der Straße. Natürlich.

Dies ist eine nichtssagende Serie mit unsympathischen und dummen Figuren und unrealistischen Begebenheiten und damit erkennbar Teil der Welt von The Walking Dead.

Am Ende der dritten Folge hat das Militär eingegriffen. Geändert hat sich anscheinend trotzdem nichts.

Und das Ärgerlichste an dieser Serie: das Konzept ist gut, und die Ausführung so schlecht, aber hochwertig, dass ich weitergucken will, welchen Mist die sich nächste Woche einfallen lassen. Hatewatching nennt man das wohl.

Na dann bis nächste Woche.

R.E.D. 2 vs. Spy

Inhalt: Klischees, Sexismus, folgenlose Gewalt

Ich fand R.E.D. mäßig unterhaltsam, habe aber Gutes über die Fortsetzung gehört, in der Bruce Willis, John Malkovich, Helen Mirren und andere ältere Menschen erneut die Welt oder zumindest ihr Leben retten, indem sie viel in die Luft jagen. Leider habe ich vor R.E.D. 2 bereit Spy gesehen, oder wie es auf deutsch so krachend heißt: Susan Cooper undercover.

R.E.D. 2 ist im Plot ein relativer Standard-Actionfilm: Bösewichte haben Zugriff auf eine gewaltige Bombe, unsere unwahrscheinlichen Heldinnen müssen dagegen vorgehen. Derselbe Plot übrigens bei Spy. Bei R.E.D. 2 ist es nun so, dass Bruce Willis und John Malkovich als Agenten im Ruhestand mit der Bombe in Verbindung gebracht werden und nun ihre Unschuld beweisen müssen. Dies tun sie mithilfe von alten Weggefährten wie z.B. Anthony Hopkins oder Helen Mirren, aber auch mit Bruces Geliebter Marie-Louise Parker und seiner Ex-Geliebten Catherine Zeta-Jones und Witzen über Alter.

Spy hingegen erzählt, dass die Namen aller Top-Agenten wie Jude Law oder Jason Statham öffentlich werden und daher die hinter den Schreibtisch verbannte Melissa McCarthy ihr Können zeigen muss. Dies tut sie mithilfe ihrer besten Freundin und Analystin Miranda Hart und dem übergriffigen Agenten Peter Serafinowicz sowie vieler Witze über dicke Frauen.

Das Problem: R.E.D. 2 macht Sprüche über das Alter. Zum Beispiel gibt es natürlich Weinliebhaber („guter Jahrgang“), jeder sagt was dazu („das war vor meiner Zeit“ usw.), aber außer der Idee, dass ältere Menschen überraschend kompetent sein können, passiert da nicht mehr viel. Der zweite Humorstrang ist, dass Bruce Willis seiner Freundin sein sorgloses Leben ermöglichen will, die aber eindeutig auf Gefahr steht, und Bruce das erkennen muss. Aber auch das erschöpft sich in Platitüden.

Spy hingegen ist da treffender. Die Witze sind stellenweise grenzwertig (und härter als bei dem harmlosen R.E.D. 2, wobei beide Filme eine seltsame Stelle über Fäkalien beinhalten, die sonst nicht hereinpasst). Aber der Humor zeigt auch deutlich, wie Frauen und fette Frauen behandelt werden – McCarthy bekommt Tarnidentitäten als unattraktive Mütterchen, sie wird nicht ernst genommen und erhält auch keine echte Unterstützung, bis sie sich selbst welche besorgt. Hier gibt es echte Benachteiligung, und McCarthy zeigt, dass sie nicht nur genauso gut sein kann wie die Top-Agenten, sondern aufgrund ihrer schlechteren Ausstattung sogar besser sein muss. Sie zeigt die Klischees gekonnt auf und zerbricht sie dann, wenn sie zum Beispiel absolut großartig in einem Hosenanzug aussieht, der dann doch gleich wieder schlecht gemacht wird. Es ist sehr viel mehr ein Ausrufezeichen einer fetten Frau, die sich hinstellt und präsentiert, wie cool sie doch ist, als R.E.D. 2 ein Ausrufezeichen von alten Männern ist.

Dazu passt auch, dass Spy echte Frauenfreundschaft beinhaltet, wohingegen R.E.D. 2 sofort Rivalinnen inszeniert. Dass in Spy das Machogehabe (großartig: Jason Statham) entlarvt wird, wohingegen es in R.E.D. 2 Teil der Fantasie ist.

R.E.D. 2 hat einen sehr unklaren Plot, der ohne große Gefahren auskommt, selbst der Tod einer Hauptfigur ist nur momentan tragisch, danach dödelt alles so vor sich hin. Auch Folterszenen sind hier nicht ganz ernst zu nehmen, Mary-Louise Parker wechselt bisweilen schmerzhaft in die Farce, und immer wieder ist man als Zuschauerin verwirrt.

Spy hat einen klaren Plot, die Action hat Gewicht und ist trotzdem komisch, wenn sie es sein darf, und es gibt nur wenige Momente, die nicht klar unterscheiden können. Verwirrt ist man hier nie.

Einzig Melissa McCarthys Sprache ist für mich gewöhnungsbedürftig. Ich finde Beschimpfungen nicht witzig und Figuren, die ständig beleidigen, auch nicht sympathisch. Darum fand ich sie z.B. in Bridesmaids eher unerträglich (geht mir übrigens auch so mit Zach Galifianakis). Diese Komik ist nicht meine, weshalb ich aber Spy trotzdem noch gut anschauen kann, ich zucke nur bisweilen zusammen, weil es mir zu weit geht. Genieße aber, dass der Mittelfinger in die richtige Richtung geht.

Bei R.E.D. 2 gibt es keinen Mittelfinger. Dazu fehlt die Kraft. Alles ist dumdidelei Plätscherei, es passiert und ist halbwegs nett gemacht. Niemand ist in Gefahr, einen Infarkt zu erleiden. Fast wirkt es, als seien die alten Stars doch nicht mehr so aktiv und fähig, wie der Film suggeriert. Darum muss der vergleichsweise junge Lee Byung-Hun auch die heftigsten Actionszenen bestreiten.

Also: R.E.D. 2 ist halbwegs okay mit teilweise blödem Frauenbild und mit grober Aussage, Spy ist pointiert und witzig, aber teilweise brachial. Wirklich empfehlen kann ich nur Susan Cooper Undercover.